Berlin-Neukölln - Tausende demonstrieren für bessere Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern

Teilnehmer tragen bei einer Demonstration der Berliner Krankenhausbewegung unter dem Motto "Wir helfen euch - Wer rettet uns?" Transparente und Plakate, u.a. mit der Aufschrift "Jetzt reicht es - TVÖD für alle". Mehr als 2000 Menschen haben laut einer Verdi-Sprecherin in Neukölln für mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen in Berliner Kliniken demonstriert. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Video: rbb|24 | 09.10.2021 | Material: Abendschau | Bild: dpa/Christophe Gateau

Entlastung per Tarifvertrag - das ist eine der Hauptforderungen der Berliner Krankenhausbewegung. Am Samstag nahmen mehrere Tausend Menschen an einer Protestaktion in Neukölln teil.

Mehrere Tausend Menschen demonstrierten am Samstagnachmittag in Neukölln für mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen in Berliner Kliniken. Eine Verdi-Sprecherin sprach von mehr als 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Polizei von einer Zahl "im unteren vierstelligen Bereich". Die Berliner Krankenhausbewegung, die zu der Demonstration aufgerufen hatte, nannte eine Teilnehmerzahl von 5.000.

Der Protest stand unter dem Motto "Wir retten euch - Wer rettet uns?". Unterstützung erhielt die Krankenhausbewegung dabei vom Deutschen Gewerkschaftsbund (Bezirks-DGB Berlin-Brandenburg).

Die Demonstranten zogen vom Hermannplatz zum Urban-Krankenhaus, wo eine Zwischenkundgebung geplant war. Anschließend gingen sie weiter zum Willy-Brandt-Haus der SPD. Auf Transparenten wurden Slogans gezeigt wie "Die Pflege wird zum Pflegefall", "Gesundheit statt Profite", und "TVöD für alle" - gemeint ist der Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst. Laut eines Polizeisprechers verlief die Demo friedlich.

Streikende fordern unter anderem mehr Personal

"Wir streiken schon seit fast 30 Tagen! Und noch immer kommen wir am Verhandlungstisch kaum voran", teilte die Bewegung auf ihrer Internetseite mit. Senat und Abgeordnetenhaus müssten für die Krankenhausmitarbeiter "in die Puschen kommen" und Geld bereit stellen, forderte die Verdi-Sprecherin.

Der Vorsitzende der Krankenhausbewegung, Christian Hoßbach, sagte am Freitag, die Kolleginnen und Kollegen an den Berliner Krankenhäusern setzten sich seit Monaten zu Recht für eine Verbesserung ihrer Situation ein. "Mehr Personal ist wichtig für die sichere Versorgung der Patient*innen – für eine gute Gesundheitsversorgung der Berliner Bevölkerung", erklärte die Krankenhausbewegung ihr Anliegen. Zudem verwies sie auf das aktuell ergangene Angebot für die Charité-Beschäftigten durch den Arbeitgeber als Teilerfolg des Protests der Initiative.

Auf den Beschäftigten lastet großer Arbeitsdruck

Hintergrund des Protestes sind die vor allem von den Beschäftigten kritisierten Arbeitsbedingungen an vielen Krankenhäusern. Viele Pflegekräfte arbeiten aufgrund des Personalmangels oft an der Belastungsgrenze.

Derzeit streiten der Senat sowie der landeseigene Klinikkonzern Vivantes und dessen Tochterunternehmen mit den Arbeitnehmervertretern über mögliche Tariferhöhungen und bessere Arbeitsbedingungen. Die Beschäftigten wollen erreichen, dass ihre Forderungen in entsprechenden Tarifabschlüssen festgeschrieben werden.

Die Streiks bei den Vivantes-Töchtern hatten am 9. September begonnen und sollen am kommenden Donnerstag ausgesetzt werden. Das hatte die Gewerkschaft Verdi am Freitag angekündigt. Grund dafür ist, dass am 14. Oktober die Tarifverhandlungen wieder aufgenommen werden.

