Keine Notfallvereinbarung - Vivantes rechnet bei Warnstreik in Berlin mit starken Einschränkungen

Do 19.08.21 | 15:36 Uhr
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"Warnstreik" steht auf einem Plakat neben dem Eingang zum Vivantes-Klinikum in Berlin-Friedrichshain, Archivbild (Quelle: DPA/Paul Zinken)
Bild: DPA/Paul Zinken

In der kommenden Woche will die Gewerkschaft Verdi mehrere Krankenhäuser in Berlin bestreiken. Der Vivantes-Konzern geht davon aus, dass es dann zu großen Störungen kommen wird. Einige Operationen und Dienste wurden bereits abgesagt.

Aufgrund des Warnstreiks der Pflegekräfte, der für die kommende Woche in Berlin angekündigt ist, muss an den Vivantes-Krankenhäusern mit starken Einschränkungen gerechnet werden. Das teilte die Geschäftsführung des Krankenhauskonzerns am Donnerstag mit.

Bisher gebe es keine Notdienstvereinbarung mit der Gewerkschaft Verdi, hieß es. Entsprechende Verhandlungen führten demnach trotz mehrerer Gespräche zu keinem Ergebnis.

Operationen abgesagt, Geburtsstationen ohne Hebammen

Das Klinikum Spandau sei bereits bei der Feuerwehr vom System der Notfallversorgung abgemeldet worden, so Vivantes. Hier falle die Stroke Unit für Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten aus.

Im Kreuzberger Urbankrankenhaus müssen nach aktuellem Stand zwölf Tumor-Operationen abgesagt werden, weil die entsprechenden Stationen nicht ausreichend besetzt sein werden. Zudem werde es voraussichtlich an den Vivantes-Krankenhäusern in Friedrichshain und Neukölln nicht genug Hebammen geben, um die Geburtsstationen während des Arbeitskampfes offen zu halten.

Weil der 72-Stunden-Streik auch die Krankenhauslogistik betreffe, sei auch eine Speiseversorgung der Kliniken und Pflegeheime nur eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich, hieß es. Betroffen seien rund 4.500 Patienten sowie 2.200 Heimbewohnern.

Sendung: Abendschau, 18.08.2021, 19.30 Uhr

42 Kommentare

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  1. 42.

    Hallo,
    ja, es gibt diese Personaluntergrenzen, welche aber eben nur die Untergrenze darstellen und nicht die professionelle Pflege ermöglichen, die wir gelernt haben.
    Dazu braucht es mehr qualifiziertes Personal.
    Es kann nicht die Regel sein, dass ich als einzige Fachkraft mit nur zwei Stationsassistenten arbeite und die volle Verantwortung für bis zu 26 Patienten auf einer Akutpsychiatrie übernehmen muss. Wir können mittlerweile mehrheitlich gefährliche Pflege leisten, Patienten sterben unsinniger Weise, weil keine Kapazitäten vorhanden sind.
    Das ist nicht akzeptabel.
    Bei den Untergrenzen bezieht sich die Besetzung immer auf ein Quartal und nur, wenn die Station das ganze Quartal mehrheitlich unterbesetzt ist, das bezieht sich nicht auf die einzelnen Dienste und schützt die Mitarbeitenden nicht und hat auch nichts mit Wertschätzung zu tun, gegenüber denjenigen die permanent einspringen und ein hohes Maass an Flexibilität leisten.

  2. 41.

    Da habt Ihr Streikbeführworter wohl meine Einleitung überlesen.
    Ich sehe schon, dass Eure Arbeitsbedingungen miserabel sind.
    Aber es gibt Euch nicht das moralische Recht, dies über die Gesundheit und die Nerven der Patienten/Kunden zu erzwingen!
    E v e n t u e l l stirbt niemand, wenn er im Notfall nicht wohnortnah nach Berlin sondern nach Brandenburg gekarrt wird. Oder lebensentscheidende Diagnosen erst später gestellt werden, weil Ihr keine Untersuchungen durchführt? Dabei schonmal an mitleidende Angehörige gedacht?

  3. 40.

    Streiks im Krankenhaus zu verbieten, halte ich für eine ganz gefährliche Idee. Es verlassen jetzt schon neu ausgebildete Pflegekräfte ihren Beruf im Schnitt nach ein Paar Jahren, weil die Arbeitsbedingungen einen kaputt machen. Wenn man dann auch noch das letzte bisschen Streikrecht wegnimmt, macht das den Beruf ja noch unattraktiver!

