Ehrgeiziges Luftfahrt-Projekt - Flugzeuge sollen am Flugplatz Schönhagen emmissionsfrei fliegen können

Flugplatz Schönhagen in Brandenburg: Blick auf das Rollfeld mit herkömmlicher Kerosin-Tankstelle (Quelle: rbb/Goligowski)
Bild: rbb/Goligowski

Fliegen, aber nachhaltig: Der Flugplatz Schönhagen will sich neu erfinden. Unter anderem sollen künftig vor Ort grüne Treibstoffe produziert werden. Die Betreiber sehen eine einmalige Chance. Von Alexander Goligowski

Im Zehn-Minuten-Takt starten und landen ein- oder zweimotorige Propellermaschinen auf dem Flugplatz Schönhagen nahe Trebbin. Er ist der zweitgrößte Verkehrsflugplatz für kleine Flugzeuge in Deutschland. Und man kann ihn getrost als europäisches Drehkreuz bezeichnen. Viele große Firmen mit Sitz in Berlin haben hier ihre Mitarbeiter-Jets. 45.000 Flugbewegungen im Jahr zählt Geschäftsführer Klaus-Jürgen Schwahn.

Seit 20 Jahren steht er an der Spitze des kommunalen Unternehmens, an dem der Landkreis Teltow-Fläming 99,5 Prozent der Anteile hält und Trebbin den Rest. Trotz des Erfolgs weiß Schwahn, dass sein Flugplatz in der jetzigen Form ein Auslaufmodell ist. "Derzeit haben wir die Wandlung zu einer komplett neuen Luftfahrt mit neuen Luftfahrzeugen, mit neuen Antriebskonzepten und neuen Mobilitätskonzepten", sagt Schwahn. Regionalflugplätze könnten in Zukunft wichtiger werden und sein Flugplatz soll dabei nicht den Anschluss verlieren.

Neue Antriebsformen müssen her und neue Kraftstoffe

Emissionsfreies Fliegen heißt das Zauberwort, das in Schönhagen die Runde macht. Das sei eine riesige Chance zunächst für die kleinen Flugplätze, da ist sich Andreas Timmerman von der Berlin-Brandenburg Aerospace Allianz (BBAA) sicher. Die BBAA ist ein regionaler Wirtschaftsverband der Luft- und Raumfahrtindustrie.

Zusammen mit ihm will Klaus-Jürgen Schwahn dies in Schönhagen Realität werden lassen. "Wenn das mit den kleineren Flugzeugen und Flugplätzen gelingt, dann sollten wir auch in der Lage sein, das zu skalieren für größere Flugzeuge und Flughäfen, um dann irgendwann die gesamte Luftfahrt emissionsfrei zu gestalten", so Timmermann.

Andreas Timmermann, Geschäftsführer der Berlin-Brandenburg Aerospace Allianz e.V. + rechts Klaus-Jürgen Schwahn, Geschätsführer Flugplatzgesellschaft Schönhagen GmbH (Quelle: rbb/Goligowski)Andreas Timmermann (li) und Klaus-Jürgen Schwahn auf dem Flugplatz in Schönhagen

Der Anteil des Luftverkehrs an den Treibhausgasemissionen in der EU beträgt laut europäischer Umweltagentur etwa vier Prozent. Das klingt nach vergleichsweise wenig, ist aber zwischen 1990 und 2017 um 129 Prozent gestiegen. Und auch diese vier Prozent müssen weg, damit die EU das Pariser Klimaschutzabkommen einhalten kann. Neue Antriebsformen müssen her und neue Kraftstoffe. Geht es nach Andreas Timmer und nach Flugplatzgeschäftsführer Schwahns, soll Schönhagen ein klimaneutrales Modell für die Welt werden.

Wasserstoff dank Sonnenenergie vor Ort produzieren

Der Plan ist ambitioniert. Am Rand des 160 Hektar großen Flugplatzgeländes soll auf einer Fläche von zwölf Hektar ein Solarfeld entstehen. Mit dem Strom aus Sonne soll noch vor Ort Wasserstoff erzeugt werden. Weitere Anlagen filtern CO2 aus der Luft und in einem Reaktor – Power-to-Liquid-Verfahren genannt – wird aus beidem zusammen synthetisches Kerosin. Eine ganz neue Flughafeninfrastruktur könnte entstehen, die für den Flugbetrieb sowohl Strom als auch Wasserstoff (H2) und synthetisches Kerosin zur Verfügung stellt.

