Rührei aus Tofu, Speisekarten aus Graspapier - Größtes rein veganes Hotel in Deutschland eröffnet in der Prignitz

Die Burg Lenzen ist seit 1993 der Sitz des Bundes für Naturschutz Deutschland BUND. Das Burghotel wurde schon 2007 als Biohotel zertifiziert. (Quelle: rbb/Britta Streiter)
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Immer mehr Menschen bevorzugen einen nachhaltigen Lebensstil. Auch Hotels und Restaurants folgen dieser Entwicklung. In Lenzen in der Prignitz öffnet jetzt Deutschlands größtes rein veganes Hotel. Von Britta Streiter

Das Storchenpaar mit den drei Jungen im Nest am Eingang der Lenzener Burg bekommt nur wenig vom Trubel um sie herum mit. Hier und da pinselt der Maler noch an den Wänden, Terrasse und Park werden auf Vordermann gebracht, und in der Küche testet Chefkoch Jonathan Gebhardt Gerichte, die auf die Speisekarte kommen sollen: "Ich koche gerade ein Geschnetzeltes aus Seitan mit Kräuterseitlingen und Zwiebeln, und das löschen wir gleich mit Weißwein ab."

Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass das Burghotel wieder durchstartet – mit einem innovativen, nachhaltigen Konzept. Seit 2007 war es schon als Biohotel zertifiziert. Der neue Betreiber Jonas Mog, gebürtiger Schwabe, ist erst 27 Jahre alt. Er hat bereits für Hotels in Berlin und Dresden, aber auch in Österreich und auf den Seychellen gearbeitet. Auch zwei Hotel-Neueröffnungen hat er begleitet. Für Lenzen hat er eine neue Marke gegründet: Ahead- Hotel ist auf einem Schild am Eingang zu lesen.

Lange Tage für den Hotelchef

"Ahead, auf Deutsch voraus, heißt, dass wir in bestimmten Dingen, zum Beispiel bei der Nachhaltigkeit und Ernährung, Vorreiter für andere Hoteliers und Gastronomen sein und dafür werben wollen, einen pflanzlichen und achtsameren Weg einzuschlagen", so Jonas Mog. Das soll überall zu spüren sein. Auf jedem der rund 40 Zimmer gibt es eine Yogamatte. Das Teehaus im Park steht offen für Yoga- und Mediation, es werden auch Kurse angeboten.

Über wenig Nachfrage kann sich der junge Hotelchef nicht beklagen: "Die Leute riefen schon vor zwei Wochen an und wollten Tische bestellen, auch die Zimmer sind schon ganz gut gebucht. Heute hat das Telefon den ganzen Tag geklingelt." Lenzen und Umgebung konnte Jonas Mog allerdings noch nicht wirklich erkunden, denn sein Arbeitstag beginnt zur Zeit um 9 Uhr und endet meist gegen Mitternacht.

Speisekarten aus Graspapier

Einen besseren Standort hätte der 27-Jährige nicht finden können: "Wir haben uns nach einem Ort umgeschaut, wo die Natur schön und der gut gelegen ist. Wir sind hier genau in der Mitte zwischen Hamburg und Berlin. Das ist für unsere Zielgruppe, also die Gäste aus der Stadt, ein enormer Vorteil. Die können gut mit Auto oder Zug anreisen", so Mog. "Ich glaube, dass der Urlaub in Deutschland inzwischen an Bedeutung gewonnen hat, und viele, die vorher vielleicht nach Mallorca geflogen sind, überlegen jetzt vielleicht, ob sie mal in die Prignitz fahren."

Wie ein roter Faden soll sich der nachhaltige Gedanke durch alle Bereiche ziehen, vom Keller bis zum Dach. Das geht beim Essen und den Getränken los, über die Ausstattung in den immern bis hin zu Freizeitangeboten. So sind zum Beispiel Shampoo und Duschbad rein pflanzlich, Speise- und Visitenkarten sind aus Graspapier, die Bluetooth-Boxen auf den Zimmern bestehen aus Kork und die Leihfahrräder aus Bambus. Wer das Toilettenpapier nutzt, fördert Projekte für Menschen, die bisher keinen Zugang zu Toiletten haben. Und wer das hoteleigene Wasser trinkt, unterstützt den Brunnenbau in Ländern, wo es kein sauberes Trinkwasser gibt.

