1,3 Millionen Gläubiger - Air-Berlin-Insolvenz könnte sich bis 2027 hinziehen

Auf einem Gbeäude der Firmenzentrale von Air Berlin ist am 15.08.2017 am Saatwinkler Damm in Berlin der Schriftzug und das Logo des Unternehmens zu sehen. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Seit vier Jahren läuft die Abwicklung von Air Berlin und es könnten noch einige mehr werden, so die Insolvenzverwalter. 1,3 Millionen Gläubiger gab es insgesamt. Abgesehen vom Bund sieht es für viele schlecht aus.

Auch vier Jahre nach der Pleite der Air Berlin ist im Insolvenzverfahren kein Ende in Sicht. "Vermutlich ist das Air-Berlin-Verfahren - gemessen an der Zahl der Gläubiger - das mit Abstand größte Insolvenzverfahren der deutschen Wirtschaftsgeschichte", sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Lucas Flöther der Deutschen-Presse-Agentur (DPA). "Fünf bis zehn Jahre dürfte bei einem solchen Mega-Verfahren eine realistische Schätzung sein."

Betroffen sind mehr als 1,3 Millionen Gläubiger, die meisten von ihnen Passagiere. Nur ein kleiner Teil von ihnen mit Buchungen nach dem Tag der Insolvenzanmeldung (15. August 2017) hat bisher auf Antrag Geld zurückbekommen.

Bundeskredit plus 27 Millionen Euro Zinsen zurückgezahlt

Wer vor diesem Tag gebucht hatte, hat denkbar geringe Chancen auf eine Erstattung, da zuvor andere Verbindlichkeiten beglichen werden müssten. So konnte ein Bundeskredit von 150 Millionen Euro, der als Massedarlehen vorrangig bedient werden musste, vollständig zurückgezahlt werden - zuzüglich 27 Millionen Euro Zinsen. Nur dank dieses Überbrückungskredites hatte die Airline den Flugbetrieb nach der Insolvenzanmeldung noch einige Wochen aufrechterhalten können.

Fast vier Jahrzehnte lang war die nach der Lufthansa zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft im Einsatz und hatte dabei nach eigenen Angaben mehr als eine halbe Milliarde Passagiere befördert. Die offiziell letzte Maschine landete Ende Oktober 2017 auf dem früheren Flughafen Berlin-Tegel.

Große Teile der Air Berlin gingen im Anschluss unter anderem an Easyjet und die Lufthansa. So übernahm die Easyjet diverse Flugrechte insbesondere ab Tegel, auch viele Air-Berliner aus Cockpit und Kabine wechselten zu der Billigfluglinie. Selbst die Air-Berlin-Internetadressen standen kurzzeitig zum Verkauf, wurden aber bis heute nicht veräußert. Diese seien für das immer noch laufende Insolvenzverfahren erforderlich, sagte der Sprecher.

Streit über Etihad-Haftung nach wie vor ungelöst

Auch der jahrelang andauernde Rechtsstreit mit Etihad, dem früheren Großaktionär von Air Berlin, ist noch ungelöst. Air Berlin hatte damals die Insolvenz angemeldet, kurz nachdem Etihad seine Unterstützung gestoppt hatte. Seither ging es um die Frage, ob die staatliche Fluggesellschaft aus Abu Dhabi verpflichtet gewesen wäre, Air Berlin weiter zu finanzieren.

Beide verklagten einander vor englischen und deutschen Gerichten. Zwar war die Fluglinie ein deutsches Unternehmen, sie war allerdings auch eine Tochter der Air Berlin PLC, einer Firma mit ein paar Dutzend Angestellten, die in London börsennotiert war. Zuletzt hatte der Bundesgerichtshof die Zuständigkeit der britischen Gerichte bestätigt - auf deren Entscheidung wird gewartet.

Vorstände und Gesellschafter im Blick des Insolvenzverwalters

Insolvenzverwalter Lucas Flöther hatte dem rbb nach der Pleite gesagt, dass zu seinen Aufgaben auch gehöre zu prüfen, inwieweit das Management haftbar sein könnte. "Auf der anderen Seite gehören dazu aber auch Haftungsansprüche gegen Geschäftsführer, gegen Vorstände, gegen Organe, die ein Verwalter geltend zu machen hat - aber eben auch Ansprüche gegen Gesellschafter."

Die Pleite von Air Berlin war eine der größten Insolvenzen einer europäischen Fluglinie in den vergangenen fünf Jahren, aber bei Weitem nicht die einzige. Schon vor der Corona-Pandemie kämpfte die gesamte Branche mit Problemen. Im Februar 2019 meldete der Urlaubsflieger Germania mit Sitz in Schönefeld Insolvenz an. Im selben Jahr sorgte auch die Pleite des isländischen Billigfliegers Wow für Schlagzeilen.

6 Kommentare

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  1. 5.

    Der Staat hat ja sein Geld wohl zurück, für mich ist das Veruntreuung und der Insolvenzverwalter bekommt fast den Rest, so ist das hier. Der Rest geht wohl ziemlich leer aus.

  2. 4.

    Ob es zum Thema passt? Ich vermisse die AirBerlin am Himmel. Eine wirkliche Ferienfluggesellschaft, die doch fast alle erdenklichen Ferienziele ansteuerte und auch keine Angst vor Fernflügen hatte. Nonstop von TXL über den Teich nach Miami oder weit in den Osten nach Bangkok. Die rot/ weißen waren überall zu finden. An dieser Stelle ein Gruß und auch nochmals ein Danke an alle fleißigen Ex-AirBerliner, die jahrelang diese Airline zu "MEINER" Airline machten. Ich könnte hier Seiten füllen mit Anekdoten, aber das ist hier nicht das Thema. An das "ORANGE" auf dem BER werde ich mich nur schwer gewöhnen, es sind Welten im Service. Billig ist eben nicht alles. MfG

  3. 3.

    So richtig mit Kredit, Zins und Tilgung kennen Sie sich nicht aus, oder? Nominalzins, Restschuld, Insolvenz usw, sind zwar eine schweres Thema, aber mit Milchmädchenrechnungen kommen Sie da nicht weit.

  4. 2.

    Ich glaube nicht, dass man den Überbrückungskredit an Air Berlin mit Coronahilfen vergleichen kann. Das eine ging an ein Unternehmen, dass durch katastrophale Management-Entscheidungen in den Abgrund getrieben wurde, der dann zu einem Zeitpunkt kam, als Millionen Menschen im Urlaub waren und andernfalls festgesessen hätten. Und nur zur Erinnerung: Dafür wurde die Bundesregierung damals massiv kritisiert. Dass der Bund - also wir Steuerzahler - für dieses Risiko entlohnt werden, ist doch nur klar.
    Die Coronahilfen gingen an alle möglichen Firmen, die ohne eigenes Zutun in eine Krise gekommen sind. Corona wurde nicht vom Lufthansa-Management ausgelöst.

  5. 1.

    So fragwürdig diese Insolvenz sein mag, aber dieser Überbrückungskredit ist noch besser. Ist dieser Zins üblich beim Bund? 150 Mille zu 27 Mille, fast 20%! Muss die Lufthansa auch solch einen Zins für die Coronahilfen bezahlen?

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