Lütke Daldrup geht, von Massenbach kommt - Neues Spitzenpersonal soll BER auf Erfolg trimmen

Engelbert Lütke Daldrup, Vorstandschef des Flughafens Berlin-Brandenburg, blickt auf das Vorfeld von Terminal 1 vor der Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt. (Quelle: dpa/Michael Kappeler)
Bild: dpa/Michael Kappeler

Es wird sein letzter Auftritt: Am Freitag tagt der BER-Aufsichtsrat und verabschiedet Flughafenchef Lütke Daldrup. Das neue Team steht für eine neue Richtung - und vor einem großen Finanzloch. Von Thomas Rautenberg

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup kann in Ruhe seine Sachen packen. Über vier Jahre lang hat er das Pannenprojekt BER aus der Baukrise geführt: Mit mehr als achtjähriger Verspätung ist der neue Airport im vergangenen Jahr an den Start gegangen. Für den 64-jährigen Krisen-Manager Lütke Daldrup heißt es nun: Mission erfüllt. Seinen Posten als Geschäftsführer der Berliner Flughafengesellschaft hatte er von sich aus zu Ende September 2021 zur Verfügung gestellt.

Doch Lütke Daldrup geht nicht einfach so. Er selbst hatte seine Nachfolgerin Aletta von Massenbach vorgeschlagen. Der Aufsichtsrat hat sie inzwischen berufen.

Neues Spitzenpersonal, neue Richtung

Aletta von Massenbach ist seit dem vergangenen Jahr Finanzgeschäftsführerin des Unternehmens. Vorher war sie Bereichsleiterin für das internationale Fraport-Geschäft. Die Fraport AG betreibt mit Frankfurt am Main nicht nur den größten deutschen Airport, sondern ist auch an vielen Flughäfen weltweit beteiligt. Dass Aletta von Massenbach einen Flughafen managen kann, hat sie bereits als Airport-Chefin des zweigrößten, türkischen Flughafens Antalya bewiesen. Wenn sie nun an die Spitze der FBB rückt, zeigt sich, worum es künftig vor allem gehen wird: nämlich den BER auf finanziell sichere Füße zu stellen.

Unterstützen und zugleich kontrollieren soll der neue Aufsichtsratschef Jörg Simon. Der 59-jährige Manager und Chef der Berliner Wasserbetriebe wurde Mitte Juni in sein Amt gewählt und leitet zum ersten Mal die Sitzung des Gremiums. Er beerbt den langjährigen Brandenburger Staatssekretär und Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider, der seit März 2017 an der Spitze des Aufsichtsrates stand.

Mit Lütke Daldrup und Bretschneider verlassen zwei Verantwortliche das Projekt, die eine politisch dominierte Vita hatten. Mit Aletta von Massenbach und Jörg Simon übernehmen Fachleute aus der Wirtschaft das Geschäft – der BER ist damit auf dem Weg zu einem ganz normalen Wirtschaftsunternehmen.

Corona verhagelt die Bilanzen

Der Aufsichtsrat wird sehr aufmerksam die Entwicklung der Fluggastzahlen und damit der Einnahmen und Ausgaben beim BER hinterfragen. In den vergangenen drei Monaten ist die Reiselust vieler Deutscher wieder gestiegen. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen, denn mit den USA und Thailand haben zwei beliebte Reiseländer der Deutschen zumindest Lockerungen bei den Einreisebeschränkungen angekündigt.

Seit Juni wurden monatlich über eine Million Passagiere in Schönefeld abgefertigt. Und die reisestarke Zeit der Herbstferien steht noch bevor. Die Flughafengesellschaft hofft daher, dass in diesem Jahr - trotz des coronabedingten Fast-Stillstandes von Januar bis März - die Gesamtzahl von zehn Millionen Passagieren erreicht werden könnte. Damit würde sich das Verkehrsniveau in Schönefeld ungefähr auf dem Vorjahresniveau einpendeln. Nur zum Vergleich: In Vor-Corona-Zeiten wurden jährlich über 35 Millionen Passagiere abgefertigt.

Tiefrote Zahlen bleiben

Die neue Flughafenchefin Aletta von Massenbach weiß, was auf sie zukommt: Ende 2020 stand die FBB mit insgesamt 3,2 Milliarden Euro bei Banken und Gesellschaftern in der Kreide. Nur zum Vergleich: Die Frankfurter Fraport als größte deutsche Flughafengesellschaft hat auch nicht mehr Schulden als die FBB. Dafür hat Fraport aber den fünffachen Umsatz, könnte also auch mühelos mehr Zinsen zahlen. 160 Millionen Euro Zinsen musste die FBB allein im vergangenen Jahr an die Banken überweisen. Bei einem Gesamtumsatz von nur 120 Millionen Euro in der Corona-Krise nannte von Massenbach die Kreditkosten "schwer bis gar nicht verdaulich".

Bis zum Jahr 2025 braucht die Berliner Flughafengesellschaft FBB noch einmal rund 2,4 Milliarden Euro aus der Steuerkasse, um finanziell über die Runden zu kommen. Sonst droht die Pleite. Für exakt diese Summe sollte einmal der gesamte BER gebaut werden. Für die aktuelle Finanznot der FBB ist nicht allein die Corona-Krise verantwortlich. Der Einbruch bei den Passagierzahlen hat den Kostendruck bei der FBB nur schlagartig erhöht.

EU muss Finanzhilfen zustimmen

Sollten die Flughafeneigentümer Berlin, Brandenburg und der Bund tatsächlich frisches Geld in die Airport-Gesellschaft pumpen wollen, hat auch die EU-Wettbewerbskommission ein Wörtchen mitzureden. Die Verhandlungen laufen bereits. Ob und wann Brüssel dafür grünes Licht geben könnte – auf diese Frage wird der Aufsichtsrat der Berliner Flughafengesellschaft am Freitag eine Antwort erwarten.

