Tarifkonflikt landeseigener Krankenhäuser - Verdi setzt Streik an der Charite nach Annäherung aus

Eine Demoteilnehmerin hält ein Schild mit der Aufschrift "WIR SIND ES WERT." (Quelle: dpa/Gregor Fischer)
Video: Abendschau | 07.10.2021 | Carla Spangenberg | Bild: dpa-Symbolbild/Gregor Fischer

Monatelang haben sich Charité und Verdi um eine Tarifeinigung gestritten - nun der Durchbruch nach einer 21-stündigen Sitzung. Der Konzern und die Gewerkschaft verständigten sich auf zentrale Eckpunkte. In Vivantes-Kliniken geht der Streik jedoch weiter.

Nach monatelangem Tarifstreit an der Charité zeichnet sich eine Lösung ab. Der Klinikkonzern und die Gewerkschaft Verdi verständigten sich auf Eckpunkte als Basis für eine Einigung, wie die Tarifparteien am Donnerstag mitteilten.

In einer gemeinsamen Erklärung [www.charite.de] nannten die Verhandlungspartner die Entlastung der Beschäftigen als Ziel. Beide Seiten streben demnach an, sich innerhalb von fünf Wochen auf einen Tarifvertrag zu einigen. Der Streik an den Stationen der Charité werde ausgesetzt, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Melanie Guba.

700 neue Stellen, Sabbaticals und Freizeitausgleich durch Punktesystem

Vorgesehen ist demnach, mehr als 700 zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege in den nächsten drei Jahren einzustellen. Zudem sollen Mindestpersonalbesetzungen sowohl für die Normal- als auch die Intensivstationen festgelegt werden. Werden diese Mindestbesetzungen unterschritten, können Pflegerinnen und Pfleger Belastungspunkte sammeln, die unter anderem durch Freizeitausgleich oder Sabbatjahre abgegolten werden können. Der neue Vertrag solle dann zum 1. Januar 2022 in Kraft treten, hieß es.

Seit dem 9. September kämpft die Gewerkschaft dafür, Pflegekräfte zu entlasten, etwa durch eine höhere Personaldichte.

Beide Seiten zeigen sich zufrieden

Die Verhandlungsführerin von Verdi, Melanie Guba, bezeichnete das Eckpunktepapier als "großen Schritt", der Tarifvertrag werde einen "Meilenstein der Entlastung" setzen. Die Einigung trage dazu bei, die Gesundheitsberufe attraktiver und die Versorgung von Patienten sicherer zu machen. Die Gewerkschaft habe die Festlegung von Mindestbesetzungsregelungen, einen Belastungsausgleichs und verbesserte Ausbildungsbedingungen gefordert - all dies werde "nun mit diesem Ergebnis adressiert", sagte Guba.

Auch Carla Eysel, Vorstand Personal und Pflege der Charité, zeigte sich zufrieden: "Die Gesundheitsfachberufe, vor allem aber die Pflege, stehen vor großen Herausforderungen. Ein Tarifvertrag ist dabei ein wichtiger Meilenstein in unserer Gesamtstrategie 2030", sagte Eysel. Man gehe davon aus, mit der Einigung Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter länger im Beruf halten zu können, so Eysel weiter.

Bei Vivantes und Töchtern weiter keine Einigung

Die Auseinandersetzung wird auch beim zweiten landeseigenen Klinikkonzern Vivantes und dessen Tochterunternehmen geführt. Allerdings geht bei Vivantes der Ausstand weiter. Zuletzt trafen sich die Tarifparteien am Montag, um weiter zu verhandeln, wie Mitarbeitende in der Pflege entlastet werden können.

Bei den Vivantes-Tochtergesellschaften wurde zuletzt am 24. September verhandelt. Während es beim Mutterkonzern um Personalbesetzung und Stellenaufbau geht, verhandelt Verdi bei den Vivantes-Tochtergesellschaften höhere Gehälter im Tarifvertrag für die Mitarbeitenden. "Ich hoffe, dass schnellstmöglich ein neuer Termin kommt", sagte Verdi-Verhandlungsführer Ivo Garbe.

Geplant ist, dass Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck bei der Suche nach einer Lösung im Tarifstreit mit den Vivantes-Töchtern hilft. Hier sei man gerade auf der Suche nach einem Termin, sagte Garbe.

Sendung: Inforadio, 07.10.2021, 09:36 Uhr

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