Der neue Betreiber, Jonas Mog, vor dem Teehaus im Burgpark. Hier sollen künftig Meditations- und Yogakurse angeboten werden. Dafür wurde extra eine Yogalehrerin eingestellt. (Quelle: rbb/Britta Streiter)
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"Bei unserem veganen Konzept achten wir auf jedes kleine Detail. Das geht los beim nachhaltigen Holzleim, den wir für unsere Möbel nutzen bis hin zu Kissen und Decken, die natürlich mit Biobaumwolle und nicht mit Daunen gefüllt sind", ergänzt der Hotelbetreiber. "Wir versuchen aber, unsere Philosophie ohne erhobenen Zeigefinger zu vermitteln, sondern sehen das eher als Inspiration für die Gäste." So haben hier strenge Veganer nicht das Problem, dass sie jedes Mal nachfragen müssen, ob alles rein pflanzlich ist. Sie können hier unbeschwert Urlaub machen.

Der Chefkoch kocht Tofu-Rührei

Im gut fünf Hektar großen Burgpark findet man vor allem eins: Ruhe! Ab und zu flötet der Pirol oder es schwirrt ein bunter Eisvogel vorbei. Im Garten finden Besucher neben Kräutern auch historische Rosensorten. Aus Äpfeln, Birnen und Pflaumen von der Streuobstwiese werden Marmeladen fürs Frühstück hergestellt. Es ist ein Ort zum Entschleunigen. Überall stehen Liegen, und mit Hilfe von Hörtrichtern können die Gäste den Geräuschen aus der Natur lauschen. Durch den Park fließt die Löcknitz. Wer einen Ausflug auf dem Wasser unternehmen will, kann gleich vom Park aus ins Kanu steigen oder sich beim Standup-Paddling ausprobieren.

Chefkoch Jonathan Gebhard, der vorher in Schweden gearbeitet hat, freut sich auf neugierige Gäste, die vielleicht auch mal was anderes probieren wollen: "Hier wird niemand sein Frühstücksei vermissen, bei uns gibt es Tofu-Rührei, was dem normalen Ei schon sehr nahekommt". Der 29-Jährige nutzt zum Kochen Salbei, Rosmarin und Thymian, aber auch essbare Blumen aus dem Burgpark, und er arbeitet auch mit Gemüsebauern aus der Region zusammen.

Der Frühstückswintergarten im unteren Bereich kam erst in den vergangenen Jahren hinzu. (Quelle: rbb/Britta Streiter)
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Küche mit "gehobener Hausmannskost"

Der Küchenchef selbst isst Fleisch. Persönliche Vorlieben waren kein Einstellungskriterium, schmunzelt der langjährige Veganer Jonas Mog: "Das ist ein Vorteil. Denn wer Fleischesser von der veganen Küche überzeugen will, sollte den Geschmack von richtigem Fleisch schon kennen." Und Gebhardt fügt hinzu: "Auf der kleinen Speisekarte ist eine gehobene Hausmannskost zu finden, angepasst an die Lenzener, und das zu verträglichen Preisen. Zum Beispiel wird es Linsen- und Pilzgerichte geben, aber auch mal eine vegane Wurst aus Erbsenprotein." Die Küche soll weniger von Ersatzprodukten, sondern von innovativen Kreationen leben, einem Mix aus Bio- und regionaler Kost. "Zum Dessert kommen dann Sachen wie veganes Tiramisu, Cheesecake oder Eis auf den Tisch", so Gebhardt.

Lockeres Ambiente mit ätherischen Düften und Chillout-Musik

Das Burg-Team mit rund 20 Mitarbeitern setzt auf ein lockeres Ambiente. Dazu sollen auch Düfte aus ätherischen Ölen und Chillout-Musik beitragen, der Gast wird sogar geduzt: "Wir wollen keine steife Atmosphäre und keinen Luxus, der Besucher soll sich hier rundum wohlfühlen", betont Hotelchef Jonas Mog.

Der Prignitzer Tourismusverband unterstützt das Konzept und hofft, dass die Gäste es gut annehmen: "Wenn man in die Geschichte schaut, sind wir schon sehr fleischlastig. Unser 'Nationalgericht', der Knieperkohl, wird mit Kassler und Bauchfleisch angerichtet", erzählt Chef Mike Laskewitz. Aber auch die Prignitz wandelt sich, regionale Produkte sind auch hier auf dem Vormarsch. "Ich finde es super, dass es sowas jetzt bei uns im ländlichen Raum gibt", sagt der Tourismus-Chef.

