Größter Geldgeber ist Delivery Hero - Lieferdienst Gorillas bekommt fast eine Milliarde Dollar von Investoren

Di 19.10.21 | 11:19 Uhr
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Ein Beschäftigter des Lieferdienstes Gorillas trägt einen Rucksack und steht vor den Fahrrädern. (Quelle: dpa/Annette Riedl)
Audio: radioBerlin 88,8 | 19.10.2021 | Ricardo Westphal | Bild: dpa/Annette Riedl

Der Berliner Lieferdienst Gorillas bekommt fast eine Milliarde Euro von Investoren. Das neue Kapital soll in die technologische Entwicklung und das Marketing fließen. Dabei kritisieren Kuriere des Start-Ups befristete Verträge und mangelnde Ausrüstung.

Der Lebensmittellieferdienst Gorillas hat fast eine Milliarde Dollar (858 Millionen Euro) von Investoren eingesammelt. Größter Geldgeber ist die Lieferplattform Delivery Hero mit 235 Millionen Dollar, wie beide Unternehmen am Dienstag mitteilten. Delivery Hero, 2011 in Berlin gegründet, hält damit nun rund acht Prozent an Gorillas.

Weitere Investoren sind etwa der Technologiekonzern Tencent aus China, die US-Investmentgesellschaft Coatue oder die in Peking ansässige Beteiligungsgesellschaft DST Global. Das neue Kapital soll nach Angaben von Gorillas in die technologische Entwicklung und das Marketing fließen; die Präsenz in den bestehenden Märkten solle ausgebaut werden. Zuletzt hatte es bereits Medienberichte über einen bevorstehenden Einstieg gegeben.

Chinesischer Technologiekonzern Tencent steigt ein

Insgesamt konnte Gorillas laut Mitteilung von der Investorengruppe, zu der auch der chinesische Technologiekonzern Tencent gehört, eine Milliarde US-Dollar einsammeln. Die Unternehmensbewertung lag demnach vor dem frisch eingesammelten Geld ("Pre-Money-Bewertung") bei 2,1 Milliarden US-Dollar.

Gorillas war 2020 von Kagan Sümer in Berlin gegründet worden. Die Fahrradkuriere des Unternehmens liefern mittlerweile in insgesamt 22 deutschen Städten Lebensmittel aus. Die Besonderheit ist dabei die Lieferzeit: Lebensmittel werden innerhalb von zehn Minuten geliefert. Möglich ist dies durch ein dichtes Netz von Zwischenlagern in den Städten, in denen der Dienst angeboten wird.

Das Startup sei "enorm gewachsen", erklärte Delivery Hero. Gorillas habe in den vergangenen sechs Monaten über 140 Lager eröffnet und 4,5 Millionen Bestellungen ausgeliefert. Gorillas ist demnach in neun Ländern tätig: Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Spanien, Großbritannien und USA. Auch Delivery Hero hat mit seiner Marke Foodpanda ein ähnliches Angebot im Portfolio.

In den Schlagzeilen war Gorillas zuletzt vor allem wegen eines seit Monaten andauernden Streits um die Arbeitsbedingungen. Ein Zusammenschluss von Mitarbeitern, das "Gorillas Workers Collective", kritisiert unter anderem befristete Verträge, mangelnde Ausrüstung für Fahrer sowie eine schlechte Dienstplanung. Gorillas betont stets, die Kritik ernst zu nehmen und viele Punkte bereits verbessert zu haben. Allerdings wurden Anfang des Monats mehrere Hundert Kuriere entlassen, nachdem sie sich an Streiks beteiligt hatten.

Audio: radioBerlin 88,8, 19.10.2021, 17:10 Uhr

18 Kommentare

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  1. 18.

    "Zum Ausbeuten gehören zwei." Genau, sollen sie doch Kuchen essen...

    Ihr "selbst schuld, sollen sie doch einen anderen Job machen" ist zynisch und arrogant.

  2. 17.

