Quote knapp verfehlt - Vonovia erklärt Übernahme von Deutsche Wohnen endgültig für gescheitert

Archivbild: Michael Zahn (M), Vorstandsvorsitzender der Deutsche Wohnen SE, und Rolf Buch, Vorstandsvorsitzendem der Vonovia SE, verlassen am 25.05.2021 nach einer Pressekonferenz im Roten Rathaus zum geplanten Zusammenschluss von Vonovia und Deutsche Wohnen den Saal. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Bild: dpa/Christoph Soeder

Vonovia und Deutsche Wohnen wollten zum größten Konzern für Wohnimmobilien in Europa fusionieren - doch daraus wird nichts, die geplante Fusion ist vom Tisch. Zusagen für Berlin sollen trotzdem bestehen bleiben. Darauf hofft auch der Senat.

Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia ist bei der geplanten Übernahme des Branchenzweiten Deutsche Wohnen gescheitert. Das Bochumer Unternehmen sicherte sich nach Mitteilung vom Montag weniger als die nötigen 50 Prozent der Deutsche-Wohnen-Anteile. Bereits am Freitag hatte Vonovia bekanntgegeben, dass die Mindestannahmeschwelle voraussichtlich nicht erreicht wird.

Quote nicht erfüllt - Aktien werden zurückgebucht

Vonovia konnte sich nur 47,62 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte der Deutsche Wohnen sichern - hatte aber einen Mindestanteil von 50 Prozent als Bedingung in das Übernahmeangebot geschrieben. Diese Vollzugsbedingung sei "endgültig ausgefallen", heißt es in der Mitteilung vom Montag. Die eingereichten Deutsche-Wohnen-Aktien würden zurückgebucht.

Vonovia wollte mit der rund 18 Milliarden Euro schweren Übernahme der Deutschen Wohnen aus Berlin Europas größten Immobilienkonzern mit rund 550.000 Wohnungen bilden. Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen hatten den Aktionärinnen und Aktionären empfohlen, das Übernahmeangebot anzunehmen.

Zusagen an Berlin sollen trotzdem eingehalten werden

Im Zuge des öffentlichen Übernahmeangebots hatten die beiden Konzerne dem Land Berlin angeboten, Mieterhöhungen bis 2026 zu begrenzen, neue Wohnungen zu bauen sowie Wohnungen aus ihrem Bestand an das Land zu verkaufen. Vonovia-Sprecherin Henckel sagte rbb|24 am Freitag, dass der Konzern diese Zusagen an das Land Berlin einhalten werde, unabhängig vom gescheiterten Zusammenschluss. Auch die Deutsche Wohnen erklärte, an den Zusagen festhalten zu wollen.

Beide Konzerne hatten sich mit dem Senat zudem auf den Verkauf von rund 20.000 Wohneinheiten an das Land geeinigt. Über den Verkauf der Vonovia-Wohneinheiten an das Land wolle man mit Berlin nach wie vor im Gespräch bleiben, sagte Henckel. Auch die Deutsche Wohnen setze die Gespräche mit dem Berliner Senat hinsichtlich des Verkaufs "einer signifikanten Anzahl an Wohnungen aus dem Bestand fort", wie das Unternehmen am Freitagabend erklärte. Berlin ist darum bemüht, Wohnraum zurückzukaufen, um den Mietmarkt besser regulieren zu können.

Vonovia werde die Gespräche darüber auch ohne den Zusammenschluss mit der Deutsche Wohnen fortführen - "soweit das für uns allein möglich ist", erklärte Buch. Die Mieterinnen und Mieter könnten sich auf die angekündigte Begrenzung der Mietpreissteigerung bis 2026 "verlassen", versicherte der Konzernchef.

Senat weiterhin an Wohnungskauf interessiert

Der Berliner Senat hält weiterhin daran fest, 20.000 Wohnungen von den Immobilienunternehmen kaufen zu wollen. "Das Land Berlin ist nach wie vor daran interessiert, Wohnungsbestände zu erwerben - und dabei in etwa Ertragswerte zu bezahlen", teilte Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) am Montag auf Anfrage mit.

"Das Land hat in dieser Wahlperiode bereits knapp 23.000 Wohneinheiten erworben. Wenn von der Vonovia und Deutsche Wohnen weitere 20.000 angeboten werden, ist das gut für Berlin." Allerdings sei dafür wichtig, dass beide Unternehmen jetzt Klarheit schafften, was die gescheiterte Fusion für die Berliner Ankaufspläne bedeute.

Die Berliner CDU forderte den Senat auf, "schnellstmöglich Gespräche" mit den Unternehmen zu führen, wie der Baupolitiker der Fraktion, Christian Gräff, am Montag mitteilte. Auf die Zusagen der Unternehmen, neben dem Verkauf von Bestandswohnungen auch Mieterhöhungen bis 2026 auf höchstens ein Prozent zu begrenzen sowie Modernisierungen nicht voll auf Mieten umzulegen, müsse der Senat nun mit Verhandlungsgeschick reagieren.

