Container-Terminal in Großbeeren - Von der Straße auf die Schiene: DHL-Pakete sollen grüner werden

Symbolbild: Ein Container der Deutschen Post DHL wird an einem Verladebahnhof am DUSS-Terminal vom Lkw auf einen Wagon der Deutschen Bahn gehoben. (Quelle: dpa/P. Pleul)
Video: rbb|24 | 04.10.2021 | Material: Abendschau | Bild: dpa/P. Pleul

Der Online-Handel wächst seit Jahren kräftig, damit auch der Lastwagenverkehr. Um klimafreundlicher zu werden will die Post einen wachsenden Teil ihrer Pakete vom LKW auf die Schiene bringen, muss dafür aber kräftig investieren. Von Johannes Frewel

Heute bestellt, morgen oder übermorgen geliefert: das beschert nicht nur dem Onlinehandel einen Boom für die nächsten Jahre. Die Folge ist eine Paketflut, die sich jede Nacht durch Deutschland wälzt. Fast alle Pakete werden mit Lastwagen transportiert, deren Dieselmotoren CO2 in die Luft blasen. Doch das will die Deutsche Post mit ihrer Pakettochter DHL künftig ändern. Mehr Pakete sollen auf die Schiene, die LKW-Karawane so kürzer werden.

Großbeeren zur Drehscheibe des Pilotversuchs

Im Zentrum des Pilotprojekts steht das Containerterminal nahe des brandenburgischen Großbeeren (Teltow-Fläming) südlich von Berlin. Lastwagen liefern Pakete aus Berlin und Brandenburg an. In Großbeeren werden sie auf Güterwagen umgeladen, die Bahn bringt sie in der Nacht auf der Fernstrecke zum Ziel. Großbeeren wird zur Drehscheibe eines Pilotversuchs, der den Paketverkehr in ganz Deutschland etwas grüner machen könnte.

Bisher seien nur zwei Prozent der Pakete auf der Schiene zu Paketverteilzentren am Zielort gerollt, rechnet Tobias Meyer, Konzernvorstand Post und Paket Deutschland vor. In den nächsten Jahren sollen es mit zwanzig Prozent zehnmal soviel werden. Allerdings nur, wenn Laufzeit, Schnelligkeit und Zuverlässigkeit darunter nicht leiden. Klimafreundlicher Transport soll die Posttochter DHL im Wettbewerb nicht zur Schnecke machen. Passt alles, dann hat die Post mit Großbeeren eine Blaupause für andere Ballungsgebiete.

DB Cargo seit Jahren in tiefroten Zahlen

Für die Deutsche Bahn ist das Wachstumsgeschäft eine Chance. Deren Frachttochter DB Cargo schreibt seit Jahren tiefrote Zahlen. Sigrid Nikutta, Bahn-Konzernvorstand für Güterverkehr möchte der Post gern einen bundesweiten Service verkaufen. "Die Deutsche Bahn AG hat an 44 Standorten genau solche Terminals", wirbt Nikutta um das Interesse der Post, "damit wir diese Postzüge ganz schnell umladen können und noch viel mehr Züge fahren können."

Tatsächlich sind Post und Bahn aufeinander angewiesen, um die Klimaziele zu erreichen. Der Verkehrssektor steht deshalb kräftig unter Druck. Zwar sind Dieselmotoren heute deutlich sparsamer und weniger umweltschädlich als vor 30 Jahren. Weil die Nachfrage nach Transportleistungen jedoch geradezu explodiert ist, gilt der Verkehr als das größte Sorgenkind der Klimawende. 1990 blies er 164 Millionen Tonnen Treibhausgas in die Luft.

Heute sind es trotz aller Fortschritte in der Motorentechnik mit jährlich 146 Millionen Tonnen Kohlendioxid kaum weniger. Bis 2030 muss der Treibhausgasausstoß des Verkehrssektors jedoch auf 85 Millionen Tonnen CO2 nahezu halbiert werden.

Klimafreundliche Pakete nicht zum Nulltarif

Die Logistik-Branche steht deshalb vor einer Rosskur, die nur mit der Bahn klappen wird. Dort kann man Güterzüge buchen, die schon heute zu 95 Prozent mit Ökostrom Windkraft fahren. Entsprechend sinkt beim Transport mit der Bahn im Vergleich zum Lastwagen der CO2-Ausstoß.

Allerdings gibt es klimafreundliche Pakete nicht zum Nulltarif. Postkunden zahlen einen Öko-Aufschlag und auch die Bahn muss kräftig investieren, um das anziehende Geschäft mit grünen Paketen zu bewältigen. Auch mit der Bahn müsse das Paket in der Regel am nächsten Morgen am Zielort sein, mahnt Postmanager Tobias Meyer.

