Unzufrieden mit neuem Angebot - Verdi will Streiks bei Vivantes-Tochtergesellschaften fortsetzen

Eine Fahne der Gewerkschaft Verdi weht vor dem Bettenhaus der Charité- Dort sind am Morgen die beschäftigten der landeseigenen Berliner Krankenhäuser Vivantes und Charité in einem unbefristeten Streik getreten. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
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Audio: Inforadio | 10.09.2021 | Sabine Müller | Bild: dpa/Paul Zinken

Vivantes hat Verdi am Freitagnachmittag ein erneuertes Angebot vorgelegt. Aus Gewerkschaftssicht ist dies jedoch unzureichend. Die Tarife hätten sich gegenüber dem letzten Angebot nicht verändert. Nun soll der Streik am Montag fortgesetzt werden.

Im Krankenhaus-Tarifkonflikt hat der Konzern Vivantes der Gewerkschaft Verdi ein neues Angebot vorgelegt. Die Gewerkschaft beriet am Freitagnachmittag, ob sie auf dieser Basis die Streiks bei den Vivantes-Tochtergesellschaften aussetzen will. Dazu wird es allerdings nicht kommen.

Die Gewerkschaft Verdi wies die Offerte am Freitag zurück, bot aber ein neues Gespräch an. "Jetzt muss auch Inhalt da rein", sagte Verhandlungsführerin Meike Jäger der Deutschen Presse-Agentur. Das Angebot beinhalte zum Beispiel keine konkreten Zahlen zur Wechselschichtzulage, zum Nachtzuschlag und zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. "Wir bieten der Arbeitgeberseite an, am Sonntag - da ist kein Streik - zu verhandeln."

Neues Angebot laut Verdi enttäuschend

Der Klinikkonzern sprach sich gegen neue Verhandlungen aus, so lange der Streik weitergeht. "Da die Tochtergesellschaften von Vivantes am Montag weiter bestreikt werden sollen, können die Gespräche zwischen Vivantes und Verdi nicht fortgesetzt werden", erklärte eine Sprecherin.

Verdi-Verhandlungsführer Kristof Becker sagte dem rbb, das neue Angebot sei enttäuschend gewesen. Die Tarife hätten sich gegenüber dem Angebot von Ende August nicht verändert. Einzig im Manteltarifvertrag seien neue Punkte hinzugekommen. Außerdem werde nun eine Laufzeit von drei Jahren angeboten mit jährlichen Tariferhöhungen um einen nicht näher genannten Prozentsatz.

Positiv sei, dass das Angebot erstmals eine Willenserklärung enthalte, zum Jahr 2028 den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes (TVÖD) bei den Tochtergesellschaften von Vivantes einzuführen. Die Tochterfirmen sind unter anderem für die Reinigung und die Essensversorgung in den Krankenhäusern zuständig.

Pfleger und Pflegerinnen fordern Entlastungstarifvertrag

Im Mutterkonzern und auch bei der Charité befinden gleichzeitig die Pflegerinnen und Pfleger in einem unbefristeten Streik. Sie fordern einen Entlastungstarifvertrag. Aus dem Vivantes-Konzern hieß es, der Streik bringe die Notfall- und Akutversorgung in den Häusern an ihre Belastungsgrenzen. Aktuell könne die Notfallversorgung aber noch aufrechterhalten werden. Die Charité bewertet den Streik vor allem für die Notaufnahmen als enorme Kraftanstrengung. Insgesamt liefen die Streik-Aktivitäten aber weiterhin überwiegend geordnet und geregelt ab.

Verdi für Verhandlungen bereit

Die Gewerkschaft Verdi hatte zuvor stets betont, sie sei sofort bereit für Verhandlungen. Deshalb hatte sie den Streik bei den Vivantes-Töchtern auch erstmal nur befristet für Donnerstag und Freitag angesetzt. Im Gegensatz dazu sind die Streiks beim Vivantes-Mutterkonzern und der Charité unbefristet. Dort sind hunderte Beschäftigte im Ausstand und fordern eine Entlastung des Pflegepersonals.

Aus dem Vivantes-Konzern heißt es, der Streik bringe die Notfall- und Akutversorgung in den Häusern an ihre Belastungsgrenzen. Aktuell könne die Notfallversorgung aber noch aufrechterhalten werden.

Die Charité bewertet den Streik vor allem für die Notaufnahmen als enorme Kraftanstrengung. Insgesamt liefen die Streik-Aktivitäten aber weiterhin überwiegend geordnet und geregelt ab.

