Sondierungsgespräche im Tarifstreit - Bei Vivantes stehen die Zeichen auf Streik - Charité-Gespräche "konstruktiv"

"Tarif-Rebellinnen" steht auf dem Transparent bei einer Demonstration von Beschäftigen der landeseigenen Berliner Krankenhäuser Vivantes und Charité. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: Abendschau | 18.09.2021 | Thomas Rostek | Bild: dpa/Paul Zinken

Im Tarifstreit zwischen Verdi und den landeseigenen Klinikkonzernen Vivantes und Charité sind Gespräche am Samstag unterschiedlich verlaufen: Während es bei der Charité offenbar eine Annäherung gab, stehen die Zeichen bei Vivantes weiter auf Streik.

Im Tarifstreit zwischen dem Berliner Klinikkonzern Vivantes und der Gewerkschaft Verdi ist noch keine Annäherung in Sicht. Vertreter beider Parteien hatten sich am Samstag zu Sondierungsgesprächen getroffen.

Verdi-Verhandlungsführer Ivo Garbe sagte anschließend dem rbb: "Die Enttäuschung über das Verhalten des Arbeitgebers ist so groß, dass wir auf jeden Fall am Montag noch mal Druck machen und deutlich machen werden: So lassen die Beschäftigten nicht mit sich umgehen. Wir sind verhandlungsbereit, wir werden am Montag aber auch wieder voll in den Streik gehen."

17 Stationen bei Vivantes vollständig geschlossen

Für die Personalleitung von Vivantes ist die Haltung der Gewerkschaft unverständlich - sie fordert einen Ausweg aus dem Dauerstreik. Dazu sagte Dorothea Schmidt, Geschäftsführerin Personal Vivantes: "Wir haben jetzt sieben Monate verhandelt – ohne konkretes Ergebnis." Die Klinikleitung appelliere erneut an Verdi, eine Schlichtung, wie sie auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) angeregt habe, zu ermöglichen.

Es geht vor allem um zwei Kernpunkte: bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung der Belegschaft, die in Tochterfirmen für den Klinikbetreiber arbeitet. Laut Vivantes sind die Auswirkungen des Streiks deutlich zu spüren: Mehr als 900 von insgesamt rund 5.500 Betten sind gesperrt. Derzeit sind 17 Stationen vollständig geschlossen. Eingeschränkt sei die Versorgung von Schlaganfallpatienten und Kardiologiepatienten, und rund 1.000 Operationen hätten verschoben werden müssen.

Charité spricht von konstruktiven Verhandlungen

Vivantes hatte Verdi zuletzt ein weiteres Angebot unterbreitet, darunter einen Stufenplan zur Angleichung an den TVöD in den Tochtergesellschaften und ein Modell, "mit dem über einen noch zu definierenden Personalschlüssel Belastung in der Pflege vermieden werden kann", so Vivantes-Geschäftsführer Johannes Danckert. "Es ist nicht nachvollziehbar, warum Verdi weiter auf Streik setzt, während die Angebote seit Tagen auf dem Tisch liegen."

Auch Vertreter der Charité hatten sich am Samstag mit Verdi-Vertretern zu Sondierungsgesprächen getroffen. Die Verhandlungen seien "konstruktiv" verlaufen, hieß es von dem Klinikunternehmen. Näheres war bislang dazu nicht zu erfahren.

Streik für mehr Geld und mehr Personal

Krankenhausmitarbeiter bei Charité und Vivantes waren am Donnerstag vergangener Woche in einen unbefristeten Streik getreten. Sie setzen sich für einen Entlastungstarifvertrag ein. Bei den Vivantes-Töchtern geht es daneben auch um bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld.

Vivantes teilte am Donnerstag auf Anfrage mit, der Klinikkonzern wolle ebenfalls so schnell wie möglich an den Verhandlungstisch zurückkehren. "Verhandlungen können stattfinden, sobald der Streik eingestellt wird." Das Unternehmen sei außerdem bereit, auf der Ebene von Arbeitsgruppen über seine Vorschläge zur Entlastung der Pflege zu sprechen. "Sollte gleichzeitig der Streik fortgesetzt werden, ist dies jedoch nicht in der angefragten Frequenz möglich, weil zu viele Ressourcen von Vivantes zur Sicherstellung der Patientenversorgung und Streikorganisation gebunden sind."

