Schwedischer Wohnungskonzern - Heimstaden kauft rund 14.000 Wohnungen in Berlin

Eine Demonstrantin mit einem Schild mit der Aufschrift Heimstaden Stoppen Kiezkultur Retten bei einer Protestkundgebung gegen den Verkauf von Haeusern und Wohnungen in Berlin Neukoelln. (Quelle: imago images/bildgehege)
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Eine deutliche Mehrheit hat in Berlin am Sonntag für die Enteignung großer Wohnungskonzerne gestimmt. Offenbar unbeeindruckt davon kauft der schwedische Immobilienkonzern Heimstaden nun rund 14.000 Wohnungen in Berlin.

Auf dem Berliner Wohnungsmarkt gibt es eine weitere Großtransaktion. Die Heimstaden-Gruppe übernimmt 14.050 Wohnungen vom Immobilienunternehmen Akelius, wie beide Seiten am Sonntagabend mitteilten.

Insgesamt wechseln knapp 28.800 Wohnungen in Deutschland, Schweden und Dänemark den Eigentümer - Heimstaden zahlt dafür insgesamt 9,1 Milliarden Euro. Heimstaden steigt damit zu den größeren privaten Vermietern in der Hauptstadt auf. Bislang besaß das schwedische Unternehmen mit Sitz in Malmö gut 5.000 Wohnungen in Berlin.

Übernahme noch in diesem Jahr

Erst im letzten Jahr hatte der Immobilienkonzern sich in mehrere Berliner Bezirke eingekauft, daunter 143 Häuser für gut 830 Millionen Euro. Zahlreiche Mieter protestierten gegen den Kauf.

Die konkrete Übernahme der Wohnungen sei Ende dieses Jahres geplant, dabei fließe die volle Grunderwerbsteuer. Ein Kaufpreis für die Wohnungen in Berlin wurden nicht genannt. Zur Einschätzung: Das Land Berlin zahlt für rund 14.750 Wohnungen der Unternehmen Deutsche Wohnen und Vonovia rund 2,5 Milliarden Euro. Der Kauf war kurz vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus vereinbart worden.

Der angespannte Berliner Wohnungsmarkt ist umkämpft. Vonovia will die Deutsche Wohnen als größten privaten Vermieter in der Hauptstadt übernehmen. Eine Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner sprach sich am Sonntag in einem Volksentscheid dafür aus, Unternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen gegen Entschädigung zu enteignen.

Offener Brief an Mieter

Heimstaden ist vor allem in Schweden, Dänemark und den Niederlanden aktiv. In Deutschland besitzt das Unternehmen 7.300 Wohnungen. "Der hohen Verantwortung, die dieser Wachstumsschritt mit sich bringt, sind wir uns bewusst", sagte Deutschland-Chefin Caroline Oelmann. Sie kündigte einen "mieterfreundlichen" Bau neuer Wohnungen auf den Akelius-Flächen an.

Am Montag stellte Heimstaden einen offenen Brief an die Mieterinnen und Mieter von Akelius auf seine Internetseite. "Bei uns stehen die Interessen von Mieterinnen und Mietern, eine hohe Servicequalität, Erreichbarkeit und Kundenzufriedenheit an erster Stelle", versicherte der Konzern. Aktuell ändere sich noch nichts.

Sendung: Abendschau, 27.09.2021, 19:30 Uhr

9 Kommentare

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  1. 9.

    Warum gibt es dann in Berlin 85 % Menschen die genau dies tun?Weshalb hat sich denn kaum ein Berliner in den letzten 30 Jahren Eigentum über eine Selbstfinanzierung gekauft.

    Anfang 2000 waren die Mieten so günstig, da hat sich kein Kauf aus Mietersucht gelohnt. Es gab viel Leerstand und die Wohnungen waren in einem schlechten Zustand. Der Wohnungsmarkt war voll mit Wohnungen, dass sogar viele abgerissen wurden.

    Diese drei Faktoren haben sich absehbar geändert. Viele hätten sich damals günstiges Eigentum leisten können, jedoch lieber die Miete bevorzugt.

    Die Mieten sind nun gestiegen, da in Berlin zu wenig Wohnungen gebaut wurden und viel saniert werden musste. Berlin ist eine Wirtschaftsmetropole mit vielen guten Arbeitsplätzen, der Zuzug in den letzten Jahren war ungebremst.

