Tarifstreit in der Pflege - Verdi kündigt ab Montag Warnstreiks bei Charité und Vivantes an

Di 17.08.21 | 19:00 Uhr
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Archivbild: Eine Verdi-Fahne sowie ein Plakat hängen bei einem Streik von Beschäftigten der Berliner Charite am Bettenhochhaus. (Quelle: dpa/C. Soeder)
Video: Abendschau | 17.08.2021 | Tobias Schmutzler | Bild: dpa/C. Soeder

Verdi hat für kommenden Montag bis Mittwoch einen Arbeitskampf in den Krankenhäusern von Vivantes und Charité angekündigt. Ab Dienstag könnten ganze Stationen geschlossen bleiben, droht die Gewerkschaft.

Die Gewerkschaft Verdi hat für kommenden Montag bis Mittwoch Arbeitskampfmaßnahmen in den Krankenhäusern von Vivantes und Charité angekündigt. "Die Arbeitgeberseite ist weiterhin nicht bereit, sich ernsthaft mit den Forderungen der Beschäftigten auseinanderzusetzen", sagte Meike Jäger, Landesfachbereichsleiterin bei Verdi Berlin-Brandenburg und Verhandlungsführerin, am Dienstag. Im nächsten Schritt könnten die Beschäftigten per Urabstimmung einen unbefristeten Erzwingungsstreik beschließen.

Der Fachkräftemangel in verschiedenen Bereichen sei sehr groß. "Der Druck ist da, nicht erst seit Corona", so Jäger: "Momentan bleibt und gar nichts anderes übrig als zu streiken."

Ab Dienstag sollen komplette Stationen geschlossen werden, sagte Tim Graumann, Verhandlungsführer für Notdienstvereinbarungen. Bei Vivantes haben demnach zwölf Teams und bei der Charité sieben Teams angekündigt, ab dem Frühdienst nicht mehr auf der Station zu erscheinen.

Charité: "Die Notfallversorgung wird sichergestellt"

Der Kommunale Arbeitgeberverband Berlin und Vivantes kritisierten die geplanten Warnstreiks am Dienstag in einer gemeinsamen Mitteilung. Bereits Anfang Juli habe Vivantes die Weichen für ein zeitnahes Verhandlungsergebnis gestellt und eine Schlichtung vorgeschlagen, hieß es.

Verdi blockiere den Vorschlag und verhindere das sowie eine zeitnahe Lösung des Tarifkonflikts. "Streiks sind in der aktuellen Verhandlungssituation absolut fehl am Platz und bringen uns kein Stück weiter. Dementsprechend haben wir absolut kein Verständnis für dieses Vorgehen", erklärte Dorothea Schmidt, Personalgeschäftsführerin bei Vivantes.

Die Charité reagierte ebenfalls am Dienstag auf die Entscheidung. "Der Vorstand der Charité Berlin bedauert die angekündigten Warnstreikmaßnahmen in der Pflege", teilte das Krankenhaus auf Twitter mit. Die Charité bemühe sich nun, mögliche Einschränkungen für Patientinnen und Patienten zu vermeiden. "Betroffene werden so früh wie möglich informiert. Die Notfallversorgung wird sichergestellt", hieß es.

100-tägiges Ultimatum läuft Freitag ab

Zuvor hatten die Beschäftigten dem Berliner Senat und Arbeitgebern ein 100-tägiges Ultimatum gestellt, um bessere Ausbildungsbedingungen, eine stärkere Entlastung und eine Bezahlung aller Beschäftigten nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) durchzusetzen. Verdi forderte zunächst eine Mindestpersonalaustattung für Stationen und Bereiche. Außerdem sollten alle Charité- und Vivantes-Mitarbeiter gleichbezahlt werden. Aktuell verdienen Mitarbeiter von Vivantes-Tochterunternehmen deutlich weniger als Vivantes-Mitarbeiter.

Nach Ablauf des Ultimatums, am Freitag dieser Woche, hatte Verdi einen Arbeitskampf noch vor der Abgeordnetenhauswahl in Aussicht gestellt.

Die Geschäftsführung von Vivantes wies die Forderung der Gewerkschaft zuletzt als zu teuer zurück. Sie würde nach ihrer Einschätzung dazu führen, dass weniger Kranke behandelt werden könnten. Das wiederum würde zu einem Stellenabbau sowie einem Defizit in Höhe von 60 bis 80 Millionen Euro führen, hieß es.

Sendung: Inforadio, 17.08.2021, 12 Uhr

24 Kommentare

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  1. 24.

    Die Streiks sind längst überfällig geworden. Sogenannte Tochterunternehmen (oder Subunternehmer) sind gegründet, um Unterbezahlung zu zementieren. Hier wäre mal ein "Linksgrün*innen" politisches Verbot ausnahmsweise angemessen. Ob die das jemals machen? Und wir sehen einige Kommentare hier, die die eigenen Versicherungsbeiträge sicher gerne "aufstocken" um Pflege würdig zu gestalten...

