Berlin und Brandenburg - Feuerwehren haben Fortbildungsbedarf beim Löschen von E-Bränden

Ein verbranntes Elektroauto ist am 14.04.2021 auf dem Gelände eines Autohauses in Berlin-Köpenick zu sehen. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Audio: Inforadio | 29.07.2021 | Nico Hecht | Bild: dpa/Christoph Soeder

Wegen der Pandemie stockt die Weiterbildung für Brände von E-Autos und Solaranlagen. Ein Jahr nach dem E-Autobrand in Groß Kreutz mit einer Toten sind die Unterschiede in Wissen und Ausstattung der Feuerwehren in der Region groß. Von Nico Hecht

Im Pandemiejahr 2020 haben die E-Autoverkäufe in Deutschland um mehr als 200 Prozent zugelegt. Das berichtet der Verband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Was gut ist für die Umwelt, ist eine Herausforderung für die Feuerwehren. Denn mit mehr E-Fahrzeugen auf den Straßen nimmt auch die Gefahr von E-Autobränden zu.

Doch längst nicht alle Feuerwehren sind dafür gewappnet: Weder können sie einen brennenden Wagen überhaupt als E-Auto erkennen, noch wissen sie um die richtige Löschstrategie und die besonderen Gefahren solcher Brände.

Nach tödlichem Unfall intensivere Schulungen

Das Brandenburger Innenministerium hatte im Juli letzten Jahres angekündigt, die Schulungen für solche Einsätze zu intensivieren. Damals war bei Groß Kreutz (Potsdam-Mittelmark) eine 19-Jährige in ihrem E-Auto verbrannt. Die Feuerwehrleute waren dabei unsicher, wie sie mit dem Brand umgesehen sollten, mussten sich länger dazu mit dem Lagezentrum verständigen. Danach hatte der Einsatzleiter kritisiert, dass viele Feuerwehren in Brandenburg nicht ausgebildet seien.

Mittlerweile habe sich einiges dabei verändert, bestätigt Heinz Rudolph, Leiter der Brandenburger Landesfeuerwehrschule in Eisenhüttenstadt. Dort werden die Führungskräfte der Wehren geschult. "Brände bei E-Autos gehören jetzt zu jeder Feuerwehrausbildung im Land." An der Schule sei außerdem eine umfangreiche Online-Broschüre entstanden: "Dort ist genau beschrieben, wie man in solchen Fällen vorgeht. Nicht nur für Elektroautos, sondern auch für alle möglichen alternativen Antriebskonzepte: für Erdgasautos, Autogasautos und auch für Hybride."

Doch die geplanten Präsenzkurse seien wegen der Pandemie ausgefallen, heißt es seitens der Freiwilligen Feuerwehren. Das sei deutschlandweit so gewesen, sagt Rolf-Dieter Erbe, Ausbilder bei der Feuerwehr in Berlin: "Da gibt es jetzt überall einen Fortbildungs-Nachholbedarf. Denn Online-Kurse können vor allem das praktische Üben nicht ersetzen." Der Feuerwehr-Ausbildungsexperte schätzt, dass in der Hauptstadt gut die Hälfte der Feuerwehrkräfte geschult sind für den Einsatz bei E-Autobränden.

Rolf-Dieter Erbe ist Ausblder bei der Feuerwehr Berlin, aufgenommen im Juli 2021. (Quelle: rbb/Nico Hecht)
Rolf-Dieter-Erbe ist Ausbilder bei der Feuerwehr Berlin. | Bild: rbb/Nico Hecht

Andere Löschstrategien als bei Verbrenner-Autos

Wenn E-Autos brennen, sei das nicht unbedingt gefährlicher, so Erbe. Aber die Feuerwehren müssten anders löschen. Bei Bränden von Verbrenner-Fahrzeugen greifen die Einsatzkräfte oft zu Löschschaum, bei E-Autobränden zu Wasser. Denn Wasser hat den größeren Kühleffekt. Und auf das Kühlen kommt es an, um zu verhindern, dass auch die Batterien entflammen. Der Wasserstrahl muss deswegen das Auto möglichst genau da treffen, wo die Batterien verbaut sind.

