Neue Verhandlungen in Berlin - Verdi hofft am Wochenende auf Durchbruch für Vivantes-Töchter

Teilnehmer an einer Demonstration von Beschäftigen der landeseigenen Berliner Krankenhäuser Vivantes und Charité stehen vor dem Hochhaus der Charitè. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
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Audio: Inforadio | 15.09.2021 | Christoph Reinhardt | Bild: dpa/Paul Zinken

Seit fast einer Woche streiken Beschäftigte der landeseigenen Klinikbetreiber Charité und Vivantes für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld. Jetzt deutet sich zumindest bei den Tochterunternehmen Licht am Ende des Tunnels an.

Der unbefristete Streik bei den landeseigenen Kliniken von Charité und Vivantes wird fortgesetzt. Die Tarifkommission der Gewerkschaft Verdi hat am Mittwochmorgen ein neues Angebot für die Vivantes-Tochtunternehmen als unzureichend abgelehnt, teilte der Verdi-Verhandlungsführer Ivo Garbe am Mittwochnachmittag mit.

Allerdings wolle man so schnell wie möglich neue Verhandlungen mit Vivantes aufnehmen, so Garbe weiter. Dies könne am Samstag geschehen, da der Streik bei den Tochterunternehmen an Wochenenden ohnehin ausgesetzt sei. Sollte Vivantes das Gesprächsangebot annehmen, sei die Gewerkschaft auch bereit, die eigentlich für Montag vorgesehenen Streiks herunterzufahren, um Verhandlungen zu ermöglichen, so der Gewerkschafter.

Positionen liegen weit auseinander

Materiell liege man noch weit auseinander. Während die Gewerkschaft Anpassungsschritte an den Tarifvertra des Öffentlichen Dienstes mit einem jährlichen Volumen von 35 Millionen Euro fordert, habe Vivantes lediglich fünf Millionen angeboten, sagte Garbe weiter.

Etwa 400 Mitarbeiter von Tochterunternehmen seien derzeit im Ausstand. Zu den Vivates-Tochterunternehmen zählen unter anderem Speiseversorgung, medizinische Versorgungszentren, Wäscherei, Patientenbegleitservice und Gärtnerei.

Mehr als 1.200 Beschäftigte streiken

Der Streik am Mutterhaus von Vivantes und an der Charité soll unterdessen weitergeführt werden. Verdi sei bereit, Angebote zu machen und den Streik einzuschränken, sagte Verhandlungsführerin Meike Jäger am Mittwoch in Berlin. "Es gibt in beiden Unternehmen noch keine Lösung, wie wir die Mindestbesetzung für das Personal festlegen", sagte Jäger.

Man sei zwar mit der Charité auf Arbeitsgruppenebene in konstruktiven Gesprächen über eine Mindestbesetzung der Stationen mit Pflegepersonal. Konkrete Lösungen gebe es aber noch nicht. Noch weiter auseinander sei man bei Vivantes.

Laut Verdi streiken an der Charité derzeit etwa 450 von rund 4.700 Pflegern. Etwa 250 von rund 3.000 Betten seien gesperrt, aber keine komplette Station. Bei Vivantes beteiligen sich demnach rund 800 von rund 4.900 Pflegern am Ausstand, etwa 700 von mehr als 8.500 Betten sind gesperrt. 17 von mehr als 250 Stationen sind demnach geschlossen.

Senat sieht sich bislang nicht am Zug

Verdi hatte am Montag angekündigt, dass die Streiks in dieser Woche ausgeweitet werden sollten. Man erwarte täglich mindestens 1.000 Streikende bei Vivantes und bei der Charité, auch ganze Stationen würden bestreikt, hieß es in einer Mitteilung zum Wochenanfang.

Am Donnerstag waren Krankenhausmitarbeiter in den unbefristeten Streik getreten. Sie setzen sich bei beiden Einrichtungen für einen Entlastungstarifvertrag ein. Bei den Vivantes-Töchtern geht es außerdem um bessere Arbeitsbedingungen sowie ums Geld. Berlins Finanzsenator Mathias Kollatz (SPD) hat bislang Forderungen aus den Reihen der Gewerkschaft, der Grünen und Linken zurückgewiesen, in den Tarifkonflikt einzugreifen und verbesserte Angebote vorzulegen.

Sendung: Abendschau, 15.09.2021, 19:30 Uhr

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