Corona ändert Verbrauchereinstellungen - Psychologin: "Black Friday" muss sich auf neues Konsumverhalten einstellen

Di 23.11.21 | 12:48 Uhr
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Menschenmenge unterwegs in der Tauentzienstrasse in Berlin (Quelle: imago images/Emmanuele Contini)
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Audio: Inforadio | 23.11.2021 | Petra Jagow | Bild: imago images/Emmanuele Contini

Schon jetzt locken viele Geschäfte mit teils hohe Rabatten und läuten damit den "Black Friday" ein. Dabei bekommen sie es mit einem neuen Verbrauchertypus zu tun: Die Pandemie hat Viele zum Umdenken gebracht, attestiert Wirtschaftspsychologin Jagow.

Wenige Tage vor der Rabattaktion des Einzelhandels zum "Black Friday" am 26. November registriert die Wissenschaft in Deutschland ein verändertes Konsumverhalten. Die Corona-Krise habe die Konsumlaune abgebremst und grundsätzlich neu sortiert, erklärte die Wirtschaftspsychologin Petra Jagow am Dienstag im Inforadio des rbb.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind die Konsumausgaben in Deutschland im letzten Jahr um drei Prozent gesunken. "Der Konsum ist gebremst seit und durch Corona", bestätigt Jagow. Immer häufiger werde im Internet eingekauft, "und wenn man im Geschäft shoppt, dann lokal, um die Wirtschaft zu unterstützen. Während Corona gab es grundsätzlich eine Umbewertung. Früher hieß es, Ich shoppe, also bin ich. Heute heißt es eher: Was will ich denn wirklich shoppen?", erklärt die Psychologin.

"Dieser Black Friday wird sich Mühe geben müssen"

Die Verbraucher hätten sich umgestellt: "Früher sagte man gerne mal spontan, ach, ich nehme mal was mit, worauf ich abends Lust habe. Das hat sich verdichtet auf einmal die Woche Maske drauf, Zettel in die Hand und schnell durch. Man ist während der bisherigen Lockdowns rationaler und strategischer vorgegangen, und davon ist einiges geblieben", erklärt die Psychologin weiter.

Zuhause hätten gleichzeitig viele Menschen ausgemistet und festgestellt, dass sie vieles Überflüssiges besäßen. "Man konnte während der Lockdowns nicht mehr spontan shoppen und bemerkte, das geht auch. Das wird auch bleiben", ist sich Jagow sicher. Die Verbraucher bewege die Sinnfrage, vielen Verbrauchern sei bewusst geworden, dass ihr Konsum einen Einfluss auf den ganzen Planeten habe. "Die Jüngeren beeinflussen damit auch ihre Eltern", meint die Wirtschaftspsychologin.

All dem müsse nun auch der Handel im Laden und im Internet beim "Black Friday" Rechnung tragen, sagt die Konsumexpertin: "Dieser Black Friday wird sich Mühe geben müssen und herausstellen, das hier brauchst Du wirklich, damit das ein Erfolg wird für die Händler", so Jagow.

Vor allem Technik für Zuhause im Fokus

Der durch die Lockdowns stark gebeutelte Einzelhandel hofft durch den "Black Friday" auf einen zusätzlichen Schub im vorweihnachtlichen Geschäft. Der Branchenverband HDE rechnet damit, dass in diesem Jahr während des "Black Friday" und des darauffolgenden "Cyber Monday" Weihnachtseinkäufe für etwa 1,2 Milliarden Euro getätigt werden.

Das Nürnberger Konsumforschungsunternehmen GfK rechnet zum "Black Friday" vor allem mit Zuwächsen beim Verkauf von technischen Geräten wie Computern, Haushaltselektronik und Heim-Entertainment. "Die Nachfrage für technische Konsumgüter für das vierte Quartal wird auch in diesem Jahr geprägt sein durch die pandemiebedingten neuen Verhaltensweisen von Verbrauchern. So ist zum Beispiel das eigene Zuhause zum neuen Zentrum geworden", heißt es in einer Mitteilung der Nürnberger Konsumforscher vom Montag.

In Brandenburg können nur Geimpfte und Genesene beispielsweise in Modegeschäften nach "Black Friday"-Rabatten stöbern und einkaufen. Durch die 2G-Regel haben Ungeimpfte nur noch Zutritt zu Geschäften des alltäglichen Bedarfs wie Supermärkte, Apotheken Baumärkte und Drogerien.

Sendung: Inforadio, 23.11.2021, 10:05 Uhr

13 Kommentare

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  1. 13.

    Mit ist das Shoppen schon vor 15 Jahren vergangen. Bekommt man alles viel günstiger im Internet. Die Gewinnspannen sind scheinbar den lokalen Einzelhändlern nicht genug, da sie am teuersten sind. War schon immer Abzocke falls vorrätig.

