Streik der Lokführer geht weiter - Auch am Wochenende massive Einschränkungen im Bahnverkehr

Reisende gehen im Hauptbahnhof Berlin auf einem Bahnsteig. Die Lokführergewerkschaft GDL hat ihre Mitglieder zum Streik bei der Deutschen Bahn aufgerufen. (Quelle: dpa/P. Zinken)
Audio: Inforadio | 04.09.2021 | Patrik Buchmüller | Bild: dpa/P. Zinken

Der Lokführer-Streik geht nach der Pleite der Bahn vor Gericht auch am Wochenende weiter. Viele Züge stehen still, Reisende müssen mit starken Einschränkungen rechnen. Immerhin läuft der Ersatzfahrplan stabil.

Bahnreisende müssen auch an diesem Wochenende mit starken Einschränkungen rechnen. Wegen des Streiks der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) stehen viele Züge still. Die Deutsche Bahn rät weiter, Reisen möglichst zu verschieben.

Wie ein Bahnsprecher am Sonntagmorgen mitteilte, laufe aber immerhin der Ersatzfahrplan stabil. Inzwischen würden auch 30 Prozent der Züge im bundesweiten Fernverkehr wieder fahren. Zuvor seien es nur 25 Prozent gewesen.

Auch die Intercity-Linie von Warnemünde über Berlin nach Dresden fährt nach Angaben des Sprechers mit einzelnen Zügen wieder. So sollen laut Bahn mehr Urlauber abreisen können. Im Nahverkehr werde über das Wochenende mit 40 Prozent des normalen Fahrplans geplant. Der endgültige Ersatzfahrplan für den Regionalverkehr ist auf der Serviceseite der Bahn [bahn.de] abrufbar.

Auch Einschränkungen bei der Berliner S-Bahn

In Berlin werden weiterhin die Linien der Ringbahn 41 und 42 nicht bedient, wie die Berliner S-Bahn, ein Tochterunternehmen der Bahn, mitteilte. Auch die S26, S45, S47 und die S75 verkehren gar nicht.

Auf den Linien S1, S2, S25, S3, S5, S7, S85, S9 und auf der verkürzten S46 (fährt nur von Königs Wusterhausen nach Schöneberg) soll ein 20-Minuten-Takt ermöglicht werden. Der Ersatzfahrplan der Berliner S-Bahn kann hier [sbahn.berlin/pdf] heruntergeladen werden.

 

GDL kämpft um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen

Die GDL kämpft um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder. Mit dem seit Mittwoch und noch bis Montag angesetzten Streik in der laufenden Tarifrunde bei der Bahn will die Lokführergewerkschaft ihren Forderungen nach insgesamt 3,2 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 28 Monaten sowie einer Corona-Prämie von 600 Euro mehr Nachdruck verleihen.

Die Deutsche Bahn hatte ursprünglich eine deutlich längere Laufzeit von rund 40 Monaten angestrebt. Mit einem neuen Angebot hatte sie 36 Monate in Aussicht gestellt sowie die Corona-Prämie von bis zu 600 Euro.

Streiks liefen am Mittwoch im Güterverkehr an

Die Streiks liefen bereits am Mittwochnachmittag im Güterverkehr an. Nicht bestreikt werden Konkurrenten der Deutschen Bahn. Allerdings sind auch bei ihnen Einschränkungen in Folge der Streiks möglich.

Die Bahn hatte versucht, den Streik per Eilantrag gerichtlich stoppen. Ihr Anliegen scheiterte jedoch auch im zweiten Anlauf am Freitag. "Wir sind sehr erleichtert, dass wir Recht bekommen haben in einem gerechten Arbeitskampf", sagte GDL-Chef Claus Weselsky als Reaktion auf das Urteil. "Wir lassen uns von niemandem vorschreiben, wann und wie lange ein Arbeitskampf geht", bekräftigte er. Die Streiks sollen noch bis Dienstag dauern.

Die Deutsche Bahn hat die Entscheidung des Hessischen Landesarbeitsgerichts bedauert. Statt zu verhandeln, versuche die Gewerkschaft GDL "ein Tarif-Diktat durchzusetzen", beklagte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler am Freitag. Er warf der GDL eine "totale Kompromisslosigkeit" vor.

