Steigende Preise für Verbraucher - Warum Gemüse gerade so teuer ist

Besucher und Kunden auf einem Berliner Wochenmarkt (Quelle: dpa/Matthias Tödt)
Bild: dpa/Matthias Tödt

Seit vergangenem Jahr sind die Preise für Nahrungsmittel in Berlin und Brandenburg um rund fünf Prozent gestiegen. Besonders Gemüse kostet mehr. Gerade für ärmere Menschen werde das zum Problem, warnen Sozialverbände. Von Roger Schneider

Tomaten, Salat, Kartoffeln - zuletzt sind vor allem gesunde Lebensmittel teurer geworden. Nach Berechnungen der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) sind die Preise für Gemüse seit August 2020 um knapp neun Prozent gestiegen, für Milchprodukte um 4,6 Prozent. Der Preis für Eier ist im Vorjahresvergleich um ganze 17,5 Prozent nach oben geschnellt.

Neben Eiern waren es vor allem Kartoffeln, die den Index für Frischeprodukte mit einem Preisplus von 27,5 Prozent nach oben gebracht haben. Ähnlich sieht es beim Gemüsefavorit der Deutschen aus: Der Kilopreis für Strauchtomaten ist um 15 Prozent auf durchschnittlich 2,50 Euro gestiegen.

Pandemie und schwierige Ernte

Hans-Christoph Behr, Marktanalyst des AMI, nennt hierfür mehrere Gründe. Etwa: "Auf der Produktionsseite sind während Corona die Kosten gestiegen." Mindestabstände auf den Feldern, Hygienevorschriften – für die Landwirte sei die Ernte dadurch teurer geworden. Auf der anderen Seite habe es eine höhere Nachfrage in den Supermärkten gegeben, weil die Leute mehr zu Hause gekocht als in Restaurants gegessen hätten, erläutert Behr.

Auch der kalte Frühling und die Flutkatastrophe im Sommer trügen Mitschuld an einigen Preiserhöhungen. So habe der Regen vielerorts die Salat- und Kohlernten zerstört. Selbst wenn die Ernte überlebte, seien die Traktoren kaum durch die schlammigen Äcker gekommen, sagt Behr. Konsequenz: Ein Kopf Eisbergsalat kostete in diesem August knapp einen Euro, im Jahr zuvor waren es noch 60 Cent.

Rückkehr der Mehrwertsteuer

Ein Nebenaspekt: Seit Beginn des Jahres gilt auch wieder der alte Mehrwertsteuersatz. Um Unternehmen nach dem ersten Corona-Schock zu entlasten, lag dieser für Nahrungsmittel zeitweise bei fünf Prozent. Nun sind es wieder sieben Prozent.

Es gibt aber auch Gemüse, das entgegen des Trends günstiger geworden ist. Greift man zum Beispiel zu Paprika (-9,4 Prozent) oder Salatgurke (-7,3 Prozent), zahlt man im Kilo weniger als noch vor einem Jahr. "Dass es Schwankungen gibt, ist vor allem beim Gemüse normal", erklärt Behr. Der Dürresommer 2018 etwa habe die Preise schon einmal in die Höhe getrieben. Manches Gemüse sei damals sogar noch teurer gewesen als jetzt. Unterm Strich habe die Pandemie für viele Sorten dennoch zu einer spürbaren Grundteuerung geführt, sagt der Agrar-Analyst.

Was, wenn für Gesundes das Geld fehlt?

Der Sozialverband VdK warnt davor, dass eine ausgewogene Ernährung deshalb gerade für ärmere Menschen unbezahlbar werde. "Es ist ein reales Problem, das wir schon jetzt beobachten", sagt die VdK-Präsidentin Verena Bentele. Bei den Gemüsepreisen bleibe für manche nichts anderes übrig, als auf andere Lebensmittel auszuweichen. Die seien zwar billiger, oft aber auch ungesünder - mit entsprechenden Folgen.

