Verhärtete Fronten - Vivantes-Leitung sieht Schlichtung als einzigen Ausweg aus Tarifstreit

Teilnehmerinnen an einer Demonstration von Beschäftigen der landeseigenen Berliner Krankenhäuser Vivantes und Charité stehen am 14.09.2021 vor dem Hochhaus der Charité. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: Inforadio | 20.09.2021 | Jule Käppel | Bild: dpa/Paul Zinken

Die Situation im Tarifkonflikt zwischen Verdi und Vivantes ist festgefahren. Auch am Montag gab es keine Annäherung. Beide Seiten werfen sich fehlende Kompromissbereitschaft vor. Die Vivantes-Leitung sieht nur noch einen Ausweg.

Nachdem sich am Wochenende die Positionen im Tarifstreit bei der Charité angenähert haben, ist die Situation im Tarifkonflikt zwischen Verdi und Vivantes festgefahren. In der Verhandlungsrunde am Montag konnte keine Annäherung erreicht werden. Das teilte der landeseigene Klinikkonzern am Montagnachmittag nach Gesprächen mit der Gewerkschaft mit. Beide Seiten werfen sich fehlende Kompromissbereitschaft vor.

Verdi fordert eine bessere Bezahlung für die Mitarbeitenden bei den Vivantes-Tochtergesellschaften gemäß des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst. Der Arbeitgeber habe sich bisher aber "in keinster Weise darauf eingelassen, einen konkreten, verbindlichen Stufenplan zum Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes für alle Beschäftigen mit uns zu vereinbaren", sagte Verdi-Verhandlungsführer Ivo Garbe dem rbb.

Gewerkschaft hat sich "keinen Millimeter bewegt"

Die Vivantes-Geschäftsführung dementiert: Während der Verhandlungen seien weitere Zugeständnisse zu Zuschlägen gemacht worden. Die Gewerkschaft habe sich allerdings "keinen Millimeter bewegt", sagte Vivantes-Personalchefin Dorothea Schmidt. Um zu einer Lösung zu finden, sieht Vivantes eine Schlichtung als "einzigen Ausweg".

Nun soll ein Spitzengespräch zwischen der Verhandlungsführung des Mutterkonzerns und der Tochtergesellschaften mit Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) geben.

Von der Geschäftsleitung des landeseigenen Klinikbetreibers hieß es am Montagmorgen noch, man sei bereit zu einer dreitägigen Verhandlungsrunde, die am Dienstag beginnen könne. Zuvor hatte die Arbeitgeberseite von der Gewerkschaft Verdi gefordert, den Streik zu beenden, um den Weg für Verhandlungen freizumachen. Von dieser Bedingung ist Vivantes aber abgerückt. Es sei "dringend nötig, zu einer Lösung zu kommen", sagte Vivantes-Sprecherin Mischa Moriceau. Der Druck auf die Kliniken sei "sehr hoch".

Vivantes will Eckpunktepapier erarbeiten

Die Rückkehr an den Verhandlungstisch erfolge aus Sorge um die Kolleginnen und Kollegen, die auf den Stationen die Versorgung der Patienten sichern. Vivantes-Personalchefin Dorothea Schmidt hoffte, "dass Verdi dieses Entgegenkommen konstruktiv für Fortschritte im Hinblick auf eine tragfähige Lösung nutzt". Wirklich angenähert haben sich die Positionen danach aber offenbar nicht.

Vivantes will nach eigenen Angaben ab Dienstag mit der Gewerkschaft ein Eckpunktepapier erarbeiten. Die Basis solle ein Modellvorschlag von Vivantes sein. Demnach sollen nur die Behandlungen durchgeführt werden, die mit dem vorhandenen Personal zu schaffen sind.

Wie das Modell im Detail gestaltet wird, solle im Gespräch mit Verdi entwickelt werden, hieß es aus dem Klinikunternehmen. Es sei ein gemeinsames Anliegen, Belastungen in der Pflege zu vermeiden, so Vivantes. Die Klinik-Spitze möchte "noch in dieser Woche den entscheidenden Durchbruch" in den Verhandlungen erzielen.

Enden Streiks bei der Charité am Dienstag?

Am Wochenende hatte sich eine Annäherung in den Verhandlungen mit der Charité angedeutet. Die Charité will am Dienstag ein neues Angebot an Verdi vorlegen. Die Gewerkschaft stimmte das "vorsichtig optimistisch", sagte Verdi-Verhandlungsführerin Meike Jäger. Sie schloss nicht aus, bei einem tragbaren Angebot ab Dienstag den unbefristeten Streik in den Charité-Häusern zu beenden.