  2. 23.

    Janin, wir alle sind stärker als gewisse Typen denken. Wer mal die Leistung von Pflegepersonal kennen gelernt hat, der möchte unbedingt eine angemessene Bezahlung für diese engsten Kontaktpersonen für die Patienten. Es gibt so viel überbezahltes Politikpersonal. Wir spüren ja täglich die Belastung bei den Preisen.

  3. 22.

    Ich finde, 1.000 Personen mit 200km/h durch Deutschland zu steuern eine verantwortungsvolle Aufgabe.
    Oder wollen wir da jetzt auch Niedriglöhner einsetzen???

  4. 21.

    Sie wollen ja wohl kaum die Arbeitsbedingungen der Lokführer mit denen von Pflegepersonal vergleichen? Die einzige Gemeinsamkeit dürfte der Schichtdienst sein, das war's aber auch schon. In der Pflege werden die Menschen seit Jahren übelst ausgebeutet und ausgeblutet. In der Pandemie war/ist kaum jemand so dicht dran an der Problematik wie Menschen, die Kranke und Pflegebedürftige betreuen, zum Teil unzureichend geschützt, mit viel zu wenig Personal und immer mehr Arbeit für's gleiche (bisschen) Geld. Wenn hier noch mehr aus Selbstschutz aufgeben (müssen), bricht außerdem unser Gesundheitssystem zusammen. Das betrifft dann alle.

  5. 20.

    Alles Gute für den Arbeitskampf!
    Ihr habt Euch Eure Lohnerhöhung verdient!

  6. 19.

    Wow es ist total schön eure positiven Kommentare zu lesen. Wir tun das richtige und wollen keine Patienten mehr gefährden. Wir wollen unseren geliebten Job wieder menschenwürdig ausführen, den Patienten helfen und Sie in Ihrer schwersten Zeit begleiten und keine Gewinne erzielen!!!!
    Danke für Euren Zuspruch das bedeutet uns viel.

  7. 18.

    Falsch, die Pflegekräfte streiken zurecht, da diese überhaupt keinen neuen Tarifvertrag haben und bundesweit unterirdisch bezahlt werden bei mehr Arbeit in Gegensatz zu anderen kommunalen Krankenhäusern. Bei der Bahn im Gegensatz geht es nur um die Macht der GDL, weil sie kleiner ist als die EVG.

  8. 17.

    Den Mitarbeitern bei der Deutschen Bahn geht es auch nicht gut! Sie haben anscheinend nicht verstanden worum es bei dem Streik der GDL geht!

  9. 16.

    Ich finde es auch gut das die Leute streiken, denn diese müssen viel erdulden und die Inflation ist auch sehr angestiegen! Ich wünsche den Beschäftigten alles gute und viel Glück beim Streik! Das alles kommt wie es sich die Beschäftigten vorstellen!

    Aber dennoch muss ich sagen, ich finde es faszinierend wieviel Zuspruch für diesen Streik findet aber alle auf die S-Bahner und Bahn Mitarbeiter rumgehackt haben als diese auch ihre Interessen durchsetzen wollten! Warum ist das so? Nur weil viele Berlinerin und Berliner auf die Öffis angewiesen sind? Trotzdem muss diese Branche auch gut bezahlt werden!

  10. 15.

    Verstehe ich das etwa richtig ? Das Personal / Pflegepersonal wird nicht mehr benötigt ? Wie kommt das ? So behandelt man Helden ? Verstanden; die wahren "Helden" wollen alle in den Bundestag. Kein Wunder bei dem Salär. Wer denkt eigentlich noch an die Sorgen der Normalbürger ? Etwa die Gewählten nach der Wahl ? Glaubt daran noch einer ?

  11. 14.

    Streik in der Pandemie-Zeit?
    Streik um Lohnerhöhung?
    Die Bürger in Geiselhaft?
    Waren das nicht die Parole, die von den Chlaqeuren der jetzigen Arbeitskampfmaßnahmen von Ver.di, gerufen wurden, als die GDL streikte?

  12. 13.

    Halt dich fest - manche von denen müssen gar nicht erst kündigen, weil ihr Vertrag von ganz alleine ausläuft, da sachgrundlos befristet, obwohl das Land Berlin und alle Unternehmen in seinem Besitz laut Senatsbeschluss von 2018 keine sachgrundlos befristeten Arbeitsverträge mehr abschließen sollen.

  13. 12.

    Mal sehen ob sich der Senat noch vor der Wahl um einen gescheiten Tarifvertrag einigen können oder ob der nächste Senat hoffentlich mit besser qualifizierteren das tun muss, ich tippe auf das 2te,da jetzt Wahlkampf ist und die Herrschaften wichtigeres zu tun haben, da Herr Müller ja unbedingt Bauminister werden will.

  14. 11.

    Für diese Beschäftigten hab ich volles Versändnis. Für die GDL weiterhin nicht.

  15. 10.