Erste Einigung zwischen Charité und Gewerkschaft

Einen ersten Erfolg verkündeten in dieser Woche die ursprünglich ebenfalls bestreikte Charité und Verdi. Beide Seiten haben eine grundsätzliche Einigung erzielt. Die Eckpunkte werden nun zu einem Tarifvertrag ausgearbeitet. Der Streik an den Charité-Kliniken wurde daher ausgesetzt. In einer gemeinsamen Erklärung [charite.de] nannten die Verhandlungspartner die Entlastung der Beschäftigen als Ziel. Beide Seiten streben demnach an, sich innerhalb von fünf Wochen auf einen Tarifvertrag zu einigen.

Bei Vivantes selbst dagegen geht der Ausstand weiter. Zuletzt trafen sich die Tarifparteien am vergangenen Freitag, um weiter zu verhandeln, wie Mitarbeitende in der Pflege entlastet werden können. Neues Personal zu finden, ist seit Jahren ein großes Problem - der Markt ist so gut wie leergefegt.

Bei den Vivantes-Tochtergesellschaften war zuletzt am 24. September verhandelt worden. Während es beim Mutterkonzern um Personalbesetzung und Stellenaufbau geht, verhandelt Verdi bei den Vivantes-Tochtergesellschaften höhere Gehälter im Tarifvertrag für die Mitarbeitenden. "Ich hoffe, dass schnellstmöglich ein neuer Termin kommt", sagte Verdi-Verhandlungsführer Ivo Garbe über die aktuelle Verhandlungssituation.

7 Kommentare

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  1. 7.

    Viele Kommentare gibt es in der Regel nur bei großem Widerspruch. Ich glaube bei dem Thema ist sich die Bevölkerung zum großen Teil einig. Nur leider wird noch lange nichts getan,nur weil es eine große Mehrheit für etwas gibt. Kenn man von anderen Themen. Mit anders wählen lösen sich solche Probleme leider auch nicht wirklich.

  2. 6.

    Wie sehr dieses Thema juckt, sind man ja an der Anzahl der Kommentare.
    Die Fenster und Türen zum allabendlichen klatschen aufmachen ist schnell erledigt.
    Sich als "Normalo" hingegen mit den Kollegen aus den Häusern zu solidarisieren geht wohl zu weit.
    Es wird der Tag kommen, wo man als Patient oder Angehöriger partizipieren möchte.
    Dann, ja dann wird das Geheule über die Bedingungen wieder groß sein und zeigt sich völlig entsetzt.
    So ist er halt, der Homo Sapiens in unseren Breiten, leider. :(

  3. 5.

    Ein wichtiger Schritt zur Personalmangelbeseitigung wären adäquate Weiterbildungs- und Qualifizierungsprogramme für bereits im Gesundheitssystem arbeitende Menschen. Wenn Pflegehelfer*innen seit Jahren in den Berufen arbeiten, aber in der berufsbegleitenden Ausbildung auf einmal wieder bei knapp 1000€ brutto einsteigen, dann läuft noch nicht genug schief im Gesundheitssystem..
    Eine leistungsgerechte Bezahlung, sowohl in der Ausbildung als auch später im Arbeitsmarkt, ist das A und O um Anreize zu schaffen.

  4. 3.

    Nun den ersten Kommentar kann ich mich nicht anschließen, wir hatten hier in Berlin 5 Jahre Rot-Rot-Grün, und geändert hat sich wenn ich mich nicht irre an den löhnen auch nicht unbedingt viel. Aber gut das bleibt jedem selber überlassen wie er es sehen möchte, zu dem Namen Karl Marx fällt mir eigentlich nur folgendes ein: ein Sohn von industriellen der zeitweise vom Erbe gelebt hat und den Rest seines Lebens von der Gutmütigkeit anderer Menschen. Also auch nicht unbedingt ein tolles Beispiel. Ansonsten muss
    sich natürlich wirklich was ändern im Krankenhaus und Pflegebereich, dass es nicht damit getan dass man Pflegekräfte aus dem Ausland holt, denn in Deutschland gibt es genug ausgebildete Pflegekräfte; es liegt einzig und allein an den Arbeitsbedingungen dass wir zu wenig haben. Da sind wir uns sehr wahrscheinlich alle einig.

  5. 1.

    Leider scheint dieses Thema niemanden zu interessieren, sonst hätten mehr Menschne die Linke gewählt! Nein ihr wolltet das der Markt das regelt, bitte schön und herzlichen Glückwunsch! Hauptsache fressen, saufen, Auto und in Urlaub fahren und fernsehn!

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