Mietervertreter bleiben skeptisch

Der Deutsche Mieterbund begrüßte das vorläufige Scheitern der Übernahme des Berliner Wohnungskonzerns Deutsche Wohnen durch den Konkurrenten Vonovia. "Den Mieterinnen und Mietern hätte eine Fusion überhaupt nicht geholfen", sagte Verbandspräsident Lukas Siebenkotten am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Der Mieterbund sei deshalb froh, dass der Zusammenschluss nicht zustande gekommen sei. "Wir sehen keine Vorteile darin, wenn wir immer größere Wohnungskonzerne bekommen."

Die Ankündigung von Vonovia, sich an die für einen Fall der Fusion zugesagten Begrenzungen bei Mieterhöhungen und Modernisierungsumlagen weiter zu halten, beurteilte Siebenkotten skeptisch. Bei Wohnungsunternehmen seien Ankündigungen und Handeln "nicht immer deckungsgleich".

Kartellamt hatte bereits zugestimmt

Das Bundeskartellamt hatte bereits im Juni grünes Licht für den Zusammenschluss der beiden größten deutschen Wohnimmobilienkonzerne gegeben. Die gemeinsamen Marktanteile der Unternehmen rechtfertigten keine wettbewerbsrechtliche Untersagung, hatten die Wettbewerbshüter mitgeteilt. Sie verwiesen dabei auf das Beispiel Berlin, wo von den knapp 1,7 Millionen Mietwohnungen in der Stadt rund 150.000 auf die Deutsche Wohnen und Vonovia entfielen.

Schon 2016 scheiterte Vonovia

Vonovia-Chef Rolf Buch hatte am Freitag erklärt, der Konzern werde die möglichen Optionen prüfen, "wie zum Beispiel einen Verkauf der derzeit von Vonovia gehaltenen Aktien an der Deutsche Wohnen, ein erneutes öffentliches Angebot oder den Erwerb weiterer Aktien".

Bereits 2016 war Vonovia mit einem Übernahmeversuch bei Deutsche Wohnen gescheitert. Auch damals wurde die Mindestannahmequote für die Milliarden-Offerte nicht erreicht.

Volksentscheid zu Enteignung unberührt

Der Berliner Volksentscheid über eine Enteignung großer Wohnungskonzerne am 26. September ist von der gescheiterten Fusion nicht betroffen: Berlinerinnen und Berliner können parallel zur Bundestags- und Abgeordnetenhauswahl darüber abstimmen, ob die mehr als 240.000 Wohnungen der großen Immobilienkonzerne in eine Anstalt des öffentlichen Rechts überführt werden sollen.

Sendung: Abendschau 26.07.2021, 19:30 Uhr

19 Kommentare

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  1. 19.

    Vielleicht ist auch die Zeit, in der die Immobilien-Lobby machen konnte, was sie wollte, nach dem Wahltag einfach mal vorbei.

    Als ob der von Ihnen gewünschte "Wegzug einkommensschwacher Menschen" nicht schon längst durch die steigenden Mieten gefördert würde. Aber aufrichtigen Respekt dafür, dass Sie so erfrischend ehrlich sind.

  2. 18.

    Wenn es nur um die Anzahl der Menschen in Summe geht, warum sollte man den Zuzug stoppen? Dann könnte man ja auch den Wegzug einkommensschwacher Menschen fördern. Berlin benötigt Einnahmen, somit Wirtschaft und Menschen mit monatlichem Einkommen, die mit ihren Steuern ÖPNV, Kitas, Schulen und Co. finanzieren. Vielleicht ist die Zeit, in der man für unter 10 Euro/qm in der Bundeshauptstadt leben konnte einfach mal vorbei.

  3. 17.

    Ach, wieder so ein Schlaumeier. Ich kenne nur sehr wenige Länder, in denen Mieter so übermäßig geschützt sind wie in Deutschland Man muss halt das BGB einfach mal im Zusammenhang mit der Rechtsprechung anwenden und nicht immer nur Blödsinn schreiben hier im Forum.

  4. 16.

    Mal Hand aufs Herz: Wer hier im Forum würde einen 30 Jahre alten PKW, mit Asbestbelastung, letzte Durchsicht vor 20 Jahren, ohne TÜV, für fast den Neupreis kaufen? Niemand, der bei Verstand ist.
    Wobei - unter 3 Bedingungen würde ich es womöglich: 1. Der Verkäufer ist mein bester Kumpel, 2. ich will die Karre nicht für mich, 3. Ich bezahle sie nicht mit meinem Geld.

    Scheint so bei den SPD-Immobilienfachleuten das übliche Geschäft zu sein. Viel Spaß im Wahlkampf ist garantiert

  5. 15.

    Welche Paragraphen im BGB meinen Sie? Wucher oder Eigentum verpflichtet? Schmarrn wird übrigens mit Doppel-R geschrieben.

  6. 14.

    Zusagen für berlin sollen trotzdem bleiben….

    Ja logisch bei dem 20.000 Wohnungs-Abzock-Paket kein Wunder.
    Milliarden Einnahmen für 20.000 zu sanierende Wohnungen, diesmal ohnehin loswerden will.

    Da ist es natürlich optimal, wenn der scheidende Regierende Bürgermeister voreilig erklärt, es sei ein faires Angebot.

