Aletta von Massenbach startet als BER-Chefin - "Wir wollen ein normaler Flughafen werden"

Aletta von Massenbach sitzt bei einem Interview mit dpa-Journalisten im Verwaltungsgebäude des Flughafens Berlin-Brandenburg. (Quelle: dpa/A. Riedl)
Audio: Inforadio | 30.09.2021 | Interview von Thomas Rautenberg | Bild: dpa/A. Riedl

Auf Engelbert Lütke Daldrup folgt Aletta von Massenbach: Als erste Flughafenchefin Deutschlands soll sie den einstigen Pannen-Airport aus der Krise führen. Doch die Corona-Pandemie hat die Terminals und die Kassen geleert.

Dass sie die erste Flughafenchefin in Deutschland ist, möchte Aletta von Massenbach eigentlich nicht so sehr betonen. Nicht, weil es nicht stimmt. Sondern weil es für sie nicht sonderlich bemerkenswert ist: Managerinnen im Flughafengeschäft gebe es schließlich mehrere, sie selber hat unter anderem schon in den Philippinen, in Portugal, Puerto Rico, Russland, und Spanien Flughafenprojekte geleitet. "Es ist für mich nicht das erste Mal, dass ich Chefin bin", sagt von Massenbach im Gespräch mit dem rbb-Inforadio. Als Frau an der Spitze zu stehen: für Aletta von Massenbach also Normalität.

Botschafterin eines Pannen-Flughafens

Nach Normalität sah es am Flughafen BER jahrelang gar nicht aus. Etliche Verzögerungen, Bauskandale und Pannen später öffnete der BER schließlich - "pünktlich" zur Pandemie und der wirtschaftlichen Flaute. Vor der Eröffnung, sagt von Massenbach im rbb, habe sie das Projekt bei Dienstreisen im Ausland schon mal gegen Häme und Spott verteidigen müssen. "Aber ich konnte nicht immer alles sehr überzeugend erklären", gibt sie zu. "Von außen betrachtet gab es natürlich schon ein paar Entscheidungen oder Entwicklungen, wo man sich gefragt hat: 'Was ist das denn jetzt?'"

Nun aber sei er ja auf, der Pannen-Flughafen, und Aletta von Massenbach will das Unternehmen endlich in ruhigere Bahnen steuern. "Wir wollen ein normaler Flughafen werden", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Fertig gebaut heißt nicht störungsfrei

Die bisherige Finanzchefin übernimmt an diesem Freitag die Gesamtleitung am BER und löst auf diesem Posten Engelbert Lütke Daldrup ab. Lütke Daldrup hatte den BER im Herbst vergangenen Jahres mit rund neunjähriger Verzögerung in Betrieb genommen und geht nun in Rente. In Betrieb ist derzeit nur das Hauptterminal T1. Das ebenfalls fertig gestellte Terminal T2 wurde bislang aufgrund der geringen Auslastung nicht gebraucht und bleibt geschlossen. Ganz reibungslos läuft es allerdings auch am T1 noch nicht. "Ein paar Dinge müssen auch noch nachjustiert werden", sagt von Massenbach. "Das eine ist der Windfang vom Bahnhof, dass es da im Winter sehr kalt hochgezogen hat - das müssen wir angehen."

Außerdem können je nach Sonneneinstrahlung Brandmelder ausgelöst werden. "Die Laufbänder im Mainpier haben schon funktioniert, aber funktionieren nicht mehr - das sind so Dinge, die gelöst werden müssen." Von Massenbach räumte zudem in der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" ein, dass mehr Raum für die Sicherheitskontrollen wünschenswert gewesen wäre, "damit mehr Menschen parallel abgefertigt werden können". "Dafür fehlt uns jetzt der Platz."

Ohne sei der Sicherheitscheck aktuell ein Nadelöhr im Tagesablauf. "Das brennt uns auf den Nägeln", sagt die neue Chefin. "Das verzögert den Prozess." Doch die Corona-Maßnahmen ließen keine schnellere Abfertigung zu. "Damit müssen wir während der Pandemie leben".

Der lange Weg zur Rentabilität

Von Massenbach übernimmt zudem ein Unternehmen in der Krise: Die Fluggastzahlen sind während der Corona-Pandemie eingebrochen, der BER ist schwer verschuldet und macht hohe Verluste. Nach einer Rekordzahl von rund 36 Millionen Passagieren im Jahr 2019 an den Berliner Flughäfen hoffen die Verantwortlichen für das laufende Jahr, dass wenigstens zehn Millionen Menschen über den BER fliegen. "Aber wir sehen nicht, dass wir das sicher erreichen werden", sagt von Massenbach. "Wir werden das Jahr möglicherweise mit etwas unter zehn Millionen beenden."

Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg ist deshalb auf Milliardenhilfen seiner Eigentümer, dem Bund sowie den Bundesländern Berlin und Brandenburg, angewiesen. "Wir wollen endlich das Unternehmen auch finanziell auf eine gesunde Bahn bringen, damit das Unternehmen Freiheitsgrade für die Umsetzung der Zukunftsaufgaben bekommt", so von Massenbach. "Es wird nicht sofort passieren", sagte sie der rbb-Abendschau am Donnerstag. Erst müsse man die Pandemie überstehen, dann die Teilentschuldung angehen. "Dann haben wir die Perspektive, dass wir finanziell selbstständig werden und profitabel."

Drehkreuz der Klimasünder?

Von Visionen wie dem BER als internationalem Drehkreuz will von Massenbach deshalb nichts hören. Wichtig sei, was die Region Berlin-Brandenburg brauche. Ohnehin brauche ein Drehkreuz-Flughafen auch mindestens eine Drehkreuz-Fluggesellschaft. "Wir haben eine sehr, sehr gute Abdeckung in Europa, aber wir habe keine Konnektivität in die Welt darüber hinaus."

Dass Flughäfen im Zuge der Klimadebatte immer stärker in den Fokus rücken und kritisch bewertet werden, weiß von Massenbach. "Ziel eines Flughafens ist, zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region beizutragen", hält sie im rbb-Interview dagegen. "Und zu ermöglichen, dass Menschen sich treffen, dass Menschen andere Länder kennenlernen, dass Menschen andere Kulturen kennenlernen, was ebenfalls sehr, sehr wichtig ist für unsere Welt."

24 Kommentare

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  1. 24.

    Mich packte ganz schön die Wut als ich vernahm wie viele Leute jetzt hochentlohnt im Bundestag sitzen werden. Die Politik hat gepennt anstatt die Wahlkreise anzupassen. Die Pflegekräfte müssen streiken für ein paar Pimperlinge und die Politik nimmt sich was sie will. Das soll Demokratie sein ? Unsere Nachbarn in Frankreich sollten unsere Vorbilder sein.

  2. 23.

    Gut das über die Jarasch ( Grüne Superchefin ). Ich halte die sowieso für eine politikmachtgeile Person. Die Sowenigwiemöglichautofahrer werden dagegen von einem Teslasupergäubigen aus Berlin immer wieder angemotzt wegen der saumäßigen CO2- Ausblasung. So lange es solch Politiker gibt, die sich so anders verhalten als die es von uns verlangen ist Klimaschutz in Deutschland nur eine Worthülse. Inlandflugverkehr einzustellen war auch nur eine tagespolitische Eintagsfliege. Die Ganoven der Genossen sollten tunlichst Vorbilder für Klimaschutz werden.

  3. 22.

    Japp - das ist Berlin - hatte mal zwei - die sind jetzt große Buddelplätze und Spielwiesen für NErds und Zugezogene.

  4. 21.

    Wow, an welchen Flughafenprojekten Frau von Massenbach schon mitgewirkt hat. Mich würden Ihre Beweggründe interessieren, jetzt Chefin einer Totgeburt, einem Regionalflugplatz zu sein

  5. 20.

    #Teddybär meint die Freiheit und die D-Mark... Und die Gänsehautmomente auf dem Leipziger Ring, wenn an der Stasizentrale in Totenstille so im Gleichschritt vorbeigelaufen wurde, dass die Scheiben geklirrt haben... Da sind die heutigen Wohlfühldemos mit Selfis und Heizpilz hinterher Pillepalle.

  6. 19.

    Süß, wie Sie es schön reden. Jetzt schon lange Warteschlangen bei nicht mal halb soviel Flugverkehr wie vor Corona. Der BER unter Vollast....dann reichen die Warteschlange bis nach Schönefeld! Und fertig ist der Flughafen lange nicht, lediglich Terminal 1, die Bretterbude Terminal 2 bleibt vorerst zu und das wars auch schon. Die Ausbauvorhaben sind vorerst auf Eis gelegt, sollten die je genehmigt werden, drohen dem Steuerzahler viele weitere Millionen

  7. 17.

