Ab Donnerstag - GDL kündigt fünftägigen Bahnstreik im Personenverkehr an

Claus Weselsky, Vorsitzender Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), spricht bei einer Kundgebung der GDL (Bild: dpa/Henning Kaiser)
Video: Abendschau | 30.08.2021 | Christina Rubarth | Bild: dpa/Henning Kaiser

Als "Provokation" bezeichnet GDL-Chef Weselsky die jüngsten Äußerungen der Deutschen Bahn - und ruft zum dritten Mal binnen weniger Tage zum Streik auf. Den Auftakt macht am Mittwoch der Güterverkehr - der Personenverkehr folgt am Donnerstag.

Die Lokführergewerkschaft GDL hat im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn neue Streiks angekündigt. Der dritte Streik binnen weniger Wochen wird zugleich der bislang längste im aktuellen Tarifkonflikt sein.

Wie GDL-Chef Claus Weselsky am Montag in Frankfurt am Main sagte, beginnen die Arbeitskampfmaßnahmen am Mittwoch um 17:00 Uhr im Güterverkehr und im Personenverkehr am Donnerstag um 02:00 Uhr morgens. Enden sollen die Streiks am Dienstag kommender Woche um 02:00 Uhr früh. Ihm tue es leid für die Bahnpassagiere, verantwortlich dafür sei aber der "unbelehrbare Bahnvorstand", so Weselsky.

Auch S-Bahn und Regionalverkehr werden "massiv" betroffen sein

Es muss davon ausgegangen werden, dass der neue Streik auch wieder den S-Bahn- und Regionalverkehr in Berlin und Brandenburg stark treffen wird. Auf welchen Strecken mit Zugausfällen und Einschränkungen gerechnet werden muss, konnte die Deutsche Bahn am Montag noch nicht konkretisieren.

Auf der Internetseite der Bahn [bahn.de] hieß es am Montag: "Aufgrund eines angekündigten Streiks der GDL wird der Regionalverkehr der DB in Berlin und Brandenburg vom 2. bis 7. September morgens vsl. massiv beeinträchtigt sein. Wir arbeiten derzeit an der Erstellung eines reduzierten Ersatzfahrplanes. Wir erwarten, bis zum 31.08. 14 Uhr erste konkrete Informationen zur Verfügung stellen zu können, welche Linien voraussichtlich bedient werden können und auf welchen Strecken ein Ersatzverkehr mit Bussen angeboten werden kann."

Grundsätzlich wolle man "ein verlässliches Mobilitätsangebot" von rund einem Viertel der üblicherweise geplanten Züge im Fernverkehr machen. Im Regional- und S-Bahnverkehr soll es demnach erneut ein Grundangebot von 40 Prozent der Züge geben.

Fahrgastverband hat kein Verständnis für GDL

Das Management der Deutschen Bahn habe den dritten Streik in diesem Tarifkonflikt provoziert, da es sich weigere, ein neues Angebot vorzulegen. Solange kein neues Angebot des Bahnvorstands auf dem Tisch liege, bleibe keine andere Wahl als Streik. "Das ist eine der längsten Arbeitskampfmaßnahmen, die wir durchführen, und zwar absichtlich", sagte Weselsky. "Irgendwann begreift das Management, dass man einen Krieg mit den eigenen Beschäftigten nicht gewinnen kann." Ein unbefristeter Streik stehe aber nicht zur Debatte.

Die Bahn bezeichnete in einer ersten Reaktion am Montagabend den neuerlichen Streik als "völlig überzogen". Der Streik sei "durch nichts gerechtfertigt", sagte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler. "Der GDL-Spitze geht es ausschließlich darum, ihre Macht auszuweiten - und das zulasten der Reisenden und der Wirtschaft", sagte Seiler. Beide Seiten lägen lediglich bei der Laufzeit auseinander. Der Vorstand forderte die GDL dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Kritik am angekündigten fünftägigen Streik im Personenverkehr übt auch der Fahrgastverband Pro Bahn. "Es gibt gewisse Rechte im Grundgesetz, aber ich muss damit auch sehr behutsam umgehen", sagte der Ehrenvorsitzende des Vereins, Karl-Peter Naumann, am Montag. "Das ist, glaube ich, nicht mehr der Fall." Mit der Streikwelle schade die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) dem Ruf der Eisenbahn und der angestrebten Verkehrswende. "Ich kenne genügend Leute, die sagen: Wenn das so weitergeht, dann war's das mit Bahnfahren."

Irgendwann begreift das Management, dass man einen Krieg mit den eigenen Beschäftigten nicht gewinnen kann.

GDL-Chef Claus Weselsky

Dritter Streik binnen drei Wochen

Der Arbeitskampf des Zugpersonals hatte schon im August zwei Mal für einige Tage große Teile des Fern- und Nahverkehrs lahmgelegt und die Reisepläne von Millionen Fahrgästen durchkreuzt. In Berlin und Brandenburg waren auch die S-Bahn und der Regionalverkehr betroffen. Inwiefern diese Bereiche auch beim dritten Streik betroffen sein werden, ist noch unklar.

