Trotz Batterie-Genehmigung - Lufthansa verweigert Berliner Rollstuhlfahrerin Beförderung

Andrea Schatz wurde der Zugang zu einem Lufthansa-Flugzeug verwiesen, da sie in einem Rollstuhl sitzt (Bild: rbb)
Video: Abendschau | 04.10.2021 | L. Bille | Bild: rbb

Als die Berliner Rollstuhlfahrerin Andrea S. von Frankfurt am Main aus ihren Heimflug antreten will, nimmt die Lufthansa sie nicht mit. Der Grund: Ihr mit Lithium-Ionen-Batterien betriebener Rollstuhl. Dabei hätten sämtliche Genehmigungen vorgelegen, so die Frau.

Einer Berliner Rollstuhlfahrerin ist die Mitnahme auf einem Lufthansa-Flug verweigert worden. Und das, obwohl die Airline auf ihrer Homepage damit wirbt, "Fluggästen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, vor, während und nach dem Flug besondere Services" anzubieten.

Rollstuhlfahrerin Andrea S. hingegen, die trotz aller rechtzeitig eingereichten Formulare im August am Flughafen Frankfurt/Main abgewiesen worden ist, fühlt sich gedemütigt. "Diese Hilflosigkeit und Willkür auszuhalten war schlimm", sagte sie dem rbb. "Ich weiß, was man alles an Papieren beibringen muss. Ich war fassungslos, dass das alles negiert wurde."

Keine Toilettennutzung, keine Dusche nutzbar

Der Grund für die Abweisung sei ihr mit Lithium-Ionen-Batterien betriebener Rollstuhl gewesen, so die Frau. Dafür hätten der Lufthansa jedoch alle notwendigen Genehmigungen des Herstellers vorgelegen. Die Batterien des Rollstuhls sollen eigens so konstruiert worden sein, dass keine Explosionsgefahr bestehe und der Rollstuhl im Frachtraum transportiert werden kann.

Die Frau mit einer schweren Muskelschwäche wurde statt ins Flugzeug vom Bodenpersonal über Nacht in einem Hotelzimmer untergebracht, das nicht behindertengerecht war. Sie konnte weder die Toilette noch die Dusche oder das Waschbecken nutzen.

Diese Hilflosigkeit und Willkür auszuhalten war schlimm. Ich weiß, was man alles an Papieren beibringen muss. Ich war fassungslos, dass das alles negiert wurde.

Rollstuhlfahrerin Andrea S. aus Berlin

"Das war ein Pilot, der nicht weiß, was er tut"

Kein Einzelfall, sagt Dominik Peter vom Behindertenverband Berlin. Er ist selbst Reisejournalist und Rollstuhlfahrer und kritisiert, dass Hilfeleistungen für Menschen mit Behinderung in den Augen einer Fluggesellschaft wie ein "Störfaktor" behandelt würden. "Wir müssen zu einer Ehrlichkeit zurückkommen und sagen, wo es hakt, wo wir besser werden müssen und wo wir mehr Hilfeleistung brauchen oder mehr Personal", so Peter gegenüber dem rbb-Verbrauchermagazin Super.Markt.

Den Fall der betroffenen Berlinerin findet er empörend: "Das ist eine Hardcore-Diskriminierung." Insbesondere weil die Frau dreimal vorher schon erfolgreich eingecheckt habe. "Das war ein Pilot, der nicht weiß, was er tut", so Peter.

Die Lufthansa reagiert auf die Beschwerde erst gar nicht

Andrea S. durfte erst einen Tag später, mit einem anderen Kapitän, doch noch ins Flugzeug steigen und nach Hause fliegen. Mit über 18 Stunden Verspätung erreichte sie schließlich Berlin.

Auf die Beschwerde der Kundin reagiert die Airline zunächst gar nicht. Erst nach mehrmaligem Nachhaken des rbb kameine Antwort der Pressestelle: "Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und persönliche Zuwendung sind zentrale Bestandteile der Philosophie von Lufthansa. (…) Wir stimmen Ihnen völlig zu: Das darf nicht geschehen." Außerdem heißt es, es seien "alle zuständigen Abteilungen und Leiter über das unglückliche Geschehen informiert" worden, um "einen weiteren Vorfall zu vermeiden."

Konkreter geht Lufthansa jedoch nicht auf den Vorfall ein, stellt lediglich die gesetzlich ohnehin festgelegte Entschädigung für eine Verspätung in Aussicht.

Damit will sich Andrea S. aber nicht abfinden. Sie ist empört, auch weil die Lufthansa erst reagiert, nachdem sie den Fall öffentlich gemacht hat. Die Passagierin fordert eine deutlich höhere Entschädigung und hat die Anti-Diskriminierungsstelle des Bundes eingeschaltet. Ihrer Ansicht nach liegt hier ein klarer Fall von Benachteiligung vor, weil sie im Rollstuhl sitzt.