Im Vivantes-Mutterkonzern wird derweil über ein Schlichtungsverfahren zur Lösung des Streits nachgedacht. Die Idee kam am Vormittag auf den Tisch, als sich die Klinikleitung mit Politikern aus dem Abgeordnetenhaus besprach. Vivantes sei zu einer Schlichtung bereit, sagte eine Sprecherin dem rbb. Auch Verdi reagierte vorsichtig positiv. Gewerkschafts-Sprecher Andreas Splanemann sagte dem rbb, je nachdem, wie die Modalitäten aussähen, könne man sich auf ein Schlichtungsverfahren einlassen. Wenn Vorschläge kämen, würden sie geprüft.

Verdi-Verhandlungsführerin Maike Jäger teilte dem rbb dagegen am Samstag mit, die Tarifkommissionen von Vivantes und Charité zeigten sich "überrascht, dass von der Arbeitgeberseite Vivantes erneut, wie schon bei den Tochterunternehmen, eine Schlichtung des Tarifkonflikts zur Entlastung ins Gespräch gebracht wird". Die Geschäftsführungen hätten wegen des begonnenen Streiks die Verhandlungen einseitig abgebrochen. "Wir kommunizieren permanent mit Mitgliedern der Unternehmensleitungen, auch dazu, dass wir weiter für Verhandlungen bereit stehen. Der Ball liegt im Spielfeld der Arbeitgeber", so Jäger.

Sendung: Inforadio, 10.09.2021, 19:00 Uhr

15 Kommentare

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  1. 15.

    @ Frank

    Genau so ist es. Viele wollen aber die Realität nicht erkennen

  2. 14.

    Ja, weil die alten Tarifverträge nicht mehr finanzierbar sind. Früher war die Rente auch höher usw…. Aber mit steigendem finanziellen Druck muss ein Unternehmen auch sparen. Und das Personal ist ein eine enormer Kostenblock. Warum werden wohl Produktionen etc. in Billiglohnländerverlagert?

  3. 13.

    Normaler Arbeitskampf. Die einen bieten das, die anderen das. Es kommt zu Streiks usw…. Eigentlich normal.

  4. 12.

    @ Reinigungskraft

    Es fällt dir also schwer, die Wahrheit zu ertragen? Denkst Du wirklich, dass durch höheres Gehalt mehr Personal eingestellt wird? Der Etat für Personal wird nicht steigen. Einzig allein die Verluste von vivantes werden nochmehr steigen.

    Kommunale Unternehmen sollten zumindest kostenneutral arbeiten und nicht massive Verluste einführen.

    Also bleibt nur noch Vergabe an ausländische Unternehmen oder aber das Land verkauft den defizitären vivanteskonzern. Du glaubst aber nicht wirklich, dass Eure Löhne dann steigen oder die Arbeitsbedingungen besser werden?

    Mehr Arbeitslose oder immer höhere Verluste - was würde der Steuerzahler wählen?

  5. 11.

    Sie jammern. Und bitte hören Sie auf mit diesem unerträglichen Ausländer-Gefasel. Der Kommentator spricht über ein anderes EU Land. Aufträge sind ohnehin EU weit auszuschreiben. Und zB die Reinigung kann man immer überallhin outsourcen. Ihr Stundenlohn wäre für viele andere eine Wohltat.

  6. 10.

    Was ist das den für ein Blödsinn? Wie doof muss man sein um überhaupt so was vorzuschlagen? Ja klar soll alles durch ausländische Firmen ersetzt werden... Damit in Deutschland noch mehr arbeitslose gibt.
    Wir jammern nicht! Wir wollen nur für die schwere Arbeit die wir machen auch richtig bezahlt werden! Sie wollen ja auch gutes Lohn haben, wieso dürfen wir es nicht? 11,11€ kriegen wir die Stunde, wir arbeiten 22-25 Tage im Monat, auch am Wochenende, wir müssen ständig unsere Abrechnungen kontrollieren, weil immer etwas nicht stimmt. Haben Zuschlag nur für den Sonntag, Überstunden werden nicht mehr bezahlt. Arbeiten ständig unterbesetzt, weil keiner für so wenig Geld arbeiten will! Manche Kollegen arbeiten 13 Tage durch! Und das soll gerecht sein? Frechheit ist das!

  7. 9.

    @ Sandra

    Das ist ja auch Normal. Und bei der BVG hatte es einen Grund.

    Das altbeschäftigte andere Tarifverträge haben, ist auch juristisch nicht zu beanstanden

  8. 8.

    Was bietet denn Verdi als Gegenleistung an? Die Mitarbeiter der vivantes Töchter jammern auf hohem Niveau. Der Konzern macht durch viel zu hohe Personalkosten Höhe Verluste. Aber der Steuerzahler ist ja so dumm und zahlt...

    Vivantes kann viele Leistungen europaweit ausschreiben. Wieso kann das Essen nicht in Polen gekocht und die Putze nicht aus Rumänien kommen?

