Debatte über Abschuss und Vergrämung - Brandenburger Fischwirtschaft klagt über gefräßige Kormorane

Ein Kormoran (Phalacrocorax carbo) sitzt mit geöffnetem Schnabel auf einem Baum am Gudelacksee bei Lindow (Mark) im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. (Quelle: dpa/Jürgen Schwenkenbecher)
Bild: dpa/Jürgen Schwenkenbecher

Es ist ein Kampf und eine Diskussion, die Jahr für Jahr ausbricht: Fischer, Angler und Teichbewirtschafter beklagen große Verluste in ihren Gewässern, die der Kormoran anrichtet. Sie fordern eine Bestandsregulierung für die Vögel. Von Ivo Ziemann

Brandenburg mit seinen vielen Seen und Flüssen zieht auch jede Menge Wasservögel an. Zum Leidwesen von Anglern, Fischern und Teichbewirtschaftern schlägt sich der Kormoran, ob er nun hier brütet oder nur durchzieht, regelmäßig den Bauch voll.

Die stattlichen schwarzen Vögel sind ein Hingucker mit Nebeneffekt, denn aktuell gibt es etwa 850 Brutpaare in Brandenburg - und jedes Tier frisst mindestens 350 Gramm Fisch am Tag. Da der Kormoran ein Opportunist ist, bedient er sich gerne in professionell bewirtschafteten Teichen mit vielen Fischen und leichter Beute.

Leere Teiche, kein Ertrag

Gerd Michaelis ist Geschäftsführer der Teichgut Peitz GmbH, in der vor allem Karpfen gezüchtet werden. Sein Ziel ist es, so viele Tiere wie möglich nach drei Jahren Aufzucht zu verkaufen. Der Kormoran verhindere das aber. "Es gelingt uns eigentlich nur, von 100 Stück ausgesetzter Karpfenbrut zwei bis drei Speisefische übrig zu behalten. Alles andere geht in die Mortalität und demzufolge auch in das Betriebsergebnis". In Spitzenmonaten sind bei ihm 500 bis 700 Kormorane auf den Teichen, schildert er die drastische Situation. Er darf per Gesetz zwar auch einige Tiere entnehmen, was nichts anderes als abschießen ist - aber das reiche lange nicht, sagt Michaelis.

In Brandenburg nehmen die Brutpaare inzwischen ab, sagt Gernot Schmidt, der Präsident des Landesfischereiverbandes. Das Problem seien aber auch die durchziehenden Vögel, zum Beispiel aus Mecklenburg-Vorpommern. Hier finden sie optimale Bedingungen und vermehren sich fleißig. "Bei Eisfreiheit im Winter ziehen diese Vögel durch Brandenburg, lassen sich natürlich auch auf den Teichen nieder und fressen diese dann letztlich teilweise auch leer", so Schmidt. Der Kormoran fange genauso viel Fisch wie alle Angler und Fischer in ganz Deutschland zusammen, meint er. Deshalb ist seine klare Forderung eine bessere Bestandsregulierung.

Kormorane besetzen Insel in See bei Bad Sarnow. (Quelle: G. Krüger)

Der Nabu setzt auf Vergrämung

Den Bestand verringern und Kormorane der Natur zu entnehmen ist für den Naturschutzbund (Nabu) zu kurz gedacht. Die entstandenen Lücken bei Zugvögeln würden sowieso wieder neu besetzt werden, sagt Naturschutzreferentin Manuela Brecht. Der Nabu setzt auf Vergrämung, also das Verscheuchen der Tiere von den Teichen, oder auch das Abspannen der Teiche mit Netzen.

"Es gibt jetzt neue Ideen aus Bayern, die Teiche mit Rückzugsmöglichkeiten für die Fische auszustatten. Da werden am Grund Käfige verankert, die mit Tannenbäumen bestückt werden, so dass die Tiere sich retten können, wenn sie angegriffen werden", erklärt Manuela Brecht.

Mit der Vergrämung hat Teichbewirtschafter Gerd Michaelis seine eigenen Erfahrungen gemacht: "Wir haben Hochtöne ausprobiert. Wir haben Knalltöne ausprobiert. Das Problem ist, dass der Kormoran sehr gelehrig ist und sich ganz schnell an das gewöhnt, was keine Gefahr verursacht."

Fischereiverband fordert Entschädigungen

Einig sind sich Naturschutzbund und Fischer darin, dass eine nachhaltige Lösung gefunden werden muss.

Der Fischereiverband fordert eine angemessene Entschädigung. Aktuell werden die Verluste zu 30 Prozent ausgeglichen und da macht Gerd Michaelis eine ganz einfache Rechnung auf: "Das heißt also, wenn jemand 1.000 Euro verdienen würde und muss davon 700 Euro verschenken, dann bleiben 300 Euro übrig. Und davon kann man nicht leben". Eine für alle zufriedenstellende Lösung gibt es also aktuell nicht. Die Brandenburger Fischer und Teichbewirtschafter wollen eine bessere Bestandsregulierung oder Entschädigung für die wirtschaftlichen Schäden, die der Kormoran auslöst.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.09.2021, 14 Uhr

Beitrag von Ivo Ziemann

29 Kommentare

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  1. 29.

