Neuer Immobilienriese - Vonovia übernimmt im dritten Anlauf Deutsche Wohnen

Die Fassade der Zentrale der börsennotierten Wohnungsgesellschaft Deutsche Wohnen SE in Berlin (Bild: dpa/Christoph Soeder)
Bild: dpa/Christoph Soeder

Zweimal war der Dax-Konzern Vonovia bei der geplanten Übernahme des Berliner Konkurrenten Deutsche Wohnen gescheitert, jetzt ist der Deal perfekt: Die Nummer eins auf dem deutschen Wohnungsmarkt schluckt die Nummer zwei.

Im dritten Anlauf ist Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia bei der milliardenschweren Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen am Ziel.

Bis zum Ende der Annahmefrist konnte sich Vonovia eine Mehrheit von 60,3 Prozent an der Nummer zwei auf dem Wohnungsmarkt sichern, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Damit entsteht ein europäischer Immobilienriese mit mehr als 550.000 Wohnungen.

Deutsche Wohnen: Schwerpunkt in Berlin

Die Deutsche Wohnen besitzt rund 155.000 Mietwohnungen, etwa 70 Prozent davon in Berlin. Um Kritiker des Deals zu besänftigen, hatten Deutsche Wohnen und Vonovia Berlin zunächst rund 20.000 Wohnungen zum Kauf angeboten. Mitte September gab der Senat bekannt, dass er 14.750 Wohnungen für insgesamt rund 2,46 Milliarden Euro übernimmt.

Der Bochumer Dax-Konzern Vonovia war bereits zwei Mal an der Übernahme des Berliner Konkurrenten gescheitert. Schon 2016 hatte er eine erste Attacke auf die Deutsche Wohnen geritten, damals gegen deren Willen und ohne Erfolg.

Beim zweiten Anlauf in diesem Jahr konnte er Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen an Bord holen, aber nicht alle beteiligten Aktionäre. Sie boten zu wenige Aktien an. Für den dritten Versuch erhöhte Vonovia das Angebot um einen Euro auf 53 Euro je Aktie. Die Deutsche Wohnen ist damit insgesamt gut 19 Milliarden Euro wert.

Volksentscheid zur Enteignung angenommen

Gegen die Marktmacht der großen Immobilienkonzerne auf dem Berliner Wohnungsmarkt hatte sich der Volksentscheid "Deutsche Wohnen & Co enteignen" gerichtet, der am 26. September mit einer Mehrheit von 56,4 Prozent angenommen wurde. Rechtlich ist er allerdings nicht bindend.

Das Ergebnis wird auch bei den kommenden Koalitionsverhandlungen nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl eine Rolle spielen. SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey hatte sich im Wahlkampf klar gegen Enteignungen ausgesprochen, wie auch CDU, FDP und AfD. Die Linke unterstützte das Vorhaben, die Grünen mit Einschränkungen auch - sie sehen Enteignungen jedoch als "letztes Mittel".

Sendung: Abendschau, 07.10.2021, 19:30 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Was ich nicht so ganz verstehe ist, warum hier immer wieder ein Pseudozusammenhang zum Volksentscheid von den Redakteuren konstru6wird. Geht es denn nur noch um Klicks in der Onlinewelt?

  2. 5.

    Sehr geehrte Frau Rebecca,
    vor allem hat die DEUTSCHE WOHNEN bei uns in der Straße sämtliche Hecken, Bäume die seit Jahren dort vorhanden waren, komplett weggerodet und durch Kaninchenfutter ersetzt. Vor allem wurde unser Straßenwarzeichen, eine 39 Jahre alte, vollkommen gesunde Tanne weggeruppt. Angeblich machen die nie was grundlos. Die müssten es wieder im Originalzustand zurückversetzen. Wenn dann auch mit Geldern deren Aktionären.
    @rbb24: Da ihnen meine Mailadresse bekannt ist würde ich mich freuen wenn sie mir per Mail eine Nachricht zukommen lassen würden. Ich würde ihnen gern etwas mehr darüber berichten.
    Mit freundl. Grüßen

  3. 4.

    Zumindest hat ja die Deutsche Wohnen erstmal sehr gut an dem Deal verdient und muss sich nicht mit den möglichen Konsequenzen des Volksentscheides beschäftigen.
    Selbstverständlich steht dieser 3. Erfolgreiche Ablauf damit auch in Kontext.

  4. 3.

    Der Volksentscheid heißt Deutsche Wohnen und Co. enteignen. Die deutsche Wohnen hat somit also überhaupt nichts umschifft, weil Venovia (&Co)genauso davon betroffen wäre, falls dieser Entscheid umgesetzt werden sollte. Was ich im übrigen bezweifel. Ich gehe mal davon aus, dass Venovia auch nicht an ein verfassungskonformes Gesetz glaubt.

  5. 2.

    Sehr spannend, dass unmittelbar nach dem Volksentscheid, die Deutsche Wohnen sich nun doch schlucken lässt. So können sie ihr Kapital sichern. Nun Vonovia enteignen? Wohl kaum. Nun kann die Deutsche Wohnen unter neuem Namen in paar Jahren ihre Immobilien zurückkaufen, ist alles möglich, denn wer die Immobilien besitzt hat die Macht, zB Volksentscheide zu umschiffen.

  6. 1.

    Sehr Gut ! Der Berliner Steuerzahler hat ja auch Gut dafür bezahlt ! Herzlichen Glückwunsch ! Danke für die tätige Mithilfe, sehr geehrter Regierender Bürgermeister !

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