Das geht nur mit schnelleren Trassen, schnelleren Waggons und leistungsfähigeren Drehscheiben, an denen die Pakete in Ballungsräumen vom gelben Post-LKW auf die Bahn verladen werden. Die Güterbahn und das Netz leistungsfähiger machen, das dürfte über Jahre hinweg zusätzliche Milliardenbeträge kosten. Paketversender erwarten die Zustellung am nächsten Tag.

Das Paketnetz der Bahn besteht bisher aus bundesweit 13 Verbindungen, die aber nur am Wochenende rollen. Zusätzlich hat die Bahn nun weitere Verbindungen eingerichtet, die im nächtlichen Linienverkehr auch werktags fahren, damit der Pilotversuch in Großbeeren gelingt.

28 Kommentare

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  1. 28.

    Gut so. Auch uns werden die Fernfahrer ausgehen wir den Briten. Da ist die Schiene eine gute Alternative. Und schützt uns ein wenig.

  2. 27.

    Container gibts demnach erst ein paar Jahren? Blödsinn - selbst die rollende Landstraße wurde eingestellt, Containerverladungen auf die Bahn wurden reduziert, weil der LKW schneller und flexibler WAR. Die Entwicklung ist jedoch seit Jahren so, dass Container gefragter werden, aber die Bahn dank des Kaputtsparens keine Infrastruktur mehr vorgehalten hat, nein diese immer weiter abgebaut und abgerissen hat - aber langsam ein Umdenken stattfindet.
    Aber mit Ihrem universellen Allwissen sollten Sie dies kennen und die Entwicklung seit der Siebziger/Achtziger ff. verfolgt haben und eigentlich mit wirklichen Informationen aufwarten können. Viele Grüße von einem Logistiker.

  3. 26.

    Haben Sie sich die Entwicklung der Größe der Paketzentren - nicht Paketpostämter - mal angeschaut? Bei der Bahn wurde zunächst der Stückgut - und danach der EInzelwagenverkehr herunter gefahren, weil der zu aufwendig und damit teuer ist.

  4. 25.

    Das Sie mal was nicht wissen - auweia..... Soviel zu Ihrem Fachwissen...... Hier ein hilfreicher Link zum Thema Tram und Pakete: https://taz.de/Studie-zur-Paketzustellung/!5687617/

  5. 24.

    Bitte sorgfältig und langsam lesen. Da ist ein Absatz dazwischen und der hat den Sinn, dass ein neuer Gedankengang angefangen hat.

    Seinerzeit ist sogar bei fast nagelneuen Paketpostämtern der Schienenanschluss gekappt worden, der nahezu mustergültig angelegt war, sodass die Post-LKWs dann in den Stau entlassen wurden. Der Punkt Schnelligkeit spielte seinerzeit keine Rolle, bei Herausrechnung externer Kosten war es einfach billiger.

  6. 23.

    Nur als Info es gibt auch elektrische Rangierlokomotiven! Nur natürlich nicht in Deutschland

  7. 22.

    Großbeeren liegt vor allem in der Nähe des neuen XL-Paketzentrum in Ludwigsfelde. Dort werden die Pakete zukünftig auf die Lieferwagen umsortiert, die die einzelnen Kunden bedienen. Die wenigsten werden ein so großes Aufkommen haben, dass die Pakete containerweise bekommen.

  8. 21.

    An Ihrem Argument erkenne ich, dass Sie das alte Berlin nicht kennen und nie kannten. Wo entstehen an der Heidestr. gerade Grünflachen? Dort gab es zu Zeiten des Güterbahnhofs und Speditionsgeländes mehr Grün als Sie ahnen.

  9. 20.

    Ich stelle mir gerade vor, wie Dieselloks im Stadtgebiet rangieren., die Container dann auf 18m-Lastzüge umgeladen werden und nach außerhalb zu den Paketzentren gebracht werden.

  10. 19.

    Sträflich, dass innerhalb der Stadt Grünanlagen und Wohnbebauung der Vorzug gegeben wird gegenüber Flächenversiegelung, Lärm und Verkehr! Am besten gleich den Tiergarten überbetonieren und ein großes Güterverteilzentrum errichten!

  11. 18.

    Genau: gäbe es noch das Containerterminal Heidestr., könnte die Güterverteilung mit Elektrofahrzeugen effektiver erfolgen.

  12. 17.

