Weniger als 2.000 Euro brutto - Gehälter im Berliner Gastgewerbe weit unter Durchschnitt

Di 26.10.21 | 11:27 Uhr
  23
Kellnerin am Bierhahn in Berlin (Quelle: dpa/Shan Yuqi)
Audio: Inforadio | 26.10.2021 | Kerstin Topp | Bild: dpa/Shan Yuqi

Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte arbeiten dann, wenn andere frei haben - kommen mit ihrem Lohn aber kaum über die Runden. Die Fachkräfte wandern vermehrt in andere Branchen ab, warnt die Gewerkschaft NGG vor Start der Tarifverhandlungen.

Beschäftigte im Berliner Gastgewerbe - darunter Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte - verdienen weit unter Durchschnitt. Das geht aus einer Analyse der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor. Sie hat Zahlen der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet. Demnach verdienen Vollzeitbeschäftigte in der Branche im Durchschnitt nur 1.988 Euro brutto im Monat.

Damit liege das Gehalt im Berliner Gastgewerbe ganze 43 Prozent unter dem branchenübergreifenden Durchschnittsgehalt bei Vollzeitstellen in der Hauptstadt, errechnete die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) anhand der Zahlen der Stiftung. Branchenübergreifend verdienen Vollzeitbeschäftigte in Berlin demnach knapp 3.500 Euro brutto im Monat.

Viele Angestellte nun in anderen Branchen

Es sei nicht gelungen, dass die Menschen aus dem Gastgewerbe auch von ihrem Verdienst leben können, sagte der Geschäftsführer der NGG Berlin-Brandenburg, Sebastian Riesner, dem rbb am Montag. Auch deshalb seien viele Angestellte in andere Branchen gewechselt.

Die Corona-Krise habe die Situation nochmal verschärft. Die Menschen hätten gemerkt, dass man auch in anderen Branchen "ganz gutes Geld“ verdienen könne. Daher sei die große Fluktuation in den vergangenen 18 Monaten keine wirkliche Überraschung, resümierte Riesner. Und die Abwanderung halte an. Daher werden sich die Probleme in Zukunft verschärfen, so seine Prognose.

Gewerkschaft fordert weitreichende Veränderungen

Riesner fordert - auch im Sinne der Branche - weitreichende Veränderungen. Ein erster Schritt wäre in den Augen des Gewerkschafters eine Lohnuntergrenze von 13 Euro pro Stunde. Das wäre ein Plus von 28 Prozent. Mit dieser Forderung geht die NGG am Donnerstag auch in die Tarifverhandlung für das Berliner Gastgewerbe. Auch in Brandenburg werden in den kommenden Monaten die Tarifverdienste neu verhandelt.

Es müsse nun alles dafür getan werden, Löhne und Arbeitsbedingungen attraktiver zu machen. Gelinge das nicht, dürfte es in vielen Hotels, Gaststätten und Cafés schon bald nicht mehr genügend Personal geben, warnte die Gewerkschaft.

Lengenfelder weist Niedriglohnvorwurf zurück

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) Berlin, Thomas Lengenfelder, bestätigte die Fluktuation. Offene Stellen könnten nur noch schwer neu besetzt werden. Den Niedriglohnvorwurf der Gewerkschaft wies er allerdings zurück: "Die tarifgebundenen Betriebe sind ja an die Tarife gebunden."

In der Gastronomie seien zudem viele Betriebe nicht an Tarife gebunden und zahlen mehr, um überhaupt Personal einstellen zu können, so Lengenfelder, der aber auch "schwarze Schafe" in der Branche sieht.

Sendung: Inforadio, 25.10.2021, 18 Uhr

23 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 22.

    Das ganze wird auch noch da durch geschürt das Berlin ja die hochgobte Party und Touristenstadt ist, nur zu Coronazeiten stuerzt dieses Kartenhaus zusammem und wird nur noch kuenstlich am Leben erhalten. Das sich die Mitarbeiter nach neuen, sicheren, aber auch noch dazu besser bezahlten sinnvollen Arbeitsplätzen und nicht nur einfachJops umgesehen ist nur zu verstaendlich.
    Mir ging es vor Jahren ebenfalls so, allerdings im Handwerk was ja auch meinte keinenen Tarif mehr Zahlen zu muessen. Mit einger Muehe fand dann trotzdem einen gut bezahlten Arbeitsplatz ausserhalb meines erlernten, abgeschlossen, aber damals schlecht bezahlten Berufs. Heute sind gut ausgebildete Handwerker Mangelware, warum nur????

  2. 21.

    Ich nehme regelmäßig an Kontrollen in der Gastro in Berlin teil. Vielleicht 10 Prozent der Betriebe haben plausible Angaben zu ihren Arbeitnehmern, der Rest arbeitet schwarz. Ich vermute mal, dass die die Statistik etwas herunterziehen.

  3. 20.

    Branchen-übergreifendes-Durchschnittsgehalt ?
    Sind da die Mitglieder*Innen des Abgeordnetenhauses und die Senatoren*Innen mit enthalten ? Die zahlreichen neuen Mindestlohn-Empfänger ? Wer erreicht denn das berliner BüDg ?

  4. 19.

    "Wer freiwillig on dieser Branche arbeitet, hat Pech.

    Arrogant und dumm.

  5. 18.

    >Wir stehen auch an Wochenenden und Feiertagen in den Hotels und Restaurants. Genau wie die Pflegekraft (und viele andere!!!) auch ihre Dienste tun. Wann gibt es Kitas, die sich zu diesen Zeiten um unsere Kinder kümmern???

    Sie werden schlecht bezahlt, haben unterirdische Arbeitsbedingungen, keine Lebensperspektive und sind - auch sie Pflegekräfte als Vergleich bemühen - nicht systemrelevant. Warum tun sie sich also diese Arbeit an? Selbstausbeutung als Kick? Jobwechsel, ggf. auch vorher eine Umschulung und gut ist. Sie können eventuell nichts an dem Arbeitsumfeld und den Kunden ("Geiz ist Geil") ändern, sich selbst aber schon.

  6. 17.

    Arbeitet irgendwer von den qualifizierten Antwortgebern in der Gastro? Bei diesen Kommentaren wohl eher nicht...
    Die nach Berlin kommenden Gäste sind so auf "Geiz ist geil" getrimmt, dass sie für die Übernachtungen nix bezahlen wollen, geschweige denn Trinkgeld geben. Und wegen immensem Mangel an Personal stehen wir bis zu zwölf Stunden in den Hotels um nach Feierabend die zum Teil wirklich unverschämten Mails zu beantworten.
    Wir stehen auch an Wochenenden und Feiertagen in den Hotels und Restaurants. Genau wie die Pflegekraft (und viele andere!!!) auch ihre Dienste tun. Wann gibt es Kitas, die sich zu diesen Zeiten um unsere Kinder kümmern???

  7. 16.

    Wer freiwillig on dieser Branche arbeitet, hat Pech. Ist alles bekannt und trotzdem gibt es anscheinend genug Leute, die das trotzdem toll finden.

  8. 15.

    Bevor Sie hier wiederholt andere beleidigen sollten Sie mal Luft holen. Es ging nicht um den exakten Betrag. Es geht um die Tatsache, dass in bestimmten Branchen ein Trinkgeld zum Einkommen gehört. Und das muss eben berücksichtigt werden bei einer Diskussion über die sogenannten Löhne. Etwas mehr Sachlichkeit bitte.

  9. 14.

    Ok, dann lassen Sie uns hören, was die Kellner nach Ihrem Planeten "Schmarotzius" verdienen sollten, plus Trinkgeld und welche Mindestrente zu Lasten der Einzahler und dessen Gesamteinkommen dann am Ende Sie verdient haben?
    Auf Grund Ihrer Formulierungen: ich bin mir nicht sicher, ob Sie die Kernaussage richtig verstanden haben?
    Höheres Einkommen (nah an dem mit höheren Bildungsabschlüssen) + Trinkgeld und dann noch Rentenaufstockung zu Lasten Aller???

  10. 13.

    Dann gehören diese Trinkgelder in die Durchschnittsberechnung mit hinein. Dann kann man vergleichen mit anderen Jobs und den Vorrausetzungen dafür. Der Artikel geht darauf nicht ein. Friseure liegen deshalb auch unter dem Durchschnitt. Es geht nicht an, das man sein Leben auf Kosten der Solidargemeinschaft gestaltet, insbesondere als späterer Rentner...Ob die Betroffenen daran denken?

  11. 12.

    Auch Kat hat nicht verstanden, was ich meinte - dünnes Eis........ Gruß von einem ehemaligen Gastromenschen, der großen Respekt vor der Arbeit in der Gastro hat und weiß, dass angebliche 1500€ TG absoluter polemischer Schwachsinn sind.

  12. 11.

    Sie haben das gut erkannt, aber die richtige liberale Wertung vermissen lassen. Nicht jeder versteht die Kernaussage, dass gut bezahlte versicherungspflichtige Jobs, allen zu Gute kommt. Minijobs, unbefristete Verträge, aber auch Subunternehmer haben eine Berechtigung bei sehr hoher Arbeitslosigkeit, in Zeiten des Fachkräftemangels eher nicht. Hier ist die Politik gefordert schnell zu reagieren, was sie nicht schnell genug macht. Lohnaufstockungen oder Nebeneinnahmen sind mitunter verlockend, letztendlich aber unsolidarisch, auch dem Betroffenen gegenüber. Gerade linksgrüne Arbeitgeber fallen da besonders auf, für eine Aufzählung fehlt hier der Platz und geht dann auch am Thema vorbei.

  13. 10.

    Die meisten Personen in der Gastro sind keine Fachkräfte sondern Menschen die einfach qualifizierte Tätigkeiten nachgehen. Das taugt als Studentenjob, oder als Einstieg ins Berufsleben ist aber keineswegs dafür konzipiert ein komplettes Erwerbsleben zuverbringen (mit wenigen Ausnahmen). In der Branche arbeiten einfach zu viele Leute, die aus Bequemlichkeit ihre prekäre Situation aufrecht erhalten und von Tag zu Tag denken.

    Es ist ein System das vom Elend lebt und Elend schafft. Wenn morgen die Hälfte der Betriebe schließen würde, wäre das mittelfristig für niemand ein Verlust. Es wird Zeit.

  14. 9.

    Das niedrige Einkommen und die unmöglichen Arbeitszeiten sind die Ursachen. Auch werden die Jobs idealisiert. Küche ist ein harter Dienst und hat mit den Fernsehköchen nicht viel zu tun.

  15. 8.

    Trinkgelder sind bei der Steuer anzugeben, da sie aber keine AG Leistung sind fallen keine SV Abgaben an. Insofern falsche Argumentation Ihrerseits.

  16. 7.

    Mit Ihrer Art der Kommunikation kein Wundern, wenn Sie wenig Trinkgelder erhalten. Im Ansatz war die Aussage schon richtig, Trinkgelder kommen zum Gehalt dazu. Sollte im Bericht auch berücksichtigt werden. 10 bis 20% der Rechnungssumme sind Standard.

  17. 6.

    Sie schreiben geballten Unsinn, wie so oft. Der Begriff der geringfügigen Beschäftigung wurde mit der Schaffung des SGB IV zum 1. Juli 1977 eingeführt.

    Durch das Gesetz zu Änderungen im Bereich der geringfügigen Beschäftigung wurde zum 1. Januar 2013 die Entgeltgrenze für geringfügig entlohnte Beschäftigungsverhältnisse von 400 € auf 450 € angehoben. Das Kabinett Merkel II war die vom 28. Oktober 2009, dem Tag ihrer Vereidigung, bis zum 17. Dezember 2013 amtierende deutsche Bundesregierung während der 17. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages.

    Soviel zu ihren ideologiegetränkten Fake News. Und was RRG mit Bundesgesetzen zu tun?

  18. 5.

    Rentenunwirksam ist die aktuell geplante Anhebung der Minijobs auf 520 €, damit ist ja die umlagenfinanierte Rente nicht mehr möglich und man muss "mit Blackrock" eine aktienfinanzierte Rente schaffen, wer braucht dann noch Herrn Merz, macht alles die FDP.

    Zurück zum Thema, in jeder Branche wird sich gewundert, warum die Menschen abwandern. Wenig Geld, viel Arbeit - sei es in der Pflege oder der Gastronomie. Aber wir haben einen Fachkräftemangel und müsse billige Arbeitskräfte aus dem Ausland holen - und das bei 2,7 Mio Arbeitslosen.

    https://www.bundesgesundheitsministerium.de/ministerium/meldungen/2019/pflegekraefte-philippinen.html

  19. 4.

    Auf welchem Planeten leben Sie eigentlich? 1500€ Trinkgeld? Vielleicht auf Ihrem Planeten Arrogantia Maximus - aber nicht auf der Erde und in Berlin. Was eine offen zur Schau getragene Überheblichkeit.......

Nächster Artikel