Zahlen von Immowelt - Angebotsmieten steigen in Berlin bundesweit am stärksten

Ein Mann geht vor der Kulisse von innerstädtischen Wohnhäusern über eine Brücke. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Audio: Inforadio | 04.08.2021 | Peter Klinke | Bild: dpa/Britta Pedersen

Wohnen in Berlin wird immer teurer - das belegen auch neue Zahlen des Internetportals Immowelt, das die Preisentwicklung der vergangenen fünf Jahre ausgewertet hat. Auch der Mietendeckel konnte das nicht verhindern.

Die Angebotsmieten in Berlin sind in den vergangenen fünf Jahren so stark gestiegen wie in keiner anderen Stadt in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des Immobilienportals Immowelt, das zum Axel-Springer-Verlag gehört.

Das Portal hat die Angebotsmieten von Wohnungen (40 bis 120 Quadratmeter, alle Baujahre) im jeweils ersten Halbjahr 2016 mit denen des ersten Halbjahres 2021 verglichen. Berücksichtigt wurde dabei eine Inflationsrate von acht Prozent in dem Zeitraum.

Portale: Preissteigerungen werden anhalten

Die Berechnungen ergaben für Berlin, dass die Angebotsmieten im Jahr 2016 bei durchschnittlich neun Euro pro Quadratmeter lagen. Im ersten Halbjahr 2021 habe dieser Wert bei 12,80 Euro gelegen, was einem Anstieg von 42 Prozent entspreche, obwohl zum Teil der Mietendeckel in Kraft war, wie das Portal in einer Mitteilung schreibt. In keiner der anderen 33 untersuchten Städte sei ein so hoher Wert erreicht worden, berichtet Immowelt weiter. Zum Vergleich: In München stiegen die Angebotsmieten in dem Zeitraum um 24 Prozent, in Hamburg um 19 Prozent.

Nach dem Aus des Mietendeckels im April dieses Jahres sei es in Berlin schon zu Nachholeffekten gekommen, "die sich wahrscheinlich auch in den kommenden Monaten fortsetzen werden", so Immowelt. Im Mai war auch der Immowelt-Konkurrent Immoscout zu dem Ergebnis gekommen, dass die Angebotsmieten im Vergleich der deutschen Metropolen in Berlin am stärksten ansteigen. Dies sei auf Nachholeffekte nach der Zeit des Mietendeckels zurückzuführen, analysierte auch Immoscout. In Berlin komme es aufgrund der höchsten Nachfrage und des niedrigen Ausgangsniveaus noch zu deutlichen Preissteigerungen.

Stadtsoziologe Holm: Angebot während Mietendeckels deutlich geschrumpft

Bei diesen Zahlen müsse jedoch berücksichtigt werden, dass sie nicht das komplette Bild zeigen, schränkte Andrej Holm, Stadtsoziologe an der Humboldt-Universität in Berlin, im Gespräch mit rbb|24 ein. "Hier geht es um Marktmietpreise, und das Angebot ist während des Mietendeckels in Berlin klar zurückgegangen. 2016 gab es ein viel größeres Angebot als 2020", so Holm.

Einige Vermieter hätten schon vor Inkrafttreten des Mietendeckels angekündigt, von nun an zurückhaltend mit Mietangeboten umzugehen und keine Annoncen mehr auf Portalen zu schalten. "Andere hatten in den Zeiten des Mietendeckels gar keine Annoncen mehr nötig und haben darauf verzichtet, weil sonst 600 Interessenten auf einmal da gewesen wären", so Holm. Viele Wohnungen seien in dieser Zeit über persönliche Kontakte vergeben worden.

"Angebotsmieten zeigen immer einen Trend und geben Aufschluss über Ertragserwartungen. Wird die Lücke zwischen Bestandsmiete und Angebotsmiete zu groß, wächst die Gefahr der Verdrängung", so Holm.

Studie: Fast 13 Prozent der Mieterhaushalte in prekärer Lage

Derweil zeigt eine am Mittwoch präsentierte Studie, an der Holm mitgewirkt hat, dass auch in Berlin immer mehr Menschen durch steigende Mietpreise in Existenznöte geraten. Deutschlandweit bleibt fast 1,1 Millionen Haushalten nach Abzug der Miete weniger als das Existenzminimum zum Leben übrig, wie die von Holm im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung durchgeführten Studie ergab. Besonders stark davon betroffen seien Großstädte wie Berlin, so die Studie.

Fast 13 Prozent der Mieterhaushalte in deutschen Großstädten seien in einer prekären wirtschaftlichen Lage. Insgesamt leben in den betroffenen Haushalten rund 2,1 Millionen Menschen. Besonders stark betroffen sind der Studie zufolge Haushalte von Alleinerziehenden. In dieser Gruppe bleibe einem guten Viertel nur ein Resteinkommen unterhalb des Existenzminimums.

Die Studie bezieht sich auf Mikrozensusdaten aus dem Jahr 2018. Zu diesem Zeitpunkt lag das steuerfreie Existenzminimum für einen Erwachsenen bei 9.000 Euro, für Ehepaare bei 14.856 Euro.

