Charité und Vivantes - Krankenhäuser gehen nach Warnstreik zu Normalbetrieb über

Archivbild: Teilnehmer eines Warnstreiks von Beschäftigten der Berliner Charite stehen auf dem Campus Charite Mitte mit Verdi-Fahnen für ein Foto zusammen. (Quelle: dpa/C. Soeder)
Audio: Inforadio | 25.08.2021 | Jan Menzel | Bild: dpa/C. Soeder

Nach drei Tagen Warnstreik wollen die Krankenhäuser von Charité und Vivantes in Berlin am Donnerstag zum Normalbetrieb zurückkehren. Der Tarifkonflikt aber blelit ungelöst, die Gewerkschaft Verdi droht mit weiteren Arbeitskampfmaßnahmen.

Patienten und Besucher können sich von Donnerstag an wieder auf Normalbetrieb in den Krankenhäusern von Charité und Vivantes einstellen. Es seien keine Einschränkungen im Klinikbetrieb zu erwarten, teilte etwa die Charité mit. Von Vivantes hieß es, man setze alles daran, den benötigten Umfang an Behandlungen so zügig wie möglich wieder bereit zu stellen.

Nach drei Tagen Warnstreik bleibt der Tarifkonflikt bei den Konzernen aber ungelöst. Die Gewerkschaft Verdi kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen und eine höhere Bezahlung der Beschäftigten in Tochterfirmen.

Nächste Verhandlungsrunde mit Charité am Freitag

Verdi droht mit einer Urabstimmung über einen Erzwingungsstreik ab Montag, sollten ihr die Unternehmen in den Tarifverhandlungen nicht entgegenkommen. Mit der Charité ist die nächste Verhandlungsrunde für diesen Freitag geplant. Vivantes arbeitet an einem "Runden Tisch".

Der Gewerkschaft geht es um einen Tarifvertrag, der etwa eine Mindestpersonalausstattung für Stationen in den Kliniken festlegt. Zudem wollen Angestellte von Vivantes-Tochterfirmen den vollen Tariflohn des öffentlichen Dienstes.

Mehrere hundert Beschäftigte zogen am Mittwoch vor die Vivantes-Zentrale in Reinickendorf. "Burnout schon vor der Arbeit" und "Ohne uns bleibt deine Oma liegen" unterstrichen sie die hohe Belastung und die Bedeutung ihrer Arbeit.

Planbare Operationen abgesagt

Vivantes sprach von erheblichen Einschränkungen in den Kliniken. Planbare Operationen wurden abgesagt. Auch dutzende Tumor-Operationen wurden nach Angaben einer Sprecherin abgesagt. Zum Teil seien Verhandlungen mit der jeweiligen Streikleitung notwendig gewesen, um die notwendige Versorgung von Patientinnen und Patienten sicherzustellen.

Der Warnstreik hatte am Montag begonnen. Vorausgegangen waren auch gerichtliche Auseinandersetzungen. Unter anderem ging es um Notdienst-Regelungen. Vivantes versuchte, den befristeten Ausstand zu stoppen, das Arbeitsgericht wies den Antrag am Dienstag ab. Am Mittwoch beteiligten sich auch Mitarbeiter der Vivantes-Tochtergesellschaften an dem Warnstreik.

Vivantes: Runder Tisch mit "neutralen Dritten"

Ab der kommenden Woche will Vivantes mit der Gewerkschaft und "neutralen Dritten" an einem Runden Tisch nach Möglichkeiten zur Entlastung der Pflege suchen, wie Vivantes in einer Pressemitteilung bekanntgab.

Ob Verdi sich beteiligen wird, ist noch unklar. Nach Angaben der Gewerkschaft liegt noch keine Einladung vor. "Uns über die Presse einzuladen ist kein offizielles Zugehen auf eine Gewerkschaft, die zu Tarifverhandlungen aufgefordert hat. Und Gespräche an einem Runden Tisch sind auch keine Tarifverhandlungen", sagte Verdi-Verhandlungsführerin Meike Jäger.

Sendung: Inforadio, 25.08.2021, 8:40 Uhr

14 Kommentare

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  1. 14.