Digitale Notfalldatenblätter der Hersteller zu den Autotypen liefern dafür genaue Informationen. Diese finden die Feuerwehren im Einsatz auf Tablet-Rechnern. Allerdings sind gar nicht alle Truppen damit ausgestattet. Und das Kühlen verbraucht viel Wasser. Für den Brand eines Verbrenners sei fast immer ein Standard-Löschzug mit 1.600 Litern Wasser ausreichend, sagen Feuerwehrleute. Beim E-Auto werden es schnell gut 11.000 Liter. Das gibt auch der E-Autobauer Tesla für seine Modelle an.

Kein einheitliches Vorgehen in den Bundesländern

Bei dem Unfall in Groß Kreutz vor einem Jahr wurde das Unfallauto zusätzlich in ein Wasserbad in einem Feuerwehr-Container gesetzt. Diese Strategie benennt auch der Leiter der Brandenburgischen Landesfeuerwehrschule Heinz Rudolph.

"Viel zu teuer für viele Truppen", sagt hingegen der Berliner Ausbilder Rolf-Dieter Erbe. Man hätte das einige Jahre gemacht, weil sich beschädigte E-Autobatterien auch noch Stunden nach dem Löschen wieder selbst entzünden können. Aber allein die Anschaffung eines solchen Containers könnten viele Wehren nicht stemmen. Außerdem werde im Wasserbad aus jedem Brandwagen ein Totalschaden. In Berlin habe es auch noch nie einen Fall gegeben, der bei einem erneuten Entflammen so gefährlich geworden wäre, dass der Aufwand eines Containerbades gerechtfertigt wäre.

Rolf-Dieter Erbe hat für September Experten aus allen Bundesländern nach Berlin zu einem Workshop geladen. Dabei soll eine gemeinsame Löschstrategie formuliert werden, die dann in ganz Deutschland gelehrt wird.

Batterien setzten bei Feuer hochgiftige Flusssäure frei

Wie wichtig Fortbildungen sind, hat erst Mitte Juli ein Feuer in Neuhardenberg gezeigt. Dort brannte eine Großbatterie einer Solaranlage. Mehr als 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Die Lithium-Ionen-Akkus des Energiespeichers haben dabei hochgiftige Flusssäure freigesetzt. Das passiert – auch wenn E-Autobatterien brennen.

Für die Feuerwehrkräfte ist das lebensgefährlich. Der Kontakt mit der Haut, selbst durch die normale Schutzkleidung, kann bei einer zu hohen Konzentration den Atemstillstand auslösen. Zwölf Feuerwehrleute waren deswegen nach dem Einsatz in Neuhardenberg vorsorglich in einem Krankenhaus überwacht worden.

Gernot Schmidt (SPD), Landrat von Märkisch-Oderland, startete danach Beratungen mit Vertretern des Brandenburger Innenministeriums, wie die Feuergefahr künftig in den Griff zu kriegen ist. Für die Feuerwehren soll ein Handlungsleitfaden entstehen. Außerdem habe man sich verständigt, die Baugenehmigungen für Solaranlagen künftig nach Industrierichtlinien zu erteilen. So könne sichergestellt werden, dass Betreiber zum Beispiel genügend Löschwasser vorhalten müssen. Möglicherweise könnten auch bauliche Maßnahmen vorgeschrieben werden, die verhindern, dass Flusssäure Böden kontaminiere. Welche Regeln umgesetzt werden können, dazu müsse man nun auch mit anderen Landesministerien ins Gespräch kommen, hat Landrat Schmidt angekündigt.

Sendung: Inforadio, 29.07.2021 , 07:55 Uhr

Beitrag von Nico Hecht

26 Kommentare

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  1. 26.