Sendung: Inforadio, 4. August 2021, 12:40 Uhr

46 Kommentare

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  1. 46.

    Weil das Programm größer aufgelegt war, als genutzt? Anders herum wäre weniger gut gewesen. Oder wie meinen Sie Ihren Kommentar?

  2. 45.

    Wer ist denn aus Ihrer Sicht die Stadt? Dem Kommentar nach Gutverdienende. Wo bleibt der Rest? Vor den Toren der Stadt?

  3. 43.

    Ein Beispiel wie weit Rot-Rot-Grün in einer eigenen Welt lebt:

    "Nach dem Mietendeckel-Urteil des Bundesverfassungsgerichts haben sehr viel weniger Haushalte finanzielle Überbrückungshilfe des Landes Berlin beantragt als zunächst gedacht. Während die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im April noch mit rund 40.000 Berlinern rechnete, die potenziell finanzielle Unterstützung benötigen könnten, haben tatsächlich nur 1565 Haushalte bis zum Ende der Frist am 30. Juni einen Antrag auf die Sicher-Wohnen-Hilfe gestellt", erklärte Behördensprecherin Petra Rohland.

  4. 42.

    Das ist auch kein Wunder, Berlin hatte die niedrigsten Mieten im Vergleich zu anderen Großstädten. Es wird Zeit das hier mal die Mieten angehoben werden damit nicht noch mehr Leute in Stadt kommen um hier Party zu machen. Allein 60 % der Mietwohnungen werden von Single Haushalten bewohnt.

  5. 41.

    Entschuldigung
    wer Nordkorea und China (vielleicht zur Zeit auch noch Polen, Ungarn und die Türkei) als Referenz nimmt
    der
    hat wirklich
    jede Art von Realität verloren !

    Kuba war ich im Urlaub - schönes Land - super Menschen! Ein Traum ! Aber die Leute verhungern. Verdienen 18 $ im Monat. Dann ziehen sie doch dahin wenn es so toll ist

  6. 40.

    Die Kommunistische Partei in China , die beansprucht die allein Herrrschaft nach dem alt bekannten kommunistisch geprägten diktatorischen Mustern, aber die Wirtschaft betreffend, da kann es ihr nicht kapitalistisch genug sein. Die Führung profitiert mit reichlich Baren von von ihr protegierten Kapitalisten, und wenn einer mal in Ungnade gerät, wird er kurzerhand zum Tode verurteilt.

  7. 39.

    Genau so ist es, vielen Dank für den Kommentar! Ich erinnere mich auch noch an 2010 und es galt, wer seine oder eine Wohnung kaufte, wurde schief angeschaut. Heute stehen Sie alle Schlange, ach hätte ich doch damals gekauft.. Im Jahr 2030 werden die Menschen auf das Jahr 2020 zurück schauen und diesen Spruch bestimmt wieder bringen. Jede Wette!

  8. 38.

    Kuba, ist natürlich ein tolles Beispiel für funktionierenden Sozialismus... Das ist ja als würde ein Farbenblinder einem die Farben erklären oder ein Kinderloser über Kindererziehung dozieren... You made my day - Ich kann nicht mehr vor lachen!

  9. 37.

    Genau, dann werden demnächst wie schon beim Mietendeckel-Experiment gesehen frei werdende Wohnungen gar nicht mehr vermietet. Ich habe bisher mit dem genannten "Mieterverein" nur sehr schlechte Erfahrungen gemacht, durch ihn wurde das Verhältnis zu meinem Vermieter deutlich verschlechtert!

  10. 35.

    Warum wird das so reißerisch dargestellt? Es zeigt doch nur, dass die Menschen seltener umziehen (also weniger günstigere Wohnungen zur Neuvermietung frei sind) und die neu angebotenen Wohnungen (viele Neubauten) aufgrund steigender Bodenpreise und Baukosten nicht mehr billig angeboten werden können.

    Angesichts der Aussage "Die Angebotsmieten in Berlin sind in den vergangenen fünf Jahren so stark gestiegen wie in keiner anderen Stadt in Deutschland. " frage ich mich doch, warum hier Äpfel mit Birnen verglichen werden und sich keiner aufregt? Wenn eine Wohnung Baujahr 2016-2021 fertiggestellt in die Neuvermietung geht ist der Mietpreis natürlich höher als wenn ich eine 50 Jahre alte Bestandswohnung vermiete. Und viele günstige Wohnungen wechseln zudem unter der Hand den Mieter.

  11. 34.

    In den Jahren 2001 bis 2014 sind viele Menschen mit Hartz-VI-Leistungen unter dem Motto "Arm, aber sexy" aus anderen Städten im Bundesgebiet nach Berlin gezogen. Nun ziehen Menschen mit richtigem Einkommen in die Stadt und fragen Wohnungen nach. Wenn ich mir etwas nicht mehr leisten kann, muss ich etwas entweder bei den Einnahmen oder den Ausgaben verändern (z.B. Wohngeld beantragen, Zweitjob annehmen, um Einnahmen zu steigern oder gar eine kleinere Wohnung mit geringerer Miete beziehen bzw. in eine weniger nachgefragte Lage mit günstigerer Miete ziehen).