    Außerdem hat der Streik der Beschäftigten doch rein gar nichts mit der mangelnden Patientenversorgung zu tun. Wir leben doch einer "sozialen" MARKTWIRTSCHAFT, in der das Gesundheitssystem privatisiert wurde und Anstellungsverhältnisse in zunehmendem Maße durch Leiharbeit verdrängt werden, weil es so herrliche "Flexibilität" für Arbeitgeber und -nehmer bietet.

    Sollen die Krankenhausbetreiber doch die Streikenden einfach durch Leasing-Kräfte ersetzen, das wäre auf jeden Fall viel "effizienter" und "flexibler" als herumzuheulen, die streikenden Pflegekräfte würden angeblich das Patientenwohl gefährden...

  4. 39.

    Zum Glück wird in Brandenburg nicht gestreikt. Da kann vielleicht noch jeder Berliner sein Leben retten oder dringend benötigte Hilfe finden. Was ich aber eigentlich sagen will, ist, dass Krankenhäuser niemals bestreikt werden dürfen! Dafür hat die Politik zu sorgen: Gebt dem Personal in Krankenhäuser anständige Verträge, die dieser verantwortungsvollen Arbeit gerecht werden! 2. Sorgt dafür, dass der Dienst am kranken Menschen nicht bestreikt werden kann!

  5. 38.

    Es ist hier die Versorgung der Pflegeheimbewohner und stationären Patienten gemeint, die können sich nämlich schlecht von zu Haus was zum Essen mitbringen, die sind abhängig vom Personal.

  6. 37.

    .... auch ausgehalten? Ja, aushalten, so empfinde ich das auch.
    Ausreichend Lohn? Ein klares Nein, Urlaubs- und Weihnachtsgeld? Hab ich wohl in den letzten 17 Jahren auf meinem Lohnzettel übersehen.
    Pflege wird schlecht bezahlt, das ist nicht neu und zu wenig Personal gibt es dank Personalschlüssel bestimmt in allen Einrichtungen.

  7. 36.

    Volle und uneingeschränkte Solidarität mit den streikenden Kolleg:innen! Von Applaus vom Balkon kann man nicht Leben! Es wird Zeit, dass sich Pflegende wehren, lang genug hat es gedauert! Viel Erfolg und hoffentlich geben sie alle ein erfolgreiches Beispiel für alle Kolleg:innen im ganzen Land! Auch Pflege kann, darf und muss ggf. streiken!

  8. 35.

    Volle und uneingeschränkte Solidarität mit den streikenden Kolleg:innen! Von Applaus vom Balkon kann man nicht Leben! Es wird Zeit, dass sich Pflegende wehren, lang genug hat es gedauert! Viel Erfolg und hoffentlich geben sie alle ein erfolgreiches Beispiel für alle Kolleg:innen im ganzen Land! Auch Pflege kann, darf und muss ggf. streiken!

  9. 34.

    "Ich würde mir einen gesellschaftlichen Diskurs mit Zielnennung wünschen, damit sich substantiell etwas ändert."

    Das sehe ich ebenso und habe daher mal an der "Abstimmung21" teilgenommen und dort dafür gestimmt, dass das aktuelle Krankenhaus-Finanzierungssystem in ein gemeinwohlorientiertes System überführt wird.

    Allen Streikenden wünsche ich viel Erfolg bei ihrem berechtigten Anliegen.

  10. 33.

    Ich bin mir nicht sicher, ob die Essenversorgung der Mitarbeiter gemeint ist. Es hört sich an wie die der Patienten.
    Macht aber nix, kommt zu Nötigung und Vernachlässigung der Arbeitsaufgaben auch noch Vernachlässigung des Gesundheitsschutzes.

  11. 32.

    Wir berichten durchaus über beide Seiten: https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2021/08/tarifstreit-verdi-pflege-charite-vivantes-notdienstvereinbarung.html

  12. 31.

    Hallo rbb24,
    anstatt die Erklärung der Vivantesleitung, die schon seit einiger Zeit immer wieder gegen die Rechte der Beschäftigten und ihre Interessenvertretungen verstößt, nachzuplappern, sollte zu so einer wichtige Angelegenheit ordentlich recherchiert werden. Dazu gehörten auch, Verdi zu befragen.
    Ganz schlechter und tendenziöser Journalismus.

  13. 30.