    17 Verbrenner verbrannten am 14.4. in Köpenick und drei E-Autos.

  2. 24.

    Es ist klar wie man EAutos löschen muss. Es gibt auch schon viele intelligente Methoden wie Löschlanzen oder Vorrichtungen die Wasser von unten an den Akku sprühen oder Löschdecken aus Glasfaser/Mineralfaser. Die Container sind Blödsinn....

    Problem ist tatsächlich Corona, dass sich die Fortbildungen verzögern, allerdings hätte man auch VOR Corona schon Schulen können, siehe verlinkte Unterlagen. Das meiste weiß man so seit Anfang des letzten Jahrzehnts (praktisch zeitgleich mit ersten Eautos wie Nissan Leaf oder Teslas)

  3. 23.

    Ja das ist Schade, dass da so eine Panik verbreitet wird. Als Fachmann dafür kann ich nur noch Müde lächeln, aber wie gesagt selbst bei Werksfeuerwehrmännern sind da komische "Informationen" im Umlauf.

    Es gab ja auch schon Medienberichte über Teslas, die angeblich während dem Laden angefangen hätten zu brennen, nur war dummerweise auf den Bildern deutlich zu erkennen, dass der Tesla auf der rechten Seite gebrannt hat obwohl der Ladeport links ist. Angeschlossen war er zusätzlich auch nicht. Man sah auch sofort, dass die Brandspuren von einem Grillanzünder auf dem Hinterreifen kamen.....

  4. 22.

    Das war doch schon vor einem halben Jahr erzählt worden, dass in Hinsicht E-Fahrzeuge Lehrgangsbedarf ist, müssten doch nun langsam klar sein wie man Akku-Brände löscht...

  5. 21.

    Ich weiß schon, warum ich immer wieder beim RBB (leider bisher ohne Erfolg) nachfrage, was mit der Traktionsbatterie des Audi in Groß Kreutz passiert ist. Selbst mit "alter" Zellchemie kann ein ausgebrannter E-Auto so aussehen:
    https://auto.oe24.at/thema/ausgebrannter-tesla-in-tirol-akku-sorgt-fuer-ueberraschung/407361805

    Uns so sieht z.B. ein verbrannter Verbrenner aus:
    https://www.oz-online.de/-news/artikel/125029/Mensch-verbrennt-im-Auto

  6. 20.

    "Fakt ist ... ", dass es für E-Autos das gleiche Tauchverfahren gibt wie für Verbrenner: Tauchlackierung im Werk. ;-) Die DGUV rät vom Eintauchen nach einem Brand ab und empfiehlt als Ultima Ration eine Wanner mit Wasser nur bis oberhalb der Traktionsbatterie. Es gibt mittlerweile aber auch "Säcke", in die das Auto trocken verpackt werden kann.

  7. 19.

    Aber in einem brennenden Verbrenner?
    https://www.feuerwehr-unterhaching.de/wp-content/uploads/2020/10/20201002_171156126_A995_PKW-Brand-1024x682-1600x800.jpg

  8. 18.

    Leider ist eben nicht geklärt, wer wie schnell die Feuerwehren ausbildet und z.B. mit Tablets ausrüstet, gerade die freiwilligen Kräfte auf dem Land.

  9. 16.

    Manches ist schon reichlich übertrieben, wie diese Tauchcontainer.

    Dafür brennen EAutos weniger. Die neusten Tesla M3 mit LFP Akkuchemie zb praktisch gar nicht mehr, zumindest nicht die Batterie. Die LFP Chemie ist eh umweltfreundlicher und günstiger.

    Das kommt eben drauf an, ob man Oxide als Kathode nutzt oder Phosphate....

  10. 15.

