Förderung ausgelaufen - Mehr als 400 Windkraftanlagen werden in Brandenburg stillgelegt

Die Sonne geht hinter einem Windpark auf (Quelle: Zoonar.com/Maurice Tricatelle)
Audio: Inforadio | 07.09.2021 | Amelie Ernst | Bild: Zoonar.com/Maurice Tricatelle

Hunderte Windkraftanlagen, die seit mehr als 20 Jahren in Brandenburg in Betrieb waren, sollen demontiert werden. Aufgrund der auslaufenden Förderung lohnen sie sich nicht mehr. Dennoch gewinnt Windenergie an Bedeutung im Land.

Viele Windenergieanlagen, bei denen die auf 20 Jahre befristete Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz ausläuft, werden demnächst stillgelegt. Der weitere Betrieb lohnt sich wirtschaftlich nicht mehr. Bis Ende 2020 sei die Stilllegung von 429 Anlagen in Brandenburg angezeigt worden, teilte das Umweltministerium in Potsdam auf eine Anfrage der Landtagsfraktion von BVB/Freie Wähler mit. Derzeit gibt es in Brandenburg rund 3.900 Anlagen - mit einer Leistung von insgesamt etwa 7.730 Megawatt.

Für Anlagen, die bis Ende 2000 in Betrieb genommen wurden, lief die Förderung Ende des vergangenen Jahres aus. In den kommenden Jahren werden bundesweit mehrere Tausend Windturbinen vom Netz genommen. Unklar ist, an wie vielen Standorten neue Windräder errichtet werden können. Dies wird als Repowering bezeichnet.

Dass eine große Zahl an Windrädern abgebaut wird, heißt allerdings nicht, dass die Windenergie in Brandenburg an Bedeutung verliert. Im ersten Halbjahr 2021 wurden fast doppelt so viele Windränder aufgebaut wie im Vorjahreszeitraum.

BVB/Freie Wähler fordern Sanktionsmöglichkeiten bei versäumten Rückbau

Der Rückbau ist nach Angaben der Fachagentur Windenergie im Land, die die öffentliche Hand, Unternehmen und Naturschutzverbände berät, mit großen Materialmengen verbunden, die möglichst rückstandsfrei wiederverwertet werden sollen. Bisher gebe es keine einheitlichen rechtlichen Vorgaben für die Behörden, schreibt die Agentur im Internet. Gemeinden könnten jedoch den Ersatz älterer Anlagen durch moderne gezielt fördern.

Mehr dürften es allerdings auf keinen Fall werden, so Peter Vida, der Fraktionschef von BVB/Freie Wähler im Brandenburger Landtag. "Zehn Prozent der Anlagen im Land werden abreguliert und zwar deshalb, weil zu viel Strom produziert wird", betonte er. Der Bau mit weiteren Anlagen, was unter anderem die SPD jetzt fordere, führe nicht dazu, dass mehr Windstrom, sondern mehr Überkapazitäten produziert werde.

Seine Fraktionskollegin Christine Wernicke hält zudem eine zeitliche Vorgabe für den Rückbau stillgelegter Windenergieanlagen für unerlässlich. Es könne nicht sein, dass es eine Rückbauverpflichtung gebe, aber keine Sanktionen, falls es nicht dazu komme. "Ideal wäre ein zeitliches Fenster von drei Jahren bis zum Abschluss eines Rückbaus", sagte sie. Auch die gesetzliche Pflicht zum vollständigen Rückbau hält Wernicke für praxisfremd. "Die Fundamente eines Teils der Anlagen sind tief in die Erde hineingebaut. Dort wurden Grundwasseradern zerstört."

SPD für moderaren Ausbau

Die Freien Wähler setzen stattdessen auf mehr Photovoltaik und auf mehr Erdgas, um Flauten zu vermeiden. SPD-Fraktionschef Erik Stohn dagegen wirbt für einen moderaten Ausbau auch der Windkraft. "Wir wollen in Brandenburg Vorreiter bei der Gewinnung von grünem Wasserstoff als Energiespeicher werden", unterstrich er. Deshalb benötige man weiterhin Erneuerbare Energien. Das betreffe sowohl die Windkraft als auch die Solarenergie.