Alle drei Energieträger kommen theoretisch für Flugzeugantriebe in Frage auf unterschiedlichen Einsatzgebieten. Wasserstoff käme eher für Kurz- und Mittelstreckenflüge zum Einsatz und synthetisches Kerosin für Langstreckenflüge. "Die Flugzeuge selbst werden anders aussehen, aber auch die gesamten Services am Flughafen werden sich verändern, werden entwickelt und zertifiziert werden müssen. Genau diese Vorarbeit wollen wir in Schönhagen leisten", beschreibt Andreas Timmermann den Plan. Schon jetzt kann Flugzeugtreibstoffen bis zu 50 Prozent synthetisches Kerosin beigemischt werden. Allerdings wird dies kaum gemacht, da die Kosten noch zu hoch sind.

Blick auf den Tower vom Flugplatz Schönhagen in Brandenburg (Quelle: rbb/Goligowski)Blick auf den Tower – im Jahr starten und Landen circa 45.000 Flugzeuge in Schönhagen.

Wie viel das Pilot-Vorhaben kostet, wie die technische Umsetzung aussieht und welche Zulassungen benötigt werden, soll jetzt eine Studie unter Federführung der Berlin-Brandenburg Aerospace Allianz (BBAA) klären. Sie läuft aktuell und wird bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Das brandenburgische Wirtschaftsministerium finanziert die Modellrechnung. Auch die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg beteiligt sich und liefert Daten vom BER, damit die Machbarkeit nicht nur für kleine Flugplätze, sondern auch für große Flughäfen geklärt werden kann. Andreas Timmermann glaubt, dass bereits 2022 in Schönhagen gebaut werden kann.

Die Region als Kompetenzzentrum für emissionsarmes Fliegen

Die Pläne der regionalen Luftfahrtbranche gehen aber noch weiter. Timmerman stellt sich Brandenburg und Berlin als ganze Kompetenzregion für emissionsarmes Fliegen vor: "Wir haben Flugzeughersteller hier, wir haben große Triebwerksentwickler hier, wir haben die Forschung hier. Wenn alle Partner gut zusammenarbeiten, dann haben wir die Chance, Brandenburg und Berlin zu Kompetenzregion zu machen."

Derzeit arbeiten circa 17.000 Menschen in der regionalen Luftfahrtbranche. Neue Studiengänge an der BTU Cottbus-Senftenberg, an der TH Wildau und an der TU Berlin sind in Planung. Fünf Flugzeughersteller in der Region, die sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben haben, entwickeln neue Modelle. "Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der erste Flieger, der mit drei verschiedenen Antrieben - Strom, Wasserstoff, synthetisches Kerosin - funktioniert, aus Brandenburg kommt", sagt Andreas Timmermann.

Dreh- und Angelpunkt kann der Flugplatz Schönhagen werden, wo theoretische Wissenschaft und Visionen zum Modellprojekt würden. Auch wenn wohl noch 30 Jahre vergehen werden, bis die Luftfahrt weitestgehend emmissionsfrei funktioniert: Für Brandenbrug und Berlin kann Schönhagen eine große wirtschaftliche Chance sein.

Sendung: Antenne Brandenburg, 22.07.2021, 15:40 Uhr

Beitrag von Alexander Goligowski

16 Kommentare

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  1. 16.

    Eine “gute” Landung ist eine, nach der Du das Flugzeug noch selbst verlassen kannst.
    Eine “großartige” Landung ist die, nach der Du Das Flugzeug noch mal benutzen kannst …

  2. 15.

    Zur größten Emmissionseinsparung kommt es wenn Flugzeuge am Boden bleiben.

  3. 14.

