Symbolische Schlüsselübergabe - In Tegel beginnt jetzt offiziell die Zukunft

Auf einer Straße auf dem ehemaligen Flughafen Tegel wachsen Pflanzen. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Video: Abendschau | 05.08.2021 | Ulli Zelle | Studiogast Sebastian Scheel | Bild: dpa/Christophe Gateau

Am Donnerstag werden die Schlüssel des ehemaligen Flughafens Tegel symbolisch übergeben. Noch wird das Gelände nach Kampfmitteln abgesucht, doch die beauftragte Projektfirma blickt schon in die fernere Zukunft - auf eine "menschgerechte Umgebung".

Mit einer symbolischen Schlüsselübergabe beginnt am Donnerstag offiziell die Nachnutzung des ehemaligen Flughafens Tegel. Auf dem Gelände entstehen in den kommenden Jahren ein Forschungs- und Industriegelände sowie ein Wohnquartier.

Wie der Geschäftsführer der landeseigenen Tegel Projekt GmbH, Philipp Bouteiller, im Inforadio vom rbb sagte, haben die bauvorbereitenden Maßnahmen schon begonnen. "Wir haben bereits angefangen mit der Kampfmittelberäumung, wir bereiten uns vor auf die Baustellentätigkeit", sagte Bouteiller. Dafür seien die Baustellenzufahrten geebnet und einige flughafenspezifische Gebäude abgerissen worden, die nicht mehr gebraucht werden. Fast eine Tonne Sprengmunition sowie fast 30 Tonnen Munitionsschrott, vor allem aus dem ersten und zweiten Weltkrieg, wurden auf insgesamt zwei Hektar Fläche bisher gefunden.

"Anders machen" steht im Zentrum des Tegel-Projekts

Bouteiller blickt zuversichtlich auf die weitere Zukunft des Areals. Auf einem Zehntel der Stadtfläche von Tel Aviv soll auf dem Gelände in den kommenden Jahren Raum für 1.000 Firmen und 20.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Unter anderem soll die Beuth-Hochschule nach Tegel ziehen. "Wir stellen uns hier die grundsätzlichen Fragen: Was sind die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts?", so Bouteiller. "Was passiert jetzt eigentlich mit dem Klimawandel? Wie können wir unsere Städte darauf vorbereiten? Was müssen wir anders machen in Zukunft?" Dieses "anders machen" stehe im Zentrum der Überlegungen und des Projekts. Es solle ein Beitrag dazu geleistet werden, künftig "bessere Städte" zu bauen.

Neben Forschungs- und Industriegelände soll das Areal auch ein neuer Stadtteil für Berlinerinnen und Berliner werden. "Vor allem aber soll das Schumacher-Quartier keine elitäre, abgehobene Sache werden, sondern wir werden rund 40 Prozent der Wohnungen mit Sozialbindung herstellen. Es wird eine sehr menschgerechte Umgebung." Im Inneren sollen wenig Autos fahren, das Areal soll auch Fußgänger und Radfahrer ausgerichtet sein. "Es soll einfach Spaß machen, sich dort aufzuhalten. Es wird ein gesünderes und hoffentlich auch schöneres Stück Stadt."

Tegel gibt den Schlüssel ab

Blaupause für Stadt der Zukunft

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, begrüßte die Schlüsselübergabe. "Es ist eine Stadt von morgen, eine Modellstadt, die hier entstehen wird." Nach Angaben des Bausenatoren Sebastian Scheel (Linke) werde in Tegel eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas verwirklicht werden.

Für das Projekt der Zukunft habe sich die Stadt Berlin Vorbildprojekte aus anderen Städten gesucht. "Wir haben überall dort abgekupfert, wo wir es für sinnvoll erachtet haben, es aber zu einer ganz eigenen Mischung zusammengefasst", sagt Tegel-Projekt-Chef Bouteiller.

Diese eigene Mischung gelte ihrerseits wieder anderen Städten als Vorbild. Unter anderem habe Singapur bereits in Berlin an Workshops zur Stadtumwandlung teilgenommen. Denn die Stadt wolle ebenfalls ihren innenstadtnahen Flughafen 2030 schließen und orientiere sich dabei in der Vorbereitung an den Überlegungen zur Projektplanung Berlin-Tegels.

Tegel-Nachnutzung (Quelle: Grafik/rbb)

B.Z.: Berlin will Anteil des Bundes übernehmen

Bereits am Mittwoch hatte die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) das Gelände des ehemaligen Flughafens an Bund und Land Berlin als neuen Eigentümer übergeben. Mit der Schlüsselübergabe sind diese nun endgültig für den ehemaligen Flughafen Tegel zuständig, also für ein etwa 500 Hektar großes Gelände sowie 130 Gebäude und Anlagen. Die Stadt will die Anteile des Bundes an dem Areal übernehmen. Ein erstes Gutachten ergab nach Informationen der "B.Z." einen Wert von rund 275 Millionen Euro [bz-berlin.de]. Beide Seiten wollten sich wegen der laufenden Verhandlungen aber nicht dazu äußern.

In Tegel war nach mehr als 70 Jahren am 8. November 2020 das letzte Flugzeug abgehoben. Zwölf Jahre nach der Schließung des Flughafens Tempelhof konzentrierte Berlin seinen Luftverkehr damit am Standort Schönefeld. Dort war Ende Oktober 2020 der neue Flughafen BER eröffnet worden.

Sendung: Inforadio, 05.08.2021, 07:29 Uhr

12 Kommentare

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  1. 12.