    Eigentümer von einer Mietwohnung werden gezwungen zu vermieten, ansonsten wäre das Chaos noch viel größer. Die Berliner und der Senat der letzten 20 Jahre haben sich selber den Schuh anzuziehen.

  2. 8.

    "...und der Minderheit vorschreibt, zu welchen Bedingungen die ihr Eigentum zur Verfügung stellt"

    eine sehr euphemistische Beschreibung dafür, dass diejenigen, denen das Eigentum "zur Verfügung" gestellt bekommen, selbiges dem Eigentümer finanzieren.

    Niemand zwingt sie, zu vermieten. Das Blöde dabei ist nur, dass ihnen dann auch niemand dabei hilft, ihr Kapital zu vermehren
    Und verkaufen zu immer höheren Preisen funktioniert auch nur so lange, wie man zu immer höheren Preisen vermieten kann. Und genau das wäre der Politik durchaus möglich, zu verhindern oder zumindest zu begrenzen (über das heute bereits mögliche Maß hinaus).

  3. 7.

    Sowas schreibt jemand aus einer Eigentümerblase südlich von Berlin, wahrscheinlich jemand, der von Miete keine Ahnung hat, oder keine mehr haben kann,.

  4. 6.

    wenn eine Mehrheit kein Risiko bei der Bildung von Eigentum eingehen will und der Minderheit vorschreibt, "
    Kann man so sehen.
    Nur wird es bei der derzeitigen Einkommensverteilung argumentativ etwas schwierig, dem Durchschnittstlohnempfänger zu empfehlen, er möge mal gefälligst ein Risiko eingehen und Wohneigentum bilden.
    Und da muß man noch nicht einmal bis zur untersten Einkommensgrenze, dem Mindestlohn, gehen.
    Rechnet man dann noch die prekär in Zeitverträgen Beschäftigten dazu, dann wird man den Menschen wohl nur noch empfehlen können gefälligst ordentlich zu erben um nicht als Loser dazustehen.

  5. 5.

    "Eine Demokratie ist es aber, wenn eine Minderheit die Mehrheit ausnimmt."

    Und eine Unverschämtheit ist es, wenn eine Mehrheit kein Risiko bei der Bildung von Eigentum eingehen will und der Minderheit vorschreibt, zu welchen Bedingungen die ihr Eigentum zur Verfügung stellt.

  6. 4.

    Wenn die Mehrheit über eine Minderheit herfällt um sich selbst zu bereichern, dann ist das keine Demokratie."
    So isses.
    Eine Demokratie ist es aber, wenn eine Minderheit die Mehrheit ausnimmt.

  7. 3.

    Achtung hier ist nicht so sehr der Kauf von Wohnungen von Interesse sondern die Verdichtung. Der zu Zeiten der Besatzung angedachte Ansatz Licht Luft und Sonne Erholung vor der Wohnungstür durch viel Grün und Freiflächen aber eben auch Hochbauten mit 11 bis 21 Geschossen wird hier nun zu Nichte gemacht. Ich bin froh in diesen schrecklichen Gettos keine Kinder Groß ziehen zu müssen. Aber es ist ja wichtiger den kleinen Kindern das Schweineschnitzel zu vergellen als Freiräume zu schaffen. Mit dem SUV im Suff das Eigengewächs weit durch die Stadt zu chauffieren weil Bildungseinrichtungen( KinderGÄRTEN, SchulenSchulhöfe) geschliffenen wurden. Keine der Parteien hat hierzu vernünftige Alternativen.

  8. 2.

    weil das wegnehmen um einen eigenen Vorteil zu haben mit rechtsstaatlichen Grundsätzen nicht vereinbar ist. Das ist Räuberei. Wenn die Mehrheit über eine Minderheit herfällt um sich selbst zu bereichern, dann ist das keine Demokratie. Auch ein Volksentscheid kann sich nicht über geltendes Recht hinwegsetzen. Wer die Verfassung ändern will, der braucht 2/3 Mehrheit im Bund. Und selbst dann ist einiges unänderbar.

  9. 1.

    Hoffentlich werden diese Wohnungen dann schnell wieder vergesellschaftet.

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