Die GDL fordert eine Tariferhöhung um 3,2 Prozent und eine Corona-Prämie von 600 Euro. Die Bahn ist zu einer Lohnerhöhung in diesem Volumen bereit, aber erst später als von der Gewerkschaft gefordert. Gesprächsbereit ist der Arbeitgeber auch zu einer Corona-Prämie, wenn auch bislang ohne beziffertes Angebot. Streit gibt es außerdem über die anstehende Reform des Betriebsrentensystems.

Sendung: Inforadio, 30. August 2021, 17:20 Uhr

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202 Kommentare

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  1. 202.

    ... bin da ganz bei Ihnen - bei mir ist auch jedes Verständnis für dieses verschwunden und wenn ich mich so umhöre im Bekanntenkreis dort auch. Sorry, aber wenn die Arbeitnehmer mit dem Auftreten des Herrn W. einverstanden sind, dann verstehe ich, die in der Tourismusbranche arbeite und mit meinem Mann seit einiger Zeit in Kurzarbeit bin, nicht mehr. Dienst am Kunden ..... und so schlecht ist die Bezahlung bei aller Liebe bei der Bahn nun auch nicht .... und jeder kann entscheiden, ob er für das Gehalt arbeiten will oder nicht. Meine Meinung.

  2. 201.

    Achsoooo.....Sie meinen also, man sollte kleinen "Nischengewerkschaften" das Streikrecht aberkennen?? Warum wird hier eigentlich die DB als Opfer hingestellt? Was die DB vor den Mikrofonen sagt und was sie im Hintergrund macht, sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Aber wie man sieht, es wirkt und die DB fühlt sich wohl in ihrer Opferrolle.... Die böse Nischengewerkschaft hat mal den A... in der Hose und sagt nicht nur Ja und Amen, wie es die größere EVG in der Vergangenheit tat. Sogar Nullrunden hat sie durchgewunken.

    Anfangs waren die Lokführer Beamte, die nicht streiken durften. Dann kam die Politik und hat die Älteren in den Ruhestand geschickt und die Jungen als Angestellte weiterbeschäftigt. Schuld eigene! Wenn man so weit nicht denken kann, darf man sich auch jetzt nicht beschweren.

    Ich wünsche der GDL weiter viel Erfolg und lasst Euch nicht unterkriegen durch diese hetzende Medienmache!!!

  3. 200.

    Und was macht der Bahnchef dann genau? Die 130€, die ich für Monatskarten ausgebe, zurückzahlen?

    Ja ich stimme seine Gehaltserhöhung ist ein Witz... Aber es gibt genug andere die wesentlich weniger verdienen. Ein bekannter von mir, Pizzalieferant hat z.B. 11€/h. Wenn jetzt JEDER streikt der noch weniger verdient und die Möglichkeit hat dies zu tun dann ist doch das Land noch mehr im Chaos? Brauchen wir das wirklich in der aktuellen Situation?

    Mein Nachbar ist Zugbegleiter, der "muss" streiken, auch wenn er selbst der Meinung ist es sei komplett überzogen!

  4. 199.

    Wenn man am Band steht und das gleiche macht, warum muss dann jeder das allein aushandeln was man verdient?
    Sicherlich ist Software kein Hobby und es funktioniert auch meistens. Hundertprozentig sicher ist diese aber nicht.
    Und manipulieren kann man diese auch und das geschieht auch immer wieder.

  5. 198.

    Gehen sie mal bitte zum Bahnhof und schauen sich die Züge ,da werden überrascht sein wo die Führerstände sind. Abgeschottet vom Fahrgast. Also bitte nicht so arrogant, Als alter Reichsbahner hab ich auch kein Verständnis für den ''Streik''

  6. 197.

    Für die Erstattung wenden sie sich an den Bahnchef. Der hatte kein Problem sein Einkommen um 90000 Euro zu erhöhen, Das sind 2 Jahreseinkommen der Lokführer. Der ist schließlich dafür verantwortlich das gestreikt wird. Man kann nicht aus den Vollen schöpfen und die Mitarbeiter sollen auf ein vernünftigen Einkommen verzichten.

  7. 196.

    Die Automatisierung ist keine neue Idee. Man schaue nach Shanghai, Kuala Lumpur und Dubai wo solche Systeme bereits Realität sind.

    Die Zeit in der Software ein Hobby war ist vorbei. Es gibt hier Auflagen die geprüfte werden können um sicher zu stellen das es keine Probleme gibt. Das geht soweit dass, das menschliche Versagen ein inakzeptables Risiko ist.

