Lütke Daldrup verabschiedet sich - BER-Flughafen braucht bis Februar 2022 frisches Geld

Passagiere warten am 3.9.21 am BER-Flughafen auf ihr Gepäck (Bild: imago images/Achille Abboud)
Bild: imago images/Achille Abboud

Zeitenwende beim BER-Flughafenbetreiber FBB: Airport-Chef Lütke Daldrup übergibt an seine Nachfolgerin. Und die muss sich auf enorme finanzielle Engpässe einstellen, wenngleich die Passagierzahlen zuletzt deutlich gestiegen sind.

Die Liquidität des BER-Flughafens BER ist nach Betreiber-Angaben derzeit noch bis Februar 2022 gesichert. "Bis dahin brauchen wir frisches Geld", sagte die künftige BER-Chefin Aletta von Massenbach am Freitag in Berlin. Die Gesellschafter der öffentlichen Hand seien aber im Bilde und man sei im engen Austausch. Die Eigentümer Berlin, Brandenburg und der Bund hätten zum Teil schon Vorkehrungen getroffen für weitere finanzielle Unterstützung.

Die Eigentümer wollen den Flughafen bis 2026 mit rund 2,4 Milliarden Euro unterstützen. Knapp die Hälfte davon soll in Form einer Teilentschuldung fließen. Hinzu kommen unter anderem 800 Millionen Euro Liquiditätshilfen. Derzeit prüft die EU-Kommission, ob diese Unterstützung EU-rechtskonform ist.

Inbetriebnahme des Terminals 2 weiterhin unklar

Für das laufende Jahr rechnet Massenbach mit einem Umsatz von insgesamt rund 265 Millionen Euro und einem operativen Verlust von etwa 60 Millionen Euro. Die Passagierzahl dürfte sich nach einem schwachen ersten Halbjahr bei rund zehn Millionen einpendeln und damit etwa auf dem Niveau von 2020. Im Jahr 2019 - vor der Corona-Krise - waren es an damals noch zwei Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld insgesamt etwa 36 Millionen Passagiere.

Für September rechnet der Flughafenbetreiber FBB am BER-Flughafen mit 1,5 Millionen Fluggästen. Das wären in etwa so viele wie im gesamten ersten Halbjahr, sagte der scheidende Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Freitag. Aufgrund der aufwendigeren Kontrollen in der Corona-Krise komme es mit steigenden Passagierzahlen derzeit immer wieder zu längeren Wartezeiten und Schlangen an den Kontrollpunkten.

Aktuell wird der Flugverkehr nach wie vor ausschließlich über das neue Hauptterminal 1 abgewickelt. Ob angesichts der steigenden Auslastung bald auch das Terminal T2 erstmals geöffnet wird, ließ Lütke Daldrups Nachfolgerin von Massenbach offen.

Lütke Daldrup spricht von "entspannterer" Situation

Für den scheidenden Flughafenchef Lütke Daldrup war es die letzte Aufsichtsratssitzung. Im Oktober geht er in Rente, dann wird die bisherige Finanzchefin von Massenbach übernehmen. Lütke Daldrup hatte den BER nach jahrelangen Verzögerungen im vergangenen Jahr in Betrieb genommen. "Ich habe mich gefreut, dass der Flughafen so viel Interesse gefunden hat in der Region", sagte er zum Abschied am Freitag. "Ich glaube, wir haben jetzt eine Situation erreicht, in der wir ein bisschen entspannter die Themen diskutieren können."

Für den neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Jörg Simon, war es wiederum die erste Gremiumssitzung in dieser Funktion. Der langjährige Vorstandsvorsitzende der Berliner Wasserbetriebe war im April in den Aufsichtsrat berufen worden und übernahm dort jüngst die Aufgaben des bisherigen Vorsitzenden Rainer Bretschneider, der ebenfalls in den Ruhestand gegangen ist.

Sendung: Abendschau, 24.09.2021, 19:30 Uhr

11 Kommentare

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  1. 11.

    Ich habe eine Hoffnung: Sollte die EU zu der Erkenntnis kommen, dass diese Art der Bezuschussung nicht mit EU-Recht konform ist können die Grünen, die dann mit regieren, dem zustimmen und den BER schließen. Und schon würde die Luft über Berlin wieder besser...

  2. 10.

    Das Millionengrab bettelt wieder mal. Dieser Flughafen wird nie rentabel arbeiten. Es gibt viel zu viele Auflagen, die verhindern dass sich lukrative Fluggesellschaften ansiedeln. Dazu kommt noch das Nachtflugverbot. Frankfurt ist da einfach lukrativer.

  3. 9.

