Arbeitskampf der GDL - Bahn scheitert mit Angebot an Lokführer - Streik findet wie geplant statt

Ein Lokführer sitzt am Berliner Hauptbahnhof in seinem Führerstand. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Audio: Inforadio | 22.08.2021 | Johannes Frewel | Bild: dpa/Christoph Soeder

Mit dem Angebot einer Corona-Prämie wollte die Deutsche Bahn verhindern, dass erneut der Personenverkehr bestreikt wird. Doch die Gewerkschaft GDL hat die Offerte abgelehnt. Die Lokführer gehen wie geplant in den Ausstand.

Zum zweiten Mal in diesem Monat müssen Fahrgäste der Deutschen Bahn an diesem Montag und Dienstag einen Streik aushalten. Die Lokführergewerkschaft GDL erhöht damit den Druck im Tarifkonflikt bei dem Staatskonzern. Die Bahn scheiterte am Sonntag mit dem Versuch, den Streik im Personenverkehr noch abzuwenden. Sie erklärte sich bereit, über eine Corona-Prämie für die Beschäftigten zu verhandeln. Die GDL sieht darin jedoch ein "Scheinangebot" und weitet ihren Streik wie geplant aus. Schon seit Samstag bestreikt sie den Güterverkehr.

Die Bahn will während des Streiks rund ein Viertel des normalen Fahrplans im Fernverkehr anbieten. Im Regional- und S-Bahnverkehr peilt sie im Schnitt etwa 40 Prozent des Zugverkehrs an. Wieder dürfte der Osten stärker betroffen sein als der Westen. Auch die S-Bahnen der DB werden bestreikt. Für Mittwoch rechnet die Bahn wieder mit einem weitgehend normalen Ablauf.

Weselsky bezeichnet DB-Angebot als "Nebelkerze"

Bahn-Personalvorstand Martin Seiler hatte am Sonntagnachmittag noch einmal an die GDL appelliert, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. "Wir kommen nicht mit leeren Händen an den Verhandlungstisch." Die Bahn sei bereit, zusätzlich über eine Corona-Prämie in diesem Jahr zu verhandeln. "Jetzt ist die GDL am Zug, darauf zu reagieren und das Streiken dann auch in der Form sein zu lassen."

Doch die GDL ließ sich nicht bewegen und warf der Bahn vor, zu tricksen. Gewerkschaftschef Claus Weselsky kritisierte am Sonntagabend, die Offerte sei das Papier nicht Wert, auf dem sie stehe. Er forderte ein konkretes Angebot, "nicht das 'In-Aussicht-Stellen' eines Angebots". In Wahrheit habe sich der Bahnvorstand keinen Millimeter bewegt. "Beim vorliegenden Angebot handelt es sich nur um eine weitere Nebelkerze und den erneuten Versuch, die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen."

Streik im Güterverkehr wird deutliche Auswirkung auf Industrieproduktion haben

Die GDL hatte unter anderem eine Corona-Prämie von 600 Euro gefordert. Zu den Streitpunkten im Tarifkonflikt zählen auch die Erhöhung der Tabellenentgelte und die Laufzeit des Tarifvertrags. Gestritten wird auch über die Altersvorsorge.

Der Streik im Güterverkehr lief nach Bahnangaben ruhig an; am Wochenende ist der Verkehr dort nach Unternehmensangaben üblicherweise relativ gering. Erst im Laufe des Sonntags habe der Rückstau die Rangieranlagen erreicht. Wenn am Montag die Industrieproduktion bundesweit hochgefahren werde, sei mit deutlicheren Beeinträchtigungen und Verspätungen der Cargozüge zu rechnen, teilte die Bahn mit.

"System- und versorgungsrelevante Züge werden weiterhin vom zentralen Arbeitsstab der DB Cargo priorisiert und gelangen bislang - auch mit Hilfe unserer Partnerbahnen - an ihr Ziel." Mehr als die Hälfte der Güter auf der Schiene werde nicht von der Deutschen Bahn transportiert.

Bereits vergangene Woche hatten die Lokführer weite Teile des Fern- und Nahverkehrs lahmgelegt. GDL-Chef Weselsky hatte danach mit weiteren Arbeitsniederlegungen gedroht

Sendung: Inforadio, 22.08.2021, 10:30 Uhr

92 Kommentare

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  1. 92.