Sendung: Inforadio, 18.09.2021, 07:00

31 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 31.

    @ Nadine

    Mitarbeiter, die den Notfalldienst übernehmen, dürfen aber nicht streiken. Entweder Arbeit oder streiken. Hintergrund: wer streikt hat kein Anrecht auf Gehalt oder Zulagen

  2. 30.

    Streikorganisierung wird von Verdi und den Beschäftigten überwiegend übernommen. Zusätzlich zu den Notfalldiensten, die die Kollegen trotz Streikbereitschaft leisten müssen. Das sind tells 18 Stunden Tage. Da mangelt es mir leider an Mitleid für die „Ressourcen der Geschäftsführung“ von Vivantes.
    Bei der Charité klappt es ja wunderbar mit den Gesprächen trotz Streiks.

  3. 29.

    @ Thunder

    Anstatt alles auf den Senat zu schieben...was hälst Du denn von einer Reform der Krankenhauslandschaft? Berlin hat 40 % mehr Krankenhausbetten gemessen an der Einwohnerzahl als andere europäische Hauptstädte..
    Wie wäre es denn damit, diese überzähligen Betten abzubauen. Dann könnte das freigesetzte Personal aufgeteilt werden..

    Wäre das nicht ne Idee, als dauernd nur den Steuerzahler zu schröpfen.

    Übrigens hinkt dein Vergleich der BVG mit vivantes gewaltig

  4. 28.

    @ Thunder

    Du vergleichst Äpfel mit Birnen. Was ist falsch daran, dass Vivantes als landeseigener Konzern kostendeckend arbeitet? Klar muss das auch für die BVG gelten. Natürlich dann zu Erhöhung der Ticketpreise.

    Und um die Finanzierung aller Kliniken sicherzustellen und auch genug Personal zu haben, geht's nicht ohne Erhöhung der Beiträge zur GKV. Darauf hat Bernd mehrfach treffend hingewiesen.

    Experten gehen davon aus, dass der Beitrag zur GKV alle 3 Jahre um etwa ,2% erhöht werden muss um bessere Bedingungen für das Pflegepersonal zu schaffen.

    Aber Vivantes mit der BVG zu vergleichen ist, wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Völlig unterschiedliche Kostenstruktur.

    Klar müssen Krankenhäuser finanziell besser ausgestattet werden. Dazu ist neben einer Reform der Krankenhauslandschaft auch eine Beitragserhöhung in der GKV nötig.

    So langsam sollte jedem Bürger klar sein, dass wir uns unser Gesundheitswesen in der jetzigen Form schon lange nicht mehr leisten können

  5. 27.

    nur weil es sich um einen landeseigenen Konzern handelt, darf dieser kein Millionengrab werden

    Aber die BVG darf mehr als 100 Mio Euro Schulden haben?
    Seltsam dass das in Ordnung ist, aber wenn das Vivantes Personal mehr Geld will ,wird ein Fass aufgemacht als würde Berlin daran untergehen
    Verstehe ich wirklich nicht!

  6. 26.

    Öffentliche Daseinsvorsorge muss kostendeckend arbeiten?
    Sorry aber wenn man den Argumenten folgt dann müsste man sofort die gesamte DB
    Sowie die BVG und viele andere Sachen der öffentlichen Daseinsvorsorge einstellen
    Den auch dort werden Mio an Steuergeldern reingepumpt

  7. 25.

    @ Olaf Berndt

    Du irrst gewaltig, wenn Du annimmst, dass der Senat vom Vivantes Konzern Gewinnausschüttung verlangt. Aber auch eine Einrichtung, die die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung zur Aufgabe hat, muss kostendeckend arbeiten.

    Woher nimmst Du das Märchen, dass der Senat Gehälter für Vivantes Mitarbeiter zahlt?
    Woher kommt Deine Erkenntnis, dass Vivantes Gelder veruntreuend in Bauvorhaben steckt?
    Bitte um konkrete Beweise ohne Bildzeitungsparolen

  8. 24.