    Falls es nicht bekannt ist, jetzt ist Zeit des Sparens und der Rückführung der großzügigen Geschenke für Unternehmen in cCorinazeiten und den noch großzügigeren Geschenke für die Hochwasserregion

  9. 7.

    Ist aber bei der BVG nichts anderes. Die sogenannten Altbeschäftigen haben ganz andere Gehälter als neue Kollegen oder die Kollegen der BT.

  10. 6.

    @ Thunder

    Ganz falsch. Vivantes braucht nur eine Ausschreibung starten. Die muss nämlich zwingend europaweit erfolgen.

    Nun Frage ich mal die auf hohem Niveau jammern den Mitarbeiter: vivantes hat mehr als 30 Mio Euro Verlust eingefahren. welche Sparmaßnahmen wendet denn vivantes an um den Verlust Du Einsparungen auszugleichen?

    Letztlich wird eine Gehaltserhöhung dazu führen, dass weniger Personal beschäftigt werden kann

    Wo steht geschrieben, dass neue Mitarbeiter ein Recht auf einen Tarifvertrag haben? Nirgends!

    Die Mitarbeiter von vivantes sorgen gerade fleißig fur den Tod von Patienten. Jetzt jammern auch noch die Putzkräfte und Köche...

    Was bietet die Gewerkschaft denn an um die Kisten zu senken und den Steuerzahler zu entlasten?

    Vielleicht sollte der Senat mal drüber nachdenken, den vivantes Konzern abzustoßen.

    Außerdem sollten Sie mal über die Auswirkungen der Lohn Preis Spirale nachdenken. Denn gerade sind die Gewerkschaften auf dem Weg, Deutschland langfristig zu schaden

    Die ersten Branchen haben sich ja schon selbst abgeschafft

  11. 5.

    @ Thunder

    Sie denken, dass das Land Berlin als Eigentümer nicht nach Polen auslagern darf? Da irren Sie sich gewaltig. Der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit ist als erstes ui beachten. Natürlich darf vivantes ins Ausland auslagern.

    Wo steht geschrieben, dass es in einem Unternehmen gleiches Gehalt für gleiche Arbeit geben muss? Schon mal daran gedacht, dass auch der Steuerzahler keine Kuh ist, die man dauernd melken kann. Normalerweise muss vivantes auch den Verlust von 30 Mio Euro durch Einsparungen ausgleichen.

    Mehr Gehalt bedeutet aber auch weniger Personal.

  12. 4.

    Sie verstehen es nicht!
    bei den Tochterfirmen geht es um den Grundsatz gleicher Lohn für gleiche Arbeit
    es gibt bis zu 800€ Lohnunterschied zwischen Mitarbeitern die einen alten TVÖD Vertrag haben weil sie schon 10,15 oder 20 Jahre bei Vivantes sind und den Mitarbeitern die in den letzten Jahren in die Tochterfirmen eingestellt wurden, diese haben nämlich keinen TVÖD Vertrag weil es den bei den Tochterfirmen nämlich nicht gibt

    außerdem kann man ihren Vorschlag sowieso nicht machen, da die Tochterfirmen ja auch teil von Vivantes sind und Vivantes wiederum ein Berliner Landesunternehmen und das die Politik nicht zulässt

  13. 3.

    In Polen betreuest eine Pflegekraft deutlich weniger Patienten als in Deutschland. Genauso wie in der Schweiz, Österreich, Italien, Frankreich und und und. Wir sind ganz weit hinten im internationalen Durchschnitt. Just saying.

    https://www.google.com/amp/s/de.statista.com/infografik/amp/16676/patientenzahl-pro-pflegekraft-im-internationalen-vergleich/

  14. 2.

    Das Angebot passt also der Gewerkschaft nicht? Mal überlegen.. Vielleicht sollte Vivantes mal über die polnische Grenze blicken und Aufträge an polnische Firmen vergeben. Dann hätte die Gewerkschaft erreicht was sie will. Verlust der Arbeitsplätze...
    Jammern auf ganz hohem Niveau

  15. 1.

    Das Vertrauen ist gegenüber der Geschäftsführung nicht mehr vorhanden - zu lange und zu oft wurden Mitarbeiter*Innen schlecht behandelt - Gefährdungsanzeigen wurden einfach hingenommen.
    Nun hat sich die Wut kanalisiert, die Pflege streikt mit voller Wucht - ENDLICH!!!!! Es gibt keinen Grund der Geschäftsleitung von Vivantes weiter so viel Spielraum zu geben.


    Entlasstung - Respekt - Gehalt - für eine würdevolle Patientenversorgung!

    Bleibt stabil!

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