Tarifstreit in der Pflege - Verdi bereitet Warnstreiks bei Vivantes und Charité vor

Di 17.08.21 | 10:54 Uhr
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Die Charité (französisch für Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Karitas) ist das älteste Krankenhaus von Berlin und mit über 3000 Betten eine der größten Universitätskliniken Europas. Wegen der Corona-Krise hat die Klinik ihren Betrieb auf ein reines Notfallprogramm zurückgefahren. Quelle: Christoph Hardt/Geisler-Fotopress/dpa
Audio: Inforadio | 17.08.2021 | U. Schuhmacher | Bild: Christoph Hardt/Geisler-Fotopress/dpa

Im Streit um bessere Arbeitsbedingungen in den Berliner Landeskrankenhäusern steigt der Druck auf die Klinikträger Vivantes und Charité. Die Gewerkschaft Verdi will noch am Dienstag bekanntgeben, ob es in Kürze zu Warnstreiks kommen könnte.

In der Hälfte der Berliner Krankenhäuser könnte es in der kommenden Woche zu Arbeitsniederlegungen von Pflegekräften kommen. Wie die Gewerkschaft Verdi am Montag mitteilte, würden derzeit Vorbereitungen für Arbeitskampfmaßnahmen in den Krankenhäusern der Träger Vivantes und Charité getroffen. Ob es Warnstreiks geben soll, wollte Verdi am Dienstag bei einer Pressekonferenz mitteilen.

Ultimatum läuft am Freitag ab

Sollte es tatsächlich zu Streiks an den Kliniken kommen, würden die nicht auf einige Stunden begrenzt, sagte Gewerkschaftssekretärin Janine Balder im Gespräch mit rbb|24. Verdi würde intern über die Möglichkeit mehrtägiger Arbeitskampfmaßnahmen beraten.

Die Beschäftigten hatten dem Senat und Arbeitgebern ein 100-tägiges Ultimatum gestellt, um bessere Ausbildungsbedingungen, eine stärkere Entlastung und eine Bezahlung aller Beschäftigten nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) durchzusetzen. Nach Ablauf des Ultimatums, am Freitag dieser Woche, droht laut Verdi ein Streik noch vor der Abgeordnetenhauswahl.

Um den angedrohten Streik abzuwenden, fordert Verdi zunächst eine Mindestpersonalaustattung für Stationen und Bereiche. Außerdem sollten alle Charité- und Vivantes-Mitarbeiter gleichbezahlt werden. Aktuell verdienen Mitarbeiter von Vivantes-Tochterunternehmen deutlich weniger als Vivantes-Mitarbeiter.

Vivantes hält Forderungen für zu teuer

Trotz zahlreicher Gespräche seit Beginn des Ultimatums habe es kein konkretes Angebot zur Verbesserung der Arbeitsbedinungen gegeben, teilte Verdi mit. Daher haben die Tarifkommissionen von Charité, Vivantes und der Tochter-Unternehmen von Vivantes nun weitreichende Beschlüsse zur Vorbereitung von Arbeitskampfmaßnahmen getroffen, über die sie am Dienstag informieren wollen.

Die Geschäftsführung von Vivantes wies die Forderung der Gewerkschaft zuletzt als zu teuer zurück. Sie würde nach ihrer Einschätzung dazu führen, dass weniger Kranke behandelt werden könnten. Das wiederum würde zu einem Stellenabbau sowie einem Defizit in Höhe von 60 bis 80 Millionen Euro führen, hieß es.

Sendung: Inforadio, 17.08.2021, 12:00 Uhr

15 Kommentare

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  1. 15.

    Na wenn das mal keinen Sinn macht, weiß ich auch nicht. Arbeite mal in der Pflege, dann würdest du sicher ANDERS denken. Unmöglich.

  2. 14.