Bahn will Leihräder billiger zur Verfügung stellen

Die Bahn kündigte unterdessen an, bis zum Ende des Lokführerstreiks tausende Leihräder billiger zur Verfügung stellen zu wollen. Es sei eine Freiminuten-Aktion geplant, hieß es am Samstagmorgen. Das Angebot soll für bundesweit 9.000 Leihräder in etwa 80 Städten und Regionen gelten. Sie sollen die erste halbe Stunde kostenlos gemietet werden können.

Aus Berlin dürfen zudem bis zum Ende des Streiks 600 bis 800 zusätzliche Taxis den Flughafen BER anfahren. Darauf habe man sich mit dem für den Taxiverkehr am BER verantwortlichen Landkreis Dahme-Spreewald verständigt, teilte die Senatsverwaltung für Verkehr am Freitagabend mit.

Bisher hätten lediglich jeweils 300 Taxis aus Berlin und dem Landkreis mit einer gesonderten Lizenz den Flughafen anfahren können. Es sei bereits mehrfach zu Engpässen gekommen. Die neue Vereinbarung gelte ab sofort, hieß es.

Sendung: Inforadio, 04.09.2021, 10 Uhr

50 Kommentare

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  1. 50.

    Zoomi, seit wann hat die EVG einen Tarifvertrag mit Lohnverlust abgeschlossen? 1,5 % ist maßvoll in einer Wirtschaftskrise. Kommt endlich von dem Irrglauben runter, dass Arbeitgeber Inflation ausgleichen müssen. Das würde ja bedeuten, dass jeder Tarifvertrag max 12 Monate laufen darf. Inflationsrate wird nämlich jedes Jahr neu berechnet.

    Ach so: die Lohn Preis Spirale ist Dir bekannt? Höhere Löhne führen zu höheren Preisen und damit zu höherer Inflation. Kleiner Tipp aus dem Gebiet der VWL

  2. 49.

    @zoomi. Diese böse EVG aber auch. Endlich eine Gewerkschaft mit Augenmaß und Sachverstand.

    Selbst Du solltest kapiert haben, dass es dem Sachsen weder um Gehaltserhöhung, Laufzeit oder Coronaprämie geht. Er will nur seinen Hintern retten und auch für andere Bahnmitarbeiter Tarifabschlüsse aushandeln dürfen. Aber genau dieser Forderung darf die DB AG nicht zustimmen, da sie gegen das TEG verstößt.

    Übrigens musste die DB AG im Jahr 2020 einen Teil des Betriebsrentensystems kündigen. Sicherlich weißt Du, dass die Betriebsrente nicht direkt von der Bahn angeboten wird und dass es auf dem Kapitalmarkt keine Zinsen gibt. Um weitere Verluste für die Mitarbeiter zu vermeiden und um die Bilanz zu bereinigen ging es nicht anders. Als Alternative hat die DB AG eine Entgeltumwandlung angeboten. Das ist eine Möglichkeit der Altersvorsorge, die gefördert wird.

    Du solltest Dir nicht die Lügen des Sachsen anhören, sondern Dich über die DB AG und die Versicherung bezüglich Betriebsrente erkundigen.

  3. 48.

    @ KoLa,

    doch genau so ist es gewesen und wenn du es mir nicht glaubst vielleicht ein Artikel der das genauer unter die Lupe genommen hat?
    Die DB macht mit der EVG gemeinsame Sache (Kein Wort dazu, dass die DB die Kündigung der betrieblichen Zusatzrente nur gegenüber der EVG-Gewerkschaft zurückgenommen hat, nachdem diese einem Tarifvertrag zustimmte, der Lohnverlust bedeutet.) die Medien spucken etwas in die Suppe und die armen Pendler holen die Mistgabel raus. Fertig ist das perfekte Hass Szenario:

    https://www.lokalkompass.de/essen-nord/c-politik/der-lok-down-der-gdl-ist-mehr-als-berechtigt_a1621735

  4. 47.

    Größenwahn lässt grüßen ,
    Dan müssten Millionen von Arbeitnehmer ja 40 Prozent mehr Lohn bekommen ,die Lokführer 1 Prozent ,die haben jetzt schon über 20 Euro

  5. 46.