Lenzener blicken unterschiedlich auf das Konzept

Touristen aus Hamburg und Berlin werden sicher kommen, die Frage ist, ob auch die Lenzener für die vegane Küche zu begeistern sind – in dem kleinen Städtchen gibt es zwei Fleischer, einen großen Rinderzuchtbetrieb, und um die 500 Schafe grasen hier auf den Weiden.

"Fleisch ist mein Gemüse, ich werde da sicher nicht hingehen", lacht ein älterer Lenzener. "Ob es die Lenzener einbinden wird, weiß ich nicht, aber wir müssen uns alle verändern, wenn wir die Klimakrise bewältigen wollen", sinniert eine Frau auf dem Burgvorplatz, und eine Spaziergängerin mit Hund macht den neuen Hotelbetreibern Mut: "Die Lenzener essen natürlich gerne Fleisch, ich selbst auch, aber ich werde es auf jeden Fall probieren. Man muss den Leuten doch auch eine Chance geben."

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Beitrag von Britta Streiter

56 Kommentare

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  1. 56.

    Haha immer wieder die gleiche Leier. Rühereitofu bliblablub
    Warum heißt es eigentlich Leberkäse, obwohl keine Leber noch Käse drin ist? Was ist mit ScheuerMILCH? Shit! Da ist ja gar keine Milch drin! Warum geht da die Milchlobby nicht auf die Barrikaden?

    Immer wieder wunderbar zu sehen, wie die Fleischesser nur durch das Wort vegan getriggert werden hah

  2. 55.

    LOL:-) Wie immer sehr treffsicher geantwortet. Da fällt mir doch glatt ein, gibt es vielleicht auch in diesem Hotel das Gericht“ Himmel und Erde“? LG.

  3. 54.

    Oki doki, dann Pommes nur in Belgien, in Westfalen nur Leberwurst, in Berlin gar nix (Trockensteppe), das wird ein magerer Speiseplan, ohne "fremde" Küche. Kartoffeln sind nämlich echt nicht deutsch, Reis nicht, Erdnüsse pipapo.

    Sojaanbau, um Tiere zu füttern wiederum lehne ich ab. Mehr Tier als eine Weide ernähren kann, braucht man nicht produzieren...

  4. 53.

    Tolle Idee! Hab mir gleich die Website des Hotels angesehen. Gefällt mir auch sehr gut. Und, falls das die Gemüter beruhigt, dort steht "Rührtofu". Hat alles seine Ordnung. ;-)

    Vielen Dank für den Artikel, und dem Hotel wünsche ich viel Erfolg! Allerdings wird es den unzweifelhaft auch ohne meine guten Wünsche haben. In Hamburg und Berlin finden sich viele aufgeschlossene Menschen, die gern ein paar Tage dort ausspannen werden.

  5. 52.

    Hinzu kommt, dass 50% des Getreideanbaus von den Tieren gefressen wird,!

  6. 51.

    Dieses mit Sicherheit schöne Hotel nicht aufsuchen zu wollen, nur weil sonst niemand aus Ihren Freundeskreis nicht diese Küche bevorzugt, finde ich schon etwas befremdlich. Ich bin kein reiner Vegetarier und gehe trotzdem mit meinem Bekannten immer wieder sehr gerne vegetarisch essen. Würde man mich in dieses Hotel einladen, würde ich nicht zögern und ja sagen. Schon um mal auszuprobieren wie all die Speisen schmecken.

  7. 50.

    Ich selbst esse ab und an gern vegetarische oder vergane Gerichte, habe aber keine weiteren Freunde oder Bekannte die gern so essen, von daher erde ich dieses Hotel nicht besuchen.

    Desweiteren mag ich es überhaupt nicht, wenn man Worte aus der Fleischbrühe nutzt.
    Entweder esse ich Leberwurst oder aber Pflanzenaufstrich. Vegetarische Leberwurst oder Tofu Rührei geht gar nicht. Warum muss man dies mit der ganz normalen Küche verbinden. Tofu istt Tofu.
    Auch mag ich Ersatzprodukte nicht, die braucht kein Mensch

  8. 49.

    Ob dieser Soja-Glibber aus Übersee so gesund für Mensch und Natur ist, wage ich zu bezweifeln.

  9. 48.

