Deal mit Deutsche Wohnen und Vonovia - Berlinovo ist für Ankauf von Wohnungen großer Immobilienkonzerne

Luftaufnahme von Berlin (Bild: imago images/Dirk Sattler)
Audio: rbb88.8 | 09.09.2021 | Tobias Schmutzler | Bild: imago images/Dirk Sattler

Knapp 15.000 Wohnungen will das Land Berlin von Deutsche Wohnen und Vonovia übernehmen. Den Deal abwickeln sollen die landeseigenen Wohnungsgesellschaften. Eine von ihnen hat jetzt schon mal den Daumen gehoben, wie der rbb erfahren hat.

Der geplante Ankauf von Wohnungen der Immobilienkonzerne Deutsche Wohnen und Vonovia durch das Land Berlin hat eine weitere Hürde genommen. Der Aufsichtsrat der landeseigenen Berliner Wohnungsgesellschaft Berlinovo hat nach rbb-Informationen dem geplanten Deal zugestimmt. Am Montag wollen nach rbb-Informationen auch die Aufsichtsräte der beiden weiteren landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften Howoge und Degewo den Ankäufen zustimmen.

Insgesamt ist geplant, dass die landeseigenen Wohnungsgesellschaften gut 14.750 Wohnungen und etwa 450 Gewerbeeinheiten für einen Preis von rund 2,4 Milliarden Euro kaufen. Nach rbb-Informationen soll Berlinovo gut 4.000 Wohnungen erhalten, auf die Howoge entfallen über 8.000 Wohnungen und auf die Degewo rund 2.500.

Kollatz spricht von "gutem Vertrag"

Nach Angaben von Regierungschef Michael Müller (SPD) vom Dienstag steht der Ankauf "unmittelbar bevor". Es wäre der größte seiner Art seit langem. Die Finanzverwaltung geht nicht davon aus, dass dazu die Zustimmung des Abgeordnetenhauses nötig ist, weil alles über drei kommunale Wohnungsgesellschaften abgewickelt werden soll und der Landeshalt auf diese Weise nicht belastet werde.

Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) bezeichnete den Deal am Donnerstag als einen guten Vertrag, vor allem für die betroffenen Mieterinnen und Mieter. Kollatz verwies darauf, dass es selten eine Chance gebe, derart große Bestände in kommunale Hand zu bekommen.

Auch Grüne und Linke kritisieren das Vorhaben

Kritik an den Plänen regte sich am Mittwoch im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses, dabei nicht nur aus den Reihen der Opposition, sondern auch aus den Koalitionsparteien Grüne und Linke. Ihr Unmut bezieht sich vor allem darauf, dass der Deal am Abgeordnetenhaus vorbei geschieht, indem die Wohnungsbaugesellschaften die Ankäufe über Kredite finanzieren.

Im Hauptausschuss erhoben die Grünen zudem Zweifel, ob vor allem die Wohnungsbaugesellschaft Degewo den Kauf finanziell schultern kann. Auch die Linken äußerten Bedenken, dass nötige Investitionen für den künftigen Neubau unter der Finanzlast der Ankäufe leiden könnten. Zudem fühlen sich beide Fraktionen nicht ausreichend über die Pläne informiert.

Die FDP argumentierte, dass die Ankäufe am Ende doch indirekt durch das Abgeordnetenhaus finanziert werden könnten, nämlich falls das Parlament im Nachhinein Geld für die Wohnungsbaugesellschaften nachschießen müsste, um Neubaupläne zu finanzieren.

Dagegen verteidigte die SPD die Wohnungsankäufe als sinnvoll. Sie sehe außerdem keine Indizien, dass die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften sich dabei übernehmen würden.

Sendung: Inforadio, 9. September 2021, 17.20 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    Es wurden alle Wohnungen günstig verhöckert, und wer hat diese gekauft? Am wenigsten die Berliner, die haben den Ankauf gerne Anderen überlassen. Ja, wer nur auf den Konsum jetzt denkt, der hat was falsch gemacht.

  2. 9.

    Je größer die Wohnungsgesellschaft desto besser, bei den großen gab es immer ordentlich Betriebskostenzahlungen zurück.

  3. 8.

    und mit der Berlinovo und Co. wird dann alles besser und billiger in Berlin, so so. Wie war das doch gleich mit dem Zitronenfalter? Wer sich halt verarschen lässt, soll gern dran glauben.

  4. 7.

    Rd. 160.000 EUR/ Wohnung. Wenn man bedenkt, wie günstig das Lan Berlin ehemals Wohnungen verhökert hat, könnte man brechen.

    Aber besser so, als der Gier überlassen..

  5. 6.

    Streik: die Berlinovo steht nicht im Verdacht Wohnraum bei einer Neuvermietung "günstig"zu vermieten. Sie haben da wohl ein Schlupfloch gefunden.

  6. 4.

    Einfach mal selber in den Finanzbericht der WBG‘s gucken. Es gibt da sowas wie Internet.

  7. 3.

    Da die Linke ja weiter nmitregieren möchte, kann ich deren Sorge im die mangelnde Kreditwürdigkeit der LWU nicht nachvollziehen. Die haben die doch schon so früh eingebremst, dass es von denen einen Brandbrief gegeben hatte. Auch scheint die Linke zuversichtlich zu sein, dass es zu keinem Enteignungen bzw. die auch nicht billiger wäre. Sonst könnten die ja auch gegen dir im Koalitionsvertrag vereinbarten Zukaufziele mit dem Volksentscheid opponieren.

  8. 2.

    " Ihr Unmut bezieht sich vor allem darauf, dass der Deal am Abgeordnetenhaus vorbei geschieht, indem die Wohnungsbaugesellschaften die Ankäufe über Kredite finanzieren." Tja, iiebe Linksgrüne, wie denn sonst? Der Landeshaushalt gibt solche Neuverschuldungen politisch nicht her. Da werden über die von der Politik weisungsgebundenen städtischen Wohnungsbaugesellschaften die Schulden geparkt. Die können sich nicht whren, andernfalls sind die Oberen bein den Wohnungsgesellschaften ihren Job los. Die haben zwar auch schon einen riesigen Schuldenberg, aber da fällt es nicht so auf und der SPD Finanzsenator kann stolz berichten, "aus dem Landeshaushalt wird nichts finanziert".

  9. 1.

    Lieber rbb,
    wer sitz denn in den Aufsichtsratspoistionen der 3 WBG's? Einfach mal benennen.

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