Der Regelsatz in Hartz IV und die Grundsicherung sieht pro Tag fünf Euro für Lebensmittel vor. "Das war auch vorher schon viel zu wenig", sagt Bentele. Dass der Regelsatz für 2022 um lediglich drei Euro erhöht werde, sei daher eine Unverschämtheit. Nicht nur beim Einkauf im Supermarkt stoßen Kunden momentan auf steigende Preise. Es sind auch die hohen Energie- sowie Benzinpreise, die die gesamtwirtschaftliche Teuerungsrate von 4,1 Prozent antreiben - ein Wert so hoch wie seit 1993 nicht mehr.

Beitrag von Roger Schneider

15 Kommentare

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  1. 15.

    Ich schließe ich Ihrer Meinung voll und ganz an. Man sollte einfach nur mal in die Prospekte schauen. Dort gibt es jede Woche "Schnäppchen", die ich gezielt dann kaufe und entsprechend verarbeite. Kostet dann zwar ein bisschen mehr Zeit, aber so kann ich mein Essensbudget maximieren. Ich finde Gemüse überhaupt nicht teuer - wie schon erwähnt, Kartoffeln, Möhren und andere saisonale Produkte sind oft Pfennigartikel - von 1 kg Möhren kann ich eine sehr große Suppe basteln, von der ich einige Male essen kann. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind die Lebensmittel in Deutschland doch wirklich super günstig!

  2. 14.

    Gibt es ein Grundrecht auf billige Lebensmittel? Die Abhängigkeit von importierten Lebensmitteln wird in diesen Tagen deutlich und die lokalen Erzeuger können den Bedarf nicht in der gewünschten Menge decken. Also steigen die Preise. Die steigenden Kosten für die Erzeuger darf man auch nicht übersehen. Und der Handel will seine Marge erhöhen. Das normale Spiel der Marktwirtschaft. Soweit ich weiß, haben wir aber in Europa so ziemlich die niedrigsten Lebensmittelpreise.

    Ich esse wenig Obst und eine Preissteigerung ist mir bei den Sorten, die ich esse, nicht aufgefallen. Beim Gemüse habe ich bis jetzt auch noch nichts mitbekommen, obwohl ich viel Gemüse esse. Kann aber auch daran liegen, weil ich saisonal einkaufe.

  3. 11.

    Überhaupt nicht wahr! Jede Woche bei jedem Supermarkt gibt es Specials. Augen auf beim Einkauf!
    Die Preise haben sich nicht ein Deut verändert!

    Netto: Paprika 500g 0,88 Euro / Suppengemüse 0,88 Euro / Möhren 1kg 0,49 Euro

    Lidl: Kartoffeln 5kg 1,99 Euro / Weintrauben 500g 1,49 Euro / Strauchtomaten lose 1kg 1,49 Euro

    Aldi: Bananen 1kg 0,89 Euro / Weintrauben 1kg 1,59 Euro / Äpfel Wetteräpfel 3kg 2,22 Euro

    Kaufland: Weintrauben 500g 1,00 Euro / Mango Stk. 1,00 Euro / Rosenkohl Netz 500g 0,77 Euro / Orangen 1,5kg 1,99 Euro / Möhren 1kg 0,79 Euro / Kartoffeln 2,5kg 1,79 Euro / Dt. Tafeläpfel 2kg 2,49 Euro

    Edeka: Dt. Tafeläpfel 2kg 1,99 Euro / Eisbergsalat Kopf 0,69 Euro / Blumenkohl Kopf 0,99 Euro / William Christ Birnen 1kg 1,99 Euro / Kartoffeln 2kg 1,29 Euro

  4. 10.

    Augen auf beim Gemüsekauf. Gurken letzte Woche bei Netto für 0,39 Cent und Strauchtomaten das Kilo für 1,99. Kartoffeln aus Sachsen für 1,49 Euro. Möhren für 0,99 Cent und die Mango als Luxus für 1,19 Euro oben rauf. Wo ist das Problem ?

  5. 9.

    Die in D eingeführte CO2-Steuer ist in dieser Form und ohne Ausgleich ein unverschämter Griff in die Taschen der Bürger. Es wird ja nicht nur Benzin + Diesel verteuert, auch Heizen, Waschen, Kochen. Und nicht ein Klimaproblem wird gelöst, keine Überproduktion reguliert z.B. bei Autos, TV oder Handys, oder der Massentierhaltung. Gegen den irren cloud-Energiebedarf wird nicht einmal von den fff protestiert. Ne, so geht Klima-Rettung nicht, so geht Plündern.