Mindestabstand von 1.000 Meter für CDU unbedingt notwendig

Gleichzeitig habe man aus Fehlern der Vergangenheit gelernt, ergänzt Koalitionspartner Jan Redmann von der CDU. Die teils geringen Abstände der Windräder zu den Orten werde es bei der nächsten Generation der Anlagen nicht mehr geben. "1.000 Meter ist ein Mindestabstand. Wir haben auch im Koalitionvertrag festgelegt, dass man auch über einen Kilometer hinaus Abstände festlegen soll, wenn es eine besondere Belastung für die Region gibt", führte der CDU-Politiker aus.

AfD spricht vom Schrott der Energiewende

Schließlich sind die Windkraftanlagen der neuen Generation auch deutlich größer als die alten. Einige der 400 alten werden also durch neue, größere ersetzt. Doch was passiert mit den Unmengen an Beton und Stahl, aus denen die gebaut sind, die erstmal abgebaut werden – fragt Hans-Christoph Berndt von der AfD. "Das wären Aufträge für die Brandenburg-Technische Universität oder die Hochschule für Nachhaltige Entwicklung sich da Konzepte auszudecken, wie man umweltgerecht, kostengünstig und möglichst schonend diesen Schrott der Energiewende abbaut", so Berndt.

Grünen sehen Chancen für heimische Wirtschaft

Für einen Großteil der alten Anlagen gäbe es allerdings schon Recycling-Möglichkeiten, betont Benjamin Raschke von den Grünen. Deshalb könnte genau das ein Zukunftsfeld werden - auch für die Brandenburger Wirtschaft. "Wir haben 30.000 Windräder in Deutschland. Das ist ein riesiger Markt. Die bestehen aus 60 Prozent Stahl, der wieder eingeschmolzen werden kann, und 30 Beton, der auch wieder verwendet werden kann", so Raschke.

Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hatte angekündigt, er wolle in der geplanten Energiestrategie 2040 die Ausbauziele für Wind- und Solarenergie erhöhen. Das wird nach seiner Ansicht zu einer Erhöhung des prozentualen Flächenbedarfs für Windenergieanlagen führen, was umstritten ist. Die rot-schwarz-grüne Koalition hatte einen Ausbau auf 10.500 Megawatt bis 2030 beschlossen und den Anteil der Landesfläche für Windkraft auf zwei Prozent begrenzt. Aktuell liegt diese Marke bei 1,4 Prozent.

Sendung: Inforadio, 07.09.2021, 6 Uhr


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96 Kommentare

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  1. 96.

    So so die Energiewende rechnet sich also nicht. Bald sind die Windräder baufällig, Stürme werden sie umreißen bei Materialermüdung; in vielen Regionen ist die Windkraft nicht dauerhaft, um ein Windrad kostendeckend zu betreiben... Energie muß aus dem Ausland zugekauft werden mit Umweltzerstörung! und Energiekonzerne machen Staatssubventionen zu Gewinnbilanzen: das Energie Chaos ist absehbar, wenn es nicht gelingt wirklich nachhaltige Energiequellen nutzbar zu machen.

  2. 95.

    In der ARD „Wahlarena“ stellten Zuschauer Fragen an Frau Baerbock. Einer fragte, wie sie eigentlich die Stromversorgung sicherstellen will und ob sie die Verantwortung übernimmt, wenn die Stromversorgung zusammenfällt. „Ich verspreche ihnen“ sagte Baerbock, dass das nicht passiert. Weil doch, so Baerbock es schon immer einen „europäischen Energiemarkt“ gegeben hätte und dann einfach man zukaufen könne, was fehlt. Erinnerte mich irgendwie an die "Speicher im Netz" wo, so Baerbock "alles durchgerechnet" sei. In einer Phase, in der wir wetter- oder jahreszeitbedingt nicht genug Strom haben, unterstellt Fr. Baerbock, dass es in den Nachbarländern zuverlässig anders aussieht und die dann Strom über haben. Also nach dem Schema „Wir schaffen die Kohlekraftwerke ab, um klimaneutral zu sein, und hoffen, dass Polen ihre Kohlekraftwerke noch laufen haben, die Franzosen Atomstrom liefern können und Russland uns mit fossilem Erdgas hilt.

