Tarifstreit in Brandenburg - Gewerkschaft Verdi kündigt weitere Streikwelle an Asklepios-Kliniken an

Mo 25.10.21 | 13:10 Uhr
Archivbild: Mitarbeiter der Asklepios-Kliniken demonstrieren am Gesundheitsministerium für bessere Arbeitsbedingungen. (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Audio: Inforadio | 25.20.2021 | Y. Krause | Bild: dpa/Jens Kalaene

Noch während der Streik an den Asklepios-Kliniken läuft, kündigt die Gewerkschaft Verdi weitere Streikwellen an. Den Streikenden geht es dabei um die Anpassung der Brandenburger Gehälter an die der Hamburger Standorte.

In der laufenden Tarifauseinandersetzung für die Beschäftigten der Brandenburger Asklepios-Kliniken hat die Gewerkschaft Verdi weitere Streikwellen angekündigt. Mitte der Woche werde darüber entschieden, sagte Gewerkschaftssekretär Ralf Franke am Montag. Es werde nicht durchgängig gestreikt, um die medizinische Versorgung vor Ort zu sichern.

Am Mittwoch endet zunächst mit Ende der Nachtschicht der sechstägige Streik von bis zu 150 Mitarbeitern an den drei Standorten in Brandenburg an der Havel, Teupitz und Lübben. "Die Arbeitgeber haben nun Zeit, neue Angebote zu unterbreiten", sagte Franke. Für Dienstag
ist eine zentrale Streikdemonstration und Kundgebung in Lübben angekündigt.

Die Forderung: Anpassung der Brandenburger Gehälter

Seit April 2021 führen verdi und die Asklepios-Kliniken Brandenburg Tarifverhandlungen für die 1450 Mitarbeitenden, darunter für die rund 1.300 nichtärztlichen Beschäftigten der drei Standorte. Hintergrund des Arbeitskampfes ist laut Verdi, dass die rund 1.450 Brandenburger Beschäftigten für die gleiche Arbeit teilweise bis zu 10.600 Euro weniger im Jahr verdienen als ihre Kollegen an den Hamburger Standorten des Konzerns. Die Gewerkschaft verlangt gleiche Konditionen - bei einer Urabstimmung Anfang des Monats hatten knapp 91 Prozent der befragten Mitglieder für unbefristete Streiks gestimmt.

Bisher keine Einigung

Der letzte Vorschlag der Arbeitgeber sah nach eigenen Angaben je nach Berufsgruppe höhere Gehälter innerhalb der zweijährigen Laufzeit von bis zu 16 Prozent vor. Die Gewerkschaft bezeichnet das als Behauptung und widerspricht. Nach Berechnungen von Verdi entspräche dies nur einer Gehaltssteigerung zwischen 4,1 bis 8,5 Prozent, sagte Verdi-Verhandlungsführer Ralf Franke der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. Hinzu käme eine einmalige Corona-Sonderzahlung von 1.200 Euro, für die es aber ein Jahr lang keine Tarifsteigerung geben
solle.

Die bislang letzte Verhandlungsrunde fand am 22. Juni 2021 statt - seitdem wurde
nach Gewerkschaftsangaben an insgesamt 16 Tagen gestreikt, ohne dass die Klinikleitung ein verbessertes und kompromissfähiges Tarifangebot vorgelegt hätte.

Zusätzlicher Streitpunkt: Notdienst während des Streikes

Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg hatte den Antrag der Asklepios-Kliniken auf Untersagung des Streiks zuvor zurückgewiesen. Denn für die Rechtmäßigkeit des Streiks sei es ausreichend, dass der erforderliche Notdienst tatsächlich sichergestellt werde.

Nach Ansicht von Verdi ist mit den gerichtlich zusätzlich angeordneten Notdiensten der Streikumfang allerdings drastisch eingeschränkt worden. Die Asklepios-Beschäftigten würden sich daher in ihrem Streikrecht massiv eingeschränkt und gegenüber anderen Berufsgruppen
in anderen Branchen massiv benachteiligt sehen, wie es weiter hieß. Die Gewerkschaft will nach eigenen Angaben gegen diesen Beschluss des Arbeitsgerichtes Brandenburg Beschwerde einlegen.

Sendung: Inforadio, 25.20.2021, 07:16 Uhr

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