rbb-Magazin "Super.Markt" - "Reparieren statt wegwerfen" ist trotz neuer Richtlinie noch nicht angesagt

ILLUSTRATION - Ein Mann arbeitet am 08.11.2015 in einem Badezimmer in Berlin an einer kaputten Waschmaschine, um sie zu reparieren (gestellte Szene). (Quelle: dpa/Andrea Warnecke)
Video: Supermarkt | 03.09.2021 | Janna Falkenstein | Bild: dpa/Andrea Warnecke

Seit diesem Frühjahr gilt für Elektrogeräte das Motto "Reparieren statt wegwerfen". Doch im Praxistest des rbb-Verbrauchermagazins Super.Markt zeigt sich, dass Kunden nicht informiert werden - und sich Hersteller nicht daran halten müssen.

Die neue sogenannte Ökodesign-Verordnung der Europäischen Union (EU) soll seit 1. März dieses Jahres helfen, Elektroschrott zu reduzieren - indem sie festlegt, dass neue Haushaltsgeräte zehn Jahre lang reparierbar sein müssen. Verbraucher sollen einfache Ersatzteile wie Dichtungsringe oder Türgriffe auch selbst kaufen können - und alle Teile sollen mithilfe allgemein verfügbarer Werkzeuge austauschbar sein.

Der Praxistest fällt negativ aus

Bei Stichproben des rbb-Verbrauchermagazins Super.Markt in der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass in den vier großen Elektromärkten der Region (MediaMarkt, Saturn, Euronics und Medimax) kein einziger Verkäufer beim Test-Kauf einer neuen Waschmaschine den Testern gegenüber diese neuen Rechte erwähnte. Auf Nachfrage kannten die Verkäufer die Richtlinie auch nicht.

Im Praxistest funktionierte die neue Regelung ebenfalls nicht. Bei einer von Super.Markt in Auftrag gegebenen Waschmaschinenreparatur eines Geräts der Firma Siemens, das im April 2021 hergestellt wurde, zeigte sich, dass Hersteller statt preiswerter Einzelteile weiterhin Reparatursätze anbieten, die weitaus teurer sind. Auf Nachfrage beruft sich Siemens darauf, dass im Anhang der Verordnung den Herstellern diese Möglichkeit nach wie vor offensteht.

Für Johanna Sydow vom Runden Tisch für Reparatur, einem Bündnis aus unabhängigen Reparateuren, Umwelt- und Verbraucherschützern ist das ein fauler Kompromiss. "Das sind klare Schlupflöcher der Verordnung. Da steht ganz klar die Industrie dahinter, die nicht will, dass wir unbedingt ein Recht auf Reparatur haben", sagt Sydow.

Nun versucht man mit langsamen regulatorischen Schritten wieder zurückzugewinnen, was wir vor 20 Jahren selbstverständlich hatten

Johanna Sydow vom runden Tisch für Reparatur

Früher selbstverständliche Reparaturen immer weiter eingeschränkt

Überhaupt übt Johanna Sydow scharfe Kritik. Es sei nicht hinnehmbar, dass Reparaturen, die früher selbstverständlich waren, immer weiter eingeschränkt würden. "Nun versucht man mit langsamen regulatorischen Schritten wieder zurückzugewinnen, was wir vor 20 Jahren selbstverständlich hatten", sagt sie.

Im Bundeswirtschaftsministerium verweist man bei der Thematik auf laufende Verhandlungen. Man sehe aber "durchaus noch Verbesserungspotenzial", heißt es. Fazit: Es wird noch Jahre dauern, bis Haushaltsgeräte wieder wirklich reparierbar werden.

Weitere Informationen dazu gibt es in der Sendung "Super.Markt", 06.09.2021, 20:15 Uhr

Sendung: Super.Markt, 06.09.2021, 20:15 Uhr

21 Kommentare

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  1. 21.