    Da hast du den Nagel auf den Kopf getroffen.
    Die Personaluntergrenzen werden umgangen indem Schüler-innen und Praxisanleiter einfach in den Personalschlüssel einberechnet werden.das ist gegen die Vorschriften ,interessiert aber keinen.papier ist halt geduldig.

  14. 29.

    Es ist traurig, dass die Vivantes Geschäftsführung solche Unwahrheiten über die Presse verbreitet und somit die Berliner
    gegen die Angestellten aufwiegelt. Vielleicht sollte man mal überlegen warum die Mitarbeiter streiken wollen.....nämlich weil unter den derzeitigen Bedingungen ständig die Patienten gefährdet sind. Und in was für einem Rechtsstaat leben wir wo die Geschäftsführung den Angestellten wegen der Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft mit Kündigung droht. Und wie kann es sein, dass Politiker vom Krankenhausgelände einer landeseigenen Klinik geschmissen werden.... darüber sollten sich die Berliner mal Gedanken machen.

  15. 28.

    Aha..Vivantes beschwert sich also das durch den Streik die Speisenversorgung stark eingeschränkt oder gar nicht möglich ist...
    Na wie gut das Vivantes es mit ihren Angestellten ernst nimmt,denn bei uns im Krankenhaus gibt es seit Beginn der Pandemie essen nur noch bis 15 Uhr
    Das heißt wenn ich um 14 Uhr zum Spätdienst komme ist in der Kantine das essen schon alle.
    Komme ich um 22 Uhr zum Nachtdienst ist die Kantine eh schon zu.
    Worüber also beschwert sich Vivantes?sie gehen mit ihren Angestellten viel schlimmer um.
    Hauptsache die Teppichetage kann es sich leisten schön essen zu gehen

  16. 27.

    Vielleicht hilft doch mal ein Faktencheck:
    Soweit ich weiß, ist die Pflege im Krankenhaus (!) eines der best bezahlten Lehrberufe überhaupt. Nun könnte man darüber diskutieren, ob es überhaupt ein Lehrberuf sein soll. In anderen Ländern muss man dafür studieren. Sei es drum: bei uns eben nicht.
    Zudem gelten seit 2 Jahren die Personaluntergrenzenverodnung (PpUG). Wird eine Station (je nach Fachgebiet) schlechter als vorgeschrieben besetzt, hagelt es Strafen für die Krankenhäuser. Nun stelle ich mir die Frage was Verdi eigentlich verlangt? PpUG ändern? Dann ist das Management des Krankenhauses die falsche Adresse. Bitte bei Herrn Spahn vorsprechen (Anm. vor Herrn Spahn gab es die Grenzen nicht mal!) Oder werden die Ppug vom Krankenhaus ignoriert? Dann ist der Streik berechtigt.

  17. 26.

    Anhand Ihres Kommentares sieht man das sie nicht begriffen haben, um was es genau geht bei diesem Streik! Die Pflege und alle die im Krankenhaus beschäftigt sind, sind bereits in Gefahr selber Krank zu werden, weil es über Jahre herunter gewirtschaftet wurde. Dazu möchte jeder der in einem Krankenhaus behandelt wird, gerne optimal und menschenwürdig versorgt werden, was aber nicht funktioniert, wenn kein Personal da ist! Es hätte in den 100 Tagen eine Einigung stattfinden können, stattdessen stellten sich die Führungen von Vivantes und Charité quer, dachten das es die Beschäftigten nicht ernst meinen. Glauben sie mir, alle Streikenden hätten gerne eine vorherige Einigung gehabt. Ich finde es richtig und wichtig, daß endlich etwas geändert wird, denn jeder möchte vernünftig versorgt werden im Krankheitsfall. Wer am lautesten schreit scheiß Streik, brauch sich über lange Wartezeiten und schlechte Versorgung nicht wundern!!!

  18. 25.

    Ich wünsche Dir ehrlich mal nur eine Schicht als Pflegepersonal in der Klinik, dann verstehst du das Elend des Klinikpersonals

  19. 24.

    @ina
    Mach dir keine Sorgen,entgegen der Märchen erzählerei von Vivantes werden keine Patienten sterben.Denn Verdi und wir aus der Pflege haben dafür gesorgt daß es eine Notdienstvereinbarung gibt,auch wenn Vivantes dies abstreitet und Vivantes keine haben will.Es gibt sie und somit ist die notversorgung der Patienten gesichert.

  20. 23.

    Da kann man den Angestellten nur Glück wünschen und die Daumen drücken!

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