    Habe mir bei wikipedia einiges in Erinnerung gerufen; vieles nicht wieder zu erkennen. Aber-interessant bzw. beachtlich sind die doch vielen Flugunfälle mit den Kleinflugzeugen. Die zu geringe Flugerfahrung könnte eine Rolle spielen. Einige wären bestimmt vermeidbar gewesen. Bei Motorausfall eine zu enge Rechtskurve -um auf dem Platz zu landen- mußte so ausgehen. Eisern geradeaus im Segelflug wäre nicht so riskant. Was meint der Flugschüler Pückler ?

  4. 12.

    Wenn man mit der Maus auf das Foto geht "tauert" es immer noch Goligowski ne ponimajesch ?

  5. 11.

    Es wird niemals so viel "künstlich" hergestellter Treibstoff zur Verfügung stehen wie zu besten Urlaubsfliegerzeiten. Dazu bedenken sie den Warentransport per Frachtflugzeuge. Haben sie eine Vorstellung was eine AN-224 oder 124 während eines Fernfluges verbrennt ? Fahren sie mal nach Leipzig und genießen obendrein den Nachtfluglärm. Wiieviel Kerosin schluckt eine 747-800 auf dem Weg von Frankfurt nach NY ? Man hat den spezifischen Kraftstoffverbrauch zwar erheblich reduziert (kg / kp Schub) aber die Triebwerkleistungen sind extrem gestiegen.

  6. 10.

    Schönhagen war früher GST-Segelfliegerschule-flugplatz. Wenn man heute dort 45 000 Flugbewegungen angibt sagt man uns, dass viel zu viel reiche Leute dort nicht wissen was Klimaschutz verlangt. Das Zukunftsgespinne könnt ihr erwähnen wenn daraus Realität geworden ist. Der Normalbürger wird hier von AN vollgemotzt weil der mit einem kleinen Auto ab und an Waren transportiert. Dazu kommt die CO2- Strafzahlung weil wir mit Gas heizen. Das ist nun mal so gewollt gewesen von den Behörden.

  7. 9.

    Warum fragt eigentlich niemand kritisch nach, warum diese Neuentwicklungen erst bei Kleinflugzeugen entwickelt und dann auf die große Luftfahrt übertragen werden sollen? Alle anderen Innovationen (bspw. Intercooler, Turbolader)wurden erst im Schiff- und Lokomotivbau entwickelt und dann in relativ großen Flugzeugen adaptiert - nicht umgekehrt. (Turbinentriebwerke mal ausgenommen.) Hier könnte der verpönte Zubringer- und Kurzstreckenbetrieb ein gutes Testfeld sein, bis die Technologie miniaturisiert ist.

    Wenn ich daran denke, wie sich die Brandenburger Politik bei #Cargolifter und der #Chipfabrik hat blenden lassen, wünsche ich mir wenigstens von dem Medien etwas mehr kritische Reflexion. Bei allem Respekt gegenüber Herrn Schwahn und Schönhagen, wo ich viele Flüge absolviert habe.

  8. 8.

    Schön für die Leute auf dem Flugplatz, teures Ego-Hobby, hat nichts mit der Realität zu tun. Kostet nur Steuergelder wenn jemand abstürzt.

  9. 7.

    Auwei, wie peinlich, wenn man nicht nochmal nachsieht, was die Texterkennung so fabriziert..... Tja, aber die Antwort hat die Redaktion noch immer nicht gegeben ;-)

  10. 6.

    Vermutlich, Moin, weil er zu viele Rechtschreibfehler enthielt wie ihr 2. Text und der Artikel selber *g*

  11. 5.

    Diesen Hinweis von mir heiter vormittag auf diesen. Fehler haben Sie aus welchem Gründen bitte nicht veröffentlicht?

  12. 3.

    Guten Tag an den Redakteur des Artikels. Wenn in einem luftfahrtspezifischen Artikel der "TOWER" unglücklicherweise als Tauer beschrieben wird ist das leider peinlich. Ich würde umgehend eine Korrektur herbeizuführen um weiteren Schaden abzuwenden.

  13. 2.

    Tauer?

  14. 1.

    Mein Lieblingsflugplatz wird zum Leuchtturm :-) Respekt! Werde es gespannt verfolgen...

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