Großhandelspreise enorm gestiegen - Hohe Gaspreise treiben Brandenburger Anbieter Otima in die Insolvenz

Symbolbild: Die Flamme eines Gasherdes (Bild: dpa/Robiin Utrecht)
dpa/Robin Utrecht
Video: Brandenburg aktuell | 13.10.2021 | Tim Jäger | Gespräch mit Joshua Jahn | Bild: dpa/Robin Utrecht

Nicht nur Verbraucher, sondern auch die Branche leidet derzeit unter den hohen Energiepreisen. Die hohen Einkaufspreise für Gas zwingen nun ein Brandenburger Unternehmen in die Knie. Die Politik sucht derweil nach Wegen aus der Misere.

Die drastisch gestiegenen Gaspreise haben einen Anbieter aus der Region in die Knie gezwungen. Das Brandenburger Unternehmen Otima Energie hat Insolvenz angemeldet und die Strom- und Gaslieferungen eingestellt, wie das Unternehmen am Mittwoch auf seiner Internetseite [otima-energie.ag] mitteilte. Otima hat seinen Sitz in Neuenhagen (Märkisch-Oderland).

Grund für die Zahlungsunfähigkeit seien insbesondere die massiv gestiegenen Großhandelspreise, die sich innerhalb kürzester Zeit vervierfacht hätten, hieß es weiter. Vorauskasse und Sicherheitsleistungen seien dadurch in die Höhe geschossen. "Nach der Beendigung der Versorgung werden wir schnellstmöglich die Schlussrechnungen erstellen und bitten Sie in diesem Zusammenhang um die Übersendung der jeweiligen Zählerstände", ließ Otima wissen.

Wie viele Kunden das betrifft, war zunächst offen. Joshua Jahn von der Verbraucherzentrale Brandenburg riet Betroffenen, sich um einen anderen Anbieter zu kümmern. Die Grundversorgung der Otima-Kunden mit Gas sei gleichwohl weiterhin gegeben, sagte er am Mittwochabend in der rbb-Fernsehsendung Brandenburg Aktuell.

Einige Anbieter bieten keine Neuverträge mehr an

Die Gaspreise sind in den vergangenen Monaten auf Rekordstände geklettert und haben damit die Kalkulationen der Versorger durcheinandergewirbelt. Im September hatte der Anbieter Deutsche Energiepool mitgeteilt, vielen Kunden die Gas-Lieferverträge gekündigt zu haben.

Auch größere Anbieter stehen unter Zugzwang. Der Karlsruher Energiekonzern EnBW und die Darmstädter Entega bestätigten am Mittwoch, sich beim Gas von der Vermittlung von Neukunden über Vergleichsportale wie verivox.de vorerst zurückgezogen zu haben. Auch der Energieriese Eon teilte am Mittwoch mit vorerst keine Erdgas-Produkte mehr anbieten zu können.

EU-Kommission bringt Zuzahlungen ins Gespräch

In der Politik wird inzwischen über mögliche Maßnahmen zum Eindämmen der Gaspreise für die Verbraucher diskutiert. Die EU-Kommission schlug am Mittwoch einen "Werkzeugkasten" vor, ein Bündel von Möglichkeiten, die den EU-Mitgliedsstaaten zur Verfügung stünden. Dazu gehören direkte staatliche Zuzahlungen an Haushalte, die höhere Strom- und Heizkosten nicht alleine stemmen können. Frankreich hat solche Maßnahmen unter anderem bereits ergriffen und will ärmeren Haushalten je 100 Euro zahlen.

Auch Steuererleichterungen könnten Verbraucher entlasten, so die EU-Kommission. Möglich sei dies mit einer Senkung der Mehrwertsteuer auf Energieprodukte. Spanien hat eine solche Senkung bereits in die Wege geleitet.

Diskussion in Deutschland über staatliche Hilfen

In der Regel setzen sich Stromrechnungen nicht nur aus dem Großhandelspreis für Elektrizität zusammen, sondern auch aus Steuern, Umlagen und Netzentgelten, die erlassen werden könnten, so die EU-Kommission weiter. In Italien übernimmt der Staat bereits bestimmte Netzentgelte. Deutschland hat beschlossen, die EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms zu senken.