    Leider steckt auch hinter ehemals großen Namen teilweise der letzte Schund und bei preiswerten, aber gleichzeitig guten Billigeimern kann man Gluecksgriffe machen
    Die sind zwar nicht so innovativ, aber praktisch, robust und gut in der Qualität.

  2. 20.

    Das ist zwar grundlegend alles richtig, aber hinkt als Beispiel doch sehr. Kaum ein Gerät ist heute noch aus diskreten Bauteilen gefertigt (insbes. Elektronik), sondern aus Baugruppen, integrierten Schaltkreisen, Mikrocontrollern, automatisiert gefertigter Mikroelektronik, SMD-Technik etc. Bauteile sind verklebt, weil so kompakte Baugrößen und bspw. Sicherheitsnormen vereinbar sind. Man muss sich eben mal klar machen, was für ein Klotz Ein LED-Treiber aus aus diskreten Elektronik-Bauteilen wäre oder wieviel Personalkosten manch Fertigung in Handarbeit als Ostblock heute erzeugen würde. Dazu kommt offenbar das Verbraucherinteresse an Geräten mit Touchdisplays und elektronischem Schnickschnack, wo es dann schnell vorbei mit Reparierbarkeit heißt, allenfalls dem Austausch der gesamten Steuerelektronik. (Insofern ist auch das Artikelbild etwas putzig)

  3. 19.

    Im Endeffekt ist es doch wie immer: Die Hersteller sind doch gar nicht an Reparaturen interessiert. Wegschmeißen und ein neues Gerät verkaufen. Profit steht an erster Stelle.

  4. 18.

    Jetzt da man es endlich auch nach so langer Nachwendezeit als Ex-DDR-Bürger endlich auch bei mir geschafft hat sich der Wegwerfgesellschaft zuzuwenden soll ich mich wieder wenden?

  5. 17.

    Die hatten wir auch mal. Fiese Verarbeitung; da war die TM 64 ( Vorgänger ) Gold gegen. Aber; SPEE enthielt damals ENZYME, die heute nicht mehr drin sind. SPEE war damals unser WEISSER RIESE. :=)

  6. 16.

    Die EU - .- kostet den europäischen Steuerzahlern reichlich viel Geld. Die Besüge des Martin Schulz habe ich damals mal erlesen. Wofür fragt man sich da nur. Wozu die großen klimatisierten Gebäude ? Auch diese CO2- Steuer zahlen die Bürger. Alles viel zu viel Bürokratie. EWG kann auch funktionieren mit temporären Treffen von ausgewählten Parlamentsabgeordneten der EU-Länder. An Ökonomie der politischen Arbeit ist keiner interessiert. Wir Bürger aber !

  7. 15.

    Und keiner gibt zu, daß man doch möglichst jeden Monat eine neue Waschmaschine kaufen muß, weil die dann doch bahnbrechend "ökologischer" ist als die letzte...

    Ich heule heute noch um meine damals 30 Jahre alte WA 45 - die war nie kaputt und nach 1 Stunde Kochprogramm waren selbst die Kackwindeln wieder schnee wie weiß. Die jetzige rödelt über 3 Stunden vor sich hin und vor der Luke sollte man besser das Fenster aufmachen. Oder gleich nochmal laufen lassen. Mußte ja unbedingt öko sein...

  8. 14.

    Das trifft zwar den Kern; mir war es wichtig, dass unkundige Käufer sich lieber nicht auf den Verkäufer verlassen sollten. Bei Amazon findet man aber auch von Kunden geschriebene Rezensionen, die absolut neutral und auch aussagekräftig und richtig sind. Oft mit eingestellten Mängelfotos. Wer bietet das noch ? Mal was zu MIELE: Die Staubsauger sind nicht mehr das was die mal waren. Als die die Produktion umstellten kauften wir noch schnell ein altes Modell in alter Qualität.

  9. 12.