    Übrigens: von nichts kommt nichts und dann Augen auf bei der Berufswahl. Dann klappt's auch mit ihrem Gehaltswunsch !

  6. 45.

    Ich bin gespannt, wie die Bahnmitarbeiter die Sympathie der Kunden wiedergewinnen wollen.

    Bisher haben lt aktuellen Umfragen 89 % alle Bürger kein Verständnis für das Verhalten und Vorgehen des Sachsen.

    Ich denke, dass nach der Wahl das Streikrecht für Unternehmen der öffentlichen Daseinsvorsorge eingeschränkt werden sollte. Das ist zulässig, solange das Streikrecht nicht anerkannt wird.

    Das wahrnehmen von Grundrechten darf nicht missbraucht werden.

  7. 44.

    Um was es Weselsky schon seit langem geht ,sagt er doch in seinen Interviews der letzten 2 Tage ,
    Da gibt er öffentlich zu ,das es ihm um Macht geht
    Er rennt sich und seine gdl Mitglieder da in was rein ,wo sie nicht mehr rauskommen ,und zum Schluss kann der Schuss ziemlich nach hinten losgehen

  8. 43.

    Eigentlich sollten alle anderen mal in sich gehen und überlegen: was bekomme ich uns was kassiert der Boss? Viel mehr solche Aktionen sollte es in diesem Land geben. Übrigens: für 20 €/Stunde sollte man sein Leben nicht vergeuden.

  9. 42.

    Na ja, der Typ ist zwar unsympathisch (um das Mal höflich zu formulieren), aber dumm ist er nicht. Es geht ihm dabei ausschließlich um die seine Zukunft bzw die der GDL nach dem TEG und dafür braucht er neue Mitglieder die allerdings in den Angeboten der DB aussen vor sind. Darum geht's ihm und um nichts anderes ...

  10. 41.

    Pünktlichkeit liegt allerdings oft nicht in deren Macht. Die hängt von zu vielen Faktoren ab, auf die der einzelne Lokführer keine Einfluss hat.

  11. 40.

    Dann gehören Sie auch zu den armen, unterbezahlten und völlig ausgebeuteten Lokführern? Diese armen Mitarbeiter arbeiten rund um die Uhr und verdienen so wenig, dass sie kurz vor dem Hungertod stehen.

    Anstatt auf sehr hohem Niveau zu jammern, sollten sich Lokführer lieber darum kümmern, Pünktlichkeit an den Tag zu legen.

  12. 39.

    Der Streik dient nur noch dazu, die pathologische Verhaltensweisen des Sachen Weselsky zu befördern.

    Die DB AG kann anbieten was sie will. Kein Angebot ist ihm gut genug logisches denken ist diesen Mann völlig fremd

  13. 38.

    Nochmals der Punkt auf den ich hinaus will: Notverkehr der DB läuft stabil und die NE-Bahnen fahren. Dabei müsste es doch für die GdL ein leichtes sein, wirklich alle Räder still stehen zu lassen, wenn die tatsächlich so stark jenseits des fahrenden Personals vertreten wären wie es Herr W. gerne behauptet, aber nicht gegenüber einem Notar offen legen will. Neben u.a. gut 7.000 Lokführer folgten aber nur eine sehr niedrige dreistellige Zahl weiterer Mitarbeitern jenseits des Zugpersonals dem verpflichtenden Streikaufruf der GdL. Dabei hatten z.B. ein paar erkrankte FdL genügt, um den Bahnhof Mainz vom Schienenverkehr abzukoppeln.

    Die DB hat 300 Betriebe. In 77 davon kommt es zu einer Tarifkollision, wobei die DB nur 16 der GdL zuordnet. Das akzeptiert Herr W. aber nicht.

  14. 37.

    @neumann Sie haben Bad Aibling ins Spiel gebracht Fahrdienstleiter war alleine Schuld gerichtlich bestätigt. 12 Tote incl 2 Lokführer absolut ohne Schuld . Ansonsten haben Sie nicht unrecht ohne Fahrdienstleiter läuft die Bahn nicht aber ohne die Lokführer genauso wenig. Da man in ihren Kommentaren ja immer wieder sieht das sie gerne spalten daran merkt man das es bei ihnen nur darum geht bestimmte Gruppen zu defamieren. Wissen und halbwissen liegen nah beieinander. Sonst würden Sie nicht ein überaus trauriges Ereignis was in nicht im geringsten mit dem Streik zu tun hat hier ins Gespräch zu bringen. Mit freundlichen Grüßen ein ehemaliger Fdl der zu vor Jahren zum Lokführer umgeschult hat.