    Naja - die wohnen auf der anderen Seite des großen Flusses. Viele von denen verstecken sich hinter einem Ringwall und haben seltsame Rituale - Wochenendstraßenverstopfung spielen oder dieses Anlegen von Trampelpfaden. Vergrämen muss ja nicht sein - 'ne Kurtaxe wurde es auch tun.

  2. 28.

    Der Kormoran kam auf die Anhangslisten zur EU RL, Fauna, Flor, Habitate 92/43 vom Juni 1992. Es war sozusagen der kleinste europäische Nenner, dem aber eine Reihe weiterer RL folgten, denn Gewässer waren auch damals schon ü 90% nicht mehr in einem natürlichen Zustand. Aber es sollte noch einige Jahre dauern, bis die Wasserrahmenrichtlinie kam, auch so ein "auf dem kleinsten Nenner". Ein Kormoran kann 2 kleinere Karpfen pro Tag vertilgen. Und eine Kormorankolonie, die sich an speziell an Teichen befindet, besteht nun wirklich nicht nur aus einer 10-"Truppe". Doof ist nur, dass die Altholzbestände unter dem Kot der Kolonien zu leiden haben. Das ist die Crux, denn diese Habitate stehen auch auf den Anhangslisten, sind stark gefährdet u. zu schützen. Schutz der Altholzbestände oder die der Vögel? Formal siegt der Kormoran, denn er wird an 1. Stelle der RL genannt. Der weltweit vork. Vogel ist nicht vom Aussterben bedroht. Der Artenschutz muss die Lösung finden.

  3. 27.

    Statt, dass Berlin die eigenen Probleme lößt, exportiert sie sie nach Brandenburg. Unsere Baupreise haben sich verdoppelt und die miserable Infrastruktur wird noch schlechter. sowieso: TESLA hätte prima auf das Tempelhofer Feld gepasst !

  4. 26.

    Widerlicher Kommentar. Sie wollen Berliner vergrämen? So etwas wird auch noch freigeschaltet…

    @Tram88. Sie finden es auch noch richtig? Noch so einer der jemanden wegen der Herkunft (Berlin) diskriminiert? Schämen Sie sich

  5. 25.

    Die Probleme genau beim Namen genannt. Uns große Vorschriften machen aber hier das Teslawerk bejubeln. Die gehen jeden Tag in den Supermarkt; verlangen Frischfisch aus der Region oder gar das beste Stück vom Kalb oder Lamm. Jeder Wolf wird geliebt wie der eigene Kläffer.

  6. 24.

    Ketzer braucht die Welt auch nicht- es sei denn die ernähren sich mit Plastikmüll.

  7. 23.

    Da fangen wir doch aber gleich bei den gefräßigen Berlinern an: Die sollten doch mal versuchen sich selbst zu ernähren. Schlimm genug was die alles beanspruchen und so viele sitzen nur im Büro.

  8. 22.

    Entnehmen, regulieren… Schon sehr einfallsreich um nicht offiziell vom Töten zu sprechen. Oder im Klartext, vernichten. Kormorane stören die Wirtschaft, also müssen welche vernichtet werden. Wie viel sind es denn, die stören? 50% oder 75%? Oder am besten doch gleich ausrotten? Der Mensch als Krone der Schöpfung … Was ihn stört, tötet er.

  9. 21.

    Habe von einem Srausberger ein bissel mehr erwartet. Hätte mir gewünscht sie hätten eine Komoraneierklaudrone entwickelt.

  10. 20.

    Umd was ist mit dem gefrässigen Menschen?!?!

  11. 18.

    Hier geht's doch nicht nur um die bewirtschafteten Teiche . Dort ist es für die Vögel nur am einfachsten . Fallen die weg sind wieder Seen und Flüsse dran . Gibt es zu viele Kormorane ist der Fischbestand in Gefahr weil das echte Fressmaschinen sind . Also muß der Bestand reguliert werden zum Wohle der Umwelt.

  12. 17.

    So ein ausgemachter Blödsinn , sie haben von Umwelt keine Ahnung ,stimmts ?

  13. 16.

    Die Teichgüter, deren Inhaber Abschüsse fordern, boykottieren.

  14. 15.

    Bitte nicht die Förderung als Startup vergessen zu beantragen. Bekommt man auch ür die absurdesten Vorhaben. Die Pleite kann man dann auf Corona schieben.

  15. 14.

    Das Problem mit den Kormoranen gibt es schon seit einigen Jahren und das Thema wird jedes Jahr neu aufgenommen. Leider hat bisher niemand den Mut und Ideen gefunden, wirklich vernünftige und umsetzbare Beschlüsse (z. B. wegen dem Konflikt Naturschutz zu Wirtschaft) beschlussreif zu erstellen. Meine Prognose lautet, so traurig wie es war und ist, es wird auch dieses Jahr wieder nichts...!

  16. 13.

    Wird hier der Bestand nicht reguliert fressen die Vögel alles leer ! Das Resultat : Zuerst keine Fische mehr da ,und dadurch wird es dann auch keine Kormorane mehr geben , also Liebe Hobbyvogelschützer vielleicht mal drüber nachdenken .

  17. 12.

    Nicht die Kormorane sind gefrässig
    sondern wir Menschen.

  18. 11.

    Warum muss der Mensch die Natur bzw. die Tiere regulieren? der Mensch sollte den Umgang mit sich selber regulieren, und den Tieren nicht alles wegnehmen, nur weil er der grösste Egoist auf diesem Planeten ist! Dieses Herumgejammere ist schon nervig

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