Sendung: Brandenburg aktuell, 24.09.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Thomas Rautenberg

16 Kommentare

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  1. 16.

    Und wieder einer der tüchtig abräumen wird….BER ein Loch ohne Boden …..und keiner WOLTE IHN.

  2. 15.

    Es ist ja sinnlos sich hier über die Gesamthistorie des BER zu äußern. Die damals keine Ahnung hatten aber so viel Schaden bewirkten sind ja gesetzlich geschützt. Wie stände Deutschland da wenn Fachleute zu entscheiden hätten ? - RBB- war das auch schon wieder zuviel ? Wer hat von euch eine solide technische Grundausbildung ?

  3. 14.

    NEUES Spitzenpersonal oder neues SPITZENpersonal ?

  4. 13.

    So lange der Flughafen gebaut wurde und jetzt betrieben wird, geht das Postengeschiebe daher!

  5. 12.

    Die Tickets mußten überall 500 kosten , damit es wieder anständig bezahlte Arbeiter gibt !!!!!

  6. 11.

    Hoffentlich erlaubt die neue Bundesregierung Emirates und Co. endlich am BER zu landen! Dann gibt es auch mehr Flugverbindungen und damit mehr Einnahmen. Das Ausbremsen Ostdeutschlands durch das CSU-geführte Bundesverkehrsministerium muss endlich ein Ende haben!!

  7. 10.

    Erfolg ? Naja weiss nicht wenn die flüge von BER im schnitt 300 € mehr kosten als bei anderen Flughäfen. Braucht man sich nicht wundern warum so mancheiner von anderen Flughafen fliegt anstatt vom BER

  8. 9.

    Hahaha, Spitzenpersonal. Dies wären dann Topmanager die weder ihren aktuellen Konzern verlassen würden und die die FBB gar nicht bezahlen könnte. Und wer hat schon Lust, eine Totgeburt zu managen?

  9. 8.

    Das einzige was wohl wieder "Spitze" sein wird, sind die Vergütungen. Aber solange man auf Steuergelder zurückgreifen kann, wen juckt es.

  10. 7.

    Wer ist denn so einfältig und "verbrennt" seinen guten Namen mit einer Insolvenz zu Lasten der Allgemeinheit, außer man ist "bestechlich" (mit Steuerzahlergeld)?
    Sperenberg, wir kommen...wetten das?

  11. 6.

    Neues Spitzenpersonal.....
    Ich lach mich schlapp! Beim BER hat wahrscheinlich noch nie Spitzenpersonal mitgewirkt, sonst wäre er schon fast 10 Jahre in Betrieb.

  12. 5.

    Ich halte das alles nur für Schönrederei.
    Warum traut sich eigentlich keiner, endlich zuzugeben, dass der BER einfach nur ein ganz großer Flop ist und sich nie rechnen wird?

  13. 4.

    Wie immer in der heutigen Zeit! Corona ist schuld! Sorry Herr Daldrup von der spd, da machen sie sich zu leicht!

  14. 3.

    Warum die Frau von Massenbach nun den "Erfolg trimmen" kann, ist nicht so recht ersichtlich. Sie ist ein interne Nachrückerin, eine Inhouselösung und ein sonst übliches offenes Auswahlverfahren insbesondere angesichts auch der Gehaltshöhe dieses neuen Postens hat es nicht gegeben. Vergeblich hatte man auf Brandenburger Seite unter Verweis auf Vorgaben des Brandenburger Rechnungshofes auf ein „offenes wettbewerbliches und dokumentiertes Verfahren“ bei der Besetzung des Postens gedrängt. Es müsse nach dem Prinzip der Bestenauslese gehandelt werden, sagte man dort.
    Dass von Massenbach während ihrer Amtszeit als verantwortliche Finanzchefin des BER die jedem Fachmann absehbare dramatische Schieflage von BER in irgendeiner Form kommuniziert hätte, ist mir nicht bekannt.

  15. 2.

    Da schließe ich meinem Vorredner in der Betrachtung an. Es ist ein Witz, von Spitzenpersonal beim BER zu reden. Bekommt der RBB Werbegeld ? :-) Man sollte aufhören, den BER als etwas Gutes darzustellen. Der BER ist in allem eine Farce, einfach schlecht. Und dass Personalwechsel so schnell erfolgen, hat ja bei destatrösen Projekten, so auch beim BER, etwas mit Vergesslichkeit und Schuldverschiebungen zu tun. Wowereit, Diepgen, Platzeck, Bretschneider, Schwarz, Lütke Daltrup usw sind alle weg und können nicht mehr belangt werden. Das neue Personal weiß von nichts und kann nichts für alte Fehler. Schade, dass man Verantwortliche nicht auch noch nachträglich zur Rechenschaft ziehen kann. Gerade die Verwaltung muss insgesamt getrimmt werden. Ich bin mir sicher, in den nächsten Jahren kommen noch mehr Überraschungen. Den mittlerweile bekannten Mehrbedarf an Finanzierung durch den Staat kannte man ja schon länger, kam aber wie ein Wunder vor einigen Wochen erst in die Öffentlichkeit. Wunder?

  16. 1.

    Wenn ich in der Überschrift schon "Spitzenpersonal" lese, wird mir übel. Rückblickend hat, von Herrn Lüdke Daldrup abgesehen, unser so genanntes Spitzenpersonal incl. der Politiker im Aufsichtsrat total versagt. Viel besser wäre es, Personen für diese Aufgaben einzusetzen, die etwas von ihrem Beruf verstehen, das sollte doch die Lehre sein aus dem Flughafendesaster!

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