Regional, nachhaltig, eiweißhaltig - Warum die Lupine Soja den Rang ablaufen könnte

Blaue Süßlupinen (Bild: ZALF/M. Reckling)
Bild: ZALF/M. Reckling

Die Sojabohne spielte in der DDR keine Rolle - zu teuer war ihr Import. Die Lupine dagegen ist auf ostdeutschen Äckern lange bekannt. Nun kämpft die alte Pflanze um den Einzug in die Supermarktregale in Berlin und Brandenburg. Von Frauke-Anja Schatz

Ambitionierte Wortschöpfungen wie "Lupino" oder "Lughurt" machen neugierig, aber viele Verbraucher*innen haben sie noch nicht für ihren täglichen Bedarf entdeckt. Dabei scheint die Lupine eine echte Wunderpflanze zu sein.

Im Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung (ZALF) in Müncheberg experimentiert Wissenschaftler Moritz Reckling seit Jahren mit der Lupine. Ihn fasziniere, dass diese Pflanze ihre Düngung selbst organisiert: "Die Lupine geht mit Bakterien über die Wurzeln eine Symbiose ein, so dass sie Stickstoff aus der Luft aufnehmen kann." Dies sei einzigartig in der Natur. Düngung mit Stickstoff? - Nicht nötig.

Nachhaltiger im Vergleich zu Soja

Und die Lupine kann mehr: So überflügelt sie in punkto pflanzliches Eiweiß andere typische Eiweiß-Lieferanten. Die Lupine hat damit gute Chancen als Fleisch- und Soja-Ersatz, denn Soja ist - oft auf gerodeten Regenwaldflächen angebaut und auf langen Transportwegen importiert - weniger nachhaltig.

Zurzeit kommen immer mehr Lupinen-Produkte auf den Markt - auch als Fleischersatz. Moritz Reckling beschreibt den Geschmack dieser Produkte als "neutral". Bei der Zubereitung komme es darum auf Gewürze an. "Lupinenkaffee schmeckt eher nussig, rauchig, hat einen röstigen Geschmack. Man kann selbst den Samen in der Pfanne rösten. Dann hat man ein Heißgetränk. Nicht so wie Kaffee, sondern mehr wie Getreidekaffee."

Weniger Fett, weniger Kohlenhydrate - aber mehr Euro

Neben dem hohen Gehalt an pflanzlichem Eiweiß ist ein weiterer Vorteil der Produkte aus den Lupinensamen, dass die Anteile an Fett und Kohlehydrate sehr gering sind. Damit werden Lupine-Produkte für Figurbewusste interessant.

Viele Lupinenprodukte sind bei Verbrauchern aber kaum bekannt. Im Preisvergleich etwa zu herkömmlichen Supermarkt-Produkten ist das Lupinen-Schnitzel mit 200 Gramm Gewicht zum Beispiel 60 Cent teurer als ein Schweineschnitzel. Der Lupinen-Kaffee ist im Preis dem Bohnenkaffee ähnlich, ebenso der Lupinen-Milchersatz verglichen mit der Kuhmilch. Einen deutlichen Unterschied allerdings gibt es bei einem Produkt: dem Lupinen-Mehl. Es ist zehnmal so teuer (14 Euro) wie herkömmliches Weizenmehl (ca. 1,30 Euro).

Die Lupine ist eine Brandenburgerin

Ein großer Vorteil gegenüber der Sojabohne ist die Reiseökologie: Die Lupine wächst um die Ecke. In Brandenburg gibt es beim Lupinenanbau ebenso wie in mehreren anderen ostdeutschen Bundesländern eine lange Tradition. Jörg Juister aus Angermünde ist erst seit sechs Jahren Lupinenbauer und mit viel Leidenschaft dabei. Er traut sich gern an Pflanzen ran, die nicht Standard sind, wie er sagt. Und er schwärmt von der Lupine: "Ich glaube, es ist eine empfindliche Pflanze, die einem sofort spiegelt, wenn man was falsch macht."

Agrarforscher Moritz Reckling erläutert: "Die Lupine braucht einen Boden, auf dem sie gut wachsen kann, der sollte zum Beispiel keinen zu hohen PH-Wert haben." Auch müsse die Lupine rechtzeitig ausgesät werden: "Der Termin ist hier entscheidend", so Reckling. Zudem müsse man sie unbedingt vom Unkraut freihalten. "Und man muss eine Sorte wählen, die zum Standort passt", erklärt Reckling.

In diesem Tagen nun steht die Lupinen-Ernte an. Auf den Angermünder Feldern treffen sich dazu Prüfer und Produzenten. 340 landwirtschaftliche Betriebe gibt es derzeit in Brandenburg, deutschlandweit sind es 2.760, die die Lupine verarbeiten. Auf rund 7.600 Hektar Fläche werden in Brandenburg laut Statistischem Bundesamt mit der Lupine bebaut - das ist eine Zahl, die in den letzten zehn Jahren relativ konstant blieb.

Lebensmittelhersteller sind nun gefragt

Elke zu Münster, Qualitätsprüferin, schätzt die diesjährige Ernte in Angermünde als sehr vielversprechend ein: "Die schmecken sehr mild, das sind schöne gelbe Körner."

Ein Lob, das Landwirt Juister freut. Schließlich lege er großen Wert darauf, dass er die weiße Lupine auch von Verschmutzung freihält. In diesem Jahr nutzt er dafür erstmals einen besonderen Trick für die Befruchtung: "Es wird immer gesagt, die Biene mag die Lupine nicht, weil die in den tiefen Kelch nicht reinkommt. Und da hat mir ein Imker mal erklärt: 'Dann nimm Hummeln!' Das haben wir gemacht."