Sendung: Super.Markt, 04.10.2021, 20:15 Uhr

37 Kommentare

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  1. 37.

    Sie vergleichen Äpfel mit Birnen! Ein E-Rollstuhl wäre als Handgepäck zwar auch nicht nicht zulässig, wird aber mti Auflagen transportiert. Auszug aus den bereits erwähnten "Transportbedingungen Rollstuhlbatterien" der Lufthansa :
    "Rollstühle, die mit einer auslaufsicheren Lithium-Ionen-Batterie betrieben werden
    Der Transport ist erlaubt als
    aufgegebenes Gepäck: Ja
    Handgepäck: Nein, außer herausnehmbare Batterien, die nur im Handgepäck transportiert werden dürfen.

    Eine Genehmigung der Fluggesellschaft ist erforderlich.

    Folgende Vorgaben sind einzuhalten:
    ...
    Die Batterien müssen die Anforderungen des „UN Manual of Tests and Criteria“, Teil III, Abschnitt 38.3 erfüllen. Der Nachweis ist bei Reservierung oder Check-in am Flughafen zu erbringen, ..."

  2. 36.

    Gleichberechtigung bedeutet auch sich einordnen zu können. In diesem Fall spricht viel dafür, dass die Lufthansa nicht den Menschen, sondern den nicht reisegerechten Rollstuhl (den gibt es auch), als "Stein des Anstoßes" gesehen und höher bewertet hat, als Papiergenehmigungen. Das ist bedauerlich aber so einzuordnen: Ein Akkuroller hätte auch nicht als Handgepäck mitfliegen können. Die Lösung: nicht eine Diskriminierung annehmen, sondern die Akkufrage grundsätzlich klären...

  3. 35.

    Menschen wie Andrea S. sind nicht behindert, sie werden behindert, egal ob wie hier durch die Lufthansa, bei den Bahnen, durch die Politiker wie Baustadtrat Schmidt und Senatorin Günther, die die UN Menschenrechtskonvention ignorieren, durch ...

  4. 34.

    Moin! Über die Mitnahme des Rollis inkl.Akku kann man streiten, aber „Boss of Airplane“ ist der Käpt‘n. Soweit so gut oder schlecht.
    Was überhaupt nicht geht, ist wie schon teilweise hier angerissen wurde, die Unterbringung der Frau. Das ist für mich der eigentliche Kritikpunkt an der Gesamtsituation. Allerdings ein richtig Fetter…….
    Nebenbei bemerkt, ist die Gesamtsituation für Rollis & andere Mobilitätseingeschränkte Menschen gerade im ach so hippen & toleranten dicken B meiner Wahrnehmung nach immer schlechter geworden. Wochenlang defekte Fahrstühle,Rolltreppen,Leitsysteme und auch die Reduzierung des Servicepersonals an Stationen & Bahnhöfen tragen zu dieser Situation bei.
    Allerdings ist auch zu beobachten, daß eine gewisse, leider notwendige, Einhaltung von div. Regularien seitens der Rollis auch nachlassen. hat. Z.b.Einstieg in S-Bahnen beim Tf. Etwas OT geworden. Oder nicht?


  5. 33.

    Wie wäre es wenn Sie als Vielflieger, sich mal in die Bahn setzen und nachdenken, über Egoismus und wie es sein könnte, wenn man selbst behindert wäre.

  6. 32.

    Es geht hier glaube ich nicht NUR um das möglice Risiko dieser Batterien, sondern darum, was mit der Passagierin anschließend passierte. Sie konnte sich weder waschen noch ein menschliches Grundbedürfnis / Toilette nutzen. Die Unterbringung der Passagierin gleicht einer Körperverletzung. Dies muss Konsequenzen für die Lufthansa haben.

  7. 31.

    Ich bin sehr betroffen da ich als Taxifahrer leider auch es sehr oft erlebe wie Rollstuhlfahrer/rin diskriminiert werden.
    Ich Kämpfe ja da auch zb. Das auch alle S Bahn Zugänge mit Aufzügen ausgestattet werden oder als Mieterbeirat das Wohnungen rollstuhlgerechter werden usw.
    Es ist echt schlimm leider bin ich oft machtlos aber ich beschwere mich immer wieder in der Hoffnung irgendwann das endlich mal was passiert das beste wäre Politiker vielleicht zu wählen die in einem Rollstuhl sitzen die wären dann bestimmt einfühlsamer.
    Christian Teichert

  8. 30.

    Es gibt bei der Lufthansa "Transportbedingungen Rollstuhlbatterien", an die die Dame sich laut Recherche von Super.Markt gehalten haben soll. Ich würde die ja gerne verlinken, was die Netikette von RBB24 auch zulässt. Leider wurden die zwei Kommentar-Versuche mit dem Link aber nicht veröffentlicht, womit wir wieder beim Hausrechts des Piloten wären.

  9. 29.