    Die Patient:innen sind tagtäglich die Leidtragenden, Herr Lindemann! Die Pflege ist schlicht unterbesetzt. Seit Jahren. Wenn auf anderen Wegen nichts passiert, dann eben mit Streik. Das ist unser sehr gutes Recht. Und ich bin froh, dass aus der Bevölkerung, auch von Patient:innen, so viel positives Feedback kommt.

  2. 13.

    Sie haben niemanden ind bekanntschaft oder Verwandtschaft gepflegt werden muss ,sonst wüssten sie ,was diese Menschen leisten
    Natürlich dürfen die Patienten nicht auf der Strecke bleiben ,aber das wiesen die streikenden besser wie sie ,das ist schon gesichert

  3. 12.

    Leidtragende sind die Patienten. Ein Streik gehört in die Wirtschaft, nicht in ein Dienstleistungsunternehmen wie ein Krankenhaus.

  4. 11.

    Haaalloooo
    Es geht hier nicht um Lokführer ,sondern um die Pflegekräfte
    Bleiben Sie bei diesem Thema ,
    Ich hatte im ersten (Nr.1) ,geschrieben ,die Pflegekräfte hätten mehr verdient
    Haben Sie auch , aber hier geht's vordergründig um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Entlastung der Pflegekräfte
    Pflegeberufe sind ein knochenjob mit hoher Verantwortung ,der auch nicht nur mit dem Umgang der Patienten zu tun hat ,da steckt noch einiges mehr dahinter
    Schichtdienst ,kann passieren das man um fünf Uhr abends angerufen wird (auch an Wochenenden) ,das man um 7 Uhr abends Dienst hat ,sowas nennt man Bereitschaftsdienst
    Meine vollstes Unterstützung habt ihr
    PS, bei den Lokführer bin ich ganz anderer Meinung

  5. 10.

    Viel Glück!

  6. 9.

    Danke. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Genau darum geht es. Nach 25 Jahren Pflegedienst im Dreischichtsystem unter diesen Bedingungen ist man einfach nur noch müde.

  7. 7.

    Ich möchte hier nochmal darauf hinweisen...
    Es geht nicht um Geld. Es geht darum, dass die Arbeit nicht mehr zu schaffen ist. Das die Erwartungen irre hoch sind. Das die Verantwortung einen erdrückt. Darum, dass 2 Pflegekräfte Nachts auf einer Station die Verantwortung für 40 und mehr Menschen tragen und wenn eine von beiden zum OP muss, um einen Patienten zu holen, ist die andere mit 40 Kranken alleine.
    Weiß denn eigentlich jemand außerhalb der Kliniken, was Pflegekräfte außer "Pflegen" auch noch tun?
    Von der Materialbestelleung, Büro bis sich beschimpfen lassen ist alles dabei.
    Das man heutzutage niemals wirklich Feierabend hat, weil wieder mal das Telefon klingelt und man zum Dienst geholt wird.
    Darum geht es....
    Was habe ich von mehr Geld, wenn ich zusammenbreche?
    Wir brauchen keinen Applaus. Wir brauchen mehr Pflegekräfte oder die Möglichkeit bei Knappheit zum Schutz der übrig gebliebenen Hilfe zu bekommen

  8. 6.

    Liebe"Pflegekräfte"! Das Arbeitsgericht hat euch einen ganzen Streiktag einfach sooooo gestrichen! Das sind in eurem Job ganze 24 Stunden! Und die lange Zeit wollt ihr NICHT
    nachholen??? Die Eigentümer haben doch noch gar nichts gemerkt!!!! SCHADE!

  9. 4.

    Es hindert sie keiner daran einen Teil ihres Einkommen für die Pflege zu spenden. Wie sihts aus sind sie dabei ? Jetzt aber bitte keine faulen Ausreden warum sie nicht spenden.

  10. 3.

    In Dänemark streiken und protestieren Krankenschwestern und Pfleger schon drei Monate lang. Es passiert aber NICHTS.

  11. 2.

    ich plädiere für eine solidarische Nullrunde der GDL zugunsten der Pflege, oder werden GDLer nie krank?

  12. 1.

    Macht weiter ,für euch habe ich vollstes Verständnis
    Ihr habt mehr verdient

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