  6. 8.

    Und dann wird von einigen so ein Geschreie um den Mindestlohn von 12 Euro gemacht. Über den niedrigen ALG2 Satz brauchen wir gar nicht erst reden. Bei der momentanen Preisentwicklung sind die 12 Euro ohnehin nur der Ausgleich. Wenn überhaupt. Normalerweise müsste der Mindestlohn sogar noch höher liegen.

  7. 7.

    Das wird leider erst der Anfang der Teuerung sein. Die Politiker merken das natürlich nicht mit ihrem Einkommen. Vor allem die Geringverdiener, die die steigenden Wohnraumnebenkosten auch noch aushalten müssen, werden da Probleme bekommen. Das ist auch der Preis der CO2 Steuer, denn die Unternehmen und Großkonzerne geben jede Kostenerhöhung an uns Verbraucher weiter. So funktioniert Kapitalismus eben.

  8. 6.

    Was ich im Zuge dessen oft unverständlich und auch unverschämt finde ist, dass unverpacktes Gemüse um ein Vielfaches teurer ist als verpacktes.

  9. 5.

    Was der RBB völlig vergessen hat ist der Fakt, dass auch entsendete Arbeitskräfte den Mindestlohn erhalten müssen. Dies wurde in Deutschland aktiv umgangen in dem man Erntehelfer über Vermittlerfirmen aus dem Ausland eingekauft hat. Das geht nicht mehr und ist illegal. Also anwerben kann man die Arbeitskräfte noch aber man muss den Mindestlohn (den deutschen) zahlen.

    Dies und die Lockdowns sind der Grund für steigende Preise und nicht so ein Unsinn wie "Mehrwertsteuer".
    Wenn ihr einen Salat und ein Bund Möhren kauft dann fallen die 7% gar nicht in's Gewicht.

  10. 3.

    Warum jetzt schon jammern? Alle wollen dem Klimawandel entgegentreten. Sogar ALDI will z.B. nur noch Fleisch von "glücklichen" Tieren anbieten. Auch der ökologische Anbau von Obst und Gemüse scheint teurer zu sein als konventionelle Landwirtschaft. Im Ergebnis werden auch die Lebensmittelpreise weiter steigen.
    Keiner wird so weiter leben wie bisher, meinen (sinngemäß) die neuen Regierungsvertreter.

  11. 2.

    Kurze einfache Antwort: Weil gerade alles teurer wird und die Lebensmittelbranche genauso gierig mitspringt....Kraftstoff, Heizöl, Bahn, Porto, Baustoffe....Es herrscht gerade Erntezeit. Der Verbraucher ist da, um geschöpft zu werden, er ist ja auch geduldig und brav.

  12. 1.

    Ich muß jetzt leider hier einmal buchstäblich Erbsen zählen: der Anteil für Nahrungsmittel beträgt 152, 33. Bemessen ist das für 30 Tage, in den sechs Monaten mit 31 Tagen bleiben genau 4,91 täglich, macht in der Woche 34,40. Das ist sehr sehr wenig, selbst für eine sehr sparsame Person. Da andere Bereiche auch zu knapp berechnet sind kann man nichts von diesen abzwacken .
    Zur Übersicht vom Paritätischen WV:
    https://www.labournet.de/wp-content/uploads/2020/07/regelsatz2021.jpg

    Die "Erhöhung" des Regelsatzes ab Januar 2022 um 3 Euro ist de facto eine Kürzung, denn die Inflation alleine ist schon viel höher. (müßten mind. 18 Euro sein) Auch die Preisentwicklung wird nicht abgebildet.

    Hintergrund seien statistische Gründe, so Pressesprecherin Parissa Chagheri vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS
    https://www.hartziv.org/news/20210930-preissteigerungen-werden-erst-2023-im-hartz-iv-regelsatz-beruecksichtigt.html

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