Streiks in Berlin und Brandenburg - 500 Beschäftigte des Einzelhandels legen Arbeit nieder

Do 14.10.21 | 17:30 Uhr
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Angestellte im Berliner und Brandenburger Einzelhandel stehen auf dem Breitscheidplatz. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: Abendschau | 14.10.2021 | Theresa Majerowitsch | Bild: dpa/Paul Zinken

Überstunden in Supermärkten einerseits - geschlossene Modegeschäfte andererseits: Die Corona-Krise hat den Einzelhandel schwer getroffen. Seit Monaten wird in der Branche um höhere Löhne gestritten - am Donnerstag wurde gestreikt.

Rund 500 Beschäftigte des Einzelhandels haben am Donnerstag in Berlin und Brandenburg die Arbeit niedergelegt. Anlass für die Warnstreiks waren die immer noch ergebnislosen Tarifverhandlungen mit dem Handelsverband für die rund 141.000 Berliner und 78.000 Brandenburger Beschäftigten im Einzelhandel, wie die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mitteilte.

Ein Großteil der Teilnehmer fand sich auf dem Berliner Breitscheidplatz zu einer zentralen Versammlung ein. Betroffen waren einzelne Filialen der Unternehmen Ikea, Rewe, Kaufland, Galeria Karstadt Kaufhof, Edeka, Thalia, HM, Primark sowie das Rewe-Lager in Mariendorf und das Kaufland-Lager Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz).

Verdi befürchtet "Dumpinglohnerhöhungen"

Die Gewerkschaft fordert unter anderem ein Lohnplus von 4,5 Prozent sowie ein Mindestentgelt von 12,50 Euro pro Stunde. "Trotz der hohen Inflationsrate von aktuell 3,9 Prozent legten die Arbeitgeber kein verbessertes Angebot vor", sagte Verdi-Verhandlungsführerin Conny Weissbach. Zudem wirft sie der Arbeitgeberseite vor, die mit der Corona-Krise verbundene Verunsicherung zu nutzen, um "Dumpingtariferhöhungen" durchzusetzen.

Der jüngste Tarifvorschlag vom 30. Juli würde es nach Angaben von Verdi den von Corona-Schließungen betroffenen Unternehmen erlauben, Lohnerhöhungen ins jeweilige Folgejahr zu verschieben. Demnach gäbe es in diesem Jahr gar keine Erhöhung.

Handelsverband: "Manche Unternehmen brauchen mehr Nullmonate"

"Es muss aber bedacht werden, dass nicht alle von Schließungen betroffene Unternehmen Lohnerhöhungen wie andere mitmachen können", entgegnete Günter Päts, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes. Für diese Unternehmen brauche es mehr Nullmonate, bis schrittweise im nächsten und übernächsten Jahr wieder Tarifgleichheit hergestellt werden könne.

"Unser letztes Angebot war eng koordiniert mit Angeboten aus anderen Bundesländern, jedoch mit Differenzierungen für die unterschiedlich von der Corona-Krise betroffenen Unternehmen in Berlin und Brandenburg", sagte Päts. Er sei jedoch optimistisch, zum nächsten Verhandlungstermin am 19. Oktober eine Lösung zu finden.

Im hessischen Einzelhandel wurde bereits vor zwei Wochen ein Abschluss erzielt. Verdi und Arbeitgeber einigten sich nach fast sechsmonatigen Verhandlungen Gewerkschaftsangaben zufolge auf ein Lohnplus von 3 Prozent (rückwirkend zum 1. August) und um weitere 1,7 Prozent zum 1. April 2022. Päts bezeichnete die Einigung in Hessen als "Pilotabschluss".

Sendung: Brandenburg aktuell, 14.10.2021, 19:30 Uhr

21 Kommentare

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  1. 21.

    Immer mehr Supermärkte bieten SB Kassen an. Dieser Trend wird sich auf viele andere Einzelhändler ausweiten. SB Kassen sparen Personal ein.

  2. 20.

    Ja, das Unternehmen ist nicht im Besitz der Arbeitnehmer, aber dennoch berufliche Heimat. Wenn man an dem Ast sägt auf dem man selbst sitzt ist das dennoch selten von Vorteil. Ich freue mich schon auf den weiteren Personalabbau im stationären Handel infolge der weiteren Digitalisierung. So spielen bei einem Roboter z.B. Krankheit, Streik, Mindestlohn, Lohnebenkosten etc. keine Rolle. Vielleicht fängt man schon sehr bald beim Ausbau im Kassenbereich an.

  3. 19.

    Die Gehälter in Deutschland steigen zu stark. Zukünftig wird es auf stagnierende Gehälter bei steigenden Abgaben hinauslaufen müssen. Allein schon die Alterspyramide lässt keine andere Entwicklung zu. Wenn die Gehälter stark steigen und dir Abgaben noch höher werden - wer hat da gewonneb?

    Zwischen all den aktuellen Forderungen nach mehr Gehalt vermisse ich Lösungsansätze der aktuellen Probleme wie Alterspyramide, viel zu geringe Höhe der Sozialleistungen, Rentenproblematik ect. Viele Bürger denken leider nur bis zum Tellerrand, aber nicht weiter.

  4. 18.
    Antwort auf [Bernd] vom 15.10.2021 um 03:06

    Komisch:
    Die Gehälter von Spitzenverdienern sind merkwürdigerweise kein Standort-Nachteil.
    Aber die Löhne der Malocher in der Daseinsvorsorge sind zu hoch???
    Die müssen dann womöglich noch begründen, warum sie 12,00€ wert sind???
    Die Regierung kann ja auch mal mit Milliarden bei Geringverdienern einsteigen. Für Ideologie-Projekte werden ja auch Milliarden vergeudet.

  5. 17.
    Antwort auf [Bernd] vom 15.10.2021 um 03:06

    Glauben Sie diesen Quatsch oder provozieren Sie gern, weil Sie Langeweile haben?

  6. 15.

    Es wird Zeit für mehr Digitalisierung und Personalkonzentration a la "Amazon to go".

  7. 14.

    Ich wünsche viel Erfolg und Löhne, die euer Leben sicherer macht. Solidarität mit der Arbeit, mit Menschen, deren soziale Sicherheit schon lange nicht mehr selbstverständlich ist.

  8. 13.

    Die direkte Demokratie kann durchaus eine Gefahr für unserer Gesellschaft bedeuten, weil Sie z.B. nicht zu wissen scheinen, dass es seit jeher in der Bundesrepublik eine weitgehende Tarifautonomie gibt und die Regierungspolitiker i.A. nicht aktiv in die Tarifverhandlungen eingreifen. Das mag in der DDR anders gewesen sein. Deshalb ist Ihr Hinweis auf die Kampagne zur Abberufung des bayrischen Landtages hier fehl am Platz.

    In der Bundesrepublik steht es dabei den Arbeitnehmer frei, die gewerkschaftlich zu organisieren und eine ausreichende Macht für Arbeitskämpfe der Gewerkschaften zu schaffen. In inoffizielle Zwangsmitgliedschaft wie beim FDGB gibt es aber nicht, so dass der Organisationsgrad in den neuen Ländern noch schlechter ist als in den alten.

  9. 12.

    Heute beginnt die zweiwöchige Zeichnungsfrist des Volksbegehrens „Landtag abberufen“ in Bayern.. Es geht um den Verrat der politischen Klasse an ihrem eigentlichen Auftrag, dem Volk zu dienen – exemplarisch belegt durch die Kampagne Die Landesverfassung in Bayern lässt das zu. Die politische Kastenbildung der Berufspolitiker in Berlin übersteigt sogar die Unfähigkeit der CSU in Bayern. Wacht endlich auf, liebe Berliner, und kämpft für bundesweite Volksbegehren und Volksentscheide. Ich denke, dass es sehr viele Menschen in der Berliner Verwaltung gibt, die die gesellschaftliche Entwicklung und den Mut der Bayern verstehen und symbolisch unterstützen. Immerhin wird die Landeswahlleitung Einspruch gegen die Berlin-Wahl einlegen. Das ist ein guter Start für ein demokratisches Miteinander zwischen Verwaltung und den Bürgern.

  10. 11.

    Super Idee mit Bringmeister. Wer eine Suchmaschine benutzen kann wird feststellen, dass due zu Edeka gehören und wenn die Lager bei Edeka bestreikt werden, dann sollen die was liefern?

  11. 10.

    Die genanten Konzerne können höhere Löhne gut verkraften, da bin ich mir sicher

  12. 9.

    Einfach bei Bringmeister bestellen während des Streiks, spart Zeit und Nerven.

  13. 8.

    Na, wenn der stationäre Handel aufgrund zu hoher Kosten dann bald vollends aufgibt, frohlockt der Onlinehandel!

  14. 7.

    Ich finde es gut und hoffe es ist für die Mitarbeiter zum Nachteil. Es ist traurig, daß hier immer noch die Bevölkerung ausgebeutet wird. Denn alles wird teurer. Da braucht sich keiner wundern kein Personal zu bekommen.

  15. 6.

    Macht nix. Ich kaufe eh seit Monaten ausschließlich in Polen. Nicht nur Lebensmittel

  16. 5.

    Der Streik ist ein legitimes Mittel der Arbeitnehmerschaft zur Interessendurchsetzung. Üblicherweise steht das Unternehmen dabei nicht im Eigentum der Arbeitnehmerschaft, so dass im Allgemeinen nicht „das eigene“ Unternehmen bestreikt wird.

  17. 4.

    Unternehmen die von der Corona Schließung betroffen waren, sind erstmal ausgenommen? Na das ist ja ein Clou. Also so gut wie der komplette Einzelhandel mit Ausnahme von Supermärkten und Drogerie (so im groben). Da passt ja dann das Streikbild von IKEA, die hatten nämlich auch zu Coronabedingt.
    Somit ist der gesamte Artikel eher verwirrend gestaltet.

    Damit will ich nicht aussagen das ich es dem Einzelhandel nicht gönne, im Gegenteil.

  18. 3.

    Und wenn dann alle Jobs weg-gestreikr sind, dann hat keiner gewonnen. Streik sollte das letzte Mittel sein und nicht das eigene Unternehmen in seiner Existenz bedrohen.

  19. 2.

    Ein Streik, der dem bestreiktem Unternehmen nicht wehtut, macht für die Arbeitnehmer wenig Sinn.

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