    Endlich gefunden auf:
    https://www.gdl.de/Aktuell-2021/Telegramm-1615220939#toc-2.2
    Die GDL hat ihr Forderungspaket reduziert und dieses am 24. Mai 2021 als Einigungsvorschläge an die DB übermittelt. Diese sieht vor, dass sich Entgelterhöhung und Corona-Beihilfe am Abschluss des Tarifvertrag des öffentlichens Dienstes 2020 orientiert. Konkret heißt dies: bei einer Laufzeit bis 30. Juni 2023 (28 Monate) eine Entgelterhöhung von insgesamt 3,2 Prozent: In einer ersten Stufe ein Plus von 1,4 Prozent (mindestens aber 50 Euro) im Jahr 2021 und in einer zweiten Stufe ein Plus von 1,8 Prozent im Jahr 2022,

    eine Corona-Sonderzahlung (WOFÜR und WARUM?)als Einmalzahlung von 600 Euro in 2021 und für Auszubildende eine Erhöhung des monatlichen Entgeltes von 25 Euro.

  2. 91.

    Peinlich! GDL-Seite=Streikforderungen finden >unmöglich. Kein Lokführer kann den Sinn einer Coronaprämie erklären, weil alle Lokführer 100% genauso arbeiten, wie vor der Coronakrise. Alberner gehts nicht mehr.

  3. 90.

    Dümmer geht's nimmer.

  4. 89.

    Wenn ALLE die DB-Züge dauerhaft boykottieren würden und nur noch mit nichtbundeseigenen Eisenhanen, wären GDL und DB sowas von am Ende.

  5. 88.

    Kann hier mal ein GDL-Lokführer erklären, welches Rätsel sich hin ter der sogenannten Corona-Prämie verbirgt? Leider schwächelt auch die GDL-Internetseite, keine konkreten Strweikforderungen dort zu finden (oder wurde das im "internen Bereich" versteckt????). Keiner jenseits der Bahn versteht die "corona-prämie" >Bitte WELCHEN Mehrstress hatten/haben die GDL-Lokführer in dieser Pandemie? So wie die GDL sich hier gibt, trifft der Nebelkerzenvergleich NUIR auf die GDL zu, outet sich damit vollkommen als unfähig. Bevölkerungsverarsche ist das, nichts sonst.

  6. 87.

    !Die Kunden müssen sich halt darauf einstellen."
    Da haben Sie recht.
    Meine letzte Fahrt mit der Bahn war vor der Wende.
    Und dabei wird es noch eine Weile bleiben.

  7. 86.

    Noch was ,die DB hat zwar kein annehmbares Angebot gemacht ,aber ein verhandelbares Angebot
    Aber Verhandlungswillen zeigt Weselsky halt nicht
    Kompromissbereitschaft auch nicht
    Schade ,das man sich immerwieder wiederholen muss

  8. 85.

    Wen es um Gehaltserhöhung geht ja ,darum geht's hier aber schon lange nicht mehr
    Dashier ist schon von Anfang an nur Machtkampf
    Bisher hat Weselsky bisher noch kein einziges Mal Konstruktiv verhandelt
    Und es gibt viele Pendler und Schüler ,die garnicht die Möglichkeit haben sich darauf vorzubereiten ,da machen sie sich extrem. Leicht

  9. 84.

    Wie ist das eigentlich, wendet die Bahn das Arbeitskampfmittel der "Aussperrung" an und wenn ja, welche Folgen hat das ?
    Davon habe ich noch nie gehört, das die AG ihre Kampfmittel einsetzen.
    und, stimmt es, "Betroffene Arbeitnehmer erhalten S.-unterstützung von den Gewerkschaften, betroffene Unternehmen Ausgleichszahlungen von den Arbeitgeberverbänden. "?
    Dann würde ja einzig der Kunde der Leidtragende hier sein. die gegnerischen Parteien erhalten ja Ausgleich ?
    Das ist doch dann kein "Kampf" !

  10. 83.

    Wenn die Verhandlungen scheitern, dann ist ein Streik ein legitimes Mittel um die Arbeitgeber zum annehmbaren Angebot zu bewegen, gesetzlich vorgesehen. Vor es zum Streik kommt, müssen die Mitglieder diesem zustimmen.
    Also, alles so gesetzlich vorgesehen.
    Die Kunden müssen sich halt darauf einstellen.

  11. 82.

    Das ist keine Stimmungsmache. Das sind die Tatsachen. Die GDL kämpft nicht nur für ihre Mitglieder sondern auch um ihr Ego und das alles auf dem Rücken der Bahnfahrer, vor allem der Pendler. Warum kämpfen sie den nicht gemeinsam mit mit der anderen Eisenbahnergewerkschaft? Das hätte viel mehr Gewicht. Arbeitskämpfe sind wichtig, aber dazu gehört auch Kompromissbereitschaft. Die vermisse ich allerdings bei der GDL.