Auch in Deutschland wird inzwischen über staatliche Zuzahlungen für bestimmte Haushalte diskutiert. Die Vorsitzende des Sozialverbands VDK, Verena Bentele, forderte einen staatlichen Ausgleich für Einkommensschwache, die Gewerkschaft IG BAU sieht den Staat in der Pflicht, die Abgaben auf Strom und Energie zu reduzieren

Die EU-Kommission hält den derzeitigen Anstieg der Energiepreise für temporär, da er vor allem von einer hohen Nachfrage während der Erholung von der Pandemie getrieben sei. Die Situation werde sich demnach spätestens im Frühling stabilisieren.

Sendung: Inforadio, 13.10,2021, 15:20 Uhr

34 Kommentare

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  1. 33.

    So eine Wärmepumpe "zieht" im Winter so 600 bis 1000 kWh pro Monat an Strom weg. Bekommen sie diese Menge wirklich nur von der PV geliefert und sind Speicherelemente so dimensioniert, das sie die "dunklen Stunden" überbrücken können? Licht will man ja auch mal anmachen, Kochen wäre auch nicht schlecht und, ja ich bin Warmduscherin, die Körperhyäne will auch vertrieben werden. Ganz ohne "Fremdstrom" wird das ein kleines Pokerspiel. Eine autarke Versorgung bekommen sie in der Kombi PV, Solarthermie und KWK dagegen locker hin. Nachteil ist die Verwendung Gas/Flüssiggas oder Öl für die KWK. Die daraus resultierende Umweltbelastung ist zwar geringer als bei reinen Heizöfen und lässt sich durch weitere Energiesparmaßnahmen auch ohne Komfortverzicht noch reduzieren, ist aber nicht wegdiskutierbar. Durch den Einsatz von regenerativen Energieträgern ließe sich diese Belastung noch deutlicher reduzieren.

  2. 32.

    Was nutzt dass, wenn die Nation nach Strom schreit? Wird dieser nur noch teurer...ohne Alternativen und mit weiteren Abschaltungen steigen halt die Grenzkosten.

  3. 31.

    Hausverwaltungen müssen keine Mehrwertsteuer abgeben. Wenn jetzt eine Hausverwaltung eine PV aufs Dach macht und Mieterstrom anbieten will, muss er die Einnahmen mit Mehrwertsteuer belegen. Aber da dann die gesamten Einnahmen besteuert werden müssen, wird die Miete um 19% teuer, was ja auch nicht gewollt ist. Dass ist Lobbyarbeit vom feinsten zwischen Energiekonzerne und Politik gewesen.
    Ich hoffe, dass die neue Regierung sofort dagegensteuert.

  4. 29.

    Wenn alle so denken würden, dann würden wir das nie mit der Energiewende schaffen.

  5. 28.

    Es passiert genau das, was Physiker und Ingenieure vorhergesagt haben, als man anfing, die Kernkraftwerke abzuschalten.

    Deutschland braucht mehr Gas und baut viele neue Gaskraftwerke:

    > https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_geplanter_und_im_Bau_befindlicher_Gaskraftwerke_in_Deutschland

    Gleichzeitig wird Gas weltweit immer teurer, weil viele Kohlekraftwerke durch Gaskraftwerke ersetzt werden statt durch Kernkraftwerke und Wind- und PV-Anlagen eben nicht grundlastfähig sind.

    Auch die Übertragungsnetzbetreiber sehen keine Alternative zu grundlastfähigen Kraftwerken:

    > https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/klimaschutz-wegfall-von-kohle-und-kernkraftwerken-netzbetreiber-warnt-vor-energie-engpaessen/27300564.html?ticket=ST-10805495-iWx5Fr5LcYYNNZAk10AN-ap4

    > https://www.netztransparenz.de/portals/1/Bericht_zur_Leistungsbilanz_2019.pdf (S. 27)

  6. 27.

    Meine Großeltern haben keine üppige Rente, haben trotzdem Grün gewählt weil sie erkannt haben das sich was ändern muss. Diese Einsicht erreicht Sie auch noch, spätestens wenn wir Zustände wie in Madagaskar haben.

  7. 26.

    die grüne Wählerschaft setzt sich aus sogenannten Besserverdiener zusammen,denen die Preiserhöhungen nicht jucken!

  8. 25.

    Warum nicht mal versuchsweise Solaranlagen auf die Flachdächer der Plattenbauten raufknallen? Das dürfte bei solch großen Beständern wie der landeseigenen Howoge doch kein Thema sein. Das ganze als Umweltstudie deklarieren, dann meckert auch kein Gesetz mehr.

  9. 24.

    "Otima in die Insolvenz"
    Vor allen sollten Betroffene ihre Daueräuftrage für die Abschläge sofort stoppen oder Lastschriften zurückbuchen, die nach dem Insolvenzdatum kommen.

  10. 23.

    Wenn wir das Problem Klimawandel weiterhin der Fraktion Ignoranz, Gleichgültigkeit und Dummheit überlassen sind steigende Preise das geringste Problem.
    Bedanken Sie sich bei der Klimakanzlerin.

  11. 22.

    Tja, die letzten 16 Jahre hat die Mehrheit der Klimawandel nicht gejuckt, man hat die Verhinderer regieren lassen obwohl schon damals klar war das es teuer wird.
    Jammern hilft nicht, seid lieber froh das FFF Druck auf die Politik gemacht hat.
    @John...RWE erwartet demnächst ein Urteil zum Beitrag des Klimawandels. Wird deren Schuld festgestellt lacht bald kein fossiler Konzern mehr.

  12. 21.

    Staatliche Hilfe muss jetzt für a l l e Haushalte schnell geben werden, z.B. durch Aussetzen von Umlagen für CO2, EEG... Dasselbe gilt für den ökologischen Umbau der Gesellschaft, sonst hat sich das grüne Märchen schon sehr bald ausgeträumt!

  13. 20.

    Hier muss die Bundesregierung schnell auf europäischer Ebene die Preise für die Grundversorgung (Gas, Strom, Wasser, Müllabfuhr etc.) deckeln. Sonst landen viele Haushalte zum warmen Weihnachtsfest bei der Schuldnerberatung!

  14. 19.

    Viellecht haben wir ja Glück und die nächste Bundesregierung repariert die Gesetzeslage endlich so, dass auch auf Miethäusern Solaranlagen entstehen.

  15. 18.

    Die perfekte Kombi wenn die Sonne nicht scheint und auch kein Windstrom zur Verfügung steht zu frieren und im Dunkeln zu sitzen. Wer die grünen Märchen glaubt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.

  16. 17.

    Genau die Richtung müssen wir gehen. Unser Haus ist Bj 1968 und geht in den nächsten Jahren in Richtung Selbstversorgung. PV Warmwassersolar und Wärmepumpe. Die perfekte Kombi.

  17. 16.

    Gut gesprochen, wenn man nicht der Gefahr ausgesetzt ist, dass ein Endlager vor der eigenen Tür aufgemacht wird.
    Wie lange, glauben Sie, reichen denn Öl und Gas aus? Atomkraftwerke sind kein adäquater Ersatz, so „sicher“ sie auch erscheinen mögen. Der Müll ist ein Problem, dass wir nicht mehr ins Ausland abschieben (dürfen). Damit muss man sich auch mal beschäftigen. Ein potenzieller Standort für das nächste Endlager liegt übrigens in Brandenburg. Würden Sie genau dahin ziehen? Es geht gar nicht anders, als sich vernünftige Alternativen zu Atomkraftwerken UND nicht erneuerbaren Energien zu überlegen. BEIDES sind nicht zukunftsfähige Modelle. Schauen wir uns doch das Plastikmüllproblem an: Die Folgen sind offensichtlicher als ein Endlager unter der Erde. Trotzdem hört kaum einer auf, für alles (Strohhalme, Tüten, Tonnen Mini-Plastikspielzeug usw.) Plastik zu nutzen, wenn es nicht verboten oder extra besteuert wird.

  18. 15.

    Nein

    Deutschland bspw kauft Gas aus der RF via Vertrag für 200 bis 300 USD je 1000m3.

    Das „Problem“ betrifft vor allem Anbieter ohne eigener Infra, Anbieter, die in kurzfristigen Abständen direkt am Spotmarkt kaufen, die Eintagsfliegen, wie man sie nennt.

    Deutsche Lagerbestände in Gas wurden allerdings beim Anstieg des Gaspreises an den Spotmärkten zu großen Teilen gewinnbringend nach Asien verscherbelt…

    Jetzt gucken wir in die Röhre.

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