  3. 94.

    Bisher gebe es keine einheitlichen rechtlichen Vorgaben für die Behörden, schreibt die Fachagentur für Windenergie im Internet. Solche Aussagen sind befremdlich. Da frage ich mich, wie können Behörden überhaupt nur eine Windmühle im Land genehmigen, wenn nicht schon bei der Antragstellung festgeschrieben ist, wie nach Einstellung des Mühlenbetriebes mit der Windenergieanlage zu verfahren ist. Das Rückbaukonzept ist schon mit der Antragstellung vorzulegen und zusammen mit den Bauunterlagen zu genehmigen. Dazu gehört unter anderem auch die für den Rückbau erforderlichen Mittel zurückzulegen. Der Rückbau und die Herstellung des Urzustandes ist vom Eigentümer der Mühle einzufordern. Desweiteren sollte vom Windmühlenbetreiber über den Förderzeitraum hinaus die Produktion von Strom eingefordert werden, die mindestens der geförderten Strommenge entspricht. Ansonsten ist das gezahlte Geld für die in der Vergangenheit geförderten Strommengen anteilig zurückzuzahlen.

  4. 93.

    Andere Bürger haben Sensoren. Die sind jetzt auf höchste Empfindlichkeit gestellt. Nix hält ewig; das ist nun mal so. Wenn ich schlussfolgere wird wohl unser Strompreis ewig Weltspitze bleiben ? Will man den ganzen zukünftigen "Autostrom" subventionieren ? Der Wirtschaftsminister müßte mal Klartext reden.

  5. 92.

    Hohe Energiepreise.....auch von Hartz IV Kohlebuden verursacht die niemals wieder ans Netz gegangen sind und vom Stromkunden mit Millionen bezahlt werden.
    Das die EEG Abgabe von der Union abgeschafft wird glaubt doch keiner, die Grünen werden das durchziehen.

  6. 91.

    Offshore ist der Platz auch begrenzt und Windparks können dem nächsten den Wind teilweise wegnehmen.

  7. 90.

    Mein Beitrag betr. Grundwasserschädigung durch TESLA-Rammpfähle ist nicht zugelassen worden. Ist doch nun mal geschehen und das im Wasserschutzgebiet. Betonfundamente der WKA haben welche Schäden angerichtet ?

  8. 89.

    Wie erklärt man einem technischen Laien den technischen Fortschritt, wenn der das eh nicht verstehen will?

  9. 88.

    .. es geht darum, dass von den 30 Cent je kWh die wir auf unserer Rechnung stehen haben nach allen Abgaben, Steuern, Gebühren und Gewinnen nur 1 Cent oder weniger ! bei den "Produzenten" ankommt (der gleiche Systemfehler wie bei den Wohnungsmieten, bei Milch, bei Mastbetrieben usw.) Bzw der Strombörsenpreis sich um 1 Cent +/- bewegt. Alle anderen dazwischen verdienen fleißig daran weiter. Dazu kommt die Abregelung wenn zuviel Strom da ist.
    Bisher kamen bei den Produzenten 50 Cent je kWh an. Das fällt weg. Nun gut, 50 Cent sind exorbitant viel (zu Anfangszeiten war alles teurer und diese Summe nötig) aber 1 Cent oder weniger ist ebenso exorbitent wenig. Die Anlagen sind zwar abgeschrieben aber Versicherung, Wartung, Reparaturen... Darum geht es.
    Diese Marktbedingungen lohnen sich nur, wenn man selber verbraucht und damit 30 Cent an den Versorger zu zahlen spart. Solche Anlagen produzieren aber eben für andere. Wie KKW und AKW so trotzdem enorme Gewinne machen DAS ist die gute Frage!

  10. 87.

    Mein Ironiedetekor ist gerade auf Anschlag. Neben den schon erwähnten Abschreibungsfristen wird allerdings eh nur von einer Lebensdauer von max. 25 - 30 Jahren ausgegangen, die Zertifizierung erfolgte oftmals sogar nur für die 20 Jahre. Ingenieuren wird dabei sicherlich "Wechselfestigkeit" ein Begriff sein.