  2. 12.

    Ich kaufe nie etwas, wenn irgend etwas im Netz oder Einzelhandel für ganz „Schlaue“ angeboten wird, Ich kaufe etwas, wenn ich etwas brauche und dann fast immer online. Menschenmassen waren noch nie mein Ding und jetzt schon mal garnicht.

  3. 11.

    Interessant ist an diesem Artikel nur die Naivität der Psychologin. Dass die Jüngeren die Älteren beim geringeren Konsum mitnähmen - lach!

  4. 10.

    Dieser ganze "Black Friday" Mist ist ein Versuch, sinnloses Konsumverhalten zu einem Event zu machen, sodass mehr Leute sinnloses Zeug kaufen.
    Ist Profit wirklich wichtiger, als alles andere?

  5. 9.

    Das sind die amerikanische Version von "Winter- und Sommer-Schlussverkauf".
    Und bei uns passiert da das gleiche wie einst beim "...-Schlussverkauf".

    Eigentlich waren die dafür gedacht, zum Ende der Saison die Restbestände im Lager günstiger abzugeben, um Platz für die neue Ware zu haben.
    Aber als man merkte, dass dies viele Käufer anlockt, wurden EXTRA Waren zu den Schlussverkäufen geordert, die dann billig unters Volk gebracht wurden.
    Der eigentliche Sinn und Zweck der Schlussverkäufe wurde somit ad absurdum geführt.
    Und seit ganzjährig Rabatte erlaubt sind und es keine expliziten Schlussverkäufe mit festem Startdatum mehr gibt, hat man Black Friday und Cyber Monday als neue Anreizevents zum günstig kaufen angenommen...

  6. 7.

    Diese Black Fridays braucht doch keiner, weil die meisten eh immer noch viel zu viel Krams haben. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass bei vielen ein Umdenken stattgefunden hat - wenn das Wort "Angebot" aufleuchtet, setzt bei den meisten der Verstand aus. Also alles wie immer.....

  7. 6.

    Haben Sie den Sinn von Black Friday und Cyber Monday verstanden?? Ich hoffe ja.:-)
    Nur in den USA bekommt man an diesen Tagen wirkliche Deals, bzgl. "Rauswurfware" um (für Neues) Platz zu schaffen, und nicht den überteuerten Ramsch der hierzulande minimal reduziert wird.
    Auch Skandinavien hat dieses Prinzip schon seit vielen Jahren übernommen. Und "% SALE" hatten diese Länder schon viel eher in den Geschäften.

  8. 5.

    "Dieser Black Friday wird sich Mühe geben müssen"

    Der "Black Friday" ist doch bei uns nur Fake. In den USA bekommt man 90% auf diesen Schlussverkauf. Die deutschen Läden haben es nicht verstanden.

  9. 4.

    Nicht gebraucht werden eindeutig Veranstaltungen wie Black Friday und Cyber Monday. Warum genau haben wir diesen Kram eigentlich?
    Wer aber trotzdem eifrig mitmacht, bei dem werden auch in der Coronazeit schon Argumente verfangen, wonach man dieses oder jenes doch nun wirklich unbedingt schon wieder neu bräuchte.
    Hat ja vorher auch bei vielen gut geklappt! :-)

  10. 3.

    An Black Friday gibt es fast nur Schnäppchen die man nicht braucht, der Rest ist schon ausverkauft. Das Gleiche passiert an Cyber Monday. Ich kaufe dann nur digitale Güter die keine Mengenbegrenzung haben.

  11. 2.

    Tja, wer will schon mit Maske stöbern, wenn der trockene Hals nervt und jede Klamotte nach Klamotte MIT Maske aussieht? Den Rest kannste eh online bestellen. Und braucht man was? Was hat sich denn "abgenutzt" in den letzten 2 Jahren, was man noch kaufen KANN (dank Lieferkettengedöns...)? Socken, Unnerwäsche? Mehr als fernsehen kannste nicht - ggf. jeder an einem Gerät. Ja wat nun? Ok, wenn Freitag endlich die halbe Sippschaft beim Einkaufen wegbleiben muss wegen 2G gehe ich gechillt ne Jacke suchen. Sofern die nicht Luca oder Warnapp wollen. DANN kauf ich auch nix. Damit schösse sich der EH noch ein Eigentor. Bin gespannt ;-)

    Was beängstigend war, war der Typ gestern, der mit DREI Paketen Klopapier heimging! Drei mal 10 Rollen. Nix gelernt in den 2 Jahren???

  12. 1.

    Black friday, interessiert mich nicht,hat mich nie interessiert !

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