    Weshalb das hochgelobte Schumacher-Quartier ohne schienengebundenen Nahverkehrsanschluss bleiben soll, ist mir ein Rätsel. Ich wage mich an die Auflösung: Sie liegt vermutlich darin, dass bei einem zu hochwertig angesetzten Verkehrsmittel - in diesem Fall die U-Bahn - größere Radien der Erreichbarkeit zugrundelegt werden als bei einer Tram. Deren Haltestellen sind eben 300 - 400 entfernt, somit wäre eine Erschließung des Schumacher-Quartiers wie auch eine bessere Erschließung von TXL-Nord kein Problem.

    Zudem: Schaue ich mir eine der wichtigsten Umsteigebahnhöfe der U 6 an, den Bhf. Friedrichstraße, frage ich mich, wie dieser dann mit einem noch höheren Zuspruch an Fahrgästen zurechtkommen soll, wo es schon heute an allen Ecken und Enden klemmt.

  2. 11.

    >"Nur eben ohne S- oder U-Bahn..."
    ..ziehe ich zurück und verkürze auf nur >"U-Bahn".
    S-Bahn ging seinerzeit in 1974 ja nicht, weil die S-Bahn damals noch zur DDR Reichsbahn gehörte.
    Straßenbahn war 1974 in "Westberlin" ja schon kein Thema mehr.

  3. 10.

    >"Und wann kommt die Anbindung an U-Bahn und S-Bahn?"
    Ha ha... das war in 1974 zur Eröffnung auch Thema. Damals hieß es mit der Eröffnung von TXL auch sinngemäß:
    "In Tegel beginnt jetzt offiziell die Zukunft"
    Nur eben ohne S- oder U-Bahn...
    Das wird Berlin-gerecht wohl auch bei der 2. Zukunft von TXL so bleiben, wenn man Planungs- und Ausführungszeiten von mindestens 30 Jahren heutzutage berücksichtigt.

  4. 9.

    "Gehört nicht mehr,,! Also gab es ein Eigentümerwechsel, so ließt man es doch aus diesem Bericht, oder nicht? Dann müsste doch eigentlich auch Grunderwerbsteuer geflossen sein, oder ist diese Steuer nun wirklich in Berlin nur für den normalen Bürger? Wäre doch einmal eine Frage wert, lieber rbb24!

  5. 8.

    Jedem seine Meinung. Aber wann war denn Berlin liebenswert? Ist wohl ein Adjektiv, das nur die wenigsten mit dieser Stadt in Verbindung bringen.

  6. 6.

    Erfreuliche Nachricht.

  7. 5.

    Wohnungsnot dank Air-BnB und wegens des Verhökerns von Häusern/Wohnungen, die dann oftmals irgendwelche ausländischen "Investoren" kaufen und leerstehen lassen - würden die dem Markt entzogenen Wohnungen vermietet werden, gäbe es keine Wohnungsnot. Freiflächen dürfen gerne weiter begrünt und mit Bäumen bepflanzt werden, anstatt weiter mit Beton versiegelt und vernichtet zu werden.

  8. 4.

    1000 Firmen / 20.000 Arbeitsplätze..... Was für Realitätsallergiker denken sich solche kranken Dinge aus? Auf dieser Fläche - sorry - aber wenn das irgendeinen sinnvollen Umweltaspekt haben sollte - der wichtiger als jeder weitere zuziehende Ressourcenvernichter in dieser sTadt ist - frage ich mich, wohin das noch führen wird. Hochbezahlte Hohlraumkonservierte planen die Vernichtung von wertvoller potentieller Grünflache. Abgesehen von der Gentrifizierung der umliegenden Wohngbeite durch den Zuzug von Kapital, dass dort alles aufkaufen und ANwohner verdrängen wird. Und der Senat steht daneben und klatscht Beifall..... Naja - bis dahin zahle ich meine Steuern nicht mehr in Berlin - eine Schande, was aus dieser einstig so liebenswerten Stadt noch werden wird. Macht mal....aber schreit nicht, wenn Euch die Luft zum Atmen heißer wird und irgendwann ausbleibt. Selbst schuld....

  9. 3.

    Berlin macht einen Fehler nach dem anderen Erst Schließung Tempelhof ohne konkrete Nutzung des Geländes für Wohnungsbau. 2. Fehler, der chaotische Bau des überteuerten Flughafen BER. 3. Fehler die Schließung von Tegel. Hier wird das Gelände noch nicht mal zu 100% für Wohnungsbau genutzt, aber ganz Berlin redet von Wohnungsmangel. Der Steuerzahler ist der Dumme, der kommt für alle Fehler des Landes Berlin auf.
    Naja, dann werden halt für den Wohnungsbau und für den Bau von öffentlichen Gebäuden weiterhin Kleingärten enteignet. Aber da gibt es ja noch den Länderfinanzausgleich, bei dem andere Bundesländer Berlin ordentlich Geld in den .... schiebt.

  10. 2.

    Menschengerecht also..... das wären Grünflächen, Wald und Parkanlagen anstatt die weitere Versiegelung. Berlin will einen auf Grün machen und betoniert, pflastert und versiegelt, was das Zeug hält. Dann wirds heißer und trockener und alle heulen wieder herum - aber dass Naturierung die einzige Antwort auf uferloses Betonwachstum für immer mehr Menschen ist, kapieren nicht mal die sogenannten "Grünen".

  11. 1.

    Und wann kommt die Anbindung an U-Bahn und S-Bahn? Wenigstens eine Tram? "Autoarme" Quartiere ohne ÖPNV Anschluss sind doch nicht mehr als ein Marketinggag. Reinstes Greenwashing.

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