    Es ist schon skurril, wenn die Personal-Cefin von Vivantes zu den von Verdi eingeladenen Tarif-Verhandlungen wie zu einem Kaffee-Kränzchen auftaucht und meint, es sei erstmal ein Vorgespräch.
    Zu den weiteren Verhandlungen kamen Dorothea Schmidt (Vivantes) und eine Vertreterin des Kommunalen Arbeitgeberverbandes unvorbereitet hin und nahmen sich nicht mal die Zeit und Mühe das Angebot von Verdi und den Beschäftigten von Charité und Vivantes vorher durchzulesen. Stattdessen wollten Sie jeden Paragraphen einzeln vor Ort durchgehen. Jede Verhandlungsrunde mit Frau Schmidt und der Vertreterin des Kommunalen Arbeitgeberverbands war eine Farce, die darauf abzielte, dass ein Rahmentarif Seitens Vivantes und Kommunaleer Arbeitgeberverband unterschrieben werden sollte, den aber die Beschäftigten von Charité und Vivantes ablehnen.
    Es geht nicht nur um die Pflege, sondern auch um die ausgegliederten Servicekräfte von Vivantes, die seit vielen Jahren Lohnverzicht hinnehmen müssen.

  3. 13.

    Die Sichtweise von Vivantes ist eine Unverschämtheit. Ausspielen von Patienten gegen Mitarbeiter geht garnicht!

  4. 12.

    Extrem schade, dass wir Pflegekräfte Moral haben, und die Patienten nicht im Stich lassen. Sonst würden wir den Betrieb wie die Bahn einfach mal stilllegen… Dann würden wir auch endlich gehört werden… Jetzt werden Ops abgesagt, und die Ärzte kompensieren und fungieren als Streikbrecher. Ich hoffe liebe verdi ihr legt den Betrieb wirklich mal richtig lahm! Es wird Zeit das jeder merkt was auf dem Spiel steht. Die Künfdigungswelle rollt schon und ist nur mit besseren Arbeitsbedingungen wozu auch mehr Geld gehört noch zu bremsen.

  5. 11.

    Da stehe ich ganz dicht bei Ihnen, die Misswirtschaft der Berliner Politiker wird nicht nur hier auf dem Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen und alle machen fleißig mit......

  6. 8.

    Hallo Karsten,
    beschäftige dich bitte erstmal intensiv mit diesem Thema und den Streikzielen. Du wirst erkennen, dass das Thema Gehaltserhöhung gar keine Rolle spielt.
    Solltest du arbeitslos sein, kannst du dich gern bewerben- die Pflege kann sicherlich auch dich gebrauchen. Vielleicht sind dann die geforderten Streikziele durchgesetzt und stehen dir schon zur Verfügung.
    Beste Grüße Nicole

  7. 7.

    Das ist doch nur noch zum Kopfschütteln ... dass außer Klatschen nichts für die Pflegekräfte übrig bleibt und diese streiken müssen,um ihre Ansprüche durchzusetzen. Geht der Regierung ja schließlich um unsere Gesundheit und darum, den Pflegenotstand zu beenden.

  8. 5.

    Der Streik ist richtig, es kann nicht sein, daß das Pflegepersonal immer noch weiter unter Tarif in Berlin schuftet, nur weil angeblich kein Geld da ist und der RRG Senat lieber das Geld in seine Klientelprojekte investiert. Ich kann jeden im Krankenhaus nur mal raten in die alten Bundesländer zu schauen in den öffentlichen Krankenhäusern, da wird ein vielfaches mehr von der Charité an Lohn bezahlt bei weniger Arbeitsstunden.

  9. 4.

    50 oder 69 % from netto mehr wäre ok!

  10. 3.

    Die sollen mal mit den Streiks aufhören und auch mal die Menschen sehen die keine Erhöhung fordern können oder arbeitslos geworden sind. Die haben keine Gewerkschaftslobby.

  11. 2.

    Richtig so!
    Wer jeden Tag zur Arbeit geht und Steuern zahlt, hat sich auch eine Lohnerhöhung verdient.
    Zumal die Preise ja gerade völlig explodieren.
    Und da sich ja alle in der Pandemie die Hände wundgeklatscht haben, sollte doch ein kräftiges Lohnplus kein Problem sein!

  12. 1.

    Es kann doch nicht sein dass jetzt jeder streikt.
    Das muss verboten werden, es darf nur noch gestreikt werden wenn es niemanden mehr wehtut.
    In Zukunft muss so etwas erst der Chef erlauben und auch nur dann wenn der Nachbar nichts dagegen hat.

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