Tarifstreit Angleichung West-Löhne - Asklepios-Beschäftigte in Brandenburg starten viertägigen Warnstreik

Beschäftigte der Asklepios-Kliniken aus Brandenburg an der Havel, Teupitz und Lübben tragen bei einer Demonstration zum Beginn des viertägigen Warnstreiks in der Potsdamer Innenstadt ein Transparent mit der Aufschrift „Asklepios-Beschäftigte fordern Entlohnung wie bei Asklepios in Hamburg!“. (Quelle: dpa/M. Skolimowska)
Audio: Antenne Brandenburg | 21.09.2021 | Daniel Gaesche | Bild: dpa/M. Skolimowska

Am Dienstag hat ein weiterer Verdi-Streik begonnen, der den Krankenhaus-Alltag durcheinanderwirbeln wird. Betroffen sind drei psychiatrische Asklepios-Fachkliniken in Brandenburg. Die Sicherung von Notdiensten führt zu Ärger.

An den Brandenburger Asklepios-Kliniken sind nach Angaben der Gewerkschaft Verdi am Dienstag mit der Frühschicht etwa 200 Mitarbeiter in den Warnstreik getreten. Die Stimmung sei "kämpferisch", sagte Verdi-Verhandlungsführer Ralf Franke.

In den Kliniken in Brandenburg an der Havel, Lübben und Teupitz (beide Dahme-Spreewald) soll nach Angaben der Gewerkschaft mithilfe des Streiks Druck in den Tarifverhandlungen ausgeübt werden. Eine Notversorgung der Patientinnen und Patienten will die Gewerkschaft sicherstellen.

Verdi: Teilweise bis zu 10.600 Euro weniger im Jahr

Seit April laufen Tarifverhandlungen für die 1.450 Beschäftigten an den drei psychiatrischen Fachkliniken. Die Gewerkschaft kritisiert, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Brandenburg für die gleiche Arbeit teilweise bis zu 10.600 Euro weniger pro Jahr verdienten als ihre Kollegen in den Hamburger Kliniken des Konzerns.

Die Beschäftigten wollten in Brandenburg zu den gleichen Konditionen arbeiten und bezahlt werden, hieß es. Bereits im Juni und im August legten die Beschäftigten in den drei Brandenburger Psychiatrie-Fachkliniken ihre Arbeit für je zwei tage nieder. Auch am 19. Mai wurde gestreikt.

Verdi mit bisherigen Angeboten nicht zufrieden

Die nach Verdi-Angaben in den Tarifverhandlungen bislang von den Arbeitgebern unterbreiteten Tarifangebote weisen noch immer sehr deutliche Differenzen bei der Bezahlung und bei den Wochenarbeitszeiten zu den West-Tarifen auf. Verdi zufolge gehörten zu den Angeboten eine monatliche Einmalzahlung von 100 Euro pro Monat bis April 2022 und ein Erhöhung der Entgelte von zunächst 2,5 Prozent und ab 2023 von dann weiteren 1,6 Prozent.

Die Asklepios-Geschäftsführung lehnt nach eigenen Angaben die von Verdi geforderte Übernahme des Tarifvertrages Öffentlicher Dienst (TVöD) ab mit der Begründung, dass die Kliniken private Unternehmen seien.

Arbeitsgericht verhandelt Antrag von Asklepios

Das Arbeitsgericht Brandenburg verhandelt am Mittwoch einen Antrag von Asklepios auf Unterlassung der Arbeitskampfmaßnahmen im Maßregelvollzug. Hintergrund ist die Sicherung von Notdiensten.

Für 22 von insgesamt 52 Stationen hatte die Gewerkschaft nach eigenen Angaben keinen Notdienst angeboten, da es sich nicht um Akut-Stationen oder Bereiche mit hohem Pflegeaufwand handelt. Die Klinik habe dies als völlig unzureichend abgelehnt und Notdienste für alle Stationen und Tageskliniken verlangt, hieß es.

Sendung: Brandenburg aktuell, 21.09.2021, 19:30 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    @Ralf; Aber die gleiche Arbeit oder sogar mehr Wochenstunden sollen gearbeitet werden. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Das nach mehr als 30 Jahren geeintem Deutschland!

  2. 5.

    Es müsste Stadt-Land Tarife geben. Die Lebenshaltungskosten in Teupitz, Brandenburg adH und dem anderen Dorf, dass ich grad vergessen habe sind doch lange nicht so hoch, wie in Hamburg.

  3. 4.

    Wenn ich das alles so lese, auch die zwei Empfehlungen von Klinikschliessungen gestern im MDR irgendwo in Sachsen-Anhalt, wundert mich nicht, dass das Gesundheitssystem aus dem letzten Lock pfeift. Man hat nichts gelernt.
    Die Politik spart das KKH-wesen zu tode undgibt dem Bürger anschliessend dafür die Schuld dass die Intensivstationen voll sind, weil man auf dem Weihnachtsmarkt war und mit Freunden Glühwein getrunken hat.
    Völlig Banane.

  4. 3.

    "Für 22 von insgesamt 52 Stationen hatte die Gewerkschaft nach eigenen Angaben keinen Notdienst angeboten, da es sich nicht um Akut-Stationen oder Bereiche mit hohem Pflegeaufwand handelt. Die Klinik habe dies als völlig unzureichend abgelehnt und Notdienste für alle Stationen und Tageskliniken verlangt, hieß es." - lustig, normalerweise ist es doch die Geschäftsführung, die als Grund für Unterwanderung der Mindestbesetzung oder der Nicht-Bettensperrung angibt, dass es sich nicht um Akut-Stationen oder Stationen mit hohem Pflegeaufwand handelt...lustig, wenn nicht so traurig.

  5. 2.

    Wieso unglaublich? Wir haben uns für nen Appel und n Ei (in dem Fall für ein paar Bananen und etwas Begrüßungsgeld)verkauft, dann geht es nun einmal so weiter.

  6. 1.

    Es ist unglaublich, dass Arbeitskräfte nach über 30 Jahren Wiedervereinigung immer noch nach "Osttarif" bezahlt werden. Die finanzielle Belastungen in "Ostdeutschland" bzw. in "Ostberlin" sind keinesfalls niedriger als im Westteil. Das verstößt meines Erachtens gegen das Gleichheitsgesetz, weil es keinen sachlichen und objektiven Grund dafür gibt, zumal sicher auch Mitarbeiter dabei sind, die erst nach der Wende geboren wurden und diese werden aufgrund Ihre "territorialen" Herkunft schlechter bezahlt.

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