    Im Gegensatz zur GDL habe ich für diese streikenden Menschen vollstes Verständnis. Sie arbeiten oft sehr motiviert unter schlimmsten Bedingungen, die sich in der corona Krise noch verschlimmert haben. Und ihre Arbeit ist immens wichtig. Ich hoffe, sie erreichen, was sie sich erhoffen.

  16. 9.

    Ja, viel Erfolg! Für uns gesetzlich Versicherte ist es eine Katastrophe, wenn die öffentlichen Krankenhäuser weiter kaputtgespart werden. Auch, dass immer mehr Mitarbeitende in den Krankenhäusern dauerhaft kündigen und sich ganz andere Jobs suchen, weil sie unter den miesen Bedingungen nicht mehr arbeiten können.

  17. 8.

    Im Gegenteil zum sogenannten " Bahnstreik" der in erster Linie ein Machtkampf zweier Gewerkschaften ist stehe ich zu 100% hinter diesem Streik und wünsche allen Beteiligten viel Erfolg!l.
    Haltet durch ihr kämpft für eure Familien und für Euch, es ist ein gerechter Arbeitskampf gegen ein ungerechtes System.

  18. 7.

    Ich bin ganz bei den Streikenden und wünsche viel Erfolg, haltet durch. Wir wissen, dass dennoch die Notversorgung jederzeit gewährleistet wird.
    Vor einem Jahr wurden Pflegende, Krankenschwstern etc. für ihre ständige Einsatzbereitsschaft, oft bis zur Erschöpfung, beklatscht. In der Pandemie wurde das ganze Dilemma unserer Gesellschaft offensichtlich. Die mediz. Branche ist zwar nur ein Teil dessen, beschreibt den Notstand aber besonders deutlich (gefolgt von Kitas, Schulen, der öffentlichen Verwaltung etc.) Volmundig wurden seitens der Regierung Versprechungen gemacht, die es jetzt endlich einzulösen gilt. Die Noch-Regierenden und Bald-Regierenden täten endlich gut daran, die Versprechen der letzten Jahre einzulösen. Ändert, wenn es sein muss, umgehend § 4 des Krankenhausfinanzierungsgesetzes, damit die Krankenhäuser endlich mehr Personal einstellen können. Wer Millionen für unsinnige Auslandseinsätze in den Sand setzt, sollte anfangen, den Job besser zu machen!

  19. 6.

    Meine volle Unterstützung haben sie. Mal sehen wie "systemrelevant" die "Coronahelden" für die Politik noch sind.

  20. 5.

    Dank an die Arbeitenden der beiden großen Krankenhäuser!
    Vielmehr auch nicht dort Beschätigte sollten sich an Aktionen und Demonstrationen beteiligen - es geht nämlich um unser aller Gesundheitsversorgung - irgendwann wird jede*r mal krank...
    Es darf nicht sein, dass z.B. Putzfrauen nicht im Tarifvertrag mir drin sind.
    Es muss (wieder) sozial werden in der Stadt und im Land!!!
    Den Streikenden alles Gute und vor allem Erfolg!! Mein Unterstützung habt ihr!!

  21. 4.

    Ich wünschen den Beschäftigten der Branche viel Glück bei ihrem Arbeitskampf! Es reicht, Profite auf dem Rücken der Beschäftigten und Patienten zu erwirtschaften.

  22. 3.

    Tja so ist es nun mal, wenn man alles privatisieren muss. Da kommt es nur darauf an, dass viel Gewinn erwirtschaftet wird. Die Menschen bleiben dabei auf ganzer Linie auf der Strecke.

    In der medizinischen Branche sind es das Pflegepersonal und die kranken Menschen.

    Angeblich sollte sich ja soooo viel ändern, aber wie überall hat sich nichts verbessert. Im Gegenteil, die Zustände werden nur noch schlimmer! Ich kann jeden verstehen, der da raus will.

  23. 2.

    Endlich!
    Seit Jahren wird eine finanzielle Wertschätzung für die Menschen, die wichtige Leistungen erbringen in politischen Sonntagsreden angekündigt. Passiert ist in der Praxis viel zu wenig. Es gibt zahlreiche Ausnahmen und immer wieder neue Ausreden um flächendeckende gute tarifliche Gehälter zu unterlassen. Die Ökonomisierung auch im Gesundheitswesen geht weiter. Die extrem ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung geht weiter. Es wird Zeit dass das endlich beendet wird.
    Alle unter Tarif bezahlten und Ausgegliederte und Millionen andere Ausgebeutete müssten ihren Arbeitgebern klar und deutlich sagen: Zum 1. Oktober 2021 gibt es flächendeckende gute Tariflöhne und Gehälter oder es gibt einen Generalstreik. Krankenhäuser, Busse und Bahnen, Müllabfuhr und vieles andere werden sonst radikal geschlossen.
    Aber dazu wird es im unterwürfigen Arbeitnehmer- und Gewerkschaften-Luschen-Land nicht kommen.

  24. 1.

    Viel Erfolg bei dem Streik - bleibt standhaft!

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