    Es ist nirgends vorgeschrieben, dass Vivantes Gelder nicht in Bauvorhaben stecken darf. Ebenso sind öffentliche Mittel nicht für das Personal gedacht. Wie kommst Du darauf?

    Die Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge müssen aber zumindest kostendeckend arbeiten. Und gerade das ist bei Vivantes mit dem massiven jährlichen Verlusten ebend nicht gegeben. Auch die Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung darf nicht zu Lasten des Steuerzahlers gehen und muss daher mindestens kostendeckend erfolgen.

    Der Senat zahlt auch keine Löhne der Angestellten von Vivantes....nur weil es sich um einen landeseigenen Konzern handelt, darf dieser kein Millionengrab werden.

    Übrigens besteht ein Krankenhaus nicht nur aus Personal, sondern auch aus Gebäuden...

  9. 23.

    Das System der Krankenhausfinanzierung aus den DRG´s ist total fehl am Platz, weil so eine Zwei-Klassen-Versorgung entstanden ist.
    Hier geht es ganz klar um den Menschen, der im Mittelpunkt stehen soll und nicht darum, was eine OP oder Behandlung für Gewinne abwirft.
    Das System der DRG's wurde aus Kanada übernommen. Man kann ein System nicht Eins-Zu-Eins übernehmen und hoffen, dass dies schon irgendwie gut gehen wird. Kanada und Deutschland haben unterschiedliche Sozialsysteme und eine unterschiedliche Krankenversorgung.

    Dann noch ein Wort zu Vivantes:
    Vivantes steckt öffentliche Gelder für Personalkosten in ihre Bauaktivitäten. Damit kommt Vivantes nicht ihrer Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern nach, indem sie die Lohnkosten für das Personal vom Senat nicht dorthin abführen.
    Vivantes ist ein Staats-Unternehmen im öffentlich geführten Sektor.
    Hier sollte es nicht vorderrangig um profitäre Versorgung gehen, sondern um eine Daseinsversorgung für Berlin.

  10. 22.

    Anstatt immer nur nach dem Senat und der Sinnhaftigkeit anderer kommunaler Ausgaben zu schreien, sollten sich viele User hier mal fragen, ob das System der gesetzlichen Krankenkassen.nicht reformiert werden sollte?

    Abschaffung der Familienversicherung (2,5 % pro Familienmitglied mehr)
    Zuzahlung bei jedem Arztkontakt
    Alle op ambulant durchführen, wenn medizinisch möglich
    Notaufnahme nur bei nachweislich lebensbedrohlich Erkrankung
    Alterseinschränkungen bei bestimmten OP und Therapien
    Zwingendes Hausarztmodell

    All das gibt's in vielen europäischen Staaten. Warum nicht auch bei uns?

  11. 21.

    Du kapierst nicht, dass für Krankenhausfinanzierung die Sätze der Kassen gedacht sind und eben keine Zuschüsse der Träger der Krankenhäuser. Es ist nicht Aufgabe des Landes Berlin, die horrenden Verluste von vivantes auszugleichen. Eine Reform der Krankenhauslandschaft mit Schließung von hochdefizitären Kliniken und Umstellung auf mehr ambulante op ist nötig. Über 60% aller chirurgischen und orthopädischen Patienten in deutschen Kliniken können problemlos ambulant operiert werden. Dann würden Kliniken nur noch schwerstkranke Patienten behandeln und auch mehr Personal für deren. Versorgung haben. Auch öffentliche Daseinsvorsorge muss kostendeckend arbeiten

  12. 20.

    @ Dagmar

    Die Beiträge müssen aber steigen, wenn die Kostensätze für Krankenhäuser steigen. Vielleicht wäre es Zeit, dass alle GKV versicherten 2 % mehr Beiträge zahlen, die direkt in die Finanzierung der Kliniken fließen. Ebenso ist eine Reform der Krankenhauslandschaft nötig

  13. 19.