    Die alte Mär von Sperenberg mal wieder.
    Für die Berliner aus dem ehemaligen Westteil Berlins ist/war der BER schon viel zu weit vom Stadtzentrum entfernt.
    Dazu noch die Hinterlassenschaften, Munition und Altöl jahrelang aus dem märkischen Sand zu pulen, käme noch dazu.
    Eine nach wie vor tolle Idee.
    Wahrscheinlich haben sich dort so einige Bodenspekulanten verzockt, dass diese Diskussion immer wieder auftaucht!

  4. 8.

    Zur Schlagzeile "BER-Flughafen braucht bis Februar 2022 frisches Geld":
    Wenn das so einfach auf Zuruf funktioniert, dann melde ich hiermit auch Bedarf an.

  5. 7.

    Aha, China hat also in Rad/Schienenwege investiert. Muss ich jetzt etwa mit meinem Koffer plus Handgepäck auf dem Fahrrad zum Flughafen?? Sie sind lustig.

  6. 6.

    Das ist nicht richtig. Richtig ist, es hat bei der Verlängerung der bereits betriebenen Schwebebahn in China Verzögerungen gegeben. Der Grund, China hat soviel Kapazität, dass es "mehrgleisig" fahren kann. Dazu gehört eine Neuentwicklung der Schwebebahn, die schneller als ein Flugzeug ist. Der erste Prototyp des "Super Bullet Maglev Train" ist nun in China von der Produktionslinie gerollt.

    https://www.n-tv.de/wirtschaft/Schnellster-Zug-der-Welt-ist-fertiggestellt-article22693179.html

  7. 5.

    Der BER ist und bleibt eine finanzielle Katastrophe. Immer mehr Steuergelder werden verschwendet, Hauptsache Tegel und Tempelhof wurden geschlossen. Man sollte den BER vom Netz nehmen. Man kann ja die Bahnverbindung nach Leipzig nuhmen und den dortigen Flughafen nutzen. Das Gelände des BER könnte dann für den Wohnungsbau genutzt werden.
    Den BER braucht kein Mensch, weg damit.

  8. 4.

    Oh. hätte es in Sperenberg keinen Einbruch das Passagierzahlen wg. Corona gegeben? Die Chinesen sind vom Transrapid übrigens so überzeugt, dass due die geplante Streckenverlängerung auf Eis gelegt und in Rad/Schiene investiert haben. Wenn Sie sich zudem die Kommentare von Berlinern anschauen, ist die EDDB schon jwd wie die ja auch jammern, dass der Hauptbahnhof zu weit im Osten gebaut wurde und sich deshalb ICE mit S-Bahn-änlicher Haltefolge wünschen.

  9. 3.

    @ Michael: Ihr Vorschlag würde wohl kaum die Kosten senken. Oder argumentieren Sie aus der Sicht der Angestellten am BER? Ich glaube jedenfalls nicht, dass mehr Leute den Flughafen benutzen und somit finanzieren würden, wenn denn nur die Abfertigung schneller ginge.

    @ rbb: Mich würde interessieren, wie die weitere Finanzierung ab 2026 geplant ist? Soll sich der Flughafen ab dann finanziell selbst tragen?

  10. 2.

    Der BER ist und bleibt aus meiner persönlichen Sicht ein rein wirtschaftlich gesehenes Milliardengrab! Immer neue Probleme und alles kostet viel Geld! Für mich persönlich hätte man ihn damals in Sperenberg auf dem Gelände des alten Militärflughafens bauen sollen, da wäre genügend Platz gewesen, kein Nachtflugverbot und keine Probleme mit Einflugschneisen. Die Autobahn ist nicht weit entfernt eine Bahnverbindung gab es auch und ab Berlin Mitte /Stadtrand hätte ich einen Shuttleverkehr mittels Transrapid d. h. Magnetschwebebahn aufgebaut. China hat es vorgemacht. Die Staatsoberhäupter hätten per Hubschrauber nach Berlin geflogen werden können. Aber die Politik wollte lieber einen neuen Flughafen in Berlin Schönefeld bauen, welcher irgendwann zu klein ist, mit seinen Problemen nicht aus den Schlagzeilen kommt und keine Erweiterungsmöglichkeiten bietet... Der deutsche Steuerzahler (Michel) darf es ja ausbaden d. h. zahlen!

  11. 1.

    Nicht die steigenden Passagierzahlen und aufwendigeren Coronakontrollen sind das Problem, sondern die zu geringe Anzahl von Mitarbeitern an den einzelnen Kontrollpunkten und im rückwärtigen Bereich, die dann auch noch zu einem geringeren Lohn als in TXL ihren Job machen müssen.

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