Mangel an Regenjacken und kleine Pausenräume - Gorillas-Fahrer protestieren erneut für bessere Arbeitsbedingungen

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Video: rbb|24 | 02.07.2021 | Autoren: Grit Lieder, Camilo Toledo | Bild: rbb

Die Probleme beim Lieferdienst Gorillas mit Teilen seiner Belegschaft dauern an. Mitarbeiter des Unternehmens protestierten am Mittwoch in zwei Berliner Bezirken erneut gegen schlechte Arbeitsbedingungen. Dieses Mal richtete sich der Groll gegen die Arbeitskleidung, die nicht wetterfest sei, sowie gegen zu kleine Pausenräume.

Gorillas-Fahrerin: "Regenjacken sind sehr schmutzig"

Rund 30 "Rider", so nennen sich die Fahrer von Gorillas, legten vor dem Lagerhaus in der Muskauer Straße in Kreuzberg am späten Abend die Arbeit nieder. Sie forderten vor allem wetterfeste Regenkleidung für ihre Kolleginnen und Kollegen in der Filiale in Pankow. Doch auch sie selbst hätten Probleme bei Regen und Unwetter.

"Regenjacken und Regenhosen gibt es hier zwar, aber sie sind sehr schmutzig. Wir möchten sie nicht tragen, aber wir müssen", sagte Fahrerin Zehra gegenüber rbb|24. Außerdem gebe es die Kleidung nicht in allen nötigen Größen. Zehra ist Mitglied des "Gorillas Workers Collective", eine Gruppe, die sich nach eigenen Angaben für die Rechte von Gorillas-Mitarbeitern einsetzt und vor allem in sozialen Medien sehr aktiv ist.

Am Nachmittag hatten bereits mehrere Fahrerinnen und Fahrer vor dem Gorillas-Lagerhaus in der Elsa-Brändström-Straße in Pankow ihre Arbeit wegen ähnlicher Gründe zeitweise niedergelgt, wie der Tagesspiegel berichtete.

Pausenräume sind zu klein und dunkel

Im Lagerhaus in Kreuzberg gibt es laut der Fahrerin Zehra noch ein weiteres Problem: die Pausenräume. Diese seien zu klein und dunkel. "Dort können wir die Corona-Abstandsregeln nicht einhalten. Das Lagerhaus ist dafür einfach nicht groß genug", sagte sie.

Zehra ist nach eigenen Angaben Lehrerin, die zum Weiterstudieren nach Deutschland kam. Viele Jobs habe sie nicht bekommen, weil sie kein Deutsch spreche. "Ich weiß, dass hier immer Leute arbeiten, die kein Deutsch sprechen aber Geld brauchen", sagte Zehra.

Anwohner in Kreuzberg fühlen sich durch Gorillas-Fahrer gestört

Einige Stunden vor dem Streik der Fahrer war es vor dem Lagerhaus bereits zu einer Protestaktion gekommen. Dabei richtete sich der Protest gegen die Fahrer. Anwohner aus dem Kiez beschwerten sich darüber, dass die Kuriere beim Warten auf den nächsten Auftrag oder beim Pausieren vor dem Lagerhaus warteten und störten.

Sebastian Hofer kritisierte, dass anfangs Müll auf dem Hinterhof geschmissen worden sei. "Als das Problem geklärt war, gab es Probleme mit der zu lauten Klimaanlage und dem Lieferverkehr", sagte Hofer: "Man hat das Gefühl, sobald ein Problem verschwindet, ploppt ein neues auf." Die Gorillas-Beschäftigten vor Ort widersprachen den Vorwürfen.

7 Kommentare

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  1. 7.

    Es sind ja nicht nur oder gar kaum Studenten, die so ihr Leben hier ermöglichen. Man lockt immer mehr Menschen in diese Stadt und wird der Lage nicht Herr. Was ich so erlese erinnert mich an Zeiten, die wir in der Schule erklärt bekommen hatten. Stinkender Kapitalismus. Stinkend wie die verdreckte Regenkleidung.Wer ist denn Kunde dieses Unternehmens ? Ältere Menschen, die nicht mehr selbst einkaufen könen oder Bequemtypen, die gerade eine Party geben und der Schnaps oder die Zigis ausgegangen ist ? Die Fahrer sind auf den miesen Lohn angewiesen. Wer hat dieses Gewerbe in der Art genehmigt ? Die sollten unbedingt diese Tätigkeit mindestens ein Jahr ausüben. Von-20° bis + 40°C.

  2. 6.

    Danke Alexander. So denke ich ich auch, wenn ich Nina dies auch anders interpretiert hat.

  3. 5.

    Ich glaube nicht das die Mehrheit kleinlich ist, sie ist sogar sehr tolerant. Aber von den hierhergezogenen muss auch mehr Initiative kommen. Von den Mitarbeitern die hier bei mir im Kiez liefern spricht kaum jemand Deutsch. Unverständlich . Und richtig sollen sie ruhig noch ein paar Wochen streiken so sind die Straßen wenigstens ein wenig sicherer.

  4. 4.

    Sehe ich auch so , das Geschäftsmodell führt zur letzten vollständigen Faulheit der Menschen auf den paar hundert Metern zum Supermarkt … und es wird sich nie finanziell tragen. Jedoch wer da arbeitet weiß im Vorfeld worauf er sich einlässt jetzt immer zu jammern bringt nichts - Konkurrenz sucht auch ständig Fahrer. Hier muss Berlib härter regulieren, und bei solchen Geschäften müsste eine Fahrrad Steuer erbracht werden vom Unternehmen. Die öffentlichen Fahrradwege sind hier dienstlich- vll in vorm einer Fahrradmaut…

  5. 3.

    Das Erlernen einer Sprache dauert lange. Sie müssen in der Zwischenzeit arbeiten.. die passiv-aggressive Haltung gegenüber "Nicht-touristen" klingt sehr kleinlich. Menschen, die neue Länder, Kulturen und Sprachen erkunden, sind mutig. Es gibt einem tatsächlich ein besseres Gefühl, nett und integrativ zu sein. Versuch es manchmal ;)

  6. 2.

    Komisch. Wenn Icch in ein anderes Land gehe um dort zu arbeiten, muss ich die Landessprache beherrschen um Genehmigungen zu beantragen, ne Wohnung zu mieten, mich zu verständigen usw. Ich frage mich, warum hierzulande die Sprache so unwichtig erscheint. Ich verstehe und spreche die englische Sprache ziemlich gut und würde nie, außer es seien Touristen, jemandem auf englisch antworten, wenn derjenige hier lebt. Ich frage dann, ob der Fragende Tourist ist. Wenn ein Nein kommt, spreche ich in unserer Sprache weiter. Fertig. Und wer bei den Gorillas arbeitet, sollte das Kleingedruckte gelesen haben. Freies Land, freie Wahl der Arbeit.

  7. 1.

    Weniger aggressive Kampfradler auf den Gehwegen - wegen meiner können die ruhig länger streiken. Eben musste ich allerdings einem ausweichen.

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