Ernteprognose des Deutschen Bauernverbandes in Nauen - Regen der vergangenen Wochen hat Getreideernte gut getan

Getreide auf dem Feld 2
Bild: Tony Schönberg/rbb

Die kräftigen Regenfälle lassen Bauern bei der Getreideernte vielerorts aufatmen. In Teilen Nordostdeutschlands hat die Hitze jedoch Schäden verursacht. Unter Niederschlägen gelitten hat dagegen das Getreide in der Uckermark.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat am Mittwochvormittag im brandenburgischen Nauen (Landkreis Havelland) seine Ernteprognose für 2021 vorgestellt. Danach sind die Landwirte in vielen Regionen zufrieden mit der Getreideernte.

Erwartungen fünf Prozent über dem Vorjahr

Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte, nach den ersten heißen Tagen des Jahres habe sich die Lage durch die Niederschläge der vergangenen Wochen entspannt. Anders sei die Lage in einigen Teilen von Norddeutschland. Dort habe die Hitze große Schäden verursacht, so dass mit unterdurchschnittlichen Erträgen zu rechnen sei.

Allgemein nähmen die Wetterextreme zu, mit regionalen Unterschieden, sagte der Präsident. Es gebe Trockenperioden, dann wieder massiven Regen und auch Hagelschauer.

In vielen Regionen rechneten die Betriebe allerdings "mit einer ordentlichen Ernte", hob Rukwied hervor. Erwartet wird demnach eine Ernte in Höhe von rund 45,4 Millionen Tonnen. Damit liegen die Erwartungen leicht unter dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 von 45,6 Millionen Tonnen - aber rund fünf Prozent über dem Vorjahresergebnis von 43,2 Millionen Tonnen.

Heiko Terno (l-r), Vize-Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, Dirk Peters, Geschäftsführer Agro-Farm GmbH Nauen und Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, stehen am 07.07.2021 nach einer Pressekonferenz zur Ernteprognose 2021 im Regen vor einem Mähdrescher. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Heiko Terno, Vize-Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, Dirk Peters, Geschäftsführer Agro-Farm GmbH Nauen und Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, im Bild rechts, der Pressekonferenz zur Ernteprognose 2021 im Regen vor einem Mähdrescher. | Bild: dpa/Patrick Pleul

Gleiche Fläche, andere Kulturen

Für die Herbstkulturen ist nach Angaben des DBV, der für seine Ernteprognose Umfragen unter den 18 Landesbauernverbänden zu ihren aktuellen Ertragsschätzungen auswertet, nun der weitere Witterungsverlauf in den Sommermonaten entscheidend. Derzeit zeigten sie sich "in einem guten Zustand", erklärte Rukwied.

Am Flächenumfang des Getreideanbaus in Deutschland hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum etwas geändert, wohl aber an der Zusammensetzung. Deutlich reduziert wurde die Fläche mit Sommerweizen (minus 36 Prozent) und die mit Sommergerste (minus 17 Prozent). Der Haferanbau stieg hingegen um knapp 16 Prozent an. "Beim Hafer scheint sich damit die gestiegene Rohstoffnachfrage widerzuspiegeln, die durch den verstärkten Absatz von Haferdrinks und ähnlichen Produkten entstanden ist", erklärte der Bauernverband.

Einbußen durch Wassermassen in der Uckermark

In der Uckermark stehe es in diesem Jahr hingegen schlecht um die Getreideernte. Das berichtete der Bauernverband des Kreises dem rbb. Grund dafür seien die heftigen Regenfälle in der vergangenen Woche.

Während dort in sonstigen Jahren die Niederschlagsmengen im Juni bei durchschnittlichen 80 Liter Regen liegen, war allein in der vergangenen Woche innerhalb weniger Tage das Dreifache gefallen.

Vor allem die Ackerflächen im Norden des Landkreises mit Weizen hätten unter dem Wasser gelitten, sagt der Geschäftsführer des Bauernverbandes Uckermark, Friedhelm Rogasch. Besonders rund um Prenzlau sei es zu Boden-Abschwemmungen und Überflutungen gekommen. Zudem sei das Getreide durch die Wassermassen heruntergedrückt worden.

"Jetzt ist der Boden völlig durchgeweicht und die Mähdresch-Ernte sollte beginnen. Aber zurzeit kann man mit der Technik nicht auf den Acker fahren, weil man ganz einfach einsackt." Deshalb hätten einige Betriebe ihre Drescher bereits umgerüstet.

Im Gegensatz zum allgemeinen Trend rechnet Rogasch in der Uckermark mit Ernteverlusten. "Wenn die Bestände, weil sie auf dem Boden liegen, immer feucht sind, bilden sich Pilze und andere Krankheiten. Dann können die Erträge nicht realisiert werden, wie sie normalerweise realisiert werden."

Erfreulich sei aber, dass - abgesehen von der Wintergeste - die meisten Kulturen von den Regenfällen profitierten. Dies sei besonders bei Mais und den Zuckerrüben der Fall.

Sendung: Antenne Brandenburg, 07.07.2021, 08:30 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Das so verschiedene Zahlen im Raum stehen ist vollkommen normal. Jeder Betrieb hat seine eigene kleine Wetterstation und wenn es dort vor Ort mehr regnet als an der offiziellen des DWD..... Zur Zeit haben wir eben diese extrem kleinräumige Regenverteilung. Ein Ort "säuft ab" und der nächste 2km weiter hat nur drei Tropfen

  2. 1.

    Ja, es ist schon erstaunlich, wenn die Bauern mal nicht jammern. Der Regen kam vielerorts gerade noch rechtzeitig. Dass in der Uckermark normalerweise im Juni 80 Liter Regen fallen, erscheint mir hoch, aber durchaus möglich. Dass das dreifache gefallen sein soll, also 240 Liter, glaube ich nicht. Der 30. Juni brachte den bisherigen Meldungen zufolge ca. 170 Liter. Schon seltsam, die vielen Zahlen, die dazu kursieren.

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