Arbeitskampf in Berlin - Gorillas-Kuriere protestieren vor Unternehmenszentrale gegen Kündigungen

In Berlin haben Fahrer des populären Lieferdienstes Gorillas erneut gegen schlechte Arbeitsbedingungen gestreikt. Die MitarbeiterInnen stellten vor einer Gorillas-Filiale ihre Fahrräder aus Protest auf den Kopf. (Quelle: Twitter / Gorillas Workers Collective)
AUDIO: Inforadio, 06.10.2021, 15:30 Uhr, Annette Miersch | Bild: Twitter / Gorillas Workers Collective

Seit Wochen protestieren Fahrer des Lieferdienst-Start-ups Gorillas gegen schlechte Arbeitsbedingungen. In Berlin wurden nun offenbar Hunderte Beschäftigte wegen der Teilnahme an Streiks entlassen.

Vor der Zentrale des Unternehmens Gorillas in Berlin-Prenzlauer Berg haben am Mittwochmittag mehrere Dutzend Menschen gegen die Kündigungen mehrerer Hundert Mitarbeiter und für bessere Arbeitsbedingungen bei dem Lebensmittel-Lieferdienst protestiert.

Eine Vielzahl von Kurier-Fahrern ist dafür seit Freitag im Streik. Das Unternehmen habe deshalb rund 350 Fahrern gekündigt, sagte Maren Ulbrich von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi dem rbb-Inforadio. Bei den 350 Fahrern soll es sich um Mitarbeiter des Start-ups in Berlin handeln, sagten Fahrer rbb|24. "Fast alle Mitarbeiter im Bergmannkiez, Gesundbrunnen und Schöneberg sind heute entlassen worden", teilte das Gorillas Workers Collektive mit. Eine offizielle Bestätigung durch das Unternehmen lag zunächst noch nicht vor.

Gekündigt wegen Teilnahme an Streik

Die Gewerkschaft rät den Kurieren, sich gewerkschaftlich und innerbetrieblich zu organisieren. Ein Betriebsrat soll bereits in Gründung sein. Mit dem unangekündigten, nicht gewerkschaftlich organisierten Streik würden sich die Mitarbeiter jedoch in einer rechtlichen Grauzone befinden, so Ulbrich.

Auch Gorillas-Kuriere bestätigen gegenüber rbb|24, die Kündigung am Dienstag telefonisch erhalten zu haben. Als Grund wurde ihnen die Teilnahme an "illagalen" Streiks genannt.

Gorillas wirft den gekündigten Fahrradkurieren vor, ihr Streik sei illegal. Streikende hätten Notausgänge in Warehouses blockiert und die Betriebssicherheit gefährdet. Die Rider widersprechen allerdings den Anschuldigungen und verweisen auf die Polizei, die während des Streiks anwesend war. Hinter der Aktion vermuten sie den Versuch des Start-ups, sie zu ersetzen.

Gorillas bald eine Milliarde Euro wert

Das Unternehmen wiederum erklärt schriftlich, man sei um einen konstruktiven Dialog bemüht und habe bereits viele Verbesserungsvorschläge umgesetzt. Weitere Änderungen seien geplant: unter anderem ein neues Bonussystem für die Fahrer, mehr Sicherheitsausrüstung und die Einstellung vieler neuer Kuriere.

Das rasch wachsende junge Unternehmen soll in Berlin inzwischen knapp 2.000 Angestellte haben, bundesweit um die 10.000. Gorillas könnte nach Medienberichten bald einen Unternehmenswert von mehreren Milliarden Euro haben. Der Schnell-Lieferdienst wird durch Investorengelder finanziert und ist auf Expansionskurs.

8 Kommentare

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  1. 8.

    Der Druck kommt durch die Investoren, Gorilla muss Gewinne einfahren. Solche Unternehmen machen in den ersten Jahren immer Verlust, somit kann man die Arbeiter gar nicht fair bezahlen! Ich würde bei so einer Firma überhaupt nicht anfangen zu arbeiten, nur durch Ausbeutung gehen die Zahlen nach oben.

  2. 7.

    Sind gut bezahlte Arbeitsplätze überhaupt in Bezirken wie Prenzlauer Berg, Kreuzberg oder Friedrichshain überhaupt erwünscht? Man zieht sich damit schnell den Zorn der Nachbarn auf sich. Die wollen ihre verträumte Lebensweise mit geringem Einkommen beibehalten.

  3. 6.

    Jetzt müsste sich nur ein investigativer Reporter finden, der bei denen, die telefonisch über ihre Kündigung informiert worden sind, mittlerweile ein Brief eingetroffen ist.

  4. 5.

    Ich find das ganze Theater unterhaltsam. Diese **Lieferdienste** braucht echt keen Mensch . Bei soviel negativer Medienpräsenz geht die Branche von alleine kaputt. Ich weiß bei meiner Einstellung was ich für Arbeitsbedingungen bekomme. Oder wurden die Verträge in einer anderen Sprache aufgesetzt ? Und außerdem dieses ganze Englisch Blödsinn braucht auch kein Mensch

  5. 4.

    Warum starten die Streikenden nicht eine eigene Unternehmung die dann garantiert besser funktioniert und höhere Löhne einspielt??

  6. 3.

    Warum wird in Englisch gestreikt? Ist das nicht Berlin?

  7. 1.

    Telefonische Kündigungen sind in Deutsch unwirksam. Jede Kündigung eines Arbeitsverhältnisses bedarf einer schriftlichen Kündigung.

    Gorilla macht es sich zu einfach.

    Finde aber schon, dass in den entsprechenden Liefergebieten die Leute auch selbst einkaufen gehen können. An jeder Ecke gibt es Einkaufsmöglichkeiten, nutzt diese und fördert lieber den kleinen Gemüseladen etc ums Eck statt es einem Konzern in den Rachen zu werfen, der schon von Beginn an Negativschlagzeilen schreibt.

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