    1. Der Großteil davon ist Futtersoja für die Fleischproduktion. 2. Es gibt zunehmend Soja aus europäischer Produktion. 3. Als der Mensch jagte und sammelte, lebte auf der ganzen Erde nicht mehr als ein paar Millionen Menschen. 7 Milliarden kriegen Sie so nicht mal ansatzweise ernährt. Ob man das mag oder nicht, aber so ist es.

  10. 47.

    Ich glaube das wir beide uns verstehen. Und ja es stimmt, der Sojaanbau hat in den letzten 20 Jahren einen so gewaltigen Zuwachs erhalten. Auch dafür werden ganze Wälder vernichtet. Wo Sie gerade von guter Erdbeermarmelade schreiben, auch diese bekommen Sie schon noch, doch nicht im herkömmlichen Supermarkt. Das ist ja hier bei vielen Verbrauchern ein Problem. Sie haben weder Zeit noch das nötige Geld um sich mit wirklich gesunden Lebensmitteln einzudecken. Denn die gibt es. Man muß sie nur finden.

  11. 46.

    Ja, Soja ist Allergen, und darüber hinaus wird er von vielen Menschen schlecht vertragen, und bei Schüldrüßen - Krankenheiten soll er gemieden werden, weil er die Bildung von T3 behindert.
    Was den " Fleischersatz" Seitan betrifft, hier handelt es sich um reines Gluten, dem eigentlich ein schlechtes Image "angedichtet wird, wei er für viele Menschen ungesund sein soll.
    Wer sich Vegan ernähren will, der sollte sehr gut informiert sein, weil diese Ernährung bürgt mehr gafahren für den Körper, als bei "alles essenden ". Bei Kindern sollte eine Vegane - Ernährung ein Tabu sein.

  12. 45.

    Breaking News: Soja wird sogar in Deutschland und Österreich angebaut.

  13. 44.

    Mehr als 80 % des weltweit angebauten Sojas wird an die Tiere verfüttert, die Sie essen. An den Monokulturen sind also gewiss nicht Veganer schuld…

  14. 43.

    Sie kochen nicht vegan, allenfalls mal vegetarisch. Veganer verwenden nichts vom Tier. Weder beim Essen noch sonstwo. Aber egal. Im Grunde ist der Mensch ein Allesfresser. Übrigens, in den Kommentaren wird der Fisch total vergessen. Es ist nicht immer nur das Fleisch ;-)

  15. 41.

    Also, erst mal, das muss es natürlich nicht. Viele Ersatzprodukten tun es dennoch und man isst sie wenn man Lust auf eine Wurst hat für die kein Tier gelitten hat. Es gibt viele Gründe sich vegan zu ernähren und für viele ist es der ethische Aspekt. Viele mögen den Geschmack, können das aber mit sich selbst nicht vereinbaren Tiere dafür sterben zu sehen.

  16. 40.

    Stimme ihnen zu. Diese Lebensmittel kommen aus Asien und gehören auch dahin. Durch den veganen Hype in aller Welt werden in Asien in immer größerem Umfang Sojamonokulturen angelegt und diese Produkte natürlich nachhaltig um die ganze Welt verteilt.

  17. 39.

    Ich selbst esse nicht unbedingt vegan oder vegetarisch, sondern vor allem das, was mir schmeckt. Und mir schmeckt vor allem Gemüse, Obst, auch Tofu. Auch Nudeln, Kartoffeln, Pilze, Hülsenfrüchte usw. Deshalb eine Frage an die Veganer und Vegetarier: Warum muss das Essen nach Fleisch schmecken? Ich denke, genau das will man ja nicht, oder? Warum also vegane Wurst, veganes Schnitzel, Tofu, dass nach Rührei schmeckt? Hä? Passt für mich nicht zusammen. Wenn ich Fleischgeschmack haben will, dann esse ich Fleisch, wenn nicht, dann esse ich was anderes. Und das finde ich dann auch nachhaltiger. Ich glaube, Fleisch nachzuahmen ist eher kontraproduktiv, oder?

  18. 38.

    Bin kein Vegetarier und werde auch niemals einer werden.
    Ich würde es dennoch mal ausprobieren wollen.

  19. 37.

    "Deshalb einfach mal leben und leben lassen und sich unqualifizierte Kommentare sparen."
    Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung - jedoch gehören dann zum Fleischliebhaber keine Anführungszeichen. Ist die Sache mit der eigenen Nase.....

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