Tarifkonflikt in Berlin - Verdi prüft Charité- und Vivantes-Angebote - Streiks laufen vorerst weiter

Archivbild: Eine Verdi-Fahne weht vor der Charité in Berlin Mitte. (Quelle: dpa/C. Soeder)
Audio: Inforadio | 21.09.2021 | Jule Käppel | Bild: dpa/C. Soeder

Dieser Dienstag könnte den Knoten im Tarifkonflikt bei der Charité, bei Vivantes und deren Töchtern lösen: Der Gewerkschaft Verdi liegen neue Angebote vor - und für die Vivantes-Beschäftigten wird der Gesprächsfaden wieder aufgenommen.

Im festgefahrenen Tarifkonflikt zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem kommunalen Krankenhausbetreiber Vivantes deutet sich nun doch Bewegung an: Nach Gewerkschaftsangaben werden an diesem Dienstag die Tarifgespräche wieder aufgenommen. Am Mittwochnachmittag könnten dann Tarifverhandlungen beginnen, teilte Verdi am Dienstagmorgen mit.

Vivantes hatte am Montag eine dreitägige Verhandlungsrunde für die im Unternehmen Beschäftigten angeboten. Gefordert werden hier wie bei der Charité auch ein Entlastungstarifvertrag und bessere Arbeitsbedingungen. Der Tarifkonflikt bei den Vivantes-Tochtergesellschaften tritt derweil noch auf der Stelle. Hier geht es um eine Angleichung der Löhne an den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes.

Verdi hofft auf schnelle Lösungen, um Streik zu beenden

Von Verdi hieß es am Dienstag, man begrüße es sehr, "dass sich die Vivantes-Geschäftsführung einen Ruck gegeben hat und zu Gesprächen und Verhandlungen - auch während des noch laufenden Streiks - bereit ist." Zuvor müssten am Dienstag aber Experten beider Seiten Lösungen für die Mindestpersonalbesetzung auf Station und in den Bereichen finden. "Wir hoffen weiterhin, dann zu schnellen Lösungen zu kommen, die ein Herunterfahren des Streiks ermöglichen", kündigte Verdi-Verhandlungsführerin Meike Jäger an.

Zuvor war Vivantes davon abgerückt, nur bei einem Stopp der Streiks neue Verhandlungen aufzunehmen. Es sei "dringend nötig, zu einer Lösung zu kommen", sagte Vivantes-Sprecherin Mischa Moriceau. Der Druck auf die Kliniken sei "sehr hoch". Die Rückkehr an den Verhandlungstisch erfolge aus Sorge um die Kolleginnen und Kollegen, die auf den Stationen die Versorgung der Patienten sichern.

Verdi prüft neues Charité-Angebot

Auch bei der landeseigenen Charité könnten die unbefristeten Streiks schon bald beendet werden. An diesem Dienstag erwarte man wie vom Charité-Vorstand angekündigt ein neues Angebot. Bei einer positiven Bewertung durch die Gewerkschaft könnten beide Seiten "unmittelbar in reguläre Verhandlungen einsteigen, um möglichst noch in dieser Woche eine Lösung des Tarifkonflikts finden." Man sei grundsätzlich bereit, auch den Streik an der Charité "zeitnah herunterzufahren". Zunächst werde aber der Arbeitskampf in beiden Klinikträgern unvermindert fortgesetzt.

Die stellvertretende Verdi-Landesbezirksleiterin Susanne Feldkötter appellierte erneut an den Berliner Senat, konstruktiv einzugreifen. Der Senat in seiner Funktion als Gesellschafter beider Unternehmen sei gefordert, seinen Einfluss auf die landeseigenen Klinikträger in diesem Sinne geltend zu machen, so Feldkötter. Die Möglichkeit dazu bestehe auch in der gemeinsamen Aufsichtsratssitzung am Dienstagnachmittag ab 15:30 Uhr.

Neues Angebot auch für die Vivantes-Töchter

Derweil haben die Arbeitgeber am Montag ein neues Angebot für die Beschäftigten der Vivantes-Töchter (u.a. Wäschereien und Caterer) vorgelegt. Die Gewerkschaft Verdi fordert, den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) auch auf diese Beschäftigten anzuwenden. Im Angebot fehle nach wie vor ein Stufenplan zur Angleichung an den TVöD, erklärte Verdi-Verhandlungsführer Ivo Garbe am Dienstag. Bei einem klärenden Gespräch mit der Vivantes-Geschäftsführung sei nun für diesen Dienstag ein neues Angebot angekündigt worden, so Garbe.

Vor diesem Gespräch hatte die Vivantes-Geschäftsführung betont, man habe weitere Zugeständnisse zu Zuschlägen gemacht. Die Gewerkschaft habe sich allerdings "keinen Millimeter bewegt", sagte Vivantes-Personalchefin Dorothea Schmidt. Um zu einer Lösung zu finden, sei eine Schlichtung der "einzige Ausweg", an der Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) teilnehmen solle.

Sendung: Inforadio, 21.09.2021, 11 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Warum SPD/Grüne/Linke wählen?
    In deren Wahlprogrammen werden 12 bzw. 13€ Mindestlohn gefordert.

    Im von diesen Parteien regierten Berlin sind diese Parteien nicht mal fähig, den Landesmindestlohn (12,50) in den Betrieben, an denen das Land direkt oder über Firmenkonstrukte (Tochtergesellschaften) beteiligt ist, zu ermöglichen.

    Wenn die Geschäftsführung von Vivantes und Töchter nicht auf die Gesellschafter hört, dann sollte die Geschäftsführung umgehend abgesetzt werden.

    Oder wollen die Gesellschafter (Land Berlin) mit deren R2G-Senatoren am Ende doch keinen Mindestlohn???

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