    Gerade u.a. in Berlin zeigt es sich stärker, weil es außerdem über Jahre (wenn nicht sogar Jahrzehnte) einen absoluten Stillstand bei Gehältern und Mieten gegeben hat. Die aktuelle Veränderung ist mit dem üblichen "Schmerz der Veränderung" verbunden, weil in aller Regel erst die Preise und dann die Gehälter steigen. Dass sich Berlin wirtschaftlich entwickelt wird der Stadt schlussendlich gut tun.

  12. 33.

    #Jochen, in jedem Land ist der Sozialismus nicht schiefgegangen. Neben Nordkorea und Kuba gibt es auch noch China. Hier regiert immerhin eine kommunistische Partei.
    Jetzt kommt natürlich der Aufschrei: aber diese armen Menschen leben nicht in einer Demokratie und von Freiheit träumen sie nur. Ja, diese Menschen leben nicht in einer Freiheit und Demokratie nach westlichen, kapitalistischen Vorstellungen und Maßstäben. "Leider" lassen sich unsere Vorstellungen von Freiheit und Demokratie nicht exportieren. Das hat die USA u.a. in Vietnam gespürt und jetzt mit uns gemeinsam in Afghanistan.

  13. 32.

    "RRG soll Sozialwohnungen bauen und das Geld nicht für Radwege und Betonpoller verschwenden."

    RRG sollte Sozialwohnungen bauen, Wohnungskonzerne enteignen, die Spekulation begrenzen, Radwege und Poller bauen und nicht den Verkehr des letzten Jahrtausends (ja, ich meine den KFZ Verkehr) subventionieren.

    Hat zwar mit dem Thema nichts zu tun, aber hat das gleiche Niveau wie ihr Beitrag

  14. 31.

    Berlin und hohe Mieten. Ja solange die Mieten günstig sind interessiert niemand was zu kaufen- wenn sie dann steigen wird gejammert. Man sollte als Bürger schon etwas Eigenverantwortung haben und etwas voraus denken,
    sich immer auf den Staat zu verlassen ist doch fatal - dann ist man verlassen.

    Nebenbei gesagt - ein Freund hat 2008 in Wedding eine 63 m² Wohnung für 40.000 € gekauft und hat noch 10.000 € vom Staat Eigenheimzulage bekommen. Mir wurde 2011 in tempelhof 100 m² für sage und schreibe 24.000 € angeboten. Hab ich aber nicht gekauft, da Tempelhof damals ziemlich schlecht war und ich auch schon eine Wohnung hatte.
    That’s it.

  15. 30.

    Wie recht Sie haben, tatsächlich gab es 2010 und 2011 permanent zig tausende supergünstige Wohnungen in Angebot.
    Da in Berlin die Mieten damals sehr günstig waren, hatten die Einheimischen wohl wenig Interesse an Erwerb dieser Wohnungen gehabt, und haben sie den Auswärtigen als Anlage oder Rentenvorsorge überlassen. Man wusste schon damals wie wichtig es ist vorzusorgen, und ebenso war klar, dass die Mieten in Berlin nach und nach mindestens den Bundesdurchschnitt erreichen werden.
    Der Senat, in seinem Unwillen den zunehmenden Wohnungsmangel durch Wohnungsbauförderung abzumildern, hat eigentlich die übermäßig gestiegene Immobilien - und Mietpreise zu verantworten

  16. 29.

    Die Baukosten werden auch no h weiter immens steigen wenn jetzt auch noch die Ueberzogenen Forderungen für den Klimaschutz dazu kommen. Nicht sinnvolle überdimensionierte Daemmunngen. Sonnenkollektoren auf jdem Dach, dazu Gruendaecher. Dazu kommen natuerlich der Einbau der Heizungsrohre Unterlputz etc. Alles sachen die den Wohnungsbau verteuern, der Umwelt unter Unststaenden nicht hilft, aber die Miete teuer macht.

  17. 28.

    Was heißt hier "auch der Mietendeckel konnte das nicht ändern" ? Der Mietendeckel ist ein Teil der Ursache der steigenden MIeten.

  18. 27.

    Wenn das Angebot 2016 deutlich größer war, dann ist davon auszugehen, dass damals auch ein ganz anderes Verhältnis von (weniger) Neubau- und (mehr) Bestandswohnungen vorlag. Dann handelt es sich weniger um Mietsteigerungen sondern es ist ein Ausdruck des knappen Angebots. Heutige Baukosten erfordern höhere kostendeckende Mieten im Neubau, die heute in den Internetportalen angeboten werden. Die niedrigen Mieten des sozialen Wohnungsbaus erscheinen dort genauso wenig, wie viele Wohnungswechsel bei den Genossenschaften.

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