    Da kann ich Ihnen nur recht geben. Und was von der EU aus Brüssel kommt ist doch sowieso absolut lachhaft. Die tun nur so, als wollten sie für alle in der EU das Beste, aber leider sie wollen nur ans große Geld um diverse EGOs zu befriedigen, die nur ans Geld abgreifen denken.
    Ich wäre schon lange für eine Rückkehr zu alten EWG. Zusammenarbeit mit Ländern ist wichtig, aber nicht so, wie es in der EU läuft. Ich habe gegenüber Brüssel NULL Vertrauen.

  10. 10.

    Mit hier vorhandenen Geräten von LIEBHERR , MIELE und SAMSUNG hätten sie auch keine Probleme. Optimal kaufen heißt sich auskennen. Das ist nämlich das Problem: Beim Discounter eine WM für 250 € kauft man nicht. Man kauft auch keinen TELEFUNKEN-TV oder TELEFUNKEN-Fahrrad. Es ist so viel minderwertigere Ware auf Lager. Sparen sie für Markenware; fragen sie Bekannte mit techn. Berufen; nicht den Verkäufer.

  11. 9.

    Soweit haben sie dargelegt was wir in der DDR alles konnten. Vornweg; das Foto einer WM ist typisch für rbb24. Aktuell bei techn. Dingen kennt man wohl nicht. TGL habe ich als -Technische Güte-und Lieferbedingungen- in Erinnerung. Wenn ich jetzt aufliste was alles noch von mir repariert oder völlig neu gebaut wurde sprengt das hier den Rahmen. Für WM, Kühlschrank. TV, Radio hatte ich nicht nur Ersatzteile nach bekannten Schwächen-Ausfallrate-parat. Es war ja üblich seine Wohnung selbst zu erhalten und zu modernisieren. Bei einer Gastherme / Neuinstallation ab Gaszähler benötigte ich das Wissen betr. TGL 10704, 10706, 10707. Abgenommen vom Meister der Gasversorgung. Renovierung; Fensterrep.. Fliesen, Elektroinstallation- alles eher Peanuts. Mehrere techn. Berufe war keine Seltenheit. UHF-Geräte baute ich für ZDF-Empfang in Industriequalität. Störstrahlungsfrei. Für Bürojob bin ich ungeeignet.

  12. 8.

    Gestatten Sie mir bitte einen kurzen Exkurs zu europäischen Normen. Der Begriff TGL stand in der ehemaligen DDR für "Technische Garantie und Lieferbedingungen" und legten verbindliche Standarts fesr. Es gab in einigen Bereichen auch die sogenannte RGW-Norm (RGW=Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe, ehemaliger Ostblock) wo sie dann ihre Gültigkeit besaß. DIN steht für Deutsches Institut für Normung, die hier aufgelisteten und nummerierten Normen entsprechen den anerkannten Regeln der Technik und sind rechtlich verbindlich. EN steht für Europäische Norm. TGL Normen und DIN Normen waren bzw. sind deutsche Normen. Sie haben ihren Ursprung im Vorkriegsdeutschland, wobei viele TGL-Normen den DIN-Normen (teilweise sogar mit Nummern) entsprachen, aber aus rechtlichen Gründen TGL hießen. Heutzutage wurden und werden viele DIN-Normen (nationale Norm bzw. Normenrecht) in EN-Normen (Europäische Norm bzw. Europäisches Recht) überführt. Diese sind dann dementsprechend europaweit rechtlich verbindlich.

  13. 7.

    Diese Richtlinie gilt für Geräte die nach 01. März 21 hergestellt werden. Die Altbestende in den Geschäften, in wie wit die noch reparabel sind sei hingestellt. Das die Verkäufer meistens die neue Richtlinie nicht kannten, wundert mich gar nicht.
    Selbst bei Bäckereien erlebt man nach 15 Jahren noch öffter, dass die Allergen- Richtlinie bei ihnen noch nicht angekommen ist.

  14. 6.