    Zum Ausbeuten gehören zwei. Schauen Sie sich den Organisationsgrad der Arbeitnehmer im Allgemeinen und bei G. Im Speziellen an, ebenso die Mitgliedschaften in den Arbeitgeberverbänden

  3. 16.

    Nicht nur das. "Delivery Hero-Chef Niklas Östberg: „Ich bin kein Fan von Tariflöhnen“.

    Diese "Firmen" existieren ausschließlich aufgrund von Ausbeutung.

    "Weitere Investoren sind etwa der Technologiekonzern Tencent aus China, die US-Investmentgesellschaft Coatue oder die in Peking ansässige Beteiligungsgesellschaft DST Global."

    Das Who is Who der Ausbeuterfirmen. Jeder der dort bestellt sollte sich in Grund und Boden schämen.

  4. 15.

    Tja, damals ... Und heute schmecken Ihnen die Brandenburger Äpfel nicht mehr. Dabei ist Elstar die in der Region am häufigsten angebaute Sorte

  5. 14.

    Es ist m. E. nicht nur Faulheit, die dazu führt, es ist auch die organisierte Selbstverstrickung, was das praktizierte Leben im Minutentakt angeht.

    Das Nichtpraktizieren der Fähigkeit, Lebensmitteln mit eigenen Augen und eigener Nase Gewahr zu werden, bevor sie in den Einkaufskorb wandern, empfinde ich jedenfalls als Kulturverlust. Die Generation Mikrowelle besitzt im Zweifelsfall kein Vermögen mehr, Essen selbst zu kochen, zu braten und zu dünsten, die Generation Food-Delivery kein Vermögen mehr, vorausschauende Einkaufsplanung zu betreiben, das eigene Essverhalten adäquat einzuschätzen und Beides zusammenzubringen.




  6. 13.

    Geht wieder selber einkaufen, dann erledigt sich das Problem von selbst, aber: Faulheit ist geil oder was...

  7. 12.

    Man muss nur genug menschenverachtende Jobs sowie Strukturen schaffen und schon sind die Chinesen im Boot, lieferdienste kaufen sich ein und ein sogenannter Gründer macht die Kohle auf dem Rücken der "Rider". Ich gehe weiter in Läden einkaufen. Fertig.

  8. 11.

    Finsterster Kapitalismus @ its best. Aber es fängt natürlich immer bei den Kunden an…

  9. 10.

    Werde weiterhin mit dem eigenen Auto alle 14 Tage Einkaufen gehen, es sei denn mir werden die Lebensmittel in gleicher Qualität, zum gleichen Preis, bis vor bzw. umsonst in die Wohnung gebracht. Für uns ist es immer mit einem kleinen Ausflug verbunden, man muss sich halt organisieren, so das das Auto sinnvoll für Transport und Freizeit gleichzeitig genutzt wird und die wenige freie Zeit auch. Mit Bus und Bahn wuerde das Stunden dauern und in dem Umfang gatnicht möglich sein.

  10. 9.

    Gorillas, Flink und Co. sind ein klarer Fall für’s Kartellamt. Stichworte Dumping, unlauterer Wettbewerb, Wettbewerbsverzerrung … Denn von Kapitalgebern hoch subventioniertes, da von vornherein hoch defizitäres Geschäftsmodel zu Ungunsten und Schaden des Wettbewerbs.

  11. 8.

    Nun, FAHRRAD ist ja in China normal... allerdings ohne Betriebsrat, Radwege und StVO...

  12. 7.

    Im Prinzip haben Sie Recht, aber es gibt tatsächlich immer zwei, einer, der es macht, und einer, der es mit sich machen läßt.

  13. 6.

    Dichtes Netz von Filial-Lagern !
    Gut, dass in den Altbau-Kiezen ausreichend Viele und Große Gewerbe-Immobilien, sprich Laden-Wohnungen zu günstigen Preisen an sozialschwächere Menschen vermietet sind. Einige Laden-Geschäfte könnten bestimmt auch aus Spielhöllen zurückgewonnen werden. Da können Immobilien-Besitzer Ihre Einkünfte aufbessern. Studenten und Schüler können wieder etwas dazu verdienen, sind stundenlang an der frischen Luft und nach der Arbeit zu müde um Partys zu feiern, zu demonstrieren oder zu lernen ! - Da hat die "Freie" Wirtschaft den Politikern wiedermal gezeigt, wie man Probleme verlagert ! Berlin, Berlin, wir gehen nach Berlin

  14. 5.