    "Fakt ist ... " ;-) Von "Tauchverfahren" ist nämlich anders als an den Stammtischen beim DGUV gar nicht die Rede, im Gegenteil. Die Füllhöhe der Wanne als Ultima Ratio wäre überschaubar, muss doch nur das Akku bedeckt sein. Trotz diverser Brandstiftungen war das hier in Berlin aber noch nicht erforderlich. Es gibt mittlerweile aber auch andere Lösungen:
    https://protect.ibena.de/files/IBENA/Protect/Car_fire_blanket.jpg

  11. 14.

    Also ,ich möchte nicht einem brennenden E-auto
    feststecken !!!

  12. 13.

    Fakt ist, dass der Brand eines konventionellen Autos in aller Regel schnell unter Kontrolle zu bekommen ist. E-Autos müssen sehr lange gekühlt werden - und dass sogar im Tauchverfahren. Rein rechnerisch ist die Brandlast bei Verbrennern vielleicht höher, diese kann aber sehr viel schneller unter Kontrolle gebracht werden.

  13. 12.

    Man müsste annehmen, dass soetwas in der heutigen Zeit vorher geklärt wird.

  14. 11.

    Fakt ist, dass der Brand eines konventionellen Autos in aller Regel schnell unter Kontrolle zu bekommen ist. E-Autos müssen sehr lange gekühlt werden - und dass sogar im Tauchverfahren. Rein rechnerisch ist die Brandlast bei Verbrennern vielleicht höher, diese kann aber sehr viel schneller unter Kontrolle gebracht werden.

  15. 10.

    Ich kann irgendwie nie glauben, dass es an die Innenraum-Materialien in einem Bus keine Anforderungen gibt. Sollte da nicht bei Sitzbezügen, Schaumstoffen usw überall schwer entflammbar das Minimum sein? Irre...

    Dafür gibt es ja wenigstens die Anforderung an die Löschanlage im Motorraum.

    Da bleibt aber auch die Frage warum das bei über 20000 Fahrzeugbränden, hauptsächlich durch technische Defekte im Motorraum noch nicht zu einer Löschanlagenpflicht im PKW geführt hat. Wartungsarme Aerosolpatrone und fertig. (von der Mercedes Lösung in E- und S-Klasse mit einer Gaskartusche halte ich weniger, weil teurer und potentiell durch Zerknall gefährlicher)

  16. 9.

    "Wegen ihres brennbaren Treibstoffs besäßen Autos mit Verbrennungsmotor im Vergleich zu Stromern sogar eine höhere Brandlast.", Alexander Küsel, Leiter der Schadenverhütung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft
    https://www.gdv.de/de/medien/aktuell/e-autos-in-tiefgaragen--keine-erhoehte-brandgefahr-feststellbar-66230

    Kraftstoff: bis zu 1500 Liter gemäß ADR
    Mercedes eActros: bis zu 420 kWh
    Mercedes GenH2: 80 kg Wasserstoff

  17. 8.

    Hier war es ein Kabelbrand rund um einen Scheibenwischermotor im Oberdeck:
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-reinickendorf-kaputter-scheibenwischer-motor-loeste-brand-in-doppeldecker-aus/12902004.html

  18. 7.

    https://www.bz-berlin.de/deutschland/der-bus-fing-sofort-feuer-und-wurde-fuer-18-rentner-zur-todesfalle
    https://www.lz.de/ueberregional/topthemen/21841453_Busunfall-in-Oberfranken-18-Menschen-verbrennen-in-Reisebus.html

    Der Tüv Experte lag im übrigen richtig.

    Bevor wieder die Kommentare kommen, ich bleib lieber bei meinem Diesel, da kann es nicht brennen. Gab bei der Berichtserie über diesen Unfall ja genügend solche Kommentare. Benzin und Diesel können sich auch viel leichter entzünden als R1234yf-Kältemittel. Zündtemperatur, Mindestzündenergie usw sind bei den Kraftstoffen viel geringer....

    Busse müssen daher heute eine Löschanlage im Motorraum haben. Die meisten Motorbrände brauchen nicht einmal einen Unfall....
    https://www.degesa.de/fahrzeuge.html
    Aerosollöschanlagen.

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