    Was meine Gehaltsverhandlungen angeht bin ich zwar kein Geschäftsführer aber der Mindest eines Geschäftsführers hilft bei den Verhandlungen. Man sollte sich klar sein über seine Fähigkeiten. Ein weiterer wichtiger Faktor ist hier (und da kann man kollektiv handeln) für bestimmte Beträge nicht zu arbeiten. Eine Gewerkschaft kann zwar die Arbeit zeitlich niederlegen aber sie kann die Belegschaft nicht Kündigen und einen besseren Vertrag bei anderen Arbeitgebern aushandeln.

    Was den Teamgeist angeht unterstützt man sich gegenseitig in den Arbeitsthemen. Wenn es zum Gehalt geht sollte das jeder für sich durchsetzen.

  8. 195.

    Es ist der von Marx beschriebene Interessengegensatz zwischen Kapital und Arbeit, der hier zum Tragen kommt.
    Die Klassen stehen sich nach wie vor als Gegner gegenüber, auch wenn es nicht mehr so genannt wird.
    Aber hier zeigt es sich eben in Reinform.

  9. 194.

    Vorrausgesetzt das ihre Angaben stimmen das sie 50 bis 60 Stunden in der Woche arbeiten und dann weniger als 44000 Euro Brutto im Jahr verdienen dann stimmt irgendetwas nicht mit ihrer Ausbildung. Oder haben sie keine Ausbildung und wenn nicht woran hat es gemangelt ? Trauen sie sich nicht bei ihrem Chef mehr Geld ein zu fordern? Dann doch lieber über Lokführer motzen. Warum haben sie sich nicht als Lokführer beworben ?

  10. 192.

    Sie haben meine Antwort nicht auf Michael verstanden. Noch mal genau die Reihenfolge lesen.

  11. 190.

    Der Streik ist die einzige Möglichkeit für Arbeitnehmer:innen ihre Interessen durchzusetzen. Ohne Streiks hätten wir keine Arbeitnehmer:innenrechte. Die heute übliche 40-Stunden-Woche gäbe es nicht. Wer Streiks verbieten will ist entweder naiv oder gefährlich für die Mehrheit der Arbeitenden.

  12. 189.

    Es reicht! Zwangsschlichtung - fertig! Wie kann es sein, dass ein kleiner Teil der Bevölkerung für eigene Interessen das ganze Land in Geiselhaft nimmt? Dringend Gesetze ändern!
    Komischer Weise kommen die Privaten miteinander aus, ohne permanent zu streiken.

  13. 188.

    Die sollten sich gewerkschaftlich organiseren und dann höhere Löhne erstreiten.

  14. 186.

    Es gibt Dinge, die müssen ausgetragen werden. Und das ist der richtige Platz und nicht die Siegessäule oder das Brandenburger Tor. Die Kommentare hier kann man aushalten. Die Beteiligten machen ihren Job, einschließlich des Einsatzes von Medienbeeinflussung - das gehört dazu. Die scharfe Wortwahl muss man nicht mögen, klare Haltung und Positionen sind aber klar erkennbar.

  15. 185.

    Und was ist mit denen die noch wesentlich weniger verdienen und auf die Bahn angewiesen sind um zur Arbeit zu kommen?

    Irgendwo hört bei mir dann auch das Verständnis irgendwann mal auf, mit jedem Streiktag geht bei mir ein Urlaubstag drauf.

    Ich empfinde die Streiks mittlerweile als eine dreiste Frechheit. Andauernd hat die Bahn bei uns Verspätungen von 10-60min und dann noch sowas.

    Ach und da ich mit Monatsticket fahre bekomme ich wohl auch nichts erstattet?

    Und bei sowas noch Solidarität von der Bevölkerung erwarten? Die schneiden sich doch ins eigene Fleisch langsam aber sicher.

  16. 184.

    Was bei immer höheren Löhnen passiert, kann man aktuell an dem deutschen Werften sehen. Sie sind auf dem Weltmarkt nicht mehr konkurrenzfähig. Was nutzen den Werftmitarbeitern die letzten hohen Tarifabschlüsse, wenn sie ihren Job zum Jahresende verlieren?

  17. 183.

    Dann muss man halt alles automatisieren.
    Wenn etwas passiert, wer trägt die Schuld?
    Das muss vorher geklärt werden und nicht erst hinterher.
    300% Gehahltserhöhung, nicht schlecht, ich spekuliere mal!
    Sie sind Geschäftsführer und verhandelten mit sich selbst.
    Wenn jeder für sich allein kämpft hat man immer schlechte Karten.
    Mit Gewerkschaft hätten Sie vielleicht 600% erreicht.
    In größeren Betrieben ist dann auch meistens das Betriebsklima nicht so besonders gut und allein ist man auch nicht auf der Welt.
    Wenn man sich für etwas besonderes hält und diesen Hochmut auch zeigt kann man ganz schnell gegen eine Wand laufen. Miteinander zu arbeiten ist besser als gegeneinander und viele Gewerkschafter können größeren Druck ausüben als Einzelkämpfer.
    Ein Messi allein ist gut aber ohne Mannschaft nichts!

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