  15. 36.

    Das zeigt vor allem auf, dass ohne Fahrdienstleiter hierzulande anders als in so mancher Eisenbahromantik-Sendung keine Züge fahren würden. Da der Notfahrplan stabil läuft und die NE-Bahnen fahren, zeugt von der geringer Bereitschaft, dem Streikaufruf der GdL jenseits des Zugpersonals zu folgen. Dabei ist es eines der erklärten und rechtmäßigen Ziele der GdL, auch Fahrdienstleiter, Disponenten, Werkstatt- und Verwaltungspersonal etc. als Gewerkschaft auch mit einem eigenen TV zu vertreten. Doch wollen die das überhaupt?

    Wieso ist es Müll, wenn ich schreibe, dass eben der jeweilige Lokführer nicht alleine die Verantwortung trägt, wenn Sie das auch bestätigen?

  16. 35.

    Ich kenne einen Lokführer, der verdient nicht angeblich 20 € die Stunde, sondern laut Lohnnachweis und elektr. Steuerkarte sogar noch etwas mehr.
    Und im Pflegeberuf tragen wir auch gewaltige Verantwortung, rund um die Uhr und auch an Wochenenden und Feiertagen. Und wir haben sogar ein höheres Coronarisiko, da Patientenkontakt körpernah.
    Aber streikt ruhig, der Leihwagen am Samstag war nicht teurer als das Zugticket, mich stören die Streiks also nicht.
    Hauptsache es jammert niemand, wenn die Zahl der Monatsabos zurück geht. An solche Kleinigkeiten sollte man dabei auch denken.

  17. 33.

    Aber wenn der Job eines lokfuhrers doch angeblich so schlecht bezahlt und so familienunfreundlich ist...

    Jammern auf ganz hohem Niveau. Es wird Zeit, dass die Kunden den GDLern zeigen, was sie von der Sache halten.

    Übrigens wurde das TEG als Folge der GDL Streiks in 2015 geschaffen. Somit ist Weselsky mit seinem Verhalten an dem Gesetz Schuld, dass er nicht akzeptieren will. Selbst vor dem BverfG hat er haushoch verloren

  18. 32.

    Die GDL jammert auf ganz hohem Niveau und ihr Chef verhält sich wie ein Kleinkind, welches seinen Willen nicht bekommt.

    Letztlich sägen die Lokführer an dem Ast auf dem sie sitzen.

    Ich frage mich, wie die Bahnmitarbeiter das Vertrauen der Kunden wiedergewinnen wollen? Fakt ist, dass die absolute Mehrzahl der Kunden kein Verständnis hat. Darüber hinaus sind im Frachtbereich einige Großkunden wegen der Streikmaßnahmen abgesprungen und anderen europäischen Anbietern abgewandert.

    Ich bin gespannt, welche Retourekutsche die Bahn nach Beendigung dieser Kindergartenveranstaltung fährt. Jede Erhöhung der Kosten muss Einsparungen zur Folge haben. Und sparen kann jeder Arbeitgeber nur noch an den Personalkosten.

    Der Sachse merkt nicht mal, dass auch immer mehr andere namhafte Gewerkschafter sein Vorgehen verurteilen.

  19. 31.

    Was hat die Verantwortung mit den Tarifverhandlungen zu tun?

    Fakt ist, dass sich der Weselsky mehr als unprofessionell verhält und an keiner Lösung interessiert ist. Ansonsten würde er am Verhandlungstisch sitzen.

    Die Bahn ist fast vollständig entgegen gekommen. Jetzt sollte er unterschreiben.

    Selbst der Weselsky sollte wissen, dass man bei Tarifverhandlungen nie alle Forderungen durchbekommt.

    Was er jetzt macht sind keine Tarifverhandlungen sondern Erpressung und Nötigung.

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