Ernährungsexperten, Landwirte, Umweltwissenschaftler, Naturschützer - alle sind begeistert. Nun müssen die Landwirte und Produzenten auch die Verbraucher von der Lupine als Wunderpflanze überzeugen.

Zusatz-Info

Wenn wir hier über Lupine sprechen, dann sind immer Süßlupinenarten gemeint. Diese Arten sind extra gezüchtet worden, um die Bohnen genießbar zu machen. Denn bei wilden Lupinen oder auch den Arten, die wir im Garten haben, sind die Bohnen bitter und giftig. Bei uns auf dem Acker wachsen drei Arten: gelbe Lupine, weiße Lupine und blaue Süßlupine. Botanisch ist die Lupine eine Leguminose, also eine Hülsenfrucht wie die Erbse oder die Erdnuss.

Sendung: Supermarkt, 04.10.2021, 20.15 Uhr

Beitrag von Frauke-Anja Schatz

14 Kommentare

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  1. 14.

    "Karo-Kaffee" ... schüttel. Da hat das "Geschmackserlebnis" allein wach gemacht.

  2. 13.

    "Übrigens, der Mensch ist von Natur aus kein Veganer."
    Stimmt. Er ist ein Omnivore.

  3. 12.

    Nix mit jammern; der Westen lästerte zuerst über MIX. Muckefuck kannte man in ganz Deutschland schon vor KAISER s Zeiten. Übrigens: Der heute erhältliche Kaffee aus VIETNAM ist auf Initiative der DDR-Bonzen kultiviert worden. Der Sinn war Devisen sparen. Das sozialistische Vietnam ist heute dankbar für diese Kaffeekultivierung. Ein Ossi läßt sich nix vormachen von einem aus dem "Wirtschaftswunderstadtteil". Kapito ?

  4. 11.

    Ewig jammert der DDR-Bürger. Selbst seinen Kaffee wollte diese subventioniert haben. Da kann ein Staat nur pleite gehen. Zu Marktpreisen hätte der DDR-Bürger jederzeit Kaffee in den gehobenen Läden kaufen können. TRAM88 irrt, es gab auch im Westen ähnliches wie Kaffee-Mix und Kaffeeersatz.

  5. 10.

    "Übrigens, der Mensch ist von Natur aus kein Veganer"

    Eine Aussage so wahr wie nutzlos. Der Mensch ist von Natur aus fast gar nichts, was der moderne Mensch so ist. Und das ist auch gut so. Oder möchte wirklich jemand so leben wie in der Steinzeit?

  6. 9.

    Für Menschen mitLactose oder Milcheiweisunverträglicht sind Lupinenprodukte großartig.
    Lugurt gibt es sogar bei unserem Rewe. Es ist der pflanzliche Joghurt, der mir mit Abstand am besten schmeckt. Farbe und Konsistenz sind Milchprodukten viel ähnlicher und auch leckerer als bei Soja, Hafer, Mandel oder Kokosprodukten. Soja ist auch für Menschen mit Schilddrüsenproblemen nicht so gut geeignet. Dass die Lupine sogar hier in Brandenburg angebaut werden kann, ist auch aus ökologischer Sicht wunderbar! Hoffentlich gibt es Lupinenprodukte bald überall zu kaufen!

  7. 8.

    Eine hochallergische Zutat, welche jetzt schon kennzeichnungspflichtig ist! Super!

  8. 7.

    Der Mensch ist von Natur aus auch kein Autofahrer. Veränderungen hat es schon immer gegeben. Warum nicht ab und zu mal den Fleischhunger mit einer Alternative im Zaune halten.

  9. 6.

    Noch mehr solch veganes, angeblich gesundes Zeug. Man muss ja jetzt schon im Supermarkt aufpassen, dass man nicht statt Fleischwaren irgendeine Ersatz greift. Deshalb kaufe ich Fleisch und Wurst nur beim Metzger meines Vertrauens. Übrigens, der Mensch ist von Natur aus kein Veganer.

  10. 5.

    „Düngung - nicht nötig“? So ein Unfug! Die Pflanze benötigt nicht unbedingt den Stickstoff im normalen Dünger, viele andere Spurenelemente aber schon.

  11. 4.

    Wir hatten die natürlich auch im Garten. Rot und blau. Gegessen haben wir nix davon. Nun erinnere ich mich an Kaffee-MIX. Eine SED-Erfindung zur Kaffeestreckung. Alle lachten über die DDR. Bald trinkt ganz Deutschland Lupinenkaffee; das Heißgetränk eines untergegangenen Industriestaates. Das begeistert natürlich die Jugend. Ein Stück DDR ist zurück.

  12. 3.

    In dem Beitrag geht es um vegetarische Alternativen für Fleisch- oder Milchprodukte, soweit ich das verstanden habe. Regenwälder werden vornehmlich für die Sojaproduktion als Futtermittel für Tiere gerodet und nicht für den Biosoja in Lebensmitteln, welcher in Europa oder Deutschland gentechnikfrei angebaut wird.

  13. 2.

    .."neutral" schmeckendes Fleisch und Muckefuck wie 1945...Ach ja: "Zurück in die Zukunft"

  14. 1.

    Hier ist die Rede von Lupine, aber die allgemein bekannte Lupine ist giftig, zur Ernährung ist nur die Süßlupine nutzbar.
    Davon steht, aber im Bericht kein Wort, leider.

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