Sendung: Inforadio, 20.09.2021, 14 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Vivantes hat doch gar keine Sorge um die Patienten.
    Die sorgen sich doch nur um Ihre Bilanz.

    Der Senat, hier der Bürgermeister und die Gesundheitssenatorin sollten sofort eingreifen und der Vivantes-Geschäftsführung ein Einlenken anordnen!

  2. 5.
    Antwort auf [Rene] vom 20.09.2021 um 21:44

    Ja, stellen Sie Strafanzeige - aber sie müssen diese dann schon richtig andressieren!! Der Konzern allein ist verantwortlich für diese Situation, nicht die Pflegekräfte!!! Dieser Unterschied ist immens wichtig, denn die Pflegekräfte opfern sich auf, wollen sich kümmern, gehen an ihre Leistungsgrenzen und teilweise darüber hinaus - was im umkehrschluss bedeuetet, dass sie selbst krank werden!! Ich verstehe ihre Wut und Verzweiflung!! Das Gesundheitssystem selbst ist krank, weil es sich nur am Profit orientiert und nicht an den Menschen - egal ob an denen, die dort arbeiten oder an den Patient*innen.
    Ihnen und ihrem Vater alles, alles Gute!!

  3. 4.

    Anfang März 2020 erschien auf dem Internet-Portal doccheck.com ein Artikel mit dem Titel „Corona entlarvt den Wahnsinn“. Doccheck ist ein Portal, zu dem nur Angehörige medizinscher Berufe Zugang haben. Es wird von Ärzt*innen zur Information und zum Austausch genutzt und bereits Studierenden der Medizin während des Studiums empfohlen.
    Der Artikel beschreibt die Zustände in den Krankenhäusern. Ein Zitat:
    „60 Patienten für eine Pflegekraft. Das ist genauso wahnsinnig, verantwortungslos und zum Scheitern verurteilt, wie es sich anhört. Ich habe Menschen morgens tot im Bett liegend gefunden, die zuletzt vom Spätdienst gesehen wurden. Einfach, weil keine Zeit war für eine normale Zimmerrunde.“
    Unter dem Artikel sind 84 Kommentare von Ärzt*innen, Pfleger*innen u.a. Angehörigen medizinischer Berufe. Sie ALLE schließen sich dem Beschriebenen an.

  4. 3.

    Das Verhalten von Vivantes ist absolut unverantwortlich!! Nicht nur gegenüber dem Personal sondern auch gegenüber den Patient*innen!!! Die Beschäftigten haben in den vergangenen Monaten sehr deutlich gemacht, das es so nicht weiter gehen kann. Es gab eine 100 Tages-Frist - erst dann wurde tatsächlich gestreikt. Vor allem den Pfleger*innen liegt doch die Gesundheit der Patient*innen am Herzen, aber es kann nicht sein, das dies auf Kosten der eigenen Gesundheit gehen soll! In Berlin steigen die Mieten etc. wo sollen denn die Menschen, die, z.B. in den Krankenhäusern putzen leben???? Es braucht endlich genug Geld und Anerkennung und besser Arbeitsbedingungen!! Danke das ihr streikt!!!

  5. 2.

    Verstehe ich das richtig? Vivantes stellt unverschämte Vorbedingungen ("erst Streik beenden") und wertet für sich selber dann die Abkehr davon, was ihr erst gar nicht zugestanden hatte bereits als Zugeständnis?
    Kein Wunder, dass es da keine Einigung gibt!
    Mit der Charite geht es doch anscheinend auch- mir scheint es als offensichtlich, dass das Problem auf Seiten von Vivantes liegt. Wieso übernimmt man nicht einfach die Lösung, die es mit der Charite geben wird? Auch ein Schlichterspruch, der von der Belegschaft akzeptiert werden würde, wird wohl eher nicht unter den dort vereinbarten Beschlüssen liegen.

  6. 1.

    Wenn, auch über "drei Ecken", die "Linksgrün*innen" und vor allem die "Düsterrot*innen" selbst Arbeitgeber sind, ja dann ist das mit dem gleichen und guten Lohn für Alle wie gemeint: Mindestlohn für Alle? Aber eine wirkliche Überraschung ist das nicht.

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