    Wir sind im August aus dem Urlaub gekommen. Unser Sohn holte uns ab und er wartete auf den Autoparkplatz vor dem Ausgang. Es regnete in strömen und wir wollten Parkgebüren bezahlen. Es war kaum zu sehen was bezahlt werden soll, Geld geht nicht, die 1.Karte auch nicht erst mit der 2.Karte und man war kitsch nass. Außerdem lange Schlangen und alles ohne Überdachung. Natürlich teurer da die Zeit überschritten und dann ewig Schlange um rauszukommen. So kann man auch zu Geld kommen.

  8. 16.

    Mängel: Keine Laufbänder trotz der weiten Wege; kein Vorabend- Checkin, denn dann könnte man morg We na wirklich m.d. Bahn anreisen.

  9. 14.

    Der BER ist wie Griechenland vor 10 Jahren, Anleihen werden nicht bedient oder auf unbestimmte Zeit gestreckt.

  10. 13.

    Wenn man immer Winter etwas heizen würde, dann wäre das durchaus drin...Im Februar war es Eiskalt in der Halle und alle dort Beschäftigten haben gefroren...Übrigens Frau Jarrasch auch, sie stand in einer Ecke um nicht erkannt zu werden, dann man als Grüne ja eigentlich nicht fliegt :)

  11. 12.

    Wie soll der BER bitte ein normaler Flughafen werden, dafür müsste man ihn abreißen und alles neu bauen. Wahrscheinlich günstiger als die Kosten für die Steuerzahler in den nächsten Jahren.

  12. 11.

    So ein Quatsch,
    das Ding ist fertig und der Flugverkehr zieht ordentlich an (daher die Warteschlangen im BER).
    Die ersten Fluggesellschaften holen vorfristig sogar ihre A380 aus der Wüste zurück und wenn sich der BER nicht total dämlich anstellt, bekommen wir demnächst auch gescheite Langstreckenverbindungen in alle Welt.
    Ich kann es kaum erwarten...

  13. 10.

    Wenn so ganz heimlich, in einem Nebensatz von Teilentschuldung gesprochen wird, ist das nichts anderes wie: wir zahlen an Berechtigte nicht und werden nie zahlen...
    Neben einer verlogenen Standortwahl, drohender Insolvenz folgt nun der Betrug an rechtmäßigen Leistungen der Schaffenden? Es sieht ganz danach aus...

  14. 9.

    Natürlich nehmen wir Deutschen alles hin, was uns die Regierenden, egal welcher Couleur vorsetzen. Vielleicht ist ein Generalstreik die Lösung, im Osten wurde schon einmal ein System durch das Volk hinweggefegt.

  15. 8.

    Schöner Kommentar, Danke.

    Den Deutschen geht es einfach noch viel zu gut, warum sollten sie sich also eine gelbe Weste anziehen und aus ihrer Wohlfühlzone ausbrechen? Motzen ja, da sind sie groß drin, aber das war es dann leider auch schon. Viele Grüße

  16. 7.

    den Flughafen zu schliessen kostet den Steuerzahler noch viel mehr. Kann Leipzig weitere 30-40 Mio Fluggäste aufnehmen ? Fährt Die Bahn nach Leipzig im 20 min Takt ? Kennen Sie irgendeine Hauptstadt auf der Welt die keinen Flughafen hat.

  17. 6.

    Wieso denken wir Deutschen eigentlich immer wir können nichts tun? Wir nehmen steigende Energiepreise und Steuern bei sinkenden Reallöhnen und weniger Rente vermutlich ab 70 hin und lassen uns dann noch eine Geiz ist geil Mentalität unterstellen, weil wir dann z. B. bei Lebensmitteln sparen. Im Gegensatz zu Abgeordneten können wir uns nicht eine jährliche Gehaltserhöhung gönnen, übrigens die meisten Arbeitgeber auch nicht. In Frankreich gehen die Menschen in ihren gelben Westen auf die Straße, was bei uns auch kein Problem sein sollte, da wir diese verpflichtend im Auto haben müssen. Vielleicht sollten alle Arbeitnehmer auch einfach mal an einem Tag das Arbeiten einstellen, damit deutlich wird wer den ganzen Spaß finanziert und wie wichtig arbeitende Menschen für die Gesellschaft sind. Arbeit muss sich wieder lohnen.

  18. 5.

    Ein Normaler. Aber zunächst eine Entschuldung in Milliardenhöhe einfordern. In Deutschland reguliert der Steuerzahler alles. Und der kann nichts dagegen tun.

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