    Die Tatsache, dass jetzt China und wer sonst noch aus dem sehr kapitalistisch und rücksichtslos handelnden Ausland einsteigen, lässt Schlimmes ahnen. Das übliche Muster: Es werden sogenannte "start-up" gegründet, den Mitarbeitern gesagt, dass sie wegen des start-ups nur wenig verdienen können. Sobald die schlecht bezahlten Mitarbeiter das start-up-Unternehmen erfolgreich gemacht haben, wird es - wie von vornherein geplant - von den reichen Konzernen übernommen. Die Mitarbeiter gehen mehr als lehr aus. Was für eine Riesen-Schweinerei!

  15. 4.

    Sehr richtig alles beschrieben. Ja, es sind Sklaven der Neuzeit. Wir sind früher für ältere Leute einkaufen gewesen. Zuerst zu Fuß weil ich kein Fahrrad hatte. Gerade unsere Nachbarin nebenan war davor stets spendabel; reichte über den Zaun aufgeschnittenes Obst. Sie sah uns beim spielen zu. So war das damals. Wir Kinder wurden ja auch ganz anders erzogen. Wenn ich nach dem Einkauf alles abgestellt hatte gab es erst mal ein Glas Saft und dann so 30 Pfennig Belohnung.

  16. 3.

    Jeder, der egoistisch innerhalb von 10 Minuten beliefert werden will, fördert meiner Ansicht nach die Verletzung des Arbeitsrechts in Bezug auf Arbeitsbedingungen und des Arbeitsrechtes im Allgemeinen. Von der Wertschätzung festangestellter Mitarbeiter mal ganz abgesehen. Unter dem Motto: "Mir doch egal, wenn sich Arbeitskräfte darauf einlassen".... Wer braucht denn eigentlich Lebensmittel innerhalb von 10 Minuten? Statt in technologiesche Entwicklung und Marketing zu investieren, sollten die Lieferanten vom Arbeitsgeber Gorillas mit allem ausgestattet werden, was für die Ausübung der Tätigkeit erforderlich ist: Fahrräder, Mobiltelefone, Bekleidung etc. Dazu gehört auch die Einhaltung des Arbeitszeit- und Urlaubsgesetzes, Pausenzeiten, Lohnfortzahlung etc. Es wird Zeit, dass solche Unternehmen vom Gesetzgeber gründlich überprüft werden. Und die Einhaltung der StVO? Was ist das? Wer zu spät kommt, wird mit Sanktionen belegt. Das ist Sklavenhaltertum!

  17. 2.

    "Delivery Hero, 2011 in Berlin gegründet, hält damit nun rund acht Prozent an Gorillas."
    Und irgendwann vernascht Delivery Hero dann Gorillas wie ihre Kunden den matschig gelieferten Vegansnack...
    Hicks.. und Rülps... schon ist Gorillas weg.
    Monopoly der Lieferdienste sozusagen... wer bekommt zu erst das Monopol.

  18. 1.

    Jeder Mensch weiß natürlich selbstredend, dass eine Lebensmittel-Zustellung in dem versprochenem Zeitraum nur unter Verletzung von Verkehrsregeln geschehen kann. Diese fast schon systematische Außerachtlassung von Verkehrsregeln wird gegenwärtig aus Rücksichtnahme gegenüber geschäftlichen Belangen toleriert.

    Nicht alles, was Rad fährt, ist "grün." Das Wissen darüber, dass zusätzlich noch ein verlängerter Zeithorizont, keineswegs aber ein verkürzter Zeithorizont gehört, schien einmal Konsens für Ökologen der 1980er Jahre zu sein. Heute wird von der Praxis her dahinter zurückgefallen, oft auch schon von den davorliegenden Gedanken her.

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