    Meine eigenen Erfahrungen sind folgende : Früher konnte ich in der ehemaligen DDR, als gelernter Elektromechaniker fast alles selbst reparieren, egal ob Auto oder Haushaltsgeräte, sogar Radios und Fernsehgeräte waren aufgrund der Standardisierung der Teile leicht reparierbar. Heutzutage erfindet jeder Hersteller bei neuen Produkten, fast jedes Teil neu, damit noch billiger produziert werden kann und keiner mehr zwecks Kompatibilität durchblickt. Noch schlimmer sind LED-Leuchten, geht eine LED (Preis pro LED meist im Centbereich) kaputt, ist eine Reparatur nicht vorgesehen und dementsprechend das Gehäuse verklebt bzw. verschweißt. Das gilt sogar explizit für Autoscheinwerfer, da sind Reparaturen sogar, außer durch zugelassene Spezialwerkstätten, verboten! Da werden im Fehlerfall schnell mal bis zu 1000,00€ fällig und mehr. Auch bei hochwertigen Produkten (Marken SmartTV oder Waschmaschinen) sind die Ersatzteilpreise teilweise horrend, von der Verfügbarkeit bei 3 bis 4 Jahren nach Auslauf der Serie ganz zu schweigen! Das Schaltpläne wie zu DDR Zeiten den Geräten für die eventuelle Selbstreparatur beigefügt werden, ist in Deutschland absolut die Ausnahme! So landen viele Geräte mit geringen Fehlern auf dem Schrott, obwohl sie häufig mit geringen Mitteln noch günstig hätten repariert werden können... Letztlich sollte jeder Hersteller wissen, Qualität heißt: ZUFRIEDENE KUNDEN! Oder auch: Qualität ist, wenn der Kunde wiederkommt und nicht das Produkt! Nachhaltig und Reparaturfreundlichkeit kann ich derzeit bei vielen Anbietern leider nicht sehen...!

  15. 5.

    Reparieren ist ja keine schlechte Idee. Wurde früher fast immer gemacht. Aber selbst bei Super Markt wurde im Test festgestellt dass es viele Reparaturbetriebe gibt die zu teuer sind und nicht viel Ahnung haben.
    Jeder wird sich aber überlegen ob man einen teuren Handwerker holt oder lieber einen neues Gerät kauft.

  16. 4.

    Zu DDR Zeiten gab es keine lapidare "Empfehlung" (DIN) sondern Norm inkl. Gesetz wie lange etwas mindestens zu halten hat (TGL). Das ist aber heute nicht gewollt. Außerdem möchte man ja mal wieder einen trendy sauberen neuen Kühlschrank, der alte ist hässlich... die Waschmaschine oll. Da kauft man gerne in der Wegwerfgesellschaft NEU! Muss zugeben ich auch. Ist leider so. Für irgendwas geht man ja auch Arbeiten. Wenn man es richtig entsorgt, hat die Industrie Material für Neues.

  17. 3.

    Wäre ja noch schöner, wenn ein hergestelltes Gerät nicht aus dem Verkehr gezogen wird, obwohl die Sollbruchstelle ebenso exzellent funktioniert hat wie das Aufschwatzen eines neuen Designs.

    ;-

    Der groß in aller Munde geführte Begriff der Nachhaltigkeit verlangt jedenfalls etwas ganz anderes, als die Elektronik-Anbieter zurzeit noch praktizieren. Absicht oder fehlerhafte Einschätzung? Die Ausnahmeregelung ist keine Ausnahmeregelung mehr, wenn sie der Regelfall ist und ohne Veränderung auch bleiben wird.

    Beitrag Nr. 2 finde ich maßgeblich.

  18. 2.

    Vielleicht sollten sich die Nutzer von Haushaltsgeräten organisieren, um dann bei den Herstellern die Geräte in Auftrag zu geben, die sie als Kunden haben wollen? Bei anderen, kleineren Geräten gibt es solche Aktivitäten schon. Vielleicht geht auch was über CrowdFunding für ein reparierbares Gerät.

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