  12. 81.

    Verlieren die DGB-Gewerkschaften innerhalb kurzer Zeit auch dutzende Verfahren zum gleichen Thema, nämlich zur Zahl der Organisierten im Betrieb, die die nicht offen legen wollen?

  13. 80.

    @ Dagmar

    sehr treffend an Hr. Neumann beschrieben. Meine Zustimmung. Wichtig ist auch, dass man sich informiert undnicht nur aus Egoismus hier gegen die Gewerkschaft ledert. Ich finde, die EVG ist beim Thema Betriebsrenten gerade merkwürdig still.

  14. 79.

    Ihr stößt hier auf wenig Verständnis ,weil es Millionen von Arbeitnehmer gibt ,denen es viel viel schlechter geht wie euch
    Coronaprämie bekommen viele nicht ,auch wenn sie eine verdient hätten ,da seit ihr bei weitem nicht dabei

    Nur ein Punkt habt ihr ,wo ihr recht habt ,da hab ich mich gerade schlau gemacht ,das ist die betriebsrente ,die wohl wirklich gekürzt oder gar gestrichen werden soll ,da bin ich bei euch
    Auch wenn ich mich dazu schonmal falsch geäußert habe SORRY
    ZU WESELSKY SAG ICH MAL NICHTS

  15. 78.

    Soll man jetzt sagen, dass genau ist es, was einen Streik ausmacht? Nicht nur dasitzen sondern auch kämpfen? Vielleicht bekommt man dadurch mehr Verständnis.

  16. 77.

    Die DGB - Gewerkschaften, aber auch beispielsweise die GDL sind wichtige Arbeitnehmervebände, weil ohne sie würde es um die Arbeitnehmer schlecht bestellt sein.
    Übrigens, auch die DGB - Gewerkschaften verlieren vor dem Arbeitsgericht manch einen Rechtsstreit, naturgemäß summieren diese sich im laufe der Jahre .
    Ich verstehe nicht, warum manche Leute den Arbeitgebern die volle Macht über die Arbeitnehmer überlassen wollen.
    Vor der Wiedervereinigung war im Westen in dieser Sache alles klar, und regelmäßige angemessene Lohnerhöhungen etc. wurden als selbstverständlich angesehen.

  17. 76.

    Ich arbeite auch in einer systemrelevanten Infastruktur, ohne die große Teile Berlins im Winter im Kalten sitzen würden. Habe auch keine Corona-Prämie bekommen. Gehen wir deswegen gleich auf die Barrikaden? Einfach mal an die denken, die bisher deutlich schlechter durch die Krise gekommen sind und mit dem zufrieden sein, was man hat.

  18. 75.

    Wie sollte das Angebot den sein ,daß es keine Nebelkerze ist ,bis ihr mal zufrieden seit
    20 Prozent mehr Lohn, 10 Tage mehr Urlaub ,2000 Euro coronaprämie usw. ,dan gehe ich auch zur DB, ( ironisch)
    Ihr seit so verbohrt

  19. 74.

    Liebes rbb24, Sie sollten nicht nur mit der Überschrift "Bahn scheitert mit Angebot an Lokführer - Streik findet wie geplant statt" Stimmung gegen die GDL machen, sondern auch dazu schreiben, dass die Bahn keinen konkretes Angebot gemacht hat. Eben eine Nebelkerze.
    Auch mit "Streik im Güterverkehr wird deutliche Auswirkung auf Industrieproduktion haben" treffen Sie nicht den Kern, wenn man davon ausgeht, das Güter, die mit der Bahn transportiert werden, gegenüber dem LKW, nur bei ca. 18% liegt. Sie, als Öffentlicher Rundfunk, sind zur Neutralität verpflichtet und nicht Stimmung gegen eine Gewerkschaft zu machen die sich in einer berechtigten Tarifauseinandersetzung befindet.

  20. 73.

    Ok, danke für die Info ,
    Ich weiß auch das bei der DB nicht alles top ist ,aber wo ist es das schon
    Ich komme mit manchen Methoden Weselsky, s nicht klar ,die sind doch manchmal sehr kundenfeindlich
    Eigentlich müsste jeder , ob Weselsky, Seiler, Lutz usw. Hier den Hut nehmen ,und der neue DB Vorstand sollte aus Qualifizierten Personen bestehen ,der gdl würde es ihrem Image gut tun

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