    Wir hatten im ehemaligen Westberlin auch einen Containerbahnhof und Speditionsgelände zur Verteilung der ankommenden Güter -der wird jetzt aber bebaut und steht nicht mehr zur Verfügung. Dafür fahren jetzt Lieferdienste wie die Ameisen mit ihren Elektrobikes im Schnellsttempo über die Gehwege. Ein toller Fortschritt. Güter auf die Bahn - war in den Siebziger und frühen Achtzigern ein großes Thema und wurde nach der Wende entgültig vor den Ruin gekarrt obwohl es immer kritische Stimmen gegen zu viele LKW auf den Autobahnen gegeben hat. Die Wirtschaft wurde durch die Politik hofiert und so konnte sich der LKW-Wahnsinn etablieren. Und jetzt die Rolle rückwärts - weil es für die Umwelt gut ist - für wie blöd sollen die Menschen erklärt werden, die den Klimawandel und LKW-.Irrsinn damals schon angeprangert und Güterverkehr auf der Schiene propagierten um eben der Umwelt nicht noch mehr Schaden zuzufügen? Wer kennt noch "die rollende Landstraße"? Gute Konzepte - einfach weggeworfen.

  13. 16.

    Die Prime-Kunden werden allerdings i.d R. aus regionalen Lagern bedient - und das zunehmen die grauen Lieferwagen.

  14. 15.

    Welche Paket worden mit der Straßenbahn transportiert, dass Sie die bei diesem Thema für erwähnenswert halten? Dass nicjt nur die Post auf die Strasse setze, hatte ganz banal auch den Grund, dass die Eisenbahn zu langsam ist.

  15. 14.

    Die Zukunft des Transports liegt in der Vergangenheit. Nur ist die Infrastruktur der Güter-Bahn (nicht nur ) in Berlin flächendeckend vernichtet worden. Ein GVZ hätte es auch in der Stadt geben können. Die kurzen Wege würden dann auch für die Elektromobilität beim Verteilen reichen.

  16. 13.

    In den 50 er Jahren fuhren in Berlin noch elektrisch prr Batterien betriebenr Paketwagen. Sie stammten aus den 20 Jahren des vorigen Jh.

  17. 12.

    Es klingt kurios, aber ein Diesel holt tatsächlich sehr häufig mehr Feinstaub aus der Umgebungsluft, als er selbst hinzufügt. Damit zeigt er seinen Kritikern mal wieder, wie ungerecht und unsachlich es ist, ihn zum alleinigen Sündenbock für alle Luft- und Verkehrsprobleme zu machen.

  18. 11.

    Finde ich sehr gut. Auch wenn die Zustellung einen Tag länger dauert, ist das kein Problem. Den Terminal in Großbeeren zu nutzen ist optimal. Ein Terminal in der Mitte von Berlin macht wenig Sinn. Für Ab- und Zulieferung ist die Autobahn und B101 ideal. Spart CO2. Sollte für alle Ferntransporte genutzt werden. Zu DDR Zeiten und auch vorher wurde vieles mit der Bahn transportiert. Viele Unternehmen hatten Gleisanschlüsse. In der DDR war es. Aber eher ein Mangelproblem, keine LKW und kein Diesel. Den Strom für die ausgebauten E- Bahnstrecken gab es aber leider nur aus den Kohlekraftwerken.

  19. 10.

    Mensch, ist das retro.

    Irgendwann werden sogar wieder die Postverhältnisse aus Kaisers Zeiten erreicht.

  20. 9.

    Geschichtlich gesehen sind das ausgesprochene Kapriolen: In den 1980ern, nach der organisatorischen Zerschlagung von Post und Bahn, wurde zeitgleich auch der Transportvertrag zwischen Bahn und Post aufgelöst und seinerzeit erstellte Umschlagbahnhöfe wurden von einem Tag auf den anderen funktionslos. Stattdessen ergoss sich der Postverkehr durch die Wohngebiete.

    Jetzt endlich will die Post, namentlich ihre Rechtsnachfolgerin DHL, wieder "grün" werden. Wäre sie "grün" geblieben, bräuchte es diesen Aufwand nicht. Mich erinnert das nur an die jz. lange Verabschiedung der Elektromobilität in vielen Städten, als Schienen und Oberleitung der Straßenbahn im vorherigen Bundesgebiet als zu aufwändig angesehen wurden, um jetzt groß in eine andere Form der Elektromobilität einzusteigen. Allerdings als Individualverkehr und in Form von Batterien. Immer noch gegenüber der Oberleitung eines Gemeinschaftsverkehrs ein wesentliches Dahinter-Bleiben.

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