    Alles was die Geschäftsführung den Streikenden der Vivantes Tochtergesellschaften anbietet haben wir uns durch den langen Streik 2018 hart erkämpft
    Schon 2018 stand fest das der nächste Schritt TVÖD heißt,aber genau das wil die Geschäftsführung verhindern
    Am Geld kann es nicht liegen denn die Tochterunternehmen erwirtschaften auch Gewinn,der dann in Neubauprojekte,die eigentlich der Senat finanzieren müsste,gesteckt wird
    Der Senat hatte dies ja auch im Koalitionsvertrag versprochen,aber alles nur leere Versprechen,

  14. 18.

    Es macht mich fassungslos! Das Land Berlin als Eigentümer von Vivantes und damit Arbeitgeber ist nicht bereit, auf die berechtigten Forderungen der Beschäftigten in den Kliniken einzugehen?! Pfleger*innen wurden beklatscht und gelobt und (zurecht) als Lebensretter*innen bezeichnet. Und jetzt, wo sie mehr als Applaus fordern, ist man nicht bereit das entsprechende Geld zu zahlen?! Natürlich müssen jetzt die Beiträge steigen, denn es sind die Versicherten, die die hohen Kosten verursachen. Und zwar nicht, weil so viele Corona hätten, sondern weil die sogenannten Zivilisationskrankheiten derart hohe Kosten verursachen. Diese zu reduzieren, das wäre mal eine wirklich herausfordernde Aufgabe für Herrn Spahn!

  15. 17.

    vielleicht sollten Sie mal kapieren, das wir uns nicht länger verarschen lassen wollen

    für alles ist angeblich Geld da, Milliarden für Corona Hilfspakete, für Flüchtlinge, angeblich laut CDU und SPD auch für den massiven U Bahnausbau in Berlin und für X andere Dinge

    aber es ist kein Geld da um uns ordentlich und fair zu bezahlen + mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen

    das Gesundheitswesen gehört zur Daseinsvorsorge
    vielleicht sollten Sie mal mit einen neuen Kurs zum Thema Grundsätzen von VWL und BWL in der Daseinsvorsorge des Staates beschäftigen
    da lernen Sie was welche Dienstleistungen und Infrastruktur bzw welche öffentlichen Einrichtungen unabdingbar für die Bevölkerung ist.

  16. 16.

    Es ist seit langem erwiesen, dass die Wahrscheinlichkeit, im Krankenhaus zu sterben, umso niedriger ist, je mehr Pflegepersonal vor Ort ist. Das geht Alle an! Diese Gesellschaft kann sich jeden nur erdenklichen Luxus leisten, besser gesagt sie leistet es sich, eine kleine Oberschicht in immer größerem Luxus leben zu lassen. Sie schafft es aber nicht, eine gute medizinische Versorgung für Alle sicherzustellen. Das muss ein Ende haben!
    Wir können den Streikenden nur dankbar sein, denn sie setzen sich für Alle ein! Macht weiter, bis ihr Arbeitsbedingungen habt, die ihr verantworten könnt! Ihr seid die Expert*innen!

  17. 15.

    Für die Pflege braucht es eine Ausbildung, auch diese wird als Umschulung von der Arbeitagentur finanziert, vorausgezetzt ein Arbeitsloser strebt solch eine Umschulung an, aber es scheint wenig Interesse zu geben leider.
    Der Beruf ist zu stressig und eher schlecht bezahlt.

  18. 14.

    Der Herr Regierende Bürgermeister hat also über den Kopf der Vivantes-Personalchefin hinweg eine Schlichtung vorgeschlagen. Hat Sie/Div/Er sich nicht dagegen verwahrt ?

  19. 13.

    Klar, wir machen das Pflegepersonal noch mehr kaputt, am besten zu noch schlechteren Konditionen. Denken sie eigentlich nach bevor sie so ein Mist schreiben ? Wenn man von der Materie keine Ahnung hat sollte man einfach mal den Mund halten. Ich Lage gerade von 6 Wochen eine Woche im Krankenhaus. Da musste im spätdienst eine Schwester sich um 24 Patienten alleine kümmern. Die arme war fix und fertig…. Aber ja immer weiter so.

  20. 12.

    Im Gesunheitswesen wird nicht erwirtschaftet, dort wird nur ausgegeben, und zwar für Patienten, die monatlich in ihre Krankenkasse einzahlen.

Nächster Artikel