Aufschwung während der Corona-Krise - Berliner Sprachkurs-Anbieter Babbel geht an die Börse

Symbolbild: Das Logo von Babbel wird auf einem Smartphone angezeigt. (Quelle: dpa/Thomas Trutschel)
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Audio: Inforadio | 09.09.21 | Karsten Zummack | Bild: dpa/Thomas Trutschel

Gerade in Zeiten von Corona boomt das Online-Lernen, auch bei Fremdsprachen. Davon können Anbieter wie Babbel kräftig profitieren. Das Berliner Unternehmen will jetzt weiter expandieren. Das nötige Kapital soll ein Börsengang bringen. Von Karsten Zummack

Aktualisierung am 22.09.2021: Babbel verschiebt den Börsengang

Dave ist fast in Los Angeles, jetzt schreibt er Kim Textnachrichten. "Let's hang out – lass uns abhängen!", lautet die Botschaft im Englisch-Einsteigerkurs 2 von Babbel. Nutzer pauken hier nicht einfach nur Vokabeln, sondern lernen auch die richtige Aussprache sowie ganze Dialoge. Als Lohn gibt es einen kurzen Bestätigungston.

Das Berliner Unternehmen will mit solchen Methoden das Sprachenlernen deutlich vereinfachen. Von Englisch über Polnisch bis hin zu Indonesisch: 14 Sprachen sind mittlerweile im Angebot. Nach eigenen Angaben hat Babbel zehn Millionen Abos verkauft.

Von Musik-Software zur Sprachlern-App

2007 war die Firma gestartet, die WG diente damals noch als Büro. Die Geschäftsidee sah damals noch ganz anders aus. "Unsere vier Gründer kommen alle aus der Musik-Software und wollten eine Musik-Software bauen", blickt Vorstandschef Arne Schepker zurück.

Eines Nachmittags kam einer der Jungunternehmer in die Wohngemeinschaft, berichtete von seinen spanischen Sprach-Ambitionen. Online-Angebote habe es damals aber eben noch nicht gegeben. "Nach ein bisschen Recherchieren und Nachdenken haben dann alle entschieden, doch auf Sprachenlernen umzuschwenken", so Schepker. Damit war der Weg geebnet zu einem erfolgreichen Start-up.

Pandemie als Schub

Relativ kontinuierlich konnte das Berliner Unternehmen Umsätze und Angebote steigern. Dann kam im Frühjahr 2020 plötzlich die Corona-Pandemie nach Europa. "Schon in den ersten Lockdown-Wochen haben die Nutzer doppelt so lange gelernt wie vorher", rechnet der Firmenchef vor. Der Umsatz mit Neukunden konnte sich schnell verdreifachen bis verfünffachen.

Dabei profitierte Babbel natürlich von geschlossenen Kinos und Restaurants, von ausgefallenen Konzerten und Clubbesuchen. Plötzlich hatten die Menschen Zeit, endlich mal die Sprache der Wahl zu lernen – zu Hause und mit Abstand. "Und natürlich ist es schön, dass wir uns nach ein paar Fernsehserien doch entscheiden, eine Sprache zu lernen", resümiert Schepker.

Unterstützend kam hinzu, dass die Gesellschaft gewissermaßen einen Zwangs-Crashkurs für Online-Anwendungen absolvierte. Kinder und Jugendliche fanden sich plötzlich im Homeschooling wieder, Arbeitnehmer konferierten per Videochat. Das alles führte dazu, "dass ich niemandem mehr erklären muss, dass Sprachenlernen auch online funktionieren kann", sagt der Babbel-Chef.

Umsatzsprünge als Rückenwind für den Börsengang

Er geht davon aus, dass dieser Aufschwung auch für seine Sprachlern-App nachhaltig sein wird. Die aktuellen Zahlen belegen das. Im ersten Halbjahr 2021 stieg der Umsatz erneut um 18 Prozent auf 83 Millionen Euro. Das sind sehr gute Vorzeichen für den Börsengang.

Hinzu kommt der Aufschwung am Aktienmarkt und der überaus gelungene Börsenstart des großen US-Konkurrenten Duolingo im Juli an der Wall Street. Babbel-Chef Arne Schepker jedenfalls sieht auch für sein Unternehmen noch viel Potenzial. "Der globale Sprachlern-Markt allein für Firmenkunden und Privatpersonen ist etwa 50 Milliarden Euro pro Jahr groß", rechnet Schepker hoch.

Seiner Meinung nach hat das 750-Mitarbeiter-Unternehmen noch eine Menge Wachstum vor sich. Beim Börsengang will er bis zu 364 Millionen Euro einsammeln. Mit dem Geld sollen neue Sprachlern-Methoden entwickelt, Sprachreisen neu aufgelegt werden. Auch Firmen-Zukäufe seien angedacht. Alles in allem will Babbel weiter expandieren. "Geografisch ist kurz- und mittelfristig erst mal der Fokus auf den amerikanischen Märkten, inklusive Lateinamerika", so Arne Schepker. Sprachliche Probleme sollten die Manager des Berliner Unternehmens vor Ort jedenfalls kaum haben.

Sendung: Inforadio, 20.09.21, 11:35 Uhr

Beitrag von Karsten Zummack

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