    Er ist bald weg…. Die Kosten bleiben im Haushalt.

  7. 13.

    Nur um bei den Fakten zu bleiben: Cum-Cum- und Cum-Ex sind aber unter der SPD im Bundesfinanzministerium gewesen

  8. 12.

    Von welcher Macht sprechen Sie denn? Haben Sie mal ins BGB geschaut? So einen Schmarn habe ich selten gelesen.

  9. 11.

    So ein unfundierter Quatsch. Wer drangsaliert wird kann sich wehren, die Gesetze sind da und die kostenfreie Rechtsberatung für Einkommensschwache auch! Also alles nur Quatsch!

  10. 10.

    Und wieder einmal wird sich die Erde weiter drehen. Man merkt richtig das Sommerloch bei den Medien.

  11. 9.

    Wie kommen Sie darauf, dass die Union oder FDP sogenannte "Share Deals" verbieten wollen? Haben beide Parteien meines Wissens ehrlicherweise nie behauptet.

    Siehe Cum-Ex: Es gibt solche und solche Steuerschlupflöcher. Diverse Normalverdiener*innen und kleinere Organisationen mussten ja auch in den letzten Monaten wegen Betrugsverdacht im Zusammenhang mit Corona-Hilfen Hausdurchsuchungen über sich ergehen lassen, obwohl sie bereit gewesen wären, die erhaltenen Summen umgehend zurückzuzahlen.

    Mit den Chefs von Vonovia und Deutsche Wohnen macht Bürgermeister Müller hingegen vor laufender Kamera die "Ghetto-Faust". Ein ehrliches Bild, das sich die Wähler*innen merken sollten.

  12. 8.

    Die Folgen deS ungebremsten Zuzuges sind auch nicht verfassungskonform. Wie kam es eigentlich zur Macht der Clane.? Sagen sie nicht, dass die Stadt tadellos regiert wird. Bedenken sie: Eine stets wachsende Stadt macht größere Probleme. Sie sehen ja was gerade nachts in den Parks passierte oder nur auf einer Brücke.Die Mauer ist Geschichte. Berlin wird nie eine saubere Stadt. Es gibt aber saubere und schöne Städte. Am Alex will ein Investor noch mehr Probleme schaffen und der Senat jubelt ? Berlin kann nicht überall wie Zehlendorf sein aber den Bedürfnissen normaler Menschen angepasst und energiesparend.

  13. 7.

    Na, dann hat der Bund ja Zeit gewonnen, um die Gesetzgebung anzupassen, sodass der milliardenschwere Steuertrick nicht mehr möglich ist, mit dem Vonovia und DW sich die Fusion vergolden wollten. Das dürfte freilich das Interesse an der Fusion stark dämpfen. :-P

  14. 6.

    "Aber-warum begrenzt man nicht den Berlin-Zuzug "

    weil das Verfassungswidrig wäre- außerdem hat gerade diese Stadt mit Mauern keine wirklich guten Erfahrungen gemacht.

    Zu dem Bericht: lieber Senat, bitte nicht so blauäugig sein und den Zusagen glauben. Vertraglich zusagen lassen. Und alle Mieter von Beiden: ebenfalls nicht drauf verlassen und am 26. September wählen gehen. Letzteres gilt natürlich auch für alle anderen- je mehr (egal ob für oder gegen), desto repräsentativer, deutlicher und zwingender wird das Votum sein.

  15. 5.

    Der Senat muss gar nichts kaufen. Lieber sehr gründlich prüfen wo man aufstocken oder das achgeschoss ausbauen kann. Das ist am ökonomischsten. Aber-warum begrenzt man nicht den Berlin-Zuzug ? Es sind doch meistens nur Singles. Zulieferer für größere Betriebe gehören in Kleinstädte und Dörfer aber mit guter ÖONV-Anbindung. Ihr habt doch Klimaziele; da hört man auf mit Autobahnbau und Wohnungsbetonbau.

  16. 4.

    Mich stimmt Diese Nachricht traurig !
    Schließlich muß der Senat jetzt 20Tausend Schrottwohnungen kaufen, um die Aktionäre beider Gesellschaften und diejenigen R2G-Anhänger nicht zu enttäuschen, die lieber vorhandene Wohnungen Leerziehen, um sie sanieren zu können und damit die hohen Mietpreise stützen. Anstatt Neue auch-Sozial-Wohnungen zu bauen.

  17. 3.

    Besser so. Es ist nicht gut, wenn einzelne Unternehmen zu viel Macht auf dem Wohnungsmarkt erhalten.

  18. 2.

    Wen in Berlin stimmt diese Nachricht traurig? Neben einigen Aktionär*innen wohl nur Leute in der Müllerstraße 163 und in der Mecklenburgischen Straße 57 - und auch dort jeweils nur die Chefetagen und nicht die einfachen Mitarbeiter*innen.

  19. 1.

    Das ganze war doch auch nur ein Wirtschafts-Seifenoper.
    Wenn das funktioniert hätte, dann wären wir Mieter weiter von Vonovia drangsaliert worden. Jetzt drangsalieren uns beide weiter.

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