  11. 86.

    "Dass eine große Zahl an Windrädern abgebaut wird, heißt allerdings nicht, dass die Windenergie in Brandenburg an Bedeutung verliert. Im ersten Halbjahr 2021 wurden fast doppelt so viele Windränder aufgebaut, wie im Vorjahreszeitraum." Solange der Steuerzahler das bezahlt, lohnt sich das immer. Bleibt der Geldregen aus, wird dichtgemacht. Finaziert wird das durch die europaweit höchsten Energeipreise in Deutschland.

  12. 85.

    Was kostete denn mal so ein altes Windrad komplett ? Wie hoch waren danach die Wartungskosten insgesamt und welche Strommenge ist damit erzeugt worden ? Wir haben die höchsten Strompreise und alle sollen bald E-Mobil fahren. Nordstream 2 brauchen wir angeblich auch nicht; wo kommt unser Energiebedarf wirklich her ?

  13. 84.

    Das hat man früher nicht gewußt, dass es Sinn macht größere Anlagen zu bauen ? Das verlangt natürlich auch größere Fundamente. Das bedeutet aber noch mehr negativer Einfluss auf die Grundwasserleiter. Woanders baut man schwimmende Offshoreanlagen mit hoher Leistung.

  14. 83.

    Lassen sie ihr Lieblingsthema -BATTERIERECYCLEREI- mal beiseite. Was passiert mit den Fundamenten ? Sind die eigentlichen Generatoren nun verschlissen und müßten erneuert oder teuer repariert werden ?

  15. 82.

    Der Lobbyist hat sich auch die aktuelle (nicht) Windeinspeisung zu verantworten:
    0,52% der gerade benötigen Energie kommen aus Windkraft (3,6GW).
    Daruf wird sich Industriedeutschland niemals verlassen können! Auch wenn dieses Land zugespargelt wird.

  16. 81.

    Sind die wegfallenden Anlagen nun auch so verschlissen, dass sie nur mit weiterer Förderung erhalten werden können ? Es ist alles unzureichend dargelegt. Sollen die alten Fundamente nun verbuddelt bleiben ? Welch Vergeudung. Sind die nicht erweiterbar für neue und größere Anlagen ? Seltsam; hier gesteht man wie negativ die auf das Grundwasser wirken. Bei TESLA spielten die Pfähle und Lanzen keine Rolle. Was soll man euch noch glauben ?

  17. 80.

    Wenn im Wirtschaftsministerium ein Anti-WKA-Lobbyist als Referent arbeitet, dann darf man auch nix anderes erwarten
    Und Altmaier ist ja bekanntlich auch mehr Gegner als Förderer von WKA. Typisch Konservativer halt: was den großen (Strom)Konzernen schadet, wird bekämpft
    Zahlen tut es ja eh der Kleene Mann.

  18. 78.

    Wie man dem Artikel entnehmen kann, hat man mit der Rückbauverpflichtung schon an das "nachher" gedacht, nur aus der Sicht der Freien Wähler nicht ganz zu Ende.

    Die europäische Altfahrzeug-Verordnung verpflichtet Autohersteller, ihre PKW kostenlos zurückzunehmen und fachgerecht zu entsorgen. Batterien von E-Autos ließen sich übrigens bekanntlich zudem bereits heute auch schon zu 90 - 95 % recyclen, es besteht nur noch kein Bedarf. Aktuell wird neben der Förderung des Ausbaus und der Weiterentwicklung der Wiederverwendung im Rahmen von IPCEI-Maßnahmen auch auf EU-Ebene die Richtlinie überarbeitet, die die bisher lasche 50%-Vorgabe ersetzen soll.

  19. 77.

    Vielleicht sollten die privaten Verpächter doch nach Auslaufen der Pachteinnahmen wieder einmal Gemüse für den Eigenbedarf auf ihrem Acker anbauen. Wäre doch ein annehmbarer Vorschlag. So sparen sie wenigstens beim Einkauf der Nahrungsmittel. ich habe kein Mitleid.

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