KORREKTUR | Finanzprobleme am BER - Kapitallasten der Flughafengesellschaft geringer als angenommen

Menschen gehen durch das Terminal des Flughafens Berlin-Brandenburg (BER) (Bild: dpa/Christophe Gateau)
Bild: dpa/Christophe Gateau

Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg hat auf die Berichterstattung des rbb zur finanziellen Lage des Unternehmens nach einer möglichen Teilentschuldung reagiert. Sie weist auf ein Missverständnis und aktuelle Zahlen hin. Eine Klarstellung von René Althammer.

Die Antwort las sich eindeutig, die der grüne Haushaltsexperte von der Bundesregierung erhielt. Wenn es zu einer Teilentschuldung der FBB durch die Gesellschafter kommen sollte, dann steigen die Zins- und Tilgungslasten bis 2025 auf mehr als 470 Millionen Euro. Insgesamt kamen zu den 71 Millionen Euro in diesem Jahr noch 1,43 Milliarden für die kommenden Jahre zusammen.
Schuldendienst 2022 2023 2024 2025
  162 355 437 476
davon Tilgung 91 286 358 405
davon Zinsen 70 69 79 71
alle Angaben in Millionen Euro        

Der rbb stellte sich die Frage: Wie will das Unternehmen diese Lasten schultern? Eine Frage, die auf einem Missverständnis beruhte, wie sich jetzt herausstellte. Denn die FBB teilte uns folgendes mit: In den Beträgen für die Tilgung in den Jahren 2022 bis 2025 seien "ca. 800 Mio. EUR Sondertilgung" enthalten.

Diese 800 Millionen Euro soll das Unternehmen nach eigener Aussage "von den Gesellschaftern im Rahmen der Teilentschuldung" bekommen. Ob es dazu kommt, ist bislang noch nicht sicher, da die Parlamente zustimmen müssen. Aus der Antwort der Bundesregierung an Sven-Christian Kindler, den Haushaltsexperten der Grünen im Bundestag, geht dies jedoch nicht eindeutig hervor, obwohl Kindler nach verschiedenen Szenarien gefragt hatte.

"FBB weiter unter Druck" oder "Besser gelaufen als erwartet"?

Der rbb hatte auch berichtet, dass die FBB in ihrem aktuellen Geschäfts- oder Businessplan (BP21) für die Jahre 2021 bis 2025 verschiedene Szenarien für die zukünftige Entwicklung aufgestellt hat. Am wahrscheinlichsten gilt der Unternehmensführung der sogenannte "Management Case", der davon ausgeht, dass die Passagiermenge bis 2025 wieder beim Vor-Corona-Stand von mehr als 35 Millionen ankommt.

Im Mai teilte die FBB dem rbb mit, welche Umsatzerlöse sie in den kommenden Jahren im "Management Case" erwartete:

  • 2022: 362 Mio. Euro
  • 2023: 574 Mio. Euro
  • 2024: 609 Mio. Euro
  • 2025: 700 Mio. Euro

Gesamt: 2,245 Milliarden Euro

In diesem Zusammenhang hatte der rbb darauf hingewiesen, wie schwierig es sei, in Corona-Zeiten verlässliche Prognosen zu erstellen. Als Beispiel wurde die Entwicklung im Jahr 2021 dargestellt.

Ursprünglich war die FBB nach Informationen von rbb24-Recherche von Umsatzerlösen von gut 261 Millionen Euro ausgegangen. Am 25. August stellte die designierte Flughafenchefin Aletta von Massenbach im Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses die aktuelle Lage der FBB im ersten Halbjahr dar.

Im ersten Halbjahr wurden demnach 1,85 Millionen Passagiere am BER abgefertigt. Pro Passagier, so erklärte von Massenbach den Abgeordneten, habe man im Durchschnitt 15,58 Euro "Erlöse aus Luftverkehr" erzielt, also ca. 28,9 Millionen Euro. Insgesamt hatte die FBB im ersten Halbjahr "Einzahlungen" in Höhe von 72,3 Millionen Euro zu verzeichnen. Der rbb ging anhand interner Unterlagen, die er einsehen konnte, davon aus, dass die FBB im Jahr 2021 nur "noch mit gut 143 Millionen Euro" rechnen würde.

Dazu teilte uns die FBB mit: "Wir haben aktuell (Stand Ende August) bereits knapp 143 Mio. EUR eingenommen und werden perspektivisch (wenn morgen nicht ein neuer Lock-Down verhängt wird) Ende 2021 deutlich über EUR 200 Mio. einnehmen."

Sendung: Inforadio, 17.09.2021, 06:00 Uhr

Beitrag von René Althammer

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