Vivantes und Charité - Verdi ruft zu Streiks in Berliner Kliniken ab Donnerstag auf

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Bild: dpa/Christoph Soeder

An der Charité, an den Berliner Vivantes-Kliniken sowie bei den Vivantes-Tochtergesellschaften wird ab Donnerstag gestreikt. Die Gewerkschaft Verdi will so den Druck in den Tarifverhandlungen erhöhen.

Im Berliner Krankenhaus-Traifkonflikt ruft Verdi ab Donnerstagmorgen zu unbefristeten Streiks an den Kliniken von Charité und Vivantes auf. Die Vivantes-Tochtergesellschaften für Reinigung, Transporte und Küche sollen zunächst Donnerstag und Freitag ihre Arbeit niederlegen. Das erklärte der Sprecher der Gewerkschaft, Andreas Splanemann, im rbb-Inforadio.

Zahlreiche Beschäftigte, darunter vor allem Pflege- und Servicepersonal, seien zum Streik aufgerufen worden, hieß es. Die Gewerkschaft geht davon aus, dass es bereits in der Anfangsphase des unbefristeten Streiks zu spürbaren Einschränkungen kommen wird. Es sei zum Beispiel davon auszugehen, dass nicht notwendige Operationen oder Krankenhausaufenthalte verschoben werden müssen.

Laut Vivantes bedeutet der Streik, dass in dem Klinik-Konzern innerhalb weniger Tage etwa 850 der knapp 6.000 Betten geschlossen werden müssen. Darunter seien Palliativbereiche mit schwerkranken oder sterbenden Menschen. Vivantes teilte weiter mit, es sei mit Einschränkungen bei den Rettungsstellen zu rechnen.

Streik soll den Druck erhöhen

"Durch den Streik ist weder die Sicherheit oder Gesundheit von Patientinnen und Patienten bedroht, noch gefährdet der Streik die Gesundheitsversorgung Berlins", sagte Verdi-Verhandlungsführerin Meike Jäger nach dem Aufruf. Verdi wolle auf dem Verhandlungsweg eine einvernehmliche Lösung erzielen und sei jederzeit gesprächsbereit. Der Streik solle den Druck erhöhen. Mit dem Mutterunternehmen Vivantes saßen die Verdi-Verantwortlichen am Donnerstagvormittag erneut zusammen. Zu einer Einigung kam es offenbar nicht.

Die Vivantes-Geschäftsführung hatte bereits erklärt, die Gespräche, sofern es zu einem Streik komme, auszusetzen. Sie kritisiert den Zeitpunkt des Streiks als vollkommen unverständlich, denn erst am Montag habe der Klinik-Konzern ein Modellprojekt zur Entlastung der Pflegekräfte vorgeschlagen. Auch ein Charité-Sprecher hatte angekündigt, dass während eines Streiks nicht verhandelt werde. Zuletzt stagnierten die Gespräche.

Überwältigende Mehrheit für unbefristeten Arbeitskampf

Verdi hatte am Montag mitgeteilt, dass die Gewerkschaftsmitglieder bei Charité und Vivantes sowie in den Vivantes-Tochtergesellschaften in einer Urabstimmung mit überwältigender Mehrheit für einen unbefristeten Arbeitskampf abgestimmt haben. Der Donnerstag war als möglicher Startzeitpunkt des "Erzwingungsstreiks" direkt nach der Verkündung genannt worden.

Der Streik sei unbefristet und solle andauern, bis ein Ergebnis vorliege, kündigte Meike Jäger, Leiterin des Verdi-Fachbereichs Gesundheit und Soziales in Berlin und Brandenburg, nachdem das Ergebnis der Urabstimmung verkündet wurde an. Gewarnt habe man genug.

Die Klinikbeschäftigten fordern einen Tarifvertrag mit deutlichen Entlastungen. Er soll für jede Station Normalbesetzungen definieren und einen Belastungsausgleich in Form von Freizeit oder Geld vorschreiben, falls diese unterlaufen werden. Bisher gebe es für Krankenhäuser keine gesetzlichen Vorschriften, die eine bedarfsgerechte Personalausstattung festlegten, so Sylvia Bühler, Mitglied im Verdi-Bundesvorstand. Bisher seien Stationen und Bereiche oft dramatisch unterbesetzt. Daher sei der Streik als "Notwehr" der Beschäftigten zu verstehen, so Bühler weiter.

Sendung: Abendschau, 08.09.2021, 19:30 Uhr

15 Kommentare

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  1. 15.

    Pflegedienst =Schreibtischjob????
    Artikel überhaupt gelesen und einfach nur drauflos geschrieben.
    Ohne Worte. Nur Kopfschütteln.

  2. 14.

    Pflege am Bett ist kein Schreibtischjob

  3. 13.

    Ganz so ist es ja nicht. Bitte nicht übertreiben. Ich habe selbst sehr viele Jahre in diesem Bereich gearbeitet

  4. 12.

    @Mascke

    Vor allem müssen wir uns von der Sozialromantik verabschieden und endlich einsehen, dass wir uns unseren Lebensstandard nicht mehr leisten können.

    Die Sozialabgaben und Steuern werden massiv steigen müssen und die Lohn Preis Spirale sorgt dafür, dass wir uns mit immer höheren Löhnen selbst das Wasser abgraben.

    Hier wurde mehrfach behauptet, dass das Pflegepersonal keine Pausen machen kann und nach Feierabend keine Zeit zum Erholen haben. Aus langjähriger Erfahrung kann ich sagen, dass dem nicht so ist. Allerdings ist bei vielen Pflegekräften zu beobachten, dass sie psychisch immer weniger in der Lage sind, den Job zu machen. Dauernd wird nach mehr Gehalt geschrien. Aber mehr Gehalt sorgt nicht für bessere Arbeitsbedingungen. Pflegepersonal gibt's auf dem Arbeitsmarkt kaum und wenn, dann nur eingeschränkt einsetzbare

    Wie wäre es damit, die Krankenhauslandschaft auszudünnen und das Personal aufzuteilen? In Deutschland gibt es eine unwahrscheinlich hohe Krankenhausdichte. Wir müssen uns angewöhnen, viele Eingriffe nur noch ambulant zu machen und für nicht lebensnotwendige Eingriffe Wartezeiten innkaf nehmen.

    Fakt ist aber auch, dass es wohl mittelfristig zu einer massiven Erhöhung der Beiträge in der GKV kommen muss.

    Da die Politik ja die Pflegeversicherung von einer Teilkasko in eine Vollkasko umbauen will, muss sich auch der Beitrag zur PV erhöhen.

    Leider gibt's kaum Politiker, dass das überholte System der GKV reformieren und den neuen Gegebenheiten anpassen.

    Allein die Familienversicherung ist überholt. Auch die Streichung von Leistungen und das einführen einer Selbstbeteiligung wären nötig.

    Jeder will moderne Medizin ohne Einschränkungen und für jedes Alter - aber höhere Beiträge will keiner zahlen

    Wenn man die Zahnheilkunde, Physiotherapie und Psychotherapie aus dem Leistungskatalog der GKV nimmt und eine kleine Selbstbeteiligung von 10 Eur für jeden Arztbesuch einführt, könnte man die Kosten senken.

    Ebenso wäre es sehr sinnvoll, dass ein Versicherter zwingend einen Durchgangsarzt aufsuchen muss, bevor er ohne Lebensgefahr in die Notaufnahme geht. Der Bürger muss dann ggf eine Zusatzversicherung abschließen. An alle Sozialromantiker: das funktioniert in Norwegen perfekt.

  5. 11.

    Warum muss eigentlcih immer irgendeiner in diesemm verrückten Land streiken?
    Können die nicht einfach mal zufrieden sein mit dem was sie haben?
    Andere müssen mit sehr viel weniger auskommen als Beschäftigte nach TVÖD oder Lokomitivführer!

    Sollten doch froh sein dass sie nicht zu den vielen SGB 1 und SGB 2 gehören oder Spargel stechen müssen für paaar Euro.

    So ein Schreibtischjob mit 2500 bis 3800 Euro im Monat ist doch was bequemes.

  6. 10.

    Viel Erfolg!

  7. 9.

    @Prenzlauer

    Wie soll die Regierung den Pflegekräftemangel beseitigen? Darauf hat sie nur sehr bedingt Einfluss.

    Sicherlich ist Dir bekannt, dass steigende Kosten die Tagessätze der Krankenhäuser erhöhen und somit auch zu steigenden Beiträgen in der GKV führen.

    Fest steht schon heute, dass wir uns den aktuellen Wohlstand nicht mehr leisten können

    Jeder will gute Medizin, aber niemand will starke Erhöhung der Beiträge oder Einschränkungen bei den Leistungen. Aber gerade das wird kommen müssen, gerade im Hinblick auf die Alterspyramide. Weniger Beitragszahler und mehr Rentner bedeutet leider auch, dass die immer höheren Belastungen von immer weniger Schultern getragen werden müssen.

    Daran ändern Bürgerversicherung und Abschaffung der PKV nichts, ganz im Gegenteil

  8. 8.

    @Robert

    Leider gibt's zur Privatisierung von Krankenhäusern keine Alternative. Bevor die Privatisierungswelle einsetzte, wurden viele Krankenhäuser von Kommunen und anderen öffentlichen Trägern betrieben. Das Ergebnis damals war eine Verschuldung und ein Verlust auf Rekordniveau.

    Wenn es die öffentliche Hand nicht könnte und private Unternehmen nicht mehr gewünscht sind - wer soll dann Krankenhäuser betreiben?

    Die Kosten für den Betrieb gehen durch die Decke. Wir alle wollen eine moderne Medizin und verkennen dabei aber, dass die Kosten dafür immer mehr steigen. Letztlich würde das zu einer Erhöhung der Kassenbeiträge führen.

    Das will aber auch niemand.

    Vielleicht sollte man erst mal die Krankenhauslandschaft ausdünnen. Fakt ist, dass wir zuviele Krankenhäuser haben und immer noch zuwenig ambulant betreuen.

    Dann könnte man frei gewordenes Personal bündeln.

    Denn examinierte Fachkräfte gibt's nicht. Daran ändert auch immer mehr Gehalt nichts

    Wir brauchen eine selektive Medizin und eine Eigenbeteiligung bei jedem Arztbesuch.

    Ebenso muss das System der gesetzlichen Krankenversicherung reformiert werden. Die Familienversicherung muss abgeschafft werden. Dann würde jedes mitversicherte Familienmitglied einen kleinen Beitrag zusätzlich zahlen.

    Ebenso sollte man überlegen, bestimmte Leistungen ganz aus der Finanzierung durch die Kasse zu nehmen. Denkbar wäre Zahnbehandlung. Funktioniert in Norwegen ganz gut

  9. 7.

    @Bernd:
    Es ist unverständlich wie man sich so äußern kann.
    Klatschen auf dem Balkon soll reichen? Du verstehst nicht, was die Pflegekräfte leisten und geleistet haben. Du solltest Dich erkundigen und mal mit Betriffenen sprechen. Nirmal ist es nicht, dass alle Pflegekräfte Überstunden machen, über die Belastungsgrenzen hinaus gehen usw. Keiner der Pflegekräfte hatte Zeit zu Verschnaufen, mal abzuschalten und zu entspannen. Gehe Du mal 1 Wiche unter den Arbeitsbedingungen als Pflegekraft arbeiten und sag dann nochmal das Klatschen reicht

  10. 6.

    Komisch ,bei den gdl,ern sind sie für ,hier gegen den Streik
    Sie haben null Ahnung von diesen beiden berufen

  11. 4.

    Die Glaubwürdigkeit an konstruktiven Verhandlungen interessiert zu sein, hat die Vivantes Führung spätestens beim Umgang mit dem Warnstreik verspielt. Daher ist ein Streik bis zu konkreten Ergebnissen absolut gerechtfertigt!

  12. 3.

    Absolut unverständlich! Wie kann das Vivantes Management so etwas zu lassen?!?! Es geht hier um si viele Menschenleben. Die, die gerettet werden sollen, aber auch um die, die retten sollen. Generell sollte die Privatisierung von Kliniken zurückgenommen werden. Kapitalismus abschaffen! Sofort!

  13. 2.

    Ich finde es bedenklich, wenn Hilfs- und Pflegekräfte in der Pandemie-Zeit streiken.
    War nicht Lohn genug, als wir alle auf den Balkonen standen und für sie klatschten?
    Nun muss aber Mal genug sein.

  14. 1.

    Richtig so!
    Wer jeden Tag aufsteht und arbeiten geht, muss auch dafür belohnt werden.
    Damit endlich wieder Fleiß auch belohnt wird.
    Ebenso warten wir seit Jahren darauf, dass die Politik endlich den Pflegekraftmangel beseitigt.
    Wie lange soll das noch dauern???

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