Millionenzuschuss - Berlin rettet Zoo und Tierpark und will künftig mitbestimmen

Eingang zum Zoologischen Garten in Berlin an der Budapester Straße (Quelle: imago images/Zensen)
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Zoo und Tierpark sind Besuchermagneten der Stadt. Doch in der Pandemie brauchten die Tiere weiter Futter und Heizung, Eintrittsgelder aber flossen deutlich weniger. Berlin hilft nun der Stiftung mit einer Millionenhilfe - und stellt dafür Bedingungen.

Die Finanzierung von Zoo und Tierpark in Berlin ist gesichert. Die rot-rot-grüne Koalition verständigte sich jetzt auf ein entsprechendes Konzept, das der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses am Mittwoch beschlossen hat.

Nach der Hilfe mehr Aufsicht durch die Stadt

Dieses Konzept sieht vor, dass die Zoo AG wie geplant 16,5 Mio. Euro erhält. Im Gegenzug soll sich das Unternehmen aber künftig mit dem Senat abstimmen, wenn es die Struktur der Eintrittspreise verändern will, erklärte der Linken-Abgeordnete Sebastian Schlüsselburg nach der Sitzung. Außerdem sollen nun Gespräche darüber aufgenommen werden, ob das Land künftig auch wieder einen Sitz im Aufsichtsrat der gemeinnützigen Aktiengesellschaft bekommt.

Schlüsselburg begrüßte die Entscheidung, Zoo und Tierpark in der aktuell schwierigen Pandemielage finanziell zu helfen, um so auch sicher zu stellen, dass "ein Besuch auch künftig für Menschen mit geringem Einkommen bezahlbar" bleibe.

Jährlicher Zuschuss vom Land entfällt

Der haushaltspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Goiny, kritisierte allerdings das Vorhaben, dass das Land Gesellschafter bei der Zoo AG wird. Dies sei nicht mit dem Aktienrecht vereinbar. Er unterstütze aber die finanzielle Hilfe, diese müsse für dringend notwendige Investitionen eingesetzt werden, so Goiny. Der Linken-Politiker Schlüsselburg allerdings widersprach Goiny Kritik an den Mitsprache-Plänen Berlins. Dem Land stünden zwei Sitze im Aufsichtsrat zu, so Schlüsselburg.

Im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses war die Entscheidung zuletzt zweimal vertagt worden, weil die Regierungskoalitionen genauere Auskunft zur finanziellen Situation von Zoo und Tierpark erhalten wollten. Aus Hauptauschusskreisen hieß es, es sei plausibel geworden, dass der Zoo das Geld benötige. Einerseits sollen damit entgangene Einnahmen durch die Corona-Pandemie ausgeglichen werden. Andererseits erhalte der Zoo damit auch Geld, um sich nach der Krise wieder zu stabilisieren.

Das zwischen Senatsfinanzverwaltung und Zoo verabredete Konzept sieht vor, dass der Zoo künftig im Gegenzug für den einmaligen Zuschuss von 16,5 Millionen Euro auf eine bislang jährlich gezahlte Summe von 380.000 Euro verzichtet.

Sendung: Inforadio, 08.09.2021, 16.20 Uhr

12 Kommentare

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  1. 12.

    Und seine bisherigen Erfolge hier?
    Betriebsvermögen aufgebraucht, Anzahl der Tiere und Arten drastisch verringert - wo genau haben diese wegrationalisierten Tiere jetzt mehr Platz, als vorher bei uns?
    Ich hoffe auf den politischen Aufsichtsrat..

  2. 11.

    Reden Sie doch einfach mal mit Herrn Knieriem über seine Liebe zu Tieren. Sie werden erstaunt sein.
    Oder fragen Sie mal die Hannoveraner und Münchner, wie zufrieden sie mit ihm waren.
    (Wikipedia: "In der Zoo Hannover GmbH arbeitete Knieriem maßgeblich am Umbau zum Erlebnis-Zoo mit", was vor allem für hohe Eintrittspreise sorgte).
    Nicht umsonst ist er jetzt in Berlin...

  3. 10.

    @Markus2

    Welche Erfolge? Viele meiner Kollegen waren heilfroh, dass er München verlassen hat.

    Als Nachfolger standen Knieriem und Prof Hunold aus Leipzig zur Auswahl. Hätte der Senat die von Prof Hunold geforderte Summe zum Umbau des Tierparks bereitgestellt, hätte Berlin einen fähigen Zoologen bekommen.

    Die Eintrittspreise sind sehr günstig. Gerade auch für die 156 ha des Tierparks

  4. 9.

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ihren Worten kann ich mich nur anschließen. Der Senat sollte sich schämen wegen der finanziellen Unterstützung so rum zu eiern. Es müsste noch viel mehr Geld fließen.

  5. 8.

    Sehr richtig. Und man sollte auch nicht seine Erfolge als Direktor des Zoos München Hellabrunn vergessen.

  6. 7.

    Dem kann ich nur zustimmen.
    Und was die Eintrittspreise angeht. Vergleichbare Zoos in deutschen Großstädten sind um einiges teurer.

  7. 6.

    Herr Knieriem ist ein ausgewiesener Experte und arbeitet in Zoo und Tierpark in die richtige Richtung: Mehr Platz für die Tiere hin zu einer (möglichst) artgerechten Gestaltung der Anlagen. Das wichtigste Ziel eines Zoos fördert er ebenfalls: Erhaltung und Nachzucht bedrohter Arten.
    Die Besucherlenkung zu Pandemiezeiten (wir waren zwei Mal bei Pit und Paule) funktioniert sehr gut.
    Für die Pandemie kann niemand was.

  8. 5.

    So, so. Ein Tierarzt kennt sich mit Tierhaltung und Biologie nicht aus? Das wage ich zu bezweifeln.
    Er kennt sich damit sicher mehr aus, als die, die nun in den Vorsitz wollen. Da dürften meiner Meinung nach nur Personen rein, die auch entsprechende Ahnung haben.

  9. 4.

    Und der Direktor Knieriem?
    Ist Tierarzt, nicht Tierpfleger oder Biologe.
    Wirtschaften Fehlanzeige, vor Corona hatte er den Zoo um Millionen Rücklagen "erleichtert" für fragwürdige Projekte.
    Egal wer da in den Aufsichtsrat wechselt, es kann nur besser werden...

  10. 3.

    Finanznot durch die Coronakrise?
    Unter dem letzten Direktor Blaszkiewitz hatte der Zoo große Rücklagen.
    Der Neue, Knieriem, hat diese größtenteils für Neubauten ausgegeben - wie etwa die "tolle" neue EIngangsgestaltung.
    Es wird Zeit, dass die Stadt ihre Aufsichtsratsposten bekommt und Kontrolle ausübt - sonst ist die nächste Pleite vorprogrammiert!

  11. 2.

    Da hat sich Berlin für 43 Jahre aus der Verantwortung herausgekauft ! Ein Schnäppchen. In der Zukunft gibt es dann Geld nur noch an der Kasse, wenn Kunden kommen. Mit Tierwohl-Aufsichts-Ratlosigkeit ist dann ja wohl die Pleite unabdingbar.

  12. 1.

    Da brauchen die Linken wohl noch ein paar gut bezahlte Aufsichtsratsposten. Denn Ahnung haben die ja wohl nicht von Tierhaltung und Wirtschaften.

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