Berliner Taxiinnung begrüßt Senatsförderung - Begeisterung fürs elektrische Kutschieren

Archivbild: Elektro-Fahrzeuge des Sammeltaxi-Anbieters Moia stehen auf einem Betriebshof. (Quelle: dpa/M. Brandt)
Audio: Inforadio | 05.07.2021 | Thomas Rautenberg | Bild: dpa/M. Brandt

Knapp 7.000 Taxen sind auf Berlins Straßen unterwegs, aber rein elektrisch fährt nicht einmal eine Handvoll. Das soll sich ändern: Der Senat will die Umstellung der Taxi-Flotte mit viel Geld fördern. Die Taxiinnung ist begeistert. Von Thomas Rautenberg

Wolf Feja kommt aus dem Schwärmen nicht raus. Seit 42 Jahren ist er mit seinem Taxi unterwegs. Die meiste Zeit war es ein Diesel, doch jetzt hat er - probeweise - seine ersten Schichten im Elektro-Testauto gemacht. Die Taxi-Innung hat das Fahrzeug gekauft und stellt es den Unternehmern für Schnupperschichten zur Verfügung. Eine Supererfahrung sagt Feja: "Der Wagen ist sehr leise und das ist auf Dauer schon eine tolle Sache, wenn man zehn bis zwölf Stunden am Tag hinter dem Steuer sitzt."

Und Feja hat, wie er sagt, natürlich auch die Umwelt auf dem Schirm. Man müsse doch die Luft nicht mit Abgasen vollblasen, wenn es Alternativen gebe, erklärt der Taxi-Unternehmer.

Eine Sache des Geldes

Außerdem kann Wolf Feja rechnen. Rund 60.000 Kilometer mache er im Jahr, erklärt der Taxifahrer. Die Kraftstoff- und Werkstattkosten für den alten Diesel müsse man dabei immer auf dem Zettel haben: Ölwechsel, Bremsbeläge und so weiter - das kostet alles.

Auch beim Elektrofahrzeug kämen natürlich irgendwann die Bremsen. Öl aber? Das braucht man nicht mehr, wie er erklärt. Für die Abrechnung bleibt also zunächst fast nur der Strom an der Ladesäule. 100 Kilometer mit dem Elektrowagen kosten ihn im Moment knapp zehn Euro, wie Feja mit seiner Lade-App vorrechnet. "Da kann man doch nicht meckern", sagt er. Er ist überzeugt.

Fördermittel vom Senat

Wer künftig sein Altfahrzeug gegen ein Taxi mit reinem Strom- oder Wasserstoffantrieb eintauscht, kann Fördermittel aus dem neuen Senatsprogramm bekommen. 25 Prozent des Netto-Neuanschaffungspreises sind nach diesem Programm förderfähig. Hinzu kommt noch die Umweltprämie, die es beim Fahrzeugtausch gibt. Zusammengerechnet heißt das: Mit maximal 15.000 Euro Zuschuss können die Berliner Taxi- Unternehmer rechnen.

Das ist eine Menge Geld, betätigt Berlins Taxi-Innungs-Chef Leszek Nadolski. Ein Tesla beispielsweise wird schon für 31.000 Euro netto angeboten - Lieferzeit allerdings erst Ende des Jahres. Bei dieser Fördersumme beginnen viele Kolleginnen und Kollegen nun ganz ernsthaft zu rechnen, wie Nadolski erklärt: "Das könnte ein Quantensprung bei der Umstellung der Berliner Taxi-Flotte werden."

Umstellung nicht von heute auf morgen

Knapp 7.000 Taxen fahren in Berlin. Jährlich werden davon rund 500 Fahrzeuge getauscht. Wenn alle Unternehmen zu 100 Prozent mit dem nächsten Neufahrzeug auf Stromer umsteigen würden, dauert es immer noch deutlich mehr als zehn Jahre, bevor die alten Taxen mit Verbrennungsmotor verschwunden sind. Doch nicht alle Unternehmen wollen auf Elektroantrieb umstellen, so Nadolski. "Viele sind sehr konservativ, sie sehen vor allem mögliche Probleme."

Ladesäulen sind das Nadelöhr - Taxis brauchen schnell Strom

Wie viele der neuen Fahrzeuge künftig rein elektrisch betrieben werden, hängt natürlich auch von der Zahl der Ladesäulen ab, die zur Verfügung stehen. Nach Angaben der Berliner Agentur für Elektromobilität ist die Zahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte in der Stadt von knapp 200 im Jahr 2014 auf inzwischen rund 1.700 gestiegen. In Brandenburg hat sich die Zahl der Ladesäulen im gleichen Zeitraum von 18 auf jetzt knapp 200 erhöht.

Das Taxi-Gewerbe ist allerdings auf sogenannte Schnellladesäulen angewiesen. Davon gibt es in Berlin derzeit nicht einmal 200 und im Flächenland Brandenburg sogar nur 146. Da müssen sich unbedingt etwas tun, sagt Taxi-Innungschef Leszek Nadolski: "Stundenlang herumstehen und die Batterie laden, kann sich kein Fahrer leisten. Der Senat steht im Wort, bei der Ladeinfrastruktur nachzubessern."

Wolf Feja jedenfalls, der seit 42 Jahren Taxi fährt, könnte sich erstmals vorstellen, wirklich auf ein Elektrofahrzeug umzusteigen. Wenn die Förderung für einen vollelektrischen Neuwagen tatsächlich so kommt wie angekündigt, dann werde sein nächstes Auto ein Stromer sein, ist sich Feja sicher. An diesem Mittwoch (7. Juli) wird die Berliner Taxi-Innung gemeinsam mit dem Senat über die Umsetzung des Förderprogramms und über den Ausbau der Ladeinfrastruktur in der Stadt beraten.

Sendung: Inforadio, 05.07.2021, 17 Uhr

Beitrag von Thomas Rautenberg

47 Kommentare

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  1. 47.

    Auch für angestellte Taxifahrer gibt es ein Arbeitsschutzgesetz welches immer stärker kontrolliert wird. Ist ja bei den FiskAltaxameter viel einfacher geworden.

  2. 46.

    Auch für angestellte Taxifahrer gibt es ein Arbeitsschutzgesetz welches immer stärker kontrolliert wird. Ist ja bei den FiskAltaxameter viel einfacher geworden

  3. 45.

    und nocheine Korrektur:
    "können die nicht als stationärer Stromspeicher " muss heißen "können die noch als stationärer Stromspeicher "

  4. 44.

    Ich informiere mich halt nicht nur an Verbrennerstammtischen.
    Korrektur dabei: Es sind rd. 3.800 Liter
    https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/tesla-akkus-wenn-elf-avocados-umweltschaedlicher-als-eine-e-auto-batterie-sind/25291904.html

    Dort finden Sie auch eine Abschätzung zur Lebensdauer wie auch die gemessene Degradation vonTraktionsbatterien nach mehreren 100.000 km oft nur wenige Prozent beträgt. Nach dem Autoleben können die nicht als stationärer Stromspeicher eingesetzt werden.

    Größte Krux ist halt die Ladeinfrastruktur. Da haben die Verbrennerlobby und Frau Günther hier in Berlin gute Arbeit geleistet und das massiv eingebremst.

  5. 43.

    Jo klar, die Zukunft ist der Umweltverbund. Leider schafft der nicht alles. Für den Rest braucht es Elektroautos.

  6. 42.

    Sehr geehrter Herr Neumann, das ist doch prima dann sterben die Leute jetzt wenigstens für eine gute Sache. Sie sollten sich auch einmal Gedanken machen wenn alle Leute die Verbrenner fahren jetzt auf Elektroautos umrüsten wie das funktionieren soll. Wahrscheinlich haben sie da auch eine Antwort parat.

  7. 41.

    Sehr geehrter Herr Neumann, gut sie haben recht und ich habe Unrecht. Vielleicht fühlen sie sich ja mir überlegen, ich frage mich wo haben sie die Zahlen her zweieinhalbtausend Liter für ein Autoleben und wie lange ist für sie ein Autoleben?

  8. 40.

    Keine Angst! Auch E-Autos haben eine "Tankanzeige". Zudem verlassen die nur selten das Stadtgebiet, auch wenn Günther die Verbrennerlobby u.a. mit dem verschleppten Tram-Ausbau, der homöopathischen Ausweisung versprochen Busspuren, dem Nichtbau von Radwegen und dem Quasi-Stopp des Ausbaus der Ladeinfrastruktur unterstützt. Gegen letzteres hilft der eigenen Ladepunkt auf dem Betriebshof wie auch immer mehr Ladepunkte auf privatem, aber öffentlich zugänglichem Grund entstehen.

  9. 39.

    Der Verbrenner-MIV hat allerdings erst Recht keine Zukunft, auch wenn Frau Günther hart daran arbeitet, dass die Luftverpester weiterhin Ausreden gebrauchen können, die Stadt zu verlärmen. Und wenn das nicht reicht, ist das Erdöl (2-5 Liter Wasserverbrauch je Liter, bis es in Ihrem Tank landet) harmlos gegenüber dem Lithium (2.500 l Wasser für ein Autoleben und mehr).

  10. 38.

    Hr.Adrian,auch eine sehr überlegte Antwort von Ihnen. Einfach eine Frage mit einer Gegenfrage beantworten und schon ist das Problem aus der Welt. Das hatte ich auch nie behauptet falls Sie richtig gelesen haben. Aber wer genau überlegt kommt zu dem Schluss dass reine Elektrofahrzeuge nicht die Lösung sein können für die Zukunft.

  11. 37.

    Lithium? Das ist doch das Metall, dass z,B. auch in jedem Handy zu finden ist und bergmännisch u.a. in Australien gewonnen wird. Auf Arte gab es vor einiger Zeit eine interessante Doku: Das sind die Menschen an Krebs gestorben und dern Brunnen sind versiegt - lange vor dem E-Auto.

    Ihr Hybrid baucht sein ganzes AUtoleben Treibstoff aus Rohöl. Das wird in fragwürdigen Umständen z.B. in Nigeria gefördert, kommt als Teersande aus borealen Wäldern Kanadas oder zukünftig auch aus dem norwegischen Teil der Ardis. Die Ölfelder dort lassen sich dank des Klimawandels leichtert erschließen.

    Dem gegen über stehen einmaligg ein paar kg Lithium, welche nach zig Jahren recycelt werden könnte.

  12. 36.

    Ich bin ja Hybridfahrer und denke es sollten solche Mischfahrzeuge auch noch gefördert werden da man mit diesen Fahrzeugen einfach sicherer unterwegs ist wenn dann mal keine freie Stromsäule da ist und der zeitliche Faktor.
    mfg Christian

  13. 35.

    Ja, Hr.Neumann stimmt, falsches Wort benutzt. Lithium ist das richtige, was ich bei ihrem Vorwurf nicht verstehe ist folgendes, rechtfertigt die eine Umweltzerstörung die andere?
    Außerdem fahre ich wie geschrieben einen Hybrid.

  14. 34.

    Die Batterien sind erheblich komplexer als die einer Taschenlampe. Viele einzelne Zellen werden zu einer Batterie zusammengeschaltet. Dazu kommt das herstellerspezifische Know-How Das betrifft z.B. die Temperierung der einzelnen Zellen wie auch deren Ansteuerung, die auch von deren Zusammensetzung abhängt etc. Der Tausch funktioniert deshalb nur innerhalt eines Modelles, zumal jeder Batteriekasten auch noch andere Abmessungen hat.

  15. 33.

    Bisher sind wir noch Netto-Stromexporteur wie auch die EE weiter ausgebaut werden. Geheimhaltung wird eher aus einer anderen Ecke.

  16. 31.

    Das letzte Mal als ich gekuckt hab war Deutschland noch ein Nettoexporteur beim Strom. Wenn Sie richtig bemerkt haben, dass die Ausbauziele der Bundesregierung für die Erneuerbaren nicht mit dem prognostizierten Strombedarf zu vereinen sind, können Sie ja im Herbst für jemand stimmen, der grade nicht an der Regierung ist.

  17. 30.

    Mich stört lediglich die Heuchelei bei der E-Mobilität. Wir schaffen Atom- und Kohlestrom aus Umweltgründen ab, und kaufen dann diesen Strom aus dem Ausland zu. Wenn die Nachfrage aus Deutschland steigt und davon ist erstmal auszugehen, werden dort die Kapazitäten erhöht um den entsprechenden Gewinn mitzunehmen. Damit ist Niemanden geholfen, aber Hauptsache der Deutsche fühlt sich überlegen und als Klimaretter.

  18. 29.

    Hoffentlich werden nicht nur das Taxi-Gewebe, sondern auch gute Alternativen wie z.B. UBER unterstützt und MOIA noch einmal zurück geholt. Wettbewerb erzeugt Innovation. Dann könnte man auch das sehr starre Busangebot der BVG in der Stadt reduzieren bzw. gegen ein passgenaueres Angebot austauschen.

  19. 28.

    Ich habe da mal eine ernstgemeinte Frage zu E-Autos. Also in der EU wird ja jeder "Schiet" genormt. Warum dann keine genormten Wechselakkus für Stromer? Die unterschiedlich benötigten Kapazitäten könnten doch durch die Anzahl der Wechselakkus erreicht werden. Stelle mir das so vor, Ladekontrolle ist "unten", zur nächsten "Tanke", rauf auf die Grube, Akkus wechseln lassen, Obolus entrichten und weiter gehts. Der Zeitaufwand dürfte deutlich geringer als beim herkömmlichen Laden sein. Da der Akku ja recyclingfähig ist, dürfte sich der Preis für einen frisch Geladenen im Rahmen halten, dazu die Kosten für die Strömlinge - unterm Strich aber keinesfalls mehr Kosten wie für einen Tankstop beim Verbenner. Umweltschutz könnte sich auch der Staat mal was kosten lassen. Dauerhafte Steuerbefreiung für Stromer, halber Preis bei Parkraumbewirtschaftung, zentral gelegene "E-Parkhäuser", höhere Kilometerpauschale oder so'ne "Gimmiks".

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