    Der Pilot erkennt das leicht an der vorliegenden Genehmigung der Fluggesellschaft, um die der Rollstuhl-Nutzer sich im Vorfeld kümmern muss.

    Gerade erst konnte übrigens die Feuerwehr von Brunsbüttel erleben, wie drei Jugendliche in ein Hyandai-Verbrenner verbrannten wie ja auch deren Werksfeierwehr schon etwas erleben konnte, weil ein anderer Verbrenner an der Autobahnzufahrt vor dem Werk brannte. So etwas stört Sie und andere selbsternannte Heimatschützer komischerweise nicht.

  10. 28.

    Wenn das so ist, aber im Strassenverkehr solllen wir in der Zukunft dannn darauf vertrauen. Ist ja auch nicht so hoch, aber fast so schnell und genau so gefaehrlich wie fliegen oder??? Ist aber keine Raketentechnik. Beim Fliegen muss man ja auch immer noch zum Abschluss Klatschen, weil der Pilot seine Arbeit gemacht hat.

  11. 27.

    Ich habe alle Kommentare gelesen und bin erschrocken darüber, wie die Diskussion geführt wurde. Statt das Problem als ein Problem zwischen Hersteller und Fluggesellschaft zu begreifen, wird die Nutzerin als die Verursacherin des Konfliktes ausgemacht, die dazwischen steht und die Konsequenzen zu tragen hat.

    Seit Jahren ist der Umgang mit E-Rollstühlen bzw. den dazugehörigen Batterien und Akkus und den Beförderungsrichtlinien der Fluggesellschaften nicht eindeutig und zweifelsfrei geklärt, sondern wird immer wieder neu auf den Rücken der Nutzer*innen ausgetragen.

    Bedauerlicherweise werden dadurch auch immer wieder Anfeindungen zwischen Menschen mit Behinderungen und Menschen ohne Behinderung provoziert.

    Ich würde mir wünschen, dass es endlich zu verbindlichen und zweifelsfreien Regelungen und Vorgaben zwischen Herstellern und Fluggesellschaften bezüglich der Beförderung von Rollibatterien und Akkus käme, damit dieser elende und diskriminierende Umgang untereinander aufhört

  12. 26.

    Der Artikel spricht von einer Entschuldigung der Lufthansa und der Aussage, dass sich solches nicht wiederholt. Nicht von "dass die Beförderung grundsätzlich nicht möglich ist".

  13. 25.

    Leider haben es behinderte Menschen es immer schwer im Leben.

  14. 24.

    Da ist doch gerade in einer Wohnung so ein LI-Ion hochgegangen; explodiert. So etwas wird an Kunden verkauft ? Woran erkennt ein Pilot einen ganz sicheren Akku ? Mir tut die Dame allerdings sehr leid. So ein Ding muss ganz schnell herausnehmbar sein und in sichere Stahlkisten transportiert werden können. Wir werden noch einiges erleben wenn TESLAS hier rum kutschieren.

  15. 23.

    Batterien sind und bleiben in der Luftfahrt ein Risiko. Das einzige, was man der Lufthansa vorwerfen kann ist die intransparent Kommunikation im Vorfeld.

  16. 22.

    Ohne Kenntnis aller Details und Transportbedingungen sind doch alles nur Vermutungen.
    Das der nächste Pilot sie mitgenommen hat , sagt gar nichts darüber aus, welcher der Beiden entgegen den Vorschriften gehandelt hat.
    Ich denke mal, prima Schlagzeile für die Medien, das Eigentliche wird dann irgendwo vor Gericht verhandelt werden, oder man einigt sich... zum Hochtreiben des "Preises" taugt es allemal !

  17. 21.

    Immerhin kommentiere ich hier nicht unter 1x-Nicknamen. Sie wollen dabei ja weder den Artikel lesen noch meinem Hinweis zu den besonderen Transportbedingungen der LH für E-Rollies folgen. Dass die Dame die Regeln der LH befolgt hatte, könnte man z.B. auch daraus entnehmen, dass sie später doch mitfliegen durfte. Das Hausrecht des Piloten rechtfertigen keine Willkür.

  18. 20.

    "alle notwendigen Genehmigungen des Herstellers vorgelegen. "
    Wer genehmigt hier was ? Der Hersteller, das es die Lufthansa mitnehmen darf ?
    Wenn , erteilt dafür doch die LH die Genehmigung, oder ?

  19. 19.

    Wenn der Rollstuhl im Frachtraum transportiert wird, muss er auch ausgeschaltet werden und wird in keinen Flugmodus geschaltet?

  20. 18.

    @vielflieger: würden Sie genauso überheblich sein, wenn Sie selber auf diese Art von Rollstuhl angewiesen wären? Ich denke, da wäre jeder froh, wenn er Problemlos (auch mit dem Flugzeug) von A nach B kommt. Auch mit der Bahn ist das nämlich nicht leichter! Versucht es doch einfach mal im Rollstuhl! Viel Spaß dabei. Auch ohne Batterie schon schwer genug.

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