Schwierige Lage für Hotels nach Neustart - Die meisten Betten bleiben leer

Ein eingedeckter Tisch in einem Hotel. (Quelle: dpa/Matthias Bein)
Bild: dpa/Matthias Bein

Bereits seit mehreren Wochen dürfen die Berliner Hotels wieder für Touristen öffnen. Doch die Gäste strömen nicht gerade scharenweise herbei. Die Nachfrage ist verhalten und die Branche ist besorgt. Von Sabrina Wendling

Im Hotel Almodóvar in Friedrichshain klimpert wieder das Besteck im Frühstücksraum. Mehrere Monate gab es hier eine kulinarische Zwangspause. Jetzt verteilen sich am frühen Vormittag Pärchen und Alleinreisende mit sicherem Abstand auf Sitzbänken und Holzstühlen in dem großen, hellen Raum. Auf dem Buffet warten Waffelteig, Wassermelone und vegane Würste.

"Ich bin wirklich erleichtert", sagt Geschäftsführerin Alexandra Müller-Benz. "Endlich geht es wieder los, aber von der normalen Belegung sind wir weit entfernt." In Prä-Corona-Zeiten gab es im Almodóvar immer internationales Stimmengewirr. Jetzt wird praktisch nur noch Deutsch gesprochen. 85 Prozent der Gäste kommen aus dem deutschsprachigen Raum; die Geschäftsführerin hat nachgezählt. "Die ausländischen Gäste halten sich wegen der Quarantänebestimmungen noch stark zurück", sagt sie.

Es fehlen Geschäftsreisende

Und so sind die Buchungen recht verhalten. Die Hotelbetten sind durchschnittlich zu 25 Prozent ausgelastet, an den Wochenenden etwas stärker. Das entspricht ziemlich genau dem Berliner Schnitt.

Im Juni waren berlinweit 26,2 Prozent der Hotelbetten belegt. Vor zwei Jahren, als Corona noch weit entfernt schien, waren die Betten zu 83,3 Prozent ausgelastet. "Katastrophal" nennt das der Geschäftsführer des Berliner Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA), Thomas Lengfelder. "Die Berliner Hotellerie hat immer gelebt von Messe- und Geschäftsreisenden sowie von Städtetouristen", sagt Lengfelder. "Doch all das ist gerade nicht sehr gefragt."

Einen Boom erleben dagegen Nord- und Ostsee, auch Spreewald und Lausitzer Seen sind gerade stark gebucht. Im Schnitt steht jedoch auch Brandenburg nicht viel besser da als Berlin bei der Belegung der Hotels. Im Juni waren sie zu 32,6 Prozent belegt – im Juni vor zwei Jahren lag die Auslastung noch bei 73,3 Prozent. "Tagungshotels in Potsdam, Cottbus oder Frankfurt an der Oder stehen vor den gleichen Problemen wie die Berliner Hotels", sagt Brandenburgs DEHOGA-Präsident Olaf Schöpe. "Uns fehlen auch die Geschäftsreisenden."

Branche hat viele Mitarbeiter verloren

Die Geschäftsreisenden vermisst auch Alexandra Müller-Benz in Friedrichshain. Normalerweise vermietet sie neben Hotelzimmern auch Konferenzräume für Firmenmeetings. "Wir durften ja erst kurz vor den Sommerferien wieder öffnen, da sind viele Mitarbeiter natürlich im Urlaub", sagt die Geschäftsführerin. "Die Unternehmen brauchen Vorlauf, um Konferenzen zu planen, wir hoffen also, dass uns der Herbst ein paar Geschäftsreisende zurückbringt."

Wie die gesamte Hotel- und Gastrobranche leidet auch das Almodóvar unter Personalschwund. 20 Mitarbeiter waren es vor der Pandemie, davon sind jetzt noch zehn geblieben. Einige der Beschäftigten aus aller Welt sind wegen Corona zurück in ihre Heimat gereist, um bei ihren Familien zu sein, andere haben die Branche gewechselt.

"Nochmal Lockdown wäre absurd"

"Die Flexibilität, die unsere Branche gerade leistet, ist immens", sagt Alexandra Müller-Benz. "Es wäre wirklich schön, ein bisschen ruhigeres Fahrwasser zu haben." Die psychische Belastung für die Mitarbeiter sei enorm und sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen zu müssen, sei für alle kräftezehrend.

Deshalb wünscht sich die Geschäftsführerin des Hotels mehr Weitsicht von der Politik: Sie hofft, dass man gelernt hat aus anderthalb Jahren Pandemie, und dass man nicht erst im Herbst anfängt, über den Herbst nachzudenken. Wie auch der Hotel- und Gaststättenverband sorgt sich Alexandra Müller-Benz, was die Virusvarianten für die Hotels bringen. Dass es erneut einen Lockdown geben könnte, will sie sich gar nicht vorstellen: "Angesichts der Impfungen erscheint mir die Idee eines nochmaligen Lockdowns auch absolut absurd."

Im Almodóvar hofft man jetzt erst mal noch auf einen guten Juli und August. Immerhin ist in die Lobby wieder Leben eingekehrt. Das nächste Pärchen zum Check-in wartet schon am Tresen.

Sendung: Inforadio, 12.07.2021, 07:00 Uhr

Beitrag von Sabrina Wendling

14 Kommentare

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  1. 14.

    Tja,

    wie mal ein Trucker über Funk formulierte: Berlin ist eine Reise wert....und wenn es die Rückreise ist!

    In diesem Sinne

  2. 13.

    Dem kann ich nur zustimmen... es wird eher noch schlimmer werden.
    Mein Vermieter möchte ab Oktober 700€ mehr Ladenmiete....ichcfrag wovon der Nachts träumt.
    Es wird mehr leere Läden geben...

  3. 12.

    Es ist vorbei, der Trend liegt eindeutig: Ferienwohnung, Ferienhaus oder Ausland. Das Internet machts möglich, Preisvergleiche obendrein. Die von allen herbeigebetete Globalisierung machts möglich. Hotelfachkräfte könnten auch in andere Branchen umlernen/umschulen. Man braucht überall Personal.

  4. 11.

    Das war hier größenteils an Ballermann-Touris die letzten Jahre ankam, vermisst die ein Berliner?

  5. 10.

    das wäre tatsächlich die richtige Literatur, aber ich gehe mal davon aus das Müller & Co andere Dinge im Urlaub machen ;-)

  6. 9.

    Nunja, jetzt mal ganz ehrlich, was sollte man in Berlin aktuell auch machen wollen als Touri? Viel ist da ja nicht. Also ist klar, bleiben die Leute weg. Ganz ehrlich, würde ich auch machen! Durch ne Stadt schlendern kann man auch gut woanders. Berlin hat und das muss man auch eindeutig sagen, seinen Flair aus alten Tagen längst verloren. -LEIDER- (für mich ist Berlin keine Reise wert)

  7. 8.

    Einfach mal aufwachen aus diesem Traum, daß alles so wieder wird wie vorher. Es ist eine Pandemie die WELTWEIT einzudämmen ist, so lange das nicht möglich ist wird es logischerweise weniger Nachfrage geben.

  8. 7.

    "Angesichts der Impfungen erscheint mir die Idee eines nochmaligen Lockdowns auch absolut absurd."

    Mir nicht. Die Politik arbeitet bereits seit Wochen darauf hin.
    So richtig will das nur niemand sagen, schließlich sind Wahlen.

    Aber - auch wenn ich es wiederhole - allein die Anhebung der Werte zur Herdenimmunität auf praktisch unerreichbaren Werten ist ein eindeutiger Indiz.

  9. 6.

    Da ist doch ein tolles Buch erschienen: "Sanierungsfall Berlin". Autor ein FDP Bundestagsabgeordneter. Das wäre doch Urlaubsliteratur für den RRG-Senat und Genossen Müller.

  10. 5.

    Sie machen sich das etwas einfach.
    Schon mal darüber nachgedacht das viele Arbeitsplätze dardurch verloren gehen.
    Hauptsache etwas schreiben ohne Sinn und Verstand.
    Es gibt ca. 800 Hotels in Berlin , das ist doch nicht viel.
    Übrigend Peking hat 3500 Hotels, aber gut , wir sind ja nicht in Peking.
    Erst informieren dann schreiben fürs nächstemal.

  11. 4.

    Es gibt eh viel zu viele hotels in Berlin. Die letzten Jahre wurde doch gefühlt jede 2. Baulücke mit einem gefüllt. In Wohnungen umwandeln und fertig. Bringt der Gesellschaft eh mehr.

  12. 3.

    Das liegt an der Unberechenbarkeit der Politik.
    Wer weiss was die Politiker in den nächsten Stunden beschliessen - vielleicht ein neuer Lockdown? Was passiert dann mit den Hotelreservierungen oder denen die gerade ihren Hotelaufenthalt begonnen haben? Keiner hat Lust mit dieser Ungewissheit etwas zu planen - ich genauso wenig. Da warte ich lieber noch ein paar Jahre und spare das Geld.

  13. 2.

    Tja, vielleicht sind die Preise in Berlin und Brandenburg auch nur unanständig teuer? Berlin will ein 5 Sterne Restaurant sein, gebärdet sich insgesamt aber als Frittenbude. Ich denke mal, dass vor allem die unsicheren Zeiten in Corona ein Übriges dazu tun und Berlin an Anziehungskraft vielleicht etwas verloren hat, aber dennoch nie wirklich ein Magnet sein konnte.

  14. 1.

    Der Lockdown hat ein viel zu lange gedauert. Gerade Hotels waren ja die letzten wo man über Lockerungen überhaupt nachgedacht hat.
    Dazu kommt noch das sämtliche Großveranstaltungen und Messen die ja Touristen in die Stadt bringen abgesagt wurden.
    Der Senat von Berlin hat ganz bewusst eine sehr Branchenschädliche Politik betrieben und macht es immer noch.
    In Berlin wird es nie wieder so sein wie es mal war. Ganze Strassenzüge